Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 15 (1886)
- Issue
- N° 28. (8.7.1886)
- Date
- 1886-07-08
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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—^ Jüdisches Litteratur Jahrg, XV. Blatt. Zar Beltaclatiag aUer Jidcithm «■4 Jadf■ betreffende■ IlttererUcheii Er* BthelMMige■ eaf den Gebiete der Philo• tophie, Geechlfhte, Ethaeg-riphle» Theo• logie, Orienten*, Exegeee, HonHetlk, Utnrglk, Pädagogik. Heraasgegeben von Rabbiner Dr. Moritz Rahnier. 8. &wi\ 1886. Bicher <tcr elairliliglgen l.ltter.t.r,welche der Baäaetlon »ageaaadt werde*, Hede■ 1■ dleeew BUtte eingehende Be.prechnng. Bel Glneendnng ran mel Kecenelon■• Gxempleren erfolgt elnm.llge knree Grntlo-Ineertlon. Das ״JBdlgche Litteratnr-Blatt« erscheint wöchentlich in einem halben Bogen Preis bei allen Buchhandlungen (in Leipzig bei Robert Friese) pro Jahrgang 8 Mark. 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Zu der grossen Zahl der Erklärungen des anerkannt historischen Psalms 68, den Bruston, allerdings in überschwänglicher Weise, als ״Mont blanc der Exegese“ bezeichnet, hat nun auch Herr Arthur Weissmann in No. 11, 12 und 15. dies. Blattes die seinige gefügt. Er hat nioht blos, allerdings nach seiner Ansicht, die vielen Schwierigkeiten, die dieser Psalm der Erklärung fast in jedem Vers bietet, zu überwinden gesucht, sondern auch seine »mit überwältigender Ueberzeugung sich ihm aufdringende Ansicht“ durch die Veröffentlichung dieser Erklärung kundgegeben, dass fortab dieser so überaus schwierige Psalm sowohl nach seiner historischen, wie nach der exegetisch-kritischen Seite zum Verständniss gebracht und abschliessend erklärt sei. Abweichend von der bisherigen Erklärungsart bezüglich des Nachweises der Abfassungszeit, die zumeist blos in einem oder einigen Momenten, vornehmlich jedoch in dem überaus schwierigen Vers 32 gefunden worden, hat Herr W. aus dem gesammten Inhalte zu beweisen gesucht, dass der Psalm nicht blos in der Zeit des Hohenpriesters Simon II. gedichtet worden, sondern auch, dass dieser gefeierte Priester, da er laut Bericht des Jesus Sirach 50,1 ff. im Aeusseren des Tempels Umbauten vorgenommen, eine Umwehrung hat herrichten lassen und in Folge davon eine Einweihung stattgefunden, er selbst zur Verherrlichung dieser Einweihung den Psalm gedichtet habe. In der Einleitung (No. 11 d. Bl.) erklärt Herr W. mit Entschiedenheit: ״Nur Simon II. konnte diesen Psalm zur Einweihungsfeier des wieder zu eröffnenden, neu restaurirten Tempels verfasst haben“, eine Behauptung, die des Beweises sehr bedarf. Der Hohepriester Simon II. stand allerdings in Folge seiner Tugenden in hohem Ansehen und wurde vom Volke hoch verehrt. Dass er auch die Gabe der Diohtkunst besessen und ein Poem von so hoch dichterischem Schwünge und so reich an glänzenden Bildern verfasst, und dass nur er den Psalm gedichtet haben kann, ist nicht blos zu bezweifeln, sondern ganz entschieden in Abrede zu stellen. Im Uebrigen ist davon Notiz zu nehmeu, dass Herr W. durch seine einleitende Erklärung zu V. 1 seine Behauptung selbst erschüttert. Sie lautet: ״Wie aus der Einleitung erhellt, ist dieser Psalm vom Hohenpriester Simon II. — wie ji die meisten Psalmen Hohepriester zu Verfassern haben — ... verfasst, darum ist die Zueignung לדוד wegzulassen“. Weswegen also weglassen? Weil die Psalmen ohne Zueignungsübersohrift von Hohenpriestern gedichtet sind; dieses seiner Erklärung hinzuzudenken, scheint Herr W. zu wünschen. Da aber die Uebersohrift לדוד nicht beliebig beseitigt werden darf, sondern beibehalten bleiben muss, so kann weder Simon II. noch sonst ein Hohepriester der Dichter des Psalms gewesen sein. Ueberhaupt ist die Annahme, dass auch Priester Psalmen gedichtet haben, in ziemlich berechtigten Zweifel zu ziehen. Denn einmal findet sich der Name selbst nur eines Priesters als Widmung in keiner Uebersohrift des ganzen Psalters, und von einer externen Mittheilung, dass alle die Psalmen ohne Uebersohrift von Priestern gedichtet worden sind, ist nichts bekannt. Und zweitens musste es bei der bevorzugten Stellung, welche die Priester im Tempel einnahmen,u.in welchem sie die Hauptfunktionen hatten, für sie eine Erniedrigung (? Red.) ja St&ndesentehruug sein, gleich den levitischen Sänger- und Dichterfamilien Psalmen zu dichten. Man kann also von diesem Gesichtspunkte aQs der Ansicht beipflichten: ״Die Priester oder Ahroniden, wenn sie auch die Hauptfunktionen im Tempel hatten, waren nicht Sänger, folglich auch nicht Dichter“.*) Immerhin kann der Psalm zur Zeit Simon II. von einem begabten Dichter, zwar unentschieden, aus welcher Dichterfamilie, gediohtet worden sein zur Verherrlichung der Einweihung des restaurirten Tempels, sofern nachgewiesen werden könnte, dass überhaupt eine Einweihung stattgefunden, was deswegen zu bezweifeln ist, da, nach Sirach, die Bauten lediglieh im Aeusseren des Tempels vorgenommen und ausgeführt worden sind. Und selbst wenn auch im Innern desselben Aenderungeu und Verbesserungen vorgenommen worden wären, so waren dieselben nicht derart umfänglich und einem Neubau gleich, um eine feierliche Einweihung zu erheischen. Gründliche und überaus umfängliche innere Umbauten des ersten Tempels hat König Joasch und um 20Ü Jahre später *) Gratis, Krit. Comment. z. d. Psalmen S. ‘20 uud vorstellend III. Verfasser der Psalmen, von S. 10 an.