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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1886-06-17 · N° 25. (17.6.1886) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
15 (1886)
Issue
N° 25. (17.6.1886)
Date
1886-06-17
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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£.25: Jüdisches —g•--- Litteratur-Blatt. Cir BelevthtHg tlltr J«4eatfc«a1 »4 414m betreffe■ 46■ lttterartsefcea Br* •cfceUaag«■ uf 4mi Gebiete 4er rhile- •ephle, Geecblehte, Etkiognpkli, Tkeo* legte• Ori«1Uli«, Kxegeee, Hee^letlk, lilUrglk, Pkdegogfk. Herausgegeben ▼on Rabbiner Dr. Moritz Rahmer. 17. eJwni 1886. Bicher der ei.ichlixiffen l.ltterat.r, welch« der Keddetlon *ageundt werde«, fl«dM la dleeem Blatte elageheade Beapreehaag. Bel Ktaeenduag יוסי awel Reeeasloaa• Exemplare« erfolgt einmalige karae Hratli-Iaaertlo«. Dm ״JBdlsche Litteratar-Blatt« erscheint wöchentlich in einem halben Bogen Preis bei allen Buohhandlungen (in Leipzig bei Robert Friese) pro Jahrgang 8 Sara. Abonnenten der ״Israeiitisonen Wochenschrift” (die vierteljährlich bei allen Postanstalten und Buchhandlungen 8 Mark kostet) erhalten das ״Jüdische Litteratur-Blatt“ gratis. — Inserate werden mit 28 PI• für die gespaltene Petitzeile, Beilagen mit 18 Mark« berechnet and sind an die Expedition dieses Blattes za senden BM* Buchhändler, welche direct oder durch Robert Friese in Leipzig Inserate einsendeu, erhalten 25 ן( Rabatt. Inhalt: Wissen schaft li che Auf s ätze: Franz Liszt und die Juden. Von Dr. Blnmenstein, Luxemburg. — miÖKÖ בעשרה Ein exegetischer Essay. Von Dr. J. Kohn, Rabbiner in Inowrazlaw. — Litteraturbericht: Recension: Singer, Joseph, Obercantor der israel. Cultusgemeinde in Wien. Die Tonarten des traditionellen Synagogen-Gesanges (Steiger), ihr Verhältniss zu den Tonarten der vorchristlichen Musikperiode. (Schluss!. Notizen. — Inserate. Nachdruck *u!r יו!!• •craiier Quellenangabe aestattet. Franz Liszt und die Juden. Ohne Zweifel haben wir Juden nicht viel Glück bei den Koryphäen der musikalischen Welt. Richard Wagner's ״Das Judenthum in der Musik“ ist noch unvergessen, weil Wagner in seiner Verblendung für jeglichen Misserfolg auf seiner Künstlerlaufbahn die Juden verantwortlich gemacht. Der Name ״Wagner“ ist überhaupt uns Juden fast zum Typ des Judenhasses geworden, ioh erinnere nur an den KreuzzeituDgs-Wagner und an den Katheder-Wagner. Wenn indessen je einer den Juden bitteres Unrecht gethan, so ist es ganz bestimmt Richard Wagner gewesen. In Paris haben Meyerheer und Halevy sich seiner mannhaft angenommen, sie haben ihn nicht allein in alle Künstlerkreise eingeführt, sie haben ihn, der überall verschlossene Thüren fand, geradezu ermu- Aigt und erhoben oder, um im Style Wagner’scher Poesie zu reden, — sie haben ״den fast dürren Priesterstab des Künsters neu belaubt, dass er Mandeln und süsse Frucht trieb im Heiligthume der Kunst“. Dem Einflüsse und der Empfehlung Meyerbeer’s und Halevy’s verdankte Wagner seine Erfolge in der französischen Hauptstadt, denn der französische Chaiakter, liebenswürdig, geistreich und schnell begeistert für alles Neue und Originelle, liebt in der Kunst dennoch mehr das Reale, und kann derselbe der Zukunftsmusik, der