Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 15 (1886)
- Issue
- N° 26. (24.6.1886)
- Date
- 1886-06-24
- Page
- Seite 102 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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— 102 — erwähnten Orte Niederlassenden, dieselben Freiheiten i und Prärogative, wie die Juden in Zolkiew zu geniessen. Diess versprechen Wir ihnen in Unserem Namen wie auch im Namen Unserer erlauchten Nachfolger, dass man die ihnen gewährten Gründe, Rechte j und Freiheiten nicht entziehen werde etc., welche; Wir, um rechtskräftiger zu machen, mit eigener Hand j unterschreiben und Unser Siegel daraufgeben. — Gej gebeD in Zolkiew amS.März im Jahre MDCLXXXVII i Jan König m. p- Jakub Ludwik König Prinz m. p. : Konstanten Prinz m. p. *! Recensionen. j Frankl-Grnen, Dr. Ad., Rabb. Dia Ethik des Juda Halevi. Kremsier. 1885. Selbstverlag. 45 S. 8". Das Alpha und Omega dieser recht lesenswerthen Abhandlung ist die Begründung der These: ״Die Ethik des Jehuda Halevi ist die Ethik des Judenthums“, j Man kann im Ganzen und Grossen den Ansfübrungen des Verf.’s nur zustimmen, wenn sie auch im Grunde nichts Neues zu Tage fördern; allein die Betonung dieser These ist wichtig genug, um des Oefteren in angemessener Weise immer wieder von Neuem klar- : gelegt zu werden Unsere mittelalterlichen Religions- \ Philosophen haben sich oft genug in die Aufgabe vertieft, mit philosophisch geschärften und geschulten! Augen die Dogmatik und Ethik des Judenthums zu j betrachten. Aristoteles — der wahre und mehr noch i der vermeintliche — und die Neuplatoniker beherrsch- | ten, wie bekannt, die Speculationen und Theorien des Mittelalters. Im Bannkreise aristotelischer Dogmen verharrten auch die meisten philosophisch geschulten jüdischen Denker. Sie glaubten, das Judenthum zu glorificiren, wenn es ihnen gelang, die jüdische Dogmatik und Ethik, wie sie auf Grund der massgebent den schriftlichen und mündlichen UeberlieferuDg sich; ergeben, auf mehr oder minder gezwungene Weise j mit den Dogmen des für unfehlbar gehaltenen Aristo-! teles in leidliche, wenn auch etwas gewaltsame Ueber- ן einstimmung zu bringen. Diese breit getretenen Geleise beschreitet nicht das grosse Gedankenwerk Jehuda Halevi’s, welches sich und ihn verewigt. Jehuda Halevi’s Kusari ist kein exotisches Gewachs, kein ans der Fremde importirtes und künstlich gezüchtetes Produkt. Seine Gedankenreiben wurzeln, spriessen, blühen und reifen auf heimischem Grunde, auf specifisch israelitischem Boden. Das ist der grösste Ruhm, welchen man seinem unsterblichen Kusari uachsagen muss und auf diesen Vorzug Jehuda Halevi’s mit anschaulicher Klarheit von Neuem hingewiesen zu haben, ist eine unbestreitbar verdienstliehe Leistung unseres Verf.’s. Die originelle Auffassungsweise der Tugendhaftigkeit, der Willensfreiheit und des höchsten Gutes hat der Verf. mit Recht hervorge hoben und dabei Halevi’s eigenartige, dem israelitischen Bewusstsein genau angepasste Anschauung gezeigt. Die Arbeit des Verf.’s hätte an fesselndem Reize und wissenschaftlichem Werthe viel gewonnen, wenn er den hier und da gestreiften Gedanken weiter ausgespönnen und die ethischen Ansichten Halevi’s nebst deren Begründung consequent den analogen ethischen Anschauungen, welche Bachja in seinem Werke Choboth halebadoth entwickelt, gegenübergestellt hätte. Indessen bekennen wir gern, dass die Schrift über die Ethik des Jehuda ־ Halevi auch in ihrer gegenwärtigen Gestalt zur richtigen Würdigung des Kusari wesentlich beiträgt und manche daukenswerthe und lohnende geistige Anregung bietet. Sohrau O.-S. Dr. Immanuel Deutsch. Kossewersolin, H. M. ספר כתר תורה. Jerusalem. 8182 .״ S. H. Kossewersohn in Jerusalem veröffentlicht in 3. Auflage das Buch כתר תורה vou David Vital, vor etwa 250 Jahren verfasst, mit einem Quellennachweise (ציונים) versehen von Dob Arjeh Perski, dem Schwiegervater des Herausgebers. Nomen est Omen. Das Werk כתי“ תורה enthält in Reimen 620 Vorschriften, Ge- und Verbote, 613 biblische und 7 rabbinische, entsprechend dem Zahlenwerthe 620 כתר. Die Zahi 620 findet sich bekanntlich auch in den Buchstaben des Dekalogs. Die מצות werden hier zunächst in Reimen anfgeführt nach der Eintheiluug und Aufzählung des Maimonides in seiner Einleitung zu יד התיכה, sodann aber auch nach den Perikopen geordnet nach dem Vorgänge des Verf. von ספר החנוך. Die ציונים sind deshalb mangelhaft, weil bei den jeweiligen Bestimmungen nur auf die talmudischen Tractate und Gapitel und nicht auf die Seitenzahl im Babli hingewiesen wird. Wer die Angaben des Verf. controlliren will, muss doch erst zu תולדות אד,ךן greifen und somit ist der Werth der ציונים sehr problematisch. Praktischen oder gar wissenschaftlichen Werth darf das Buch auch in seiner jetzigen Gestalt nicht beanspruchen. I. D. Notizen. 1 In No. 24 des diesjähr. ״Littrbl.“ berichtet Herr Dr. Ahr. Kahm er über eine mündliche Krklärung des sei. liappoport; dieselbe ündet sich aut Seite 151 der nunmehr von draeber herausgegebenen hehr. Briete des sei 8. L. Rappoport. Ich will nur noch liinzutügen, dass Rappoport ausser der von Dr. Ahr. Rahmer angeführten Erklärung noch eine 2. giebt n. zw. sagt er: והנה המקום הנקרא כספרי דתם בלשן יוני כפר קאנא נקרא שם כלשון סורי קטנא. Alles andere ist in Rappoports Briefen 1. c. ibidem zu finden. Dies zur Vollständigkeit dieses kleinen, aber nicht kleinlichen קטנותא. Rmg. 2 In ״Zachert’8 Chroulk der Stadt Meseritz« — nach der Originalhandschrilt herausgegeben von Adolt Warschauer, Posen — liest man folgende für die Denkweise dos Verfassers und wohl aVtch seiner Zeit charakteristische Notiz: ״Anno 16!>4 ging ein tummer Judenjnnge, den man beschuldigte, als hätte er ein Paar lederne Handschuh gestohlen, aus Bosheit auf die Brücke und sprang in’s Wasser, musste auch drinnen umkomimnen “ In dem ״aus Bosheit“ steckt ein ganzes Kapitel t'ulturgeschichte und kein erfreuliches. 3. Eine Sngensammlung aus dem jüdischen Mittelalter ״Das Buch des Gerechten“ erzählt, dass während des Thurmbaues in Babel die Menschen Pfeile gegen den Himmel schossen. Als diese roth von Blut niederüelen, schrien die Leute: Wir haben die IIimmel8bewohner getodtet.. Herr James 1 »armestetter hat die erste Form dieser seltsamen Fabel int hina in der Geschichte des Kaisers Ou-y (11. vorchristl. Jahrhundert) wiedergelünden Von da ist. sie — wol zur Sassauidenzeit — nach Persien gekommen und auf Rechnung des sagenhatten Königs Kei-Kaus (der später mit Nimrod ver-chmilzti gesetzt worden. Im 13. Jahrhundert weist der genannte Forscher sie im Departement Seine et Marne als Lokalsage nach 4. Herr A. L Feinstem aus Brisk hat die Geschiente der jüdischen Gemeinde Brisk (in Litthauen) verotlentliclit. Von Trauungs-Formulare echt import. Manila-״,״״״׳3׳ י-™ <״״> -״־■״ hohen Kreisen K #-s.-*I—J —-i- — *I—- iT | (liebersetzung von Rabbiner beliebt, werden BT8jJ-K1STC|1 BP. tür 1V/1 1111t! Dr. Rahmen sind ä 2:1 Pt. vor-! rätliig. 5 Exemplare tür 1 Mark, 45 Stück verseh. Sorten, in Deutschland postfrei, gegen postfreie Voreinzahlung versendet. [451! 1‘2 Exemplare 2 Mk., 20 Exempl Echtheit garantin! Pall! Zeillke, Stettin, Abtheilung tür Cigarren-Import. ’ L^n Atonn^nM« Verantwortlicher Kedacteur Dr. Rahmer Magdeburg. Druck von D. L. Wollt, Magdeburg. Verlag von Robert Friese, Leipzig.