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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1886-06-10 · N° 24. (10.6.1886) · p. Seite 94

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
15 (1886)
Issue
N° 24. (10.6.1886)
Date
1886-06-10
Page
Seite 94 (sequence 4)
Language
German
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— 94 — verzeichnet, dabei braucht man der Melodie selbst keine Gewalt anzuthun, wie das Herr Singer öfter thun musste, um seinem System gerecht zu werden. (Vgl. die Anm. zu No. 10 und 10.) (Schluss folgt.) Notizen. 1. Leber das schwierige Wort קטניתא sind in No. 2(1 u. 23 d. Hl. einige Versuche zur richtigen Erklärung gemacht worden und dürfte es für die Leser des gesell. Litteraturblattes nicht ohne Interesse sein, darüber auch die Ansicht des sei. Rappoport, wie ich dieselbe aus dessen eigenem Munde vernommen, zu hören. R. sieht in dem Worte קטנותא das lateinischc catenatio (״ ,(קטמתאKette, Glied, Band, Klammer“. R. .Tose war Ordensmitglied der Chassidäer und mit seinem Tode, erzählt die Misclma, sei der Orden eingegangen, משמת ר־ יוסי קטנותא פסקו חסידים, ולמה נקרא שמו קטנותא שהיה ק* של חסידים,, weil R. Jose die ״Kette“, die ״Klammer“ war, welche den Orden zusammenhielt. R. .lose war nicht nur Mitglied, sondern auch die •Seeie der Chassidäorsecte. *) Die Schwierigkeit des Wortes 'ק in גיטין, auf welche Herr Rabb. Dr. Kolm-Jnowrazlaw**) hinweist, liesse sich meines Erachtens gleichfalls nach der von Rappoport gegebenen Definition leicht heben. Der Sohn des רב אשי giobt als Grund für die Ansicht seines Vaters (בטלו כולן)! dass keinem Boten weiter das Recht zur Ueberreichung dos גט zustehen solle, wenn der erste Bote gestorben, Folgendes an: דקטנותא es sei eine ״catenatio“ eine ״Kette“ — Glied an Glied gereiht, — die alle insgesammt gewissermassen bilden und wie Herr Rabb. Dr. Kolm es richtig interpretirt, ״es stehen und fallen mit dem Ersten alle Uebrigen“. Hei dieser Worterklärung hat auch das ד vor קטנותא seinen richtigen Platz und braucht daher nicht ohne Weiteres gestrichen zu werden, wie Herr Dr. K., der allerdings inhaltlich das Richtige getroffen, dies bei seiner Erklärung des Wortes ,ק zu thun gezwungen ist. Schliesslich sei noch erwähnt, dass meine3 Dafürhaltens Herr Dr. K. קטנותא nicht erst auf מגדנות zurückzuführen brauchte, um zu der Erklärung ״Schmuck, Kleinod“ zu gelangen da קטלא הטנא (wie catera — catella) ״goldenes Kettchen“ in der Bedeutung ״Schmuck überhaupt“ schon in der Mischnah vorkommt ולא בקטל׳ ולא בנזמי u. n. a. a. St. Posen. Dr. Abr. Rahmer. 2. Ich glaube nicht, dass die Conjektur des Herrn Weismann zu זה סיני, Ps. 68,9 und Rieht. 5,5 (im Litteraturblatt No. 12 d. J.), Jemanden sonderlich befriedigen konnte. Mir will dieselbe noch viel weniger plausibel scheinen, als die von ihm, wohl nicht mit Unrecht, beanstandete Emendation Grätz’s in זע סיני, Wie wär’s nun aber, wenn das ganze Einschiebsel — denn als solches müssen die zwei Wörter nun einmal erkannt werden — ursprünglich in der That nichts Anderes war, als eine Glosse, als eine erklärende Glosse zu dem vorangehenden הרים מלו, dass nämlich unter den ״Bergen“ der Sinai, oder eben nur der eine Sinai zn verstehen sei? — Im Texte selbst würde sich freilich eine solche ״hinweisende nähere Erklärung“, wie Herr W. richtig bemerkt! durchaus nicht gut ausnehmen. Anders ist es aber, wenn ein Süfer oder Makro (Vgl. Grätz, Krit. Comm., S. 104 ff.), dem es, vielleicht im Hinblick auf Deut. 33,2, auffallen mochte, dass hier der Sinai nicht ausdrücklich genannt ist und vielmehr unbestimmt und im *),Dazu würde die L. A. des Jeruscbalmi פסקה החסידות ובו׳ שהיה. תמציתן של חסיד g״t passen ״R. J. war die Quintessenz des Chassidismus“. Red. **> Mein vorohrter Freund und Studiengenosse wird sich wohl noch lebhaft der Zeit erinnern, da es uns gegönnt, war, gemeinschaftlich an dem Privatschiur beim sei. Rapp, theilzunehmen, wobei aus dessen Munde zum richtigen Verstündniss schwieriger Talmudstellen so manche Perle floss; auch der bekannte Schriftsteller S. Kolm gehörte zur Zeit dem Kreise der Hörer an. A. R. Plural von ״Bergen“ gesprochen wird, in der Schule oder in der Synagoge, zu den Worten ',הרים מלו מפני ד. in gutem altem Hebräisch, seinen Zusatz machte: ״ זה סיניDas ist der Sinai“ Freilich ist das Einschiebsel im Texte selbst schon sehr alt, da es schon die ältesten Versionen haben. Aber ich rede auch nicht gerade von einer Randglosse. Anfänglich hlos mündlich gegeben, kann der Zusatz mit der Zeit so geläufig, so murdgerecht, so stehend geworden sein, dass er später, aber immer noch lange vor der ältesten Uebersetzung, als man die Stelle von Neuem, vielleicht aus dem Gedächtniss, abschrieb (vgl. Grätz, a. a. o. S. 102), mit Leichtigkeit in den Text hineingerathen konnte. Dr. Löwy-Temesvar. 