Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Litteratur-Blatt · 1886-06-03 · N° 23. (3.6.1886) · p. Seite 90

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
15 (1886)
Issue
N° 23. (3.6.1886)
Date
1886-06-03
Page
Seite 90 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/6492408-5990841-5991149--0935-5368220
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

- 90 - eingehend, sondern auch im Grossen und Ganzen richtig gezählt habe. Dieser Anschauung können auch wir nur zustimmen. Es ist ganz irrelevant, ob bei so geringen Verschiebungen die eine oder die andere Zahl ermittelt wird. Das Princ.ip der Zählung und Eintheilung ist eben in der Mischnah ein anderes. Voilä tout. Das Buch in seiner vorliegenden Gestalt ist schwerlich geeignet, auf mühelose Weise mit den Ergebnissen der Anatomie bekannt zu machen. Keine Zeichnung veranschaulicht die Aussagen der Anatomie. Der Verf. selbst setzt bei der Lectüre seines Buches die Benutzung eines Skeletes voraus. Wir haben unter Assistenz eines Mediciners ein- *eine Piecen diese9 Buches durchgelesen. Naoh Ver- Sicherung unseres Gewährsmannes steht der Verf. auf der Höhe seiner Aufgabe. Seine Daten lassen an Correctheit und Zuverlässigkeit nichts zu wünschen übrig. Den lateinischen Hamen entspricht auch zumeist die hebräische Paraphrase. Ob das Buch in seiner gegenwärtigen Gestalt und Anlage auch ein wahrhaft brauchbares zu nennen ist, erscheint uns allerdings noch sehr fraglich. Die typographische Ausstattung ist besser und correcter ausgefallen, als dies sonst bei Druckwerken in Jerusalem üblich zu sein pflegt. Sohrau O.-S. Dr. Immanuel Deutsch. Notizen. קטניתן של חסידים . נ• — Herr Dr. G. D e u t s c h macht im Litteratur-Blatt No. 20 aut die schwierige Misclmah Hotah IX, 15 aufmerksam, woselbst es heisst: R. Jose war ר של״ חסידיס“ «der kleinste unter den Frommen“. Schon R. Lipmann Heller erwähnt in seinem Oommentar dieser Schwierigkeit; und die Lösung des Herrn Dr. Deutsch ״es ist otfenbar (?) eine späte Glosse“, liebt die Schwierigkeit des Wortes nicht auf. Noch schwieriger als hier ist das Wort "לטניתא“ in Gittin (29. b): Dort sagt R. Aschi ״Wenn der erste Bote, der den Scheidebrief aus der Hand des Ehemannes empfängt, um ihn der Frau einzuliändigen. stirbt, בטלו כולן verlieren alle anderen Boten das Recht den Scheidebrief auszuhändigen. Mit dem Ersten stehen und fallen alle Uebrigeu,-darauf sagt der Sohn des R. Aschi הא לאבא דקטנותא ד,יאמ“ Was da der Vater gesagt ist eine "קטנותא“ — Was soll hier dieses Wort bedeuten!׳ Aruch hat zwei Erklärungen 1. ־ מדעת קטנה kleinlicher Sinn. 2. י בימי קטנותו in seinen jungen Jahren von denen die erstere, dem griechischen pixpoifopta oder pcxpO'jrj^fa entsprechend, eine grosse Unhöflichkeit, ja Grobheit gegen den ״Vater“ (R. Aschi) wäre, und auch die andere Erklärung klingt im Munde des Sohnes dem Vater gegenüber unhöflich. Ich übersetze daher, R. Jose war קטנותן של חסדים ndas Kleinod der Frommen“, und der Sohn des R. Aschi sagt von seinem Vater הא לאבא קטנותא היא״“ Was der Vater da gesagt, ist ein ״Kleinod“, ein ״wahrer Schatz“ — der Sohn bestreitet also nicht, wie man gewöhnlich annimmt, die Theorie des Vaters, im Gegentheil, er begründet und beweist sie. — Zur Begründung meiner Erklärung führe ich folgendes an: Das Wort מגדנות (L B• M. 24,53) leitet Jbn Esra von der radix נדן ab, und dieses ist durch Buchstaben-Verwandtschaft —מקטנות — מגדנות ס«!« (*!קטן ״ und das sind ״Kleinode, Kleinodien“. Der Chaldäer verhärtete das weiche מנדנית zum harten בדקטנית und bildete daraus das קטנותא• Warum R. Jose ״das Kleinod der Frommen“ genannt wird, bedarf keiner Auseinandersetzung. Die Stelle in Gittin 29. b. wird auch erst klar und verständlich, wenu קטנותא in diesem Sinne genommen wird, denn die Form, in der der Sohn R. Aschi’s seine Sache vorträgt, ist die des zustimmenden Beweises und nicht die der Widerlegung. Siehe, sagt er, wenn der Ehemann selber stirbt, hören doch gewiss alle Rechte der ,Boten“ aut; der erste Bote aber, der den Scheidebrief direct aus der Hand des Ehemannes empfangen, ist nach der bekannten Norm שלוחו של אדם כמותו״“ wie dev Ehemann *) So finden wir das hebräische ־ ־ גדל abliauen, im Chaldäischen verhärtet zu קטע (Chr. 34.4). Ebenso ־■ נדף lästern, die Ehre abschneiden, verhärtet zu ״ קטףabpflücken, ausreisseu.“ Ganz so auch TTI — bedrängen, aufeinander stossen, verhärtet zu ״ (קטטה) קטטzanken“ (Zank, Streit) u. v. a. selber, und wenn dieser erste Bote stirbt, gilt ebenfalls בטלו כולן! sämmtliche Boten verlieren ihr Recht und ihre Macht. Der Sohn widerspricht also nicht in unhöflicher Weise dem Vater, im Gegentheil, er preist die Theorie des Vaters als kostbares Kleinod. (Diese Auffassung jener Talmud-Stelle ist neu, meines Erachtens aber logisch und richtig.) Jnowrazlaw. Dr. Kohn, Rabb. 2. Im ״Litteraturblatt“ No. 20 erklärt Herr Dr. Deutsch in Brünn, das in der Mischna Sotah 9,15, R. Jose epithetisirte Wort לקטנותא nachdem er die in der Mischnah befindliche Erklärung desselben als unzulänglich zurückweist, für einen Ortsnamen, da er wahrscheinlich aus Kataonien in Klein- Asien stamme — Dass der Mischnahredacteur viele aus älterer Zeit tradirte Worte missverstanden habe, ist schon zur Genüge bewiesen worden, und die divergireuden Enunziationen der vielen Worte in der obenerwähnten Mischnah in beiden Talmüden bestätigen die Behauptung nochmals vollauf. Aber die Annahme קטנותא sei Ortsname, hat doch Manches gegen sich, man vergleiche jerus. Talmud zn Baba Kam. 3,6 da heisst es: אמרי, הוא יום* הבבלי הוא יוסי בן יהודה הוא יוסי קטנותא. Mir scheint vielmehr dass, R. Jose nach dem einzigen von ihm erhaltenen Ausspruch in Aboth 4,20 הלומד מן הקטנים so benannt wurde, um an seinem Namen dessen Ausspruch maemonisch anzuknüpfen. *) Tarnow. Salomon Spinner 3. Zu der Notiz ״der Talmud und die Kirchenväter“ in No. 19 des Ltbl. erlaube ich mir, der ich durch meine Arbeiten den Erweis erbracht zu haben glaube, dass ich die Bedeutung der Vergleichung der talmud-midraschischen Litteratur mit der der Kirchenväter, zu würdigen weiss, die unmassgebliche Bemerkung, dass die a. a. 0. angestellte Vergleichung des Aus- Spruchs Ben Soma’s mit dem des Augustinus“ doch haltlos sei. Eher lassen sich die citirten Worte Augustins von den zerriebenen Waizenkörnern mit der sachlich gleichen Bemerkung des R. Hoschaja (Gen. rab. c 11.) Rabbi’s (Pesikta rabbathi No. 23 ed. Friedmann 116 b) und R. Akiba’s (Tancliuma z 3 M. 12,3 ed. Ven. f. 56 c; ed. Buber S. 35) vergleichen, wonach die Nothwendigkeit der Beschneiduug erwiesen, bezhw. die Frage, warum der Mensch nicht gleich beschnitten erschaffen worden, damit beantwortet wird: ״ החיטין צריכין להטחןder Waizen muss erst zermahlen werden“ um Speise aus ihm bereiten zu können. Die Frage, warum Gott Adam, d. h. den Menschen, nicht beschnitten erschaffen, wurde von den Kirchenvätern wiederholt an die Juden gestellt (vgl. Justin Martyr, Dial. cum Tryph. cap. 19 pag. 64 ed. Otto 1846, wo Nota 4 die Parall. aus den Kircliv. verzeichnet sind), 30 dass jenen die Antwort bezhw, die Begründung der Juden genau bekannt sein musste; sie ist von Augustin zur Begründung der Nothwendigkeit des Tanfzeremonials verwerthet worden. — Bäes-Topolga. G o 1 d f a h n. 4. In No. 19 dieses Blattes habe ich bei Besprechung von Strack’s ״hebräischer Grammatik“ daran Anstoss genommen, dass der Verf. bei der Aenderung der Bezeichnung Q’re statt Q’ri den Namen Luzzatto’s verschweigt, von dem die Anregung zur richtigen Aussprache dieses Wortes ausgegangen ist. Nachdem mir aber Herr Prof. Strack versichert, er habe erst nachträglich diese Notiz in Luzzatto’s Elements del Oaldeo Biblico § 91 gefunden, so stehe ich nicht an zu erklären, dass ich ihm mit dem Verdachte, er habe L’s. Namen verschwiegen, um die Verdienste eines Juden nicht anerkennen zu müssen, Unrecht gethan habe, zumal er durch seine litterarische Vergangenheit gezeigt hat, dass er über diesen Verdacht erhaben ist. Brünn. Dr. G. Deutsch. י) Auch wir dachten zunächst an eine solche Erklärung, denn dergleichen mnemotechnische Beinamen finden sich oft im Talmud, z. b.: b. mezia ר־ יצחק מ גדל א ה אמר והוא שעשוין כמגדל; Bemch. 53 b.ד זהום אי או־ כשם ש מזוהם; Megiiia jerus. p. 1 ד שמלאי דיבור א או׳ ובדבריך לשיתי; Tanchuma zu א״ר אבא רומניא וכאן לשון רוממות: מטות. Auf diese Eigenthiimlichkeit hat unseres Wissens Z. H. Chajes zuerst hingewiesen. — Nachträglich finden wir, dass über dieses קטנותא (od. קטונתא od. יקיטנותא übrigens schon z. Frankei in der Monatsschrift Jahrg. 1853, S. 70, Anm. 1. 2. 3, und in דרבי המשנה (S. 90) mehrere Erklärungen gebracht hat; zuletzt hat Jak. Brüll in einer besondern Anmerk. (ב״א) S. 269 und 70 seines מבוא המשנה zusamnienfassend darüber gehandelt. — Wir müssen uns. gesch. Mitarbeiter ersuchen, ehe sie uns ihre Erkläruugen einsenden, gef. vorher die einschlägige Litteratur über die betn Materie nachzulesen; wir haben dazu nicht immer Zeit. (Red.) Verantwortlicher Redacteur Dr. Rahm er Magdeburg. Druck von D. L. Wol tt, Magdeburg. Verlag von Robert Fries0, Leipzig.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.