Verhimmelung des christlichen Mittelalters, nicht viel Geschmack abgewinnen, denn dafür ist der Franzose zu praktisch und zu viel Kind der französischen Revolution in allen ihren Consequenzeu. Auch nach dem Erscheinen seiner berüchtigten Broschüre ״Das Judenthum in der Musik“ blieben die Juden im Ganzen und Grossen ihm treu, denn ein grosser Theil der Antheilsscheine zu seinem Bayreuther Bühnenunternehmen ist in den Händen kunstsinniger Juden — pecunia non ölet — von dem jüdisehen Holkapellmeister Levy aus München, der seine Opern in Bayreuth dirigirte, erst gar nicht zu reden. Hans von Bülow ist sicher ein Judenfeind, denn die famose Antisemitenpetition an den Reichskanzler, die obwohl in den Reichspapierkorb geworfen, dennoch viel Unheil gestiftet hat, trägt seine Unterschrift als Mitglied des OrganisationscomitS’s. Um so wohlthuender und angenehmer ist es, wenn ein Mann von der Autorität eines Franz Liszt den Juden Gereohtigkeit widerfahren lässt. Liszt hat in seinem Buche ״Die Zigeuner und ihre Musik in Ungarn, deutsch von Peter Cornelius, Mainz bei B. Schott’s Söhne^ den Israeliten ein besonderes Kapitel unter der Aufschrift ״ Des Zigeuners Gegensatz — der Israelit* gewidmet. Ich übergehe die Stellen, in welchen Liszt über das Charakteristische des jüdischen Stammes, über seine Hoffnungen und Enttäuschungen, über seine gesellschaftliche Organisation spricht, weil der Verfasser auf diesem Gebiete ungefähr denselben Dilletantismus beweist, wie wenn ein Schüler de Lagarde’s eine gelehrte Abhandlung über Machsorhandschriften schreibt und nicht weiss, was שני וחמשי שני bedeutet. Nur auf dem Gebiete der Kunst gebührt Liszt unzweifelhaft ein autorartives Wort and hier führe ioh sein Urtheil über die Kunstleistungen der Juden wörtlich an. Auf Seite 23 schreibt er in dieser Beziehung: ״Eine unbegreifliche Begabung ihrer Organisation hat jedesmal, wenn sie kaum aus einer Zeit der härtesten Unterdrückung hervorgingen und nur einige Generationen lang so viel Ruhe genossen, um nicht jeden Morgen Hunger und Tod fürchten zu müssen, grosse Theologen und Metaphysiker, Philosophen und Naturforscher unter ihnen erstehen lassen, deren Gelehrsamkeit sowohl durch colossale Anhäufung des Materials, als Genauigkeit und Feinheit des Details uns in Staunen versetzt. Sie haben in den schwierigsten Wissenschaften, in den verschiedensten Zweigen menschlicher Keuntnisse grosse Namen aufzuzählen, bedeutende Schriftsteller und selbst Poeten besessen. Auch die Kunst pflegten tie und bemächtigten sich dieses Feldes in der jüngsten Zeit sogar als Herrsehende; besonders in der Musik eigneten sie sich jedes Genre an und haben in Composition und Virtuosität glänzende Berühmtheiten aufzuweisen. Als Virtuosen wie als Componisten feierten sie verdiente Erfolge durch ausgezeichnete Handhabung der Formen, welche sie durch das ihrem Genius eigne Streben nach Combination erweiterten und bereicherten Die Kunst von geistreichen und ergiebigen Gesichtspunkten erfassend, wussten sie hier wie anderswo neue Ressourcen zu finden; sie wussten meist ebenso gut und besser zu machen, was Andere schon vor ihnen gethan hatten. Von dieser Seite muss ihr Eindringen in dies

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