Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 15 (1886)
- Issue
- N° 20. (13.5.1886)
- Date
- 1886-05-13
- Page
- Seite 78 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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— 78 - ben Ink di Fano, wenn auch nicht dar Verfasser, 80 doch der Sammler, Ordner nnd Redactear eines vom echten Tanohuma sehr verschiedenen Werkes dar. Schon die beiden ältesten Drucke, Constantinopel 1520, Venedig. 1545, nach Handschriften in Rom, Oxford, Parma und Cambridge, enthalten gewaltige Kürzungen des echten Tanchuma, kleinere und grössere Aenderungen des Textes, Einschiebsel, Zuthaten, Glossen und Auszüge aus anderen Werken. Aber erst Esra di ITano machte seinen Tanchuma zu dem, was wir bis bisher in vielen aufeinanderfolgenden Auflagen besessen haben. Die Nachweisung der Zusätze Esra di Fano’s aus fast allen midrasohischen Sohriften, die ihm zugänglich waren, nimmt in Buber’s Einleitung einen Raum von 16 Seiten ein; vom eohten Tanchuma ist kaum der sechste Theil im Fano’schen enthalten, alles Uebrige ist Zuthat, Glosse und — Druckerunwissenheit. Esra di Fano nämlich hatte ehrlicher Weise die fremden Bestandtheile, die er aufgenommen, mit einem Zeichen ראה זה חדש versehen. Die nachfolgenden Drucke, Verona 1595 (irrthümlich! hielten Zunz und Fürst diese Ausgabe für die erste mit Zusätzen vermehrte), Saloniohi 1578, Prag 1612, 1 Frankfurt 1701, Amsterdam 1736 etc etc. Hessen nicht nur das Zeichen weg. sondern stifteten durch sklavisehe Treue des Nachdrucks eine ungeheure Verwirrung. Wo z. B. di Fano auf ‘לעיל דן* ל hin wies, druckten auch eie ohne Weiteres ‘דו® ל, obwohl sie eine vou Fano’s Ausgabe verschiedene Paginirung hatten. Auch die den meisten Ausgaben beigedruckten fndices über Ritualien, Geschichtliches und Gleichnisse stammen von R. Esra ben Jsak di Fano. Hat nun die Mantua-Ausgabe schon an und für sich durch die genaue Bezeichnung der Einschiebsel einen hohen Werth, so muss man dem Herausgeber noch besonders für eine Zuthat dankbar sein, mit welcher er ein grosses Bruchstück eines wichtigen, in seiner Ganzheit bisher leider nioht aufgefundenen Werkes der Nachwelt erhalten hat. Wir meinen den ״Jelamdenuu, betreffs dessen Buber eine ebenso wichtige als richtige Entdeckung gemacht hat. Bekanntlich citirt der Aruoh nur den Jelamdenu und nicht den Tanohuma, den er weder in der einen, noch in der anderen Gestalt gekannt hat. Deshalb sind auch diese Citate in unserem Tanohuma nicht aufdndbar. Eine frappirende Ausnahme aber macht Tanchuma zu Exodus, in welchem sich sämmtliehe 119 Citate des Aruoh an ihrer riohtigeu Stelle vorfinden (Cap. 19 der Einleitung), so dass hieraus der unumstössliche Schluss gezogen werden kanu, dass der Redakteur des gedruckten Tanchuma für den grössten Theil von Exodus den Jelamdenu wörtlich abgeschrieben, für die letzten Abschnitte Wajakhel und Pekude stark benutzt hat. Sicherlich hat der Jelamdenu dem Mantuaner noch Vorgelegen und es ist ein eigenthümliches Verhängniss, dass die Handschrift dieses kostbaren Midrasch seither verschollen ist. Würde sie sich einst wiederfinden, dann würde es sich zeigen, dass auch der alte, echte Tanchuma ebenso aus demselben geschöpft hat, wie der di Fauosehe. Darin geht uns nämlich Buber zu weit, dass er die im alten Tanchuma vorkommendeu Jelamdenustellen für originell und von jedem anderen Werke unabhängig darstellt. Den 61 Citaten im alten stehen 72 Jelamdenuanfänge im di Fano’schen Tanchuma gegenüber, 40 davon sind Beiden gemeinsam. (Schluss folgt.) Notizen. Lltterarische Seltenheit. 114 (buchstäblich: Hin Hundert und vierzehn) verschiedene Ausgaben der TOS הנדה של von der ersten Hälfte des XVI. Jahrhunderts bis heute durften wohl kaum zum zweiten Male sich im Besitze eines Eigentümers befinden. Herr Kaufmann Adolf Oster in Xanten a. Rhein, Freund und Verehrer der hebräischen Litteratur, ist. der glück!■ liehe Besitzer dieser äusserst seltenen Sammlung, welche er noch immer zu vergrössern sucht. Besitzer von seltenen Exemplaren ohne und mit Uebersetznng oder Commentar in allen Sprachen würden bei civilea Preisen an demselben stets einen Abnehmer linden. Collectanea inr Misch ■ah (II.) Sotah IX. IS. ״Mit R Jose קטנ1תא starben die Frommen aus und warum wurde er קטמתא genannt? Weil er der Kleinste unter den Frommen war“. Diese Erklärung hat psychologische, sprachliche und geschichtliche Gründe gegen sich; psychologische, weil offenbar in dem Bewusstsein der Nachwelt R. Jose als der letzte Repräsentant der alten Frömmigkeit, ebenso wie R. Jochanan ben Sakkai als der Letzte unter den Weisen galt, daher von seinen Zeitgenossen als eine Grösse erkennt worden war. Diese werden ihm sicherlich nicht den Kleinsten der Frommen genannt haben Ueber die sprachliche Unmöglichkeit, קטגותא als der Kleinste zu deuten, brauche ich mich nicht weiter auszulassen. Geschichtlich ist diese Manier der Aggadate, die Namen umzudeuten, sowohl für die biblischen, wie die tatmudischen Namen nachweisbar. Für die letzteren erinnere ich nur an die Deutung des Namens נקדימק (Gittin 5t»a) Wir haben es hier offenbar mit einer späten Glosse zu thun oder, was noch wahrscheinlicher ist, die ganze Mischnah von 8 ü an ist, wie schon ihr aggadischer, mit dem Vorangehenden nur in losem Zusammenhänge stehender Inhalt beweist, in später Zeit entstanden. Das Wort קטנותא ist offenbar ein aus einem Ortsnamen abgeleitetes Adjectiv mit griechischer Bildungssibe; vielleicht stammte dieser R. Jose aus Kataonia in Kleiu-Asien. Makkoth III. 5. R. Elieser sagt: Hat er den ganzen Bart auf einmal abgenommeu. erhält er nur eine Strafe. Auch ist er nur schuldig, wenn er ihn mit dem Scheermesser abgetiommen hat R. Elieser sagt: Selbst wenn er ihn mit einer Zange (מלקט) Oder mit רהיטני abgenommen hat, ist er strafbar“ Was ist רהיטני? Maimonides erklärt es als ein eisernes Werkzeug, womit man die Haare auszupft, Bertinoro meint nach dem Vorgänge von Rasclii (Sabbath 1)7 ai. dass ״ רהיטניHobel1' bedeute. Lipmann Heller lindet es allerdings auffällig, dass man mit dem Hobel sich den Bart rasiren solle und ist der Meinung, dass man mit R. Nissim aus Geroua ״Scheere“ erklären soll, wozu auch der etymologische Versuch, רהיטני von להט abzuleiten, beiträgt. Sicher ist, dass להיטני kein eigentliches Mittel ist, um den Bart zu scheeren, da es nach den allgemeinen, in der Mischnah recipirten Ansicht nicht unter den Begriff לא תשחית fällt Der Form nach scheint es griechischen Ursprungs zu sein, weil das ר mit nachfolgendem ,ל dem p mit spiritus asper entspricht Vielleicht ist daher an 'prjxtVYj lat. retina, das Harz des Mastix-Baumes oder der Terebynthe zu denken, welches in flüssigem Zustande dazu dienen konnte, die Haarwurzeln zu erweichen. , (S. Gesenius Handwörterbuch s. v. ייצרי Wahrscheinlich wird auch das Zänglein מלקט und להטני gleichzeitig verwendet, wie aus der angeführten Stelle iSabbath b<) א״א לר״ה שתלקט במלקט וברהיטני hervorgeht: ״Ein ötfentlicher Platz kann nicht glatt geputzt werden“, doch verkenne ich nicht die Schwierigkeit, nach dieser Deutung die Stelle in Baba <4am111a. (111) b) zu erklären, wo das ללויטני einen andern Sinn haben muss. Gittin V. #. ״Man darf Heiden unterstützen im Sabbatjahr aber nicht Israeliten und darf sie begrüsseu um des Friedens willen“. Aus dem Widerspruche zwischen dieser mischnaitischen Entscheidung und oinem Ausspruche Rabh’s, dass man mit einem Heiden am Sabbathjahre keine Feldarbeit verrichten dürfe, folgert der Talmud f. ö2a, dass die Worte לב״ום ,T P!מחזיר bedeuten müssen, man dürfe den Heiden einen ermunternden Grass bei der Arbeit zurufen, was aber durch das vorhergehende Gesetz, welches die Hilfeleistung bei dem Weibe des עם הארץ estattet, unwahrscheinlich ist. Vielmehr ist es beinahe gewiss, ass geradezu die Mithilfe bei der Feldarbeit des Heiden im Sabbathjahr gestattet ist, wie auch Raschi zur Misehnah mit den Worten'הבא משמע erklärt. Brünn. Dr. G Deutsch. Briefkasten der Redaction. 11. l. in ff. Die Lesart הנו ארק עולם, וכל נוצר יודה גדלת!־ in der 5. Strophe des ״Jigdal“ ist durch den Verfasser des הודאת בעל, דין coustatirt, entspricht auch mehr dem f>. 1אני מאמין als die gewöhnliche Lesart. Verantwortlicher Redacteur Dr. Rahm er. Magdeburg. Druck von D. L. Wolf t. Magdeburg Verlag von Robert Friese. Leipzig