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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1886-07-29 · N° 31. (29.7.1886) · p. Seite 122

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
15 (1886)
Issue
N° 31. (29.7.1886)
Date
1886-07-29
Page
Seite 122 (sequence 4)
Language
German
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— 122 sind die Berührungspunkte der Kirchenväter mit den Lehren und Aussprüchen der talmudischen Gelehrten, und wenn einerseits gar oft das Verständniss der Kirchenväter erhellt wird, so wird andererseits auch so mancher Ausspruch der talmudischen Litteratur, der bislang dunkel war, klar und deutlich. Unter der Bezeichnung ״talmudische Litteratur“ jedoch verstehen wir die beiden Talmude, die Mechilta, Sifra und Sifre und sämmtliche Midraschim, die, wenn auch erst im Mittelalter in der gegenwärtigen Fassung vorhanden, ihren Ursprung dennoch in der Zeit der ersten Kirchenväter haben.') Grundlegend für derartige Forschungen ist der Mantuaner Asarja de Rossi in seinem classischen Werke ״Meor Enajim“ geworden. Zunz durch seine musterhafte Biographie und Cassel durch die Ausgabe des מאור עינים ומצרף לכסף haben diesen ״Vater der Kritik“, wie ihn Zunz treffend nennt, zugänglich gemacht; aber noch immer wird dieses Werk viel zu wenig gewürdigt. In unserer Zeit haben Zunz, Cassel,. Grätz,J) Joel,3) Rahmer,4) Friedländer,1) Goldfahn, in grösseren und kleineren Arbeiten den Kirchen- Vätern sich zugewandt. Sehr viel bleibt trotzdem noch zu thun übrig, umsomehr, da den christlichen Gelehrten das jüdische Schriftthum und besonders das talmudische recht schwer verständlich ist. Dass auch die Apokryphen im weitesten Sinne dadurch ihre Erklärung finden, 8011 gelegentlich gezeigt werden. I. Was bedeutet תחש in der talmudischen Litteratur? Diese Frage hat die beiden Talmude lebhaft beschäftigt und auch in unserer Zeit hat H. Hannak, Lehrer in Boskowitz, einen grösseren Aufsatz hierüber in den Kochbe Jizchak veröffentlicht. Die Hauptstelle findet sich im Talmud babyl. Sabbat Fol. 28 b und lautet: א״ר אלעא אמר ר־ שמלקק לקיש אומר היה רבי מאיר תחש שהיה בימי משה בריה בפני עצמה היה ולא הכריעו הה חכמים אם מק חיה הוא אם מק בהמה הוא וקרן אחת היתה לו במצחו ולפי שעה נזדמן לו למשה ונגנז מדקאמר קק אחת היתד, לו במצחו ש״מ טהור היה דא״ר יהודה שור שהקריב אדם הראשון קרן אחת היה לו במצחו. Im Traetate Chulin (babyl. Fol. 59 b) lesen wir über קרש die Ansicht von קרש טביא דבי לילא־:ר׳ יהירה. Raschi erklärt דבי צליאי als שם יער, worauf wir noch zurückkommen werden, und kurz darauf ibid. Fol. 60 a wird der Ausspruch des ר, יהודה angeführt, dass der Stier, den Adam dargebracht, ein Horn auf der Stirn gehabt habe. Ein drittes Mal finden wir diese Stelle aber schon mit einer bedeutsamen Variante im Tractäte Aboda Sara Fol. 8a. Zunächst wird hier dieser Ausspruch im Namen Samuel’s mit den Worten ואמר רב יהודה אמר שמואל, und zweitens wird berichtet, dass, als Adam nach seiner Sünde wieder den Morgen er- '1 lieber Midrasch Bereschit: rabba vgl. man Z. Frankels Einleitung zum jevus. Talm. 511, wo er nachweist, dass Berescliit rab. nicht ein Auszug, sondern eine spätere Heberarbeitung der jerusalem. Ilagada ist. Vgl. tornev Z. Frankel’s: Zu dem Tnvgum der Propheten p. 14 Anm. 2 und I)r. A. Harkavv's Studien und Mittheilungen (Responsen der(ieonim) 188t> p. 125, wo noch nicht Bereschit rabba, sondern das Wort Ilagada für den einleitenden Satz des gegenwärtigen Midrasch Bereschit rabba gebraucht wird. Die Stelle lautet: אבל בזמן שאדם קורא את הפסוק כאשר אמרו בלשון הקדש ודורש בה כתורת הגדה שאמרה אמק פדגוג אמון מכוסה אמון) מוצנע אמק אומן הרי זה נכון לומר.) 5י in Frankels Monatsschrift 1854 in dem Aufsatze: Die hagndischen Elemente bei den Kirchenvätern. נ) Blicke in die Religionsgeschiehte zu Anfang des 2. ohrist 1. Jahrhunderts. 