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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1886-04-01 · N° 14. (1.4.1886) · p. Seite 56

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
15 (1886)
Issue
N° 14. (1.4.1886)
Date
1886-04-01
Page
Seite 56 (sequence 4)
Language
German
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— 56 — Denkvermögen, Gefhhl8vermögen,Begehnmg8vermögen and innerhalb der einzelnen Vermögen entsprechend den Gattungen nnd Arten der Seelenthätigkeit, also im Denkvermögen mit Empfindung«-, Gedächtniss-, Phantasie-. Verstandes- oder Begriffs-, Bildangsand Vernunft-Vermögen etc., und innerhalb dieser Vermögen hat er das bisher noch nicht ocoupirte Terrain der Phantasie zum Central-Büreau des Seins und Denkens, zum Hauptquartier und General-Stab des Welten-Schlachtgewühles creirt. Unter Phantasie wird in diesem System ein nicht bloss coinbinirendes, sondern ein freies productives Vermögen verstanden — zugegeben. Aber nun haben wir an dieser ״Phantasie“ unser metaphysisches Problem in seiner ganzen Ausdehnung wieder, nun wissen wir wieder nicht, was ist und wie entsteht diese Phantasie, wie differenzirt sie sich in die beiden entgegengesetzten Pole des Seins und des Denkens, der ״objectiven“ und ״subjectiven Phantasie?“ Ja, wie kann neben einer, ,objectiven“ eine ״subjective“ Phantasie bestehen? ן Ist die Phantasie etwas ״objectives“, wie kann sie etwas ״subjectives“, ist sie etwas ״subjectives“, wie kann sie etwas ״objectives“ sein? Die Kluft zwischen Subjectivem und Objeclivem wird dadurch nicht tiberbrückt, dass man über die unendliche Tiefe, die ״objective-subjective Phantasie“ legt. Diese Brücke hat keine Tragkraft, und wer sie betritt, muss Flügel haben. Die Flügel des Geistes sind aber die Phantasie und nicht das Denken. — (Schluss folgt.) Cboczner, Dr. Joseph, זכרונות Reminiscenoes of a Student of Jewish Theology. London 1885. XVI• und 84 S. 8*. Nach dem offiziellen Titel bietet uns der Verf. ״Memoiren“ m gereimter hebräischer Prosa mit einer in englischer Sprache abgefassten Einleitung, welche werthvolle Andeutungen über den ״Ursprung und Fortschritt der hebräischen Poesie in den nachbiblischen Zeiten“ enthält. Nach den Angaben des Verf.’s enthalten seine 9 in hebräischer Prosa gereimten Piecen Erlebtes und Erdichtetes. Sie enthalten eine moderne — und fügen wir nur gleich hinzu — eine überaus glückliche Nachahmung der arabischen Makämen des Al-Hariri, oder doch seines congenialen Nächeiferers Al-Gharisi, der in seinem ״Taschkentöni“ und in seinen ״Maohberoth Jthiel“ die Makämenform mit bestem Erfolge in die bebräische Litteratur eingeführt hat. Dass Choczner seine schwierige Aufgabe mit Meisterschaft beherrscht, wird Denjenigen nicht befremden, welcher seine treffiiohe hebräische Uebersetzung der Lieder Mirza-Schafiy’s von Bodenstedt kennt. Es ist kein geringer Vorzug, den man diesen hier in Rede stehenden Stücken naohrühmen muss, dass man ihnen nicht im Mindesten den saueren Schweiss der Mühe und Anerkennung anmerkt. Alle ohne Ausnahme sind mit solcher Gewandtheit und fliessenden Leichtigkeit, mit einer solchen ungekünstelten Natürlichkeit und ungebundenen Unmittelbarkeit abgefasst, dass man bisweilen bei der Leotüre gern der Illusion Raum giebt, ein Recitator producire sich mit seinen exaoteu Improvisationskünsten vor uns. Nicht nur die Form, sondern auch der Inhalt dieser Remiscenzen nähert sich der Anlage dar berühmten mittelalterlichen Makämen. In gemüthlicher epischer Breite werden in sehr ergötzlicher Weise drollige Schnurren erzählt. Unserem Gesehmacke haben die Nummern 3, 4 und 9 am Meisten zugesagt. Von ihrem Inhalte verrathen wir absichtlich Nichts. Wir möchten gern die Neugisrde der Freunde der hebräisohen Litteratur wachrufen. Wir können ihnen einige ebenso angenehme, wie genussesfrohe Stunden in sichere Aussicht stellen. Die Einleitung bringt, allerdings in gedrängtester Kürze, einen litterar-nistorischen Ueberbuok der Eint- Wickelung der naohbiblisohen Poesie bis auf Isaak Erter. Juda Halevi’s