Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 15 (1886)
- Issue
- N° 31. (29.7.1886)
- Date
- 1886-07-29
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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—— Jüdisches Litteratur-Blatt. Zar Belearhtaag 1)l«r J04«1tk1> mm4 JidM betreffende■ litUrarlsebe■ Er• aeheiaaagea aaf de« Gebiet« dar Philo• aephlet Gesehlehte, Ethaograghla» Theo• log]«, Orie«t*li«, Exegese, HoaMatlk, Lttargik, Pädagogik. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Moritz Rahnier. 01t׳a<j9e-6wt׳cj.< 29. ehiii 1880. Bäcker der einstliligtgea UtteraUr, welche der Kedactlon ■■gesandt werde«, finde« 1■ diesem Blatte eingehende Besprechung. Bel Einsendung von ■wel Receaslons• Exemplaren erfolgt einmalige knrae Bratls-Insertlo«. Dm ״Jtdische Lltteratar-BUtt« erscheint wöchentlich in einem halben Bogen Preis bei allen Buchhandlungen (in Leipzig hei Robert Friese) pro Jahrgang 9 Mark. Abonnenten der ״Israelitischen Wochenschrift“ (die vierteljährlich bei allen Postanstalten and Buchhandlungen S Mark kostet) erhalten das ״Jüdische Litteratur-Blatt“ gratis. — Inserate werden mit 2& Pf. für die gespaltene Petitzeile, Beilagen mit M Mark, berechnet und sind an die Expedition dieses Blattes zu senden. 0m* Buchhändler, welche direct oder durch Robert Friese in Leipzig Inserate einsenden, erhalten '25 yi Rabatt. Inhalt: Wissenschaftliche Aufsätze: Ein Pendant znr Nathan• Fabel von den 3 Ringen. Von Dr. Goldschmidt־Weilburg. — Die Bedeutung der Mischnah Aboth V, 1 ff. Von Rabbiner Dr. M. Krakauer. — Die Kirchenväter in ihrem Verhältniss zur talmudischen Litteratur und insbesondere znr Hagada. Litteraturbericht: Recension: H. Prague, Amnaire des Archives Israelites ponr l’an du monde 5<i47. Nachdruck nur mit -voller Quellenangabe gestattet. Ein Pendant zur Nathan-Fabel von den 3 Ringen. Das Buch ״Scheerith Jsrael“, eine Art jüdischer Chronik, dessen Verfasser nicht genannt ist, nach Angabe des ״Seder Ha-dorothu aber der gegen Ende des 16. Jahrhunderts auch als Dichter religiöser Oden bekannte Jsrael Nagara ist, — diese Chronik, in welcher Wahrheit und Dichtung sehr stark untermischt sind, berichtet im 11. Cap. folgende, für die Nathan-Forschung nicht uninteressante, meinesWissens aber noch nicht diesbezüglich mitgeth eilte, Begebenheit: ״Im Jahre 4856 (nach Erschaffung der Welt — 1096) regierte (in Spanien) Petrup, Enkel des Königs Alphons. Er war sehr gütig gegen die Juden. Unter ihm kam ein Mönch aus dem Lande Valencia, um alle Könige zu einem Kampfe gegen die Mauren zu veranlassen, und auch der König Petrus war damit einverstanden. Da sprach Nicolaus zu ihm: ״Ich muss mich über Ew. Majestät sehr verwundern; warum den Feind in der Ferne bekämpfen, und den Feind in des Königs eigenem Lande, die Juden, ungestört lassen? denn die Juden hassen uns; in ihren Schriften ist ihnen verboten uns zu grüssen; auch wurde mir von einem sichern Manne gesagt, dass sie uns für unheilig halten“. Der König fragte: von wem hast du das gehört? — Er antwortete: von einem zum Christenthum Bekehrten. — Ba sprach der König: Wer es mit seinem Glauben so leicht nimmt, der kann es auch mit seinem Worte leicht nehmen und lügen. Auch kann leicht aus Liebe zu dem neuen Glauben Hass gegen den alten Glauben entstehen. — Nioolan8 versetzte: Ist es nicht ein grosses Aergernise, dass sie auch vor dem Könige meinen Glauben für lügenhaft erklären dürfen? — Da sprach der König: Wir wollen Einen ihrer Weisen rufen und ihn befragen. — Einer der jüdischen Weisen wurde gerufen und als er vor dem Könige erschien, fragte ihn dieser: Wie ist dein Name? — Er antwortete: Ephraim Sancho (שאנגי)• — Der König sprach: Es scheint, du gehörst 2 Confessionen au, denn Ephraim ist ein israelitischer und Sancho ein christlicher Name? Der Jude versetzte: Mein eigner Name ist Ephraim und der Name meiner Familie ist Sancho. Früher nannte sich diese: Sanza, mit der Zeit hat sich dies in Sancho verwandelt. — Da sprach der König: Verlange ich denn deine Tochter zur Frau, dass dir mir deine Familie nennst? — Er antwortete: Ich nannte meinen Familien-Namen, um mich von andern gleichen Namens zu unterscheiden. — Der König sprach : Nicht deshalb liess ich dich rufen, sondern 11m dich zu fragen: welches ist die beste Religion, die meine oder die deine? Der Jude entgegnete: Meine Religion ist in meinen Augen die beste, denn ich war Sklave in Egypten, und da hat mich der Ewige erlöst mit starker Hand und ausgestrecktem Arme. Dagegen ist des Königs Religion in Seinen Augen die beste, denn durch sie ist der König ein Herrscher in der Welt. — Der König sprach: Ich frage nicht, wie die Religion dir erscheint, sondern wie sie an sich ist, welche an sich die beste ist? — Der Jude entgegnete: Gieb mir 3 Tage Bedenkzeit! — Nach 3 Tagen kam der Weise wieder vor den König, und gab sich den Anschein, als wäre er sehr betrübt und niedergeschlagen. Der König fragte: Warum siehst du so betrübt aus? — Er versetzte: Ich will dir berichten, was mir heute in aller Unschuld widerfahren ist. Vor ungefähr einem Monate machte mein Nachbar eine Reise in die Ferne, und als ei־ glücklich nach Hause kam, brachte er 2 Edelsteine mit und gab sie seinen Söhnen. Die beiden Söhne kamen nun zu mir mit den beiden Steinen, und verlangten von mir, ich sollte die Steine prüfen und sagen, welcher mehr werth sei. Da antwortete ich ihnen: Wer versteht sich besser darauf, Edelsteine zu prüfen und zu schätzen, als euer Vater? Er, der sich auf die Bearbeitung von Schoham- und Bedolacb-Steinen versteht? Geht zu ihm; er wird euch am besten die Wahrheit sagen! — Ueber diese Rede erhoben sie sich gegen mich und schlugen mich ganz wund. — Da sprach der König: Sie haben Unrecht gethan! Bei meinem Leben, sie sollen es mit dem Tode büssen! — Da versetzte der Weise: Mögen deine Ohren hören, was dein Mund eben gesprochen. Die 2 Brüder sind Jacob und Esau; der Vater ist Gott. Er hat einem Jeden den Glauben ins Herz gepflanzt. Du, 0 Herr und König fragst nun mich: weiches ist der beste? Schicke doch einen Gesandten an den Herrn der Erde, damit er ein richtiges Urtheil in dieser Sache spreche! — Als der König diese Worte hörte, sprach er zu Nicolaus: du hast nun die Weisheit der Juden gehört, und da du sie lügenhaft beschuldigt hast, so