1. und II. 'l'heil. Vgl. die Recension im Ji'id. Littbl. 1880 No. 33 u. 34. *) Die hebräischen Traditionen in den Werken des Hieronymus. I. Th. Breslau 1801. H. Th. in Frankels Monatsschrift. *) Patristische und talmudische Studien Wien 1878. blickte, er freudig erregt, einen Stier als Opfer darbrachte. Der Talmud Jeruschalmi Tr. Sabbat Fol. 4 d (ed. Krotoschin) giebt im Namen des R. Abin als Erklärung des Wortet תחש das Wort קרש, worauf ר׳ הושעיה von diesem קרש aussagt, dass es nur ein Horn gehabt habe,und ibid.רבי יודה es erklärt:טיינק לשם צבעו נקרא; auch Fol. 10 c. wird diese Erklärung genau so wiedergegeben, nur das statt R. Abin zu lesen ist: Rabbi Abun. (Das beide identisch sind, braucht wohl nicht erst bemerkt werden.) Im Midrasch Bamidbar rabba wird dieselbe Stelle wie im babil. Talm. Sabbat 28 b angeführt, nur wird ף׳ אלעא ganz weggelassen, und schlieslich im Midrasch Bereschit rabba *) wird im Namen des קסרי p אבא יוסי berichtet, dass Gott dem Kain, nachdem er Busse gethan, ein Horn habe wachsen lassen <קרן דצמיח לי), . Rab hingegen sagt כלב מסף לן. In der Folge berichtet der Midrasch zur Stelle פגע בוי אדם הראשק א״ל מה נעשה בדינך א״ל לשיתי תשיבה ונתפשרתי התחיל אדם הראשון מטפח על פניו אמר בך היא כחה של תשובה ואני לא הייתי יודל מיד עמד אדם הראשק ואמר מזמור שיר ליום השבח. Der Vollständigkeit halber mag auch die Erklärung des Matnoth Kehuna zum Midrasch Bamidbar rabba hier Platz finden, da sie von Interesse für unseren Gegenstand ist. Er verweist auf die von uns citirte Stelle in Aboda Sara und fährt dann fort: ויחמור פי׳ היד״ק שהוא חיה דומה לעז גדול ואנחנו פותרין אותו בל" א איין הארן בעל קרן אחת. (Fortsetzung folgt.) Re censionen. H. Prague, Amriaire des Archives Jsraelites pour l’an du monde 5647. Das vorliegende Jahrbuch enthält ausser den üblichen kalendarischen Bestimmungen, der Autzählung der jüdischen Consistorien Frankreichs, Belgiens, Elsass-Lothringens und der Schweiz, einige Beilagen von literarischem Werthe nebst einer Statistik über den jüdischen Adel neuesten Datums und über die Zahl der Juden aller Länder. Die litterarischen Beilagen enthalten eine übersichtliche Rundschau über die Verhältnisse der Juden in politischer und sozialer Beziehung während des abgej laufenen Jahres, eine Episode aus der Belagerung Didenhofens aus den Jahren 1814 und 1815, ein Prozess in der berühmten Familie Jbn Tibbon, talmudische Sprüchwörter und Aphorismen, einige Facten über den Reichthum und den Einfluss getaufter Juden der Provence im 17. Jahrhundert, ein Reglement über die Geschäftsordnung der französischen Synhedrins, sowie die Namen der Abgeordneten jüdischen Glaubens im französischen Senate und in der Deputirtenkammer. Der Kalender hält sich im Allgemeinen auf der Höhe derartiger Publikationen und doch haben wir den chikanösen Prozess Samuel’s ibn Tibbon nicht gerne in einem Volkskalender gesehen, weil derartige Erzählungen gar leicht den Judenfeinden Stoff für die jüdische Ausbeutung und Chicane liefern, und wir in jetziger Zeit sehr vorsichtig sein müssen. Das Wort אין אדם משים עצמו רשל müssen wir in den Zeitalter des Antisemitismus nie vergessen, ohne uns dcsshalb an der geschiehtliehen Treue und Objectivität zu versündigen. Auffallend war es uns, dass unter den geadelten Juden die Namen Bleichröder (Berlin) und Abraham von Oppenheim (Cö!n) fehlten, sowie dass Elsass-Lothringen in der Statistik eine besondere Rubrik erhielt und nicht zum deutschen Reiche gezählt wurde. Druck und Ausstattung des Jahrbuches sind schön. ן •) Parsclia 22 gegen Ernte. Verantwortlicher Redacteur Dr. Rahmer Magdeburg. Druck von D. L. Wolf 1, Magdeburg. Verlag von Robert Friese, Leipzig•

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