Zions-Elegie als Probe mitgetheilt, ist wohl geeignot, von den hebräisohen Dichtern des Mittelalters die beste Meinung aufkommen zu lassen. Auch der Auszug aus Isaak Erter*« ״Seelen- Wanderung“ ist eine klassische, poetische Leistung. Erter*8 satirische Pfeile treffen mit schneidender Schärfe in*8 Herz und die wuchtigen Geisselhiebe gegen die Charlatanerie geistig unbedeutender Aerzte, deren Operationeu zumeist den geschäftlichen Nutzen bezwecken und die Wissenschaft zur melkenden Kuh degradiren, haben auoh heute noch nichts von der Richtigkeit der Beobachtungen eingebüsst. Mit der Theorie des Verf.’s, welche er Philo. Josephus, Hieronymus und Anderen vindicirt, in der Poesie des Alten Testaments herrsche das sogen, heroische Metrum oder der griechische Hexameter vor, können wir uns unmöglich befreunden. Die Griechen, die Jonier Kleinasiens, sollen diese Versform den Hebräern entlehnt haben. Diese gewagte Theorie kann der Verf. nur durch die mehr als gewaltsame und bedenkliche Hypothese stützen, nach dem Abschlüsse des Kanon sei diese Prosodie und Metrik abhanden gekommen, so dass man in der Zeit der Gaonen faute de mieux die arabischen Metra in die hebräische Poesie eingeführt habe. Der Verf. übersieht, dass ein auf die Quantität der Silben sich gründendes Metrum schon ein gewisses Raffinement des Gosohmaokes voraussetzt. Bei einem der ältesten Culturvölker ist der Parallelismus membrorum, der die Harmonie des Inhaltes und nicht die Harmonie der F o r m im Auge hat, aus logischen and psychologischu Gründen die berechtigtste, natürlichste uud urwüchsigste metrische Form. Sohrau O.-S. Dr. Imanuel Deutsch. 3n1 ®clbftotrlagc be« Perjaffcr« ift crfdjicKeu unb »an bemfelbcn gegen franflrte ISinftnbung be« ®e־ trage« franco jn bejicfjcn: #ott unb ber 3®enf(f). 3n *uetfprttdjen ber »ibel alten nnb neuen Seftamentä, be$ Xalmub unb betf Äorau, jijftcmatijifd) in parallelen bargefteflt von S. Blumenau, ücfyrcr unb Prebigcr in Sielefelb. 2ej. 8. — .£>od)fcin autgeftattet. Prä«: broctirt 6 3Rarf; elegant gebunben 7'/, Platt. Scfjr güitftige 'Jfccenfioneit in ,3Ugem.3(lt.b 3ubcntl!)umti", ,,*0pul<ivu>iffenT$aftHd)c9R0; uatebtätter“, 34״r. iöodten• 3״«Mf4e *reffe", ״@ropa", ״*efter 5JU>t»b״, 9lati<mal:3<it.", 3״«b. Gen־ tralblatt" unb uiclen anbereu fleitfdjriften. — ®(;renoollfte Mucrtcnnung über Plan unb Pubfübrung in flu־ fdjriften ber Herren: profefjor Dr. lia$aru«־®crlin, Cbcr־?Hab bitter Dr. Äatffetltng ®ubapeft,!Habb. Dr. 3Runf<Pfarburg, profeff• Dr. ftranjJJDelftjfdjVcipaig u. aub.) Pcrlag nun 3. fia uff mann in ^ranffurt a. 9g. [883 jung, bic oierunbjiuanjig ®üdjer ber .,peil■ Sdirift, 11. b. tnaforet. Ie£t überfeft. iitubbb. 4R.3.'>0 — flur Wctd)id)tc unb Sitteratuv 1. (einj.) iüanb SK. 5♦.— — iiittcratiirgcfdjidjte ber )"»na־ gogalcn Poefie SK. ti.öO — vJadjüng ba,5u Pf. 3.— — ©efammcltc Sd)riften 3 Pb. SR. lü.- lit })efiait, nit Ueberfefjung, beutfdjem Summen־ tar nnb mufifalifdjer peilagc non i. 9g. 3apljet (Perlag oon f. ftauffmaun in g-rantfurt a. PI.) reiä geb. PJf. — 70, in Pradjtbanb mit ©olbfdjn. PH. 2. [334 Pott ״Zaiemoti *(effnet" sJ{fld)1jdaf)enc ®djrifteu ift bic 3. fiieferung, prebigten über bae 3. Pud) Pfoj. eutljaltcnb, foeben er[(f)ienc11 unb bitrd) jebe Sud)l)anb lung ju bejieben. Preis Pi 2. gvantfurt a. PI. 3. ftauffmamt. flm Perlage uonSiegfried Cronbach in ®erlitt erfdjicn foeben:?sraeUtift^e §11110 u. faotilieit-Chronik 001t Prebiger 1J. 3öotff in ®erlin jtpeite bebeutenb oermebrie Auflage. Quartformat 114 «eiten. 3« hochelegantem Originalbanb mit «olbjdjnitt PI. 12. 311 I)0d)eleganten1 Italbleberbanb mit »ctlofi Pf. 15. Wr liefe« *radttoerf erften fKangee eignet fiel) 9011,5 beionberä »u tiJefdjettfen bei allen flamilien« feften (für Perlobte, 'KeuoermHIjlte, (Soufirmanbett, ®ar-mijioai fotuie aud) jum beoorfte^enben *affadj! fefte, ba« red)t eigentlich ein ftami־ lienfeft ift. |34L Verantwortlicher Redactear Dr. Kahiner, Magdeburg. Druck von D. L. Wollt, Magdeburg. Verlag von Robert Friewe, Loipaig.

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