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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1886-05-27 · N° 22. (27.5.1886) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
15 (1886)
Issue
N° 22. (27.5.1886)
Date
1886-05-27
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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—* Jüdisches Litteratur Jahrg. XV. ßläitt• Zur Belnrhtais aller Judenthdm und Jaden betreffenden lltterarleelien Er* sehelnnnfen auf dem Gebiete der Philo* •ophfe, Geschichte, Kthnograpliie. Theo* löffle* Orleatalla. Exegese, Homiletik, Lltarglk, Pidegoglk. Herausgegeben von Rabbiner l)r. Moritz. Rahnier. 0T£.a<j 92.-6 2j. 1886. Bicher der «!■schtägigen!«Uteratur,welche der Kedactlon «igenendt werden, Anden |n dleeem Blatte eingehende Besprechung. Bel Klmenduna von •wel Retention«• KxempUren erfolgt einmalige knrae GratU-lnsertlon. Das »Jldiich« Litteratnr-Blatt« erscheint wöchentlich in einem halben Bogen Preis bei allen Buchhandlungen (in Leipzig bei Robert Friese) pro Jahrgang 8 Mark. 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Johan Hyrkan aber füllte seinen Platz als Oberhoheit der Kirche ganz aus. -Er schaffte alte Missbräuche ab und führte nothwendig gewordene Reformen ein.*) Allerdings kam ihm auch der Umstand zu statten, dass er hinreichend Müsse hatte. Regierungssorgen drückten ihn nicht, seine Mutter trug sie. Ein König, der auf sein Ansehen, auf seine Gunst beim Volke eifersüchtig sein konnte, störte ihn in seinem frommen Wand91 nicht, weil die Königin ja seine Mutter und auch 80 fromm wie er war. Nur mit Stolz konnte sich ihre Brust schwellen im Angesichte all’ der Liebe, Ehre und Gunst, welche das Volk freiwillig ihrem Sohne entgegen brachte. Diese Zeit begrüssten die Juden als eine neue Aera und machten sie auoh zum Ausgangspunkt einer neuen Zeitrechnung. In den Urkunden gebrauchte man die Formel: ״Im Jahre 80 und so des Jochanan, Hohenpriesters des erhabenen Gottes“.**) (Rosch Haschonoh 18.) Wie Johan Hyrkan II. musste auch Salome- Alexandra bei den Pharisäern, jener Partei, der wir die Sammlung der heiligen Bücher verdanken, in hohen Ehren gestanden haben. War sie es doch, die dieser Partei Macht einräumte und sie zu Ehren erhob. Es darf uns daher nicht auffallen, dass man sich in jenen, damals massgebenden, Kreisen veranlasst sah, einem Psalm dieser hohen Frau ein Plätzchen im Psalmbuche einzuräumen. Hat es doch das II. Buch Moses nicht verschmäht, den Worten Gottes jene der *) Alle die Reformen, die Weiss ״Geschichte der Tradition“ I. Tlieil, Abschnitt 14 dem Hohepriester Johan Hyrkan I. zuschreibt, passen besser auf Jolian Hyrkan H. Jener war zu sehr mit Kriegen beschäftigt und es fehlte ihm auch der Sinn für Reformen. **) Die Bezeichnung גדול לאל עליון J,“D wurde, wie es den Anschein hat, nur Johan Hyrkan II. zu Tlieil. (Joseph. Aut. XIV. Ö, 2.) Miijam beizuordnen und der Verfasser des Richterbuches, sein Werk mit dem Deboralied zu schmücken. Es fragt sich nur, welches mochte die individuelle Veranlassung dieses Psalms gewesen sein? Auch hierüber ist die Antwort nicht schwer. Wie Isak, Jacob, Moses, Josua und Andere nicht ohne jenen, denen sie ihr Leben geweihet und auf die sie die - Hoffnung der Zukunft setzten, vorher ihren Segen, als weihevolle Uebertragung ihres Geistes, zu ertheileu, aus dem Leben scheiden konnten, so konnte auch Salome-Alexandra, als sie sich ihrem Lebensende nahe fühlte — sie war 73 Jahre alt — nicht aus dem Leben scheiden, ohne ihrem herzinniglich geliebten, fugendreichen Sohne, in dem sie den von vielen Propheten vorherverkündeten Mann Gottes sah, einen Psalm zu widmen, der ein Segen und Flehen zugleich ist. Und wir sehen hier erhabene Gefdhle einem Mutterherzen entquillen. Schon viele Jahrhunderte vorher haben die jüdisehen Seher eine Verallgemeinerung und Veredelung der Gesittung vorausverkündet. Es 8011 eine Zeit hereinbrechen, in der die gemeinen Triebe auf hören, und die Leidenschaften schweigen sollen. Rechtlichkeit und Biederkeit, Sanftmuth und Bescheidenheit werden die höchsten Güter der Menschen sein. Die Kriegsgeräthe werden zu Friedenswerkzeugen umgeschmiedet werden. Der Kampf wird aufhören, auch der ums Dasein, weil die Natur, entzückt von dieser erhabenen Verfeinerung und Veredelung, auch dazu beitragen wird, Tugend und Heil zu fördern (V. 3). Und wie 8011 erst der Mann geartet sein, der in dieser Zeit an der Spitze dieser Gesellschaft, dieser grossen Bürgerfamilie und dieses Musterstaates zu stehen haben wird? Er wird der echte und rechte Mann Gottes, ein Stellvertreter Gottes auf Erden, sein. Der Glaube darar war ein fester und allgemeiner. Und Salome Alexandra glaubte, ihr Sohn Johan Hyrkau würde dieser würdige Mann sein, um diesen veredelten Zustand herbeizuführen. Der Ps. 72 ist sonach ein sogen, messianischer Psalm; der vermeinte Messias — Johan Hyrkan II. Seine Uebersetzung lautet wie folgt: Von Salome. 1. O Gott! Dein Recht verleihe dem Könige Und Dein Heil dem Königssohne. Vers 1. לשלמה Salome war der hebr. Name der Königin Alexaudra, wie alle hervorragenden Persönlichkeiten jener Zeit, besonders jene, die eine politische Stellung inue hatten und mit dem Auslande in Beziehung stehen mussten, Doppelnamen führten. Neben dem jüdischen vorwiegend auch einen griechischeu- ״ משפטיהDeine Gerichte“ (de Wette), ״Deine l'rtheile“, dass er Urtheile falle, so gerechte, wie Gottes selber (Hitzig)

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