3. War, wie es in der vorjüngsten Nummer der Wochenschril't heisst, Hitzig der erste, der den Ps. 72 auf Ptolem. Philad. bezog? Im Jahre 183b hörte ich diese Hypothese bereits aus dem Munde des damaligen Privatdocenten Dr. Vatke, ich erinnere mich aber nicht, ob er Hitzig als den Autor dafür auführte. Leber den Namen ״Hvrknn“ habe ich oft nachgedacbt, es wollte mir aber nicht oinleuchten, dass er etwa mit der Land- Schaft Hyrkanien in Verbindung zu bringen sei. Ich glaubte, ■er hänge etwa mit epy.o;, Gehege, Umzäumuug, Abw׳ehr zusammen — £pYwj e-PYw arcere ״abwehren“, also für einen Tapfem passend. Wenn anders, wie ich einmal gehört, im Altpersischeu ״Virkan“ ״Wolf“ bedeuten soll, liess sich der Name Hyrkan besonders gut erklären. Meint Herr A. W e i s s m a n n dies vielleicht, dass das ויאשרהו auf den ״Starken“ hindeutet? Oppeln. Dr. Wiener. 4. Berichtigung zu No. 20. Die Stellen in der Tosefta lauten: ר׳ יהושע אומי דרש ר׳ יהודה בן פטורי משום ר׳ עקיבא (Sota v.13>;ר׳ יהושע אומ׳ משום בן פטורי (Jbid. vi, 1). Nur durch das Weglassen des 8) ר׳ יהושע אומר■ No. 20) ist es möglich, zu behaupten, dass ״im ersten Falle B. P. später als R. Akiba“ gelebt hat, denn es müsste sonst R. J osua auch später als sein Schüler Akiba gelebt, haben. Ist es aber logisch möglich, aus diesen Daten etwas Anderes zu deduciren, als dass B. Peturi ein Zeitgenosse des R. Josua und R. Akiba gewesen? Dabei kommen weder Rasclii (Chullin 113b) noch die berufenen כללים im Geringsten zu kurz. — Sidon. 5. Historisches. Wer könnte gütigst angeben, welches Geschichtswerk über die in der Vorrede zu עמודי עולם von Samuel b. Esriel, Berlin 1741, erzählte Posener Blutbeschuldigung, wolclier der RabbinerAr jeh Löb und derGeineindevertreter R. Jakob zum Opfer fielen, Mittheilung macht? — Beiläufig sei bemerkt, dass das hierbei erwähnte Monatsdatum 3. Cheschwan 5497 (1736) zu dem Wochentage Freitag nicht stimmt. Der betreffende Freitag war der 7. Cheschwan. Cohen-Rees a. Rhein. 6. Englisch-jüdische archäologische Ausstellung- Die von J. S pielm ann vorgeschlagene Ausstellung der archäologischen Gegenstände, die auf das englische Judenthum Bezug haben, hat feste Gestalt gewonnen. Zum Comite gehören: Dr. H. A dl er י Major Goldsmid, J. N. Castello, Alfred L. Cohen, F. D. Mocatta, J. Sebag-Montefiore und andere einflussreiche Mitglieder der Gemeinde. — Prof. Tobias Theodoros starb in seinem 78. Jahr in Manchester. Er war Professor der modernen, orientalischen Sprachen am Own-College und der Victoria Universität, ein gründlicher Kenner der biblischen und rabbrnischen Litteratur. — Oberrabbiner Marco Mortara feiert am 18. Sivan (21. Juni 1886) sein 50 jähriges Jubiläum als diplomirter Rabbiner des Collegium Rabbinicum zu Padua. Zu demselben wird der Jubilar ein Verzeiclmiss sämmtlicher Rabbinen Italiens seit dem letzten Jahrtausend in alphabethischer Reihenfolge veröffentlichen. — Alexandre Weil 1 lässt eine Antwort auf Drumont’s: ״La Franco juive“ unter dem Titel: ״La France catholiijue et alhee“ erscheinen. Berichtigung: In dem Artikel ״Aus alten Kalendern“ S. 89, Sp. 1, fehlt zwischen Z. 7 u. 8 v. o. die Zeile: ״von einem Haus in’s andere zu ziehen: der 2. 4. 9.“ von ©eilt umport■ a&y£€LZ11l€L ■Cigarren (Mild! Fein!) in hohen Kreisen beliebt, werden tUr O mit 45 Stück verseil. Sorten, in Deutschland postfrei, gogen postfreie Voreinzahlung versendet. [451 Echtheit garnntirt! Paul Zemke, Stettin, Abtheilung für Cigarreu-Impovt. Trauungs-Formulare hebräisch nnd deutsch (Uebersetzung von Rabbiner Dr. Rahmer) sind ä 25 Pf. vorräthig. 5 Exemplare für 1 Mark, 12 Exemplare 2 Mk., 20 Exempl. 3 Mk. versendet franco gogen baar an Abonnenten Die Expedit. Verantwortlicher Rec.acteur Dr. Rahmer Magdeburg. Druck von D. L. Wollt, Magdeburg■ Verlag von Robert Friese, Leipzig

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