Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 15 (1886)
- Issue
- N° 16. (15.4.1886)
- Date
- 1886-04-15
- Page
- Seite 64 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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— 64 — keit oder Feindschaft gegen die Wissenschaft“ (S 14.) Habe ich Unrecht gehabt, wenn ich sage toat comme ohez nons? Es ist auch bemerkenswert^ dass der Verfasser von der kranken Kirche spricht. (S. 21.) Ja, können wir fragen, wenn eine Kirohe, deren Bekenntniss im öffentlichen Leben forderlich ist, die durch bestimmte Gesetze organisirt ist, die eine Geistlichkeit mit hervorragender Machtsphäre besitzt, wenn diese sioh krank nennt, was sollen wir, ״Ysob an der Wand“, denken über uns, nachdem die Cedera den Brand in ihrem Marke fühlen. Wichtig ist, was der Verfasser über die grosse soziale Aufgabe des Pfarrers sagt. Der rasche Fortschritt der Cultur hat das Judenthum in seiner langen Exclusivität viel unvorbereiteter getroffen, als das Christenthum. Nun steht ein Theil von uns mit verbundenen Augen und thut, als glaubte er, er sei blind geboren, ein anderer Theil hat die Augen offen, drückt sie aber, wenn er bemerkt wird, zu, und ein dritter Theil hat die Augen offen, ist aber kurzsichtig genug, um die Vorgänge der Aussenwelt nicht wahrzunehmen. Verlassen wir das Bild. Die einen wollen das Judenthum ganz anderer Verhältnisse auf die Gegenwart übertragen, die anderen thun, wenigstens vor der Welt, als wüssten sie nicht, dass sie auf einem steuerlosen Schiffe Wind und Wellen preisgegeben sind und wieder anderen, und leider sehr vielen, fehlt das Verständnis dafür, dass das Judenthum mehr sei, als ein blosser Durchgangspunkt in der Weltgeschichte. Weniger wichtig für uns ist der zweite Theil über den Verkehr von Professoren und Studenten und über die akademische Pädagogik. Haben wir es ja noch nicht dahin gebracht, unser Publicum oder unsere Staatsverwaltung zu überzeugen, dass ein Rabbiner ein practisch gebildeter Mann sein muss, wenigstens genügte den Gemeinden die Thatsache der Competenz eines Bewerbers, um sich von seiner Fähigkeit zu überzeugen. Wichtiger ist der Abschnitt über die theologischen Disciplinen. Der Verfasser hebt zunächst ganz richtig hervor, dass die bisher beliebte Eintheilung in 4 Disciplinen nichts Kanonisches an sich hat, er ist übrigens auch mit ihrer Art nicht zufrieden. Die Schrifterklärung wird ihm zu gelehrt, die Kirchengeschichte zu ausführlich, die Dogmatik zu pedantisch und die praktische Theologie zu unpraktisch betrieben. Er stellt das unanfechtbare Postulat auf, dass die praktische Theologie eigentlich an alle Disciplinen angeknüpft werde, dass man sich vor den vielen Fremdwörtern'hüten müsse und besonders das beliebte Kauderwälsch der theologischen Spraohe meiden solle. Gerade das Letzte ist in protestantischen Kreisen sehr häufig. Da liest man ja von ,Abschattung des himmlischen Reiches“, von ״göttlicher Heilökonomie“ und so vielem anderen, was den Anfänger sicherlich abschrecken muss. Jüdischen Theologen ist besonders der Abschnitt über die praktische Theologie zu empfehlen Sie können daraus lernen, sich aufzuraffen zu einem Nachdenken darüber, wie der heutige Rabbiner sich zu einer seelsorgerischen Wirksamkeit erheben könne und nicht mehr, wie bisher, der Gelegenheitsredner für patriotische Feste, Hochzeiteu und Sterbefälle bleibt, mögen sie endlich auch daran denken, dass die protestantische Kirche, welche unter ihren Geistlichen Hofprediger, unter ihren Förderern Monarchen zählt, sich krank fühlt. Wenn sie nach dem Arzte ruft, brauchen wir nicht schon ein Consilium? Brünn. Dr. Deutsch. Empfehlenswerthe israelitische Werke aus dem Verlage von Baumgärtner’s Buchhandlung, Leipzig. Zu beziehen d. jede Buchhandl. Sehire beth Jaaeob. Israelitisches Schul- und Gemeinde-Gesangbuch. Zum Gebrauch beim Unterricht, in der Liturgie u. beim öffentlichen Gottesdienst herausgegeben von L>. Liebling, ehern. Cantor in Hamburg, und B. Jacobsohn, [351 Cantor in Leipzig. Preis gebunden 2 Mk. 40 Pfg. Bereits in vielen israelitischen Gemeinden u. Schulen eingetührt. TheoretiscHractisches Lehrand UetiiMsM zur Erlernung der hebräischen Sprache [362 von C. WEILL. Preis cart. 1 Mk. 20 Pfg. Handbuch der israelitischen Geschichte von der Zeit des Bibelabschlusses bis zur Gegenwart, für Schüler jüdischer Lehranstalten, höherer Bürgerschulen und Gymnasien, für Familie und Schulbibliotheken von Eznanuel Hecht. In d. 3. Auflage gänzlich umgearb. von Babbiner Dr. ML. Kayserling in Budapest. [353 5. Aull. 1884. Geb. Preis 1M. 80 Pf. In seiner gegenwärtigen Bearbeitung ein vorzügliches Buch, dessen Nachfrage m der That auch in letzter Zeit mit jedem Jahr sich gesteigert hat. Das Schächtfach. Methodisch bearbeitet von 1. Benjamin. 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Gottlob Brausch in Breslau, 384] Berlinerstrasse 69. 3m ®erläge vor Siegfried Cronbach in Söcdin ctfdjicn foeben: $stacnttf$e fjau0u. famtlien-C^nmüi »on ®rebiger V. XBoiff in Söcriin jrocite bcbcutcnb Ufvmciirte Sluftage. Cnartjormat 114 Seiten. 3• f}0d)el. Orig.33b. m. Ofolbjdin. 123JI. 3»110(belcai1alblcbcrb.m.Stt)10fel531t. W SDicfc« 9>rad>tu>trf evftcn 'Hange# eignet fid) gonj befonber« »u Wcjdicnfcu bei allen Familien• fc[ten (für SBerlobte, 'Jfcuucrmiiljlle, (fonfirmanben, Söar״mi^mn) [oiuie and) jmn bcuoriteljcnbcn?}affadj! fefiiti bnä ja reibt eigentlid) ein jami ■ bienfeft iff. [34! Verantwortlicher Redacteur Dr. Rahraer. Magdeburg. Druck von D. L. Wolff, Magdeburg. Verlag von Robert Friese, Leipzig.