Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 15 (1886)
- Issue
- N° 14. (1.4.1886)
- Date
- 1886-04-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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—Jüdisches Litteratur-Blatt. Zar Beleachtaafr *Jler J«de»t)1aftt «ad Jmdea ketreffeaUe« littararitchaa Er* •chclaaagea «af de» Gebiete der ThUe* •epkie* Gearhiehte, Ethnographie* Theo* logla, OHentalla, Exegeee« Ho*o»letU, Mlarglk, l*id**0|rih. Herausgsgeben von Rabbiner l)r. Moritz Kahmer. 1. £Tpti( 1386. Hlcherdereiaurlilfolcea l<fkt*ratar,nelrl«t der K«4a.tl<1tt wrrdea, ttndea ia dleavn• 1‘imrrhmde Heepreebaair. Bel Ktnaendtin^ von «frei Keceaiiva«• K*r!s1 pluren *rfol*t einmalige karse '4>r4fl'*in«frt(on. Das nJIdlscke Lltteratnr-Blatt« erscheint wöchentlich iu einem halben Bogen Preis bei;1111*11 Buchhandlungen (in Leipzig bei Robert Friese) pro Jahreang 8 Msrk. Abonnenten der ״Israelitischen Wocheusciiritr״ ulie vierteljährlich bei allen Postanstalten und Buchhandlungen 8 Mark kostet) erhalten das ״.Indische Litteratur-Blatt“ graris. luserate werden mit 85 Pf. für die gespaltene Petitzeile, Beilagen mit 16 Mark, berechnet und sind an die Expedition dieses Blattes zu senden. Ht* Buchhändler, welche direct oder durch Robert Friese in Leipzig Inserate einsenden, erhalten 25 Rabatt. Inhnlt: W issenschaftliche Aufsätze: Moritz Steinschneider. Eine litterar-historische Skizze. (Schluss.) — Moses Mendelssohn und das Judenthum. (Schluss.) — Litteraturbericht:Recensionen: ״UeberdieOrganisationu. Cultur der menschlichen Gesellschalt“ von J. Froschhammer, Professor der Philosophie in München. — Choczner, Dr. Joseph כרעות! Reminiscenses of a Student of Jewish Theology. Inatral e._ Nachdruck nur mit ■voller Quellenangabe gestattet. Moritz Steinschneider. Eine lilterar-blstoriscbe Skizze. Zu seinem 70. Geburtstage, 30. März 1880. (Schluss.) Vier Sommer hindarch hatte er zum Entwurf dieser mähevollen Arbeit in den Jahren 1848—1858 in Oxford seinen Aufenthalt nehmen mässen, um das kostbare, handschriftliche Material zu besichtigen und zu prüfen. Auch eine Anzahl Ergäuzungs- Schriften und vergleichende Arbeiten zu dem grossen Werke erschien in diesen Jahren.1*) Dem ״Bodleian- Katalog“ reihten sich andere Arbeiten würdig an, z. B. ״Die hebr. Handsohr. der Leydener Bibliothek (1858) der k. Hof• und Staatsbibi. in München“ (Münohen 1875), zu der auch eine gleichbetitelte Ergänzung in den Sitzungsberichten der Münchener Akademie folgte, ferner der ״Katalog der hebr. Hand- Schriften in der Stadtbibliothek zu Hamburg“ (Hambürg 1878) und ״Die Haudschriften-Verzeichnisse“ der königl. Bibi, zu Berlin (Berlin 1878). Diese Leistungen erforderten sämmtlioh Schärfe der Kritik, polyhistorische Schulung, welche St. bereits am 1. Oct. 1844 bekundet hatte, als er in der ersten Versammlung deutscher und ausländischer Orientalisten zu Dresden über ״die fremdsprachlichen Elemente im Neuhebräisohen und ihre Benutzung für die Linguistik“ (gedruckt Prag 1845) eingehend referirte. Jedoch war ihm die Philologie nur Mittel, nicht eigentlich Lebenselement. Letzteres fand er in der Litteraturgesohiohte, wie er denn auch auf diesem Gebiete bahnbrechend gewirkt hat. Sein Artikel ״jüdisohe Litteratur“ ist der erste und bisher nicht wieder aufgenommene Versuch einer streng wissenschaftlichen Dar- Stellung der gesammten jüd. Litteratur. Dieser wichtige Artikel erschien im Jahre 1849 in der bekannten ״Beal-Encyklopädie von Ersch und Gruber“ (Seot. II, Bd. XXVIlf) und wurde 1857 von dem königl. Buchdrucker und Magister Spottiswoode in London ins Englische übersetzt. Das fast 400 Seiten zählende Buch ist seit 1874 vergriffen. Es kann in Wahrheit, was Kritik und Darstellung anbetrifft, Zunz’ ottesdienstlichen Vorträgen an die Seite gestellt weren. Zwei Jahre später erschien sein q Bibliographisches Handbuch für hebräische Spraohkunde“ als selbständiger Anhang zu Geseuius ״Geschichte der hebr. Sprache“. Für die von Zunz so meisterhaft dargestellte Geschiohte des jüd. Ritus lieferte St. einen werthvollen Beitrag in dem von ihm wieder entdeckten arabischen ״Siddur des Saadia Gaon“ (cf. Zunz Ritus p. 19), welchen er zu Oxford gefunden. Ueber die unredliche Art, iu welcher St. am die Fracht dieses Verdienstes gebracht wurde, berichtete er selbst iu einer kleinen Schrift von vier Seiten vom Jahre 1856, betitelt ״Der Siddur des Saadia Gaon, entdeckt von M. Steinsohneider“. (Die Rüoksicht auf noch lebende Personen verbietet es uns, auf diesen Punkt des Näheren einzugehen. Es genügt, zu bemerken, dass der für die Geschichte des synagogalen Ritas so wichtige Fund heute allgemeine Würdigung gefunden.) Aber auoh für die praktische, religiöse Belehrung war St., dem oft Weltducht und Gleichgültigkeit zum Vorwurf gemaoht werden, duroh sein 1880) ראשית הלמוד) und sein 1861) משל ומליצה), sowie durch das schon früher mit M. Horwitz im Jahre 1847 herausgegebene ואמרי בינה eifrig bemüht gewesen, während er in demselben Jahre durch Nachbildungen hebr. Diohtungen aus dem 11.—13. Jahrhundert, die unter dem Titel ״Manna“!Berlin) erschienen, die Zahl der um die deutsche Nacionallitteratar duroh geschickte Uebersetzungen verdienten Juden vermehrte. (Cf. H. Kurz, deutsohe Litterargesoh. Bd. IV). Ein wunderbares Talent befähigte St., das sch wierige Feld zu bearbeiten, auf welchem jüdisches und niohtjüdisches Geistesleben sich verbindet oder in einander aufgeht Wir erwähnen hier u. A. seine ״Polemisohe und apologet. Litt, in arab. Sprache, zwischen Muslimen, