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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1886-05-20 · N° 21. (20.5.1886) · p. Seite 82

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
15 (1886)
Issue
N° 21. (20.5.1886)
Date
1886-05-20
Page
Seite 82 (sequence 4)
Language
German
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— 82 — 4500—5300 und 54 Schriftsteller umfassend, giebt ein glänzendes Bild von dem Rieserfieisse und der fast beispiellosen Belesenheit des gelehrten ־Verfassers. Aus der genauen Beschreibung der neun, dem Autor vorliegenden Bandschriften geht hervor, dass die erste (Bodelj. Opp. 20), die vierte (Oxford Michael 577 No. 155) und die neunte (Parma, di Rossi 1240) die ältesten, genauesten und unter sich übereinstimmendsten sind. Höchst werthvolle Funde, die der Verf. zu veröffentliehen gedenkt, sind übrigens in der genannten Miohael’schen Handschrift gemacht worden. Den unschätzbaren Werth der angehängten Indices über die Citate des Jalkut und des Aruch aus Tanchuma und Jelamdenu haben wir bereits gewürdigt und wollen wir nur noch das Eine hinzufügen, dass durch solche scheinbar mechanische Arbeiten ungemein viel zum Verständniss und zur tieferen Erfassung des gelehrten Stoffes beigetragen wird. Von ungemein hohem Inte• resse ist die Uebersetzung des 12. Capitels von Zunz’ ״gottesd. Vorträgen“ in’s Hebräische, mit Anmerkungen von Buber versehen. Wenn auf der einen Seite der ungeheure Fortschritt sichtbar wird, den die Forschung im Gebiete der jüd. Litteratur von Zunz bis auf Buber gemacht hat, Fortschritte, welche so viele Behauptungen der Früheren zweifelhaft machen oder widerlegen, so erscheint doch auch andererseits das intensive Genie des Altmeisters Zunz in seiner ganzen Grösse, weil er fast ohne Hilfsmittel meist überall das Richtige geahnt und angedeutet hat. Das Tournier, welches sioh da von Seite 202 bis Seite 212 vorliegenden Werkes zwischen dem Manne über dem Striche und zwischen dem Manne unter dem Striche entwickelt, ist ein Kampf zwischen Hinterlader und Feuersteinschloss, gereicht aber beiden Kämpfenden zu der höchsten ritterlichen Ehre. In der That verdient Bubers Vorrede zu seiner Tanchumaausgabe als ein Werk für sich vermittelst einer deutschen Uebersetzung in die weitesten gelehrten Kreise zu dringen und sind bei dem Autor darauf hinzielende Schritte bereits eingeleitet worden. Der Druck des umfassenden Werkes lässt Nichts zu wünschen übrig, das etwas brüchige, russische Papier mit bläulichem Tone sagt unserem Geschmacke weniger zu. Freilich müssen wir Buber von ganzem Herzen für den nicht unbedeutenden Kostenaufwand der Herausgabe danken, weil derselbe nicht sobald gedeckt erscheinen dürfte. Caro-Pilsen. Lob Jsidore. Tables du calendrier juif depuis l’ere chretienne jusqu’au XXX siede avec la concor־ dance des dates juives et des dates ohr&tiennes et une methode nouvelle pour calouler ces tables. Prix: 10 Franos. Paris 1886. 45 S. gr. 4. In dieser Publication der ״Societe des etudes juives“ tritt uns ein alter Freund in einem höchst modernen Gewände entgegen mit der löblichen Absicht, den Gelehrten ein Mittel an die Hand zu geben, um auf eine leichte Weise falsche Daten in alten Hand- und Druckschriften reotifioiren und die bürgerlichen und jüdischen Daten der Jahre 1—3000 der üblichen Zeitrechnung identificiren zu können. Eine ziemlich ausführliche Einleitung in französischer Sprache verbreitet sich über das jüdische Kalenderwesen im Allgemeinen; hierauf folgen 6 Seiten, die Beschreibung und Gebrauchsanweisung der Tabellen mit entsprechenden Aufgaben und deren Lösung nach verschiedenen Methoden enthaltend. Fernere 4 Seiten geben diese Beschreibung;etc. auszüglioh in deutscher und noch 4 andere Seiten alles dieses in hebräischer Sprache. 21 Seiten mit 19 Tabellen bilden den Schluss. Ob duroh den internationalen Charakter des Buches demselben eine weitere Verbreitung gesichert ist, möchten wir bezweifeln und zwar aus de.n einfachen Grunde, weil der französische, ausführlichere Text nur auszüglich in deutscher und hebräisoher Spraohe reproduoirt ist und wichtige Momente, z. B. die Erklärung der Tab. XI über die Tekufot an diesen Stellen ganz übergangen sind. Praktischer würde es sein, wenn der ungekürzte Inhalt des französischen Textes in deutscher Spraohe wiedergegeben worden wäre. Es könnte dann wenigstens der deutsche, der französichen Sprache unkundige, Leser die Tabellen mit demselben Vortheile benutzen, welchen sie auoh dem französischen Leser bieten. Die Bearbeitung in hebräischer Spraohe scheint uns ganz verfehlt. Für wen 8011 sie eigentlich bestimmt sein? Franzosen und Deutsche können sie entbehren. Unsere zahlreichen Glaubensbrüder in Russland würden sie nur dann mit Nutzen gebrauchen können, wenn auch die Tabellen entweder in hebräischen oder russischen Typen beigegeben wären. Da solche aber nur mit lateinischen Typen gedruckt sind, dürften sie für den grössten Theil russischer Glaubensbrüder, welchen dieseBuchstabenfremd sind, unbrauchbar sein. (Die meisten Russen kennen die lat. Buchstaben. R.) Ueber den Werth des Buches selbst kann Ref. nach eingehendem Studium seines Inhalts und sorgfaltiger Prüfung und Vergleichung der Tabellen sein Urtheil in Folgendem zusammenfaseen: Neue Erleichterungsmittel, um irrthümliche Daten zu reotificiren und gegebene zu identificiren, bietet das Buoh nicht. Wie der gelehrte Herr Verfasser selbst gesteht, sind die Haupttabellen zur ldentifioirung der Daten der Jahre 801—2000 (nicht von 1—3000) naoh Kornick bearbeitet, natürlich mit Berichtigung der in dessen ״System und Zeitrechnung“ sioh vorfindenden zahlreichen Fehler. — Für den Nachweis der Jahre, die in dem vorgenannten Buche falsche Angaben enthalten, gebührt dem Verfasser aufrichtiger Dank. Zu den einzelnen Tabellen wäre zu bemerken: Tab. I mit allen möglichen Momenten der Molads aller Cyklen hat keinen prakti sehen Werth. Zu Tab. II. sagt Verfasser selbst: לא תשניח בו• Tab. HI enthält die Moladüberschüsse der Monate eines Jahres und der Jahre eines Cyclus. Erwünscht und von grossem Werthe wäre hier eine Erweiterung mit den Molad- Überschüssen von 1—10, von 10—100 Cyklen etc. Tab. IV mit der Anzahl der Tage in den Monaten der 6 Jahresgattungen hat keinen Zweck. Dagegen ist Tab. V mit den 61 Typen der Mondcyklen und den sogenannten Grenzen, wenn auch nicht neu, da auoh Goldberg’s Tabellen sie schon enthalten, so doch in einer sehr übersichtlichen Bearbeitung gegeben. Sämmtliche Determinanten (קביעות) haben nach sorgfältigster Prüfung keinen Irrthum ergeben. Tab. VI. giebt die Namen der Wochentage für jedes Datum der 6 Jahresgattungen mit den Buchstaben A—G. Dies dürfte bei der Bestimmung der Wochentage leicht zu Irrthümern Veranlassung geben. Zweckmässiger wäre es gewesen, die Wochentage durch die Anfangsbuohstaben ihrer französischen oder deutschen Namen oder auch duroh Ziffern 1—7 zu bezeichnen. Tab. VII giebt die Sonntagsbuchstaben und Tab. VIH den Monatstag für die Sidroth und die beweglichen Festtage der 14 Jahresformen. In Rubrik 7 a זש״ג ■יי sind נצבים und וילך getrennt. Das ist falsch, denn sie müssen verbunden werden. Tab. IX ergänzt die Tab. VII. (Schluss folgt) Verantwortlicher Redacteur Dr. Rahm er Magdeburg. Druck von D. L. Wolf f, Magdeburg. Verlag von Robert Friese, Leipzig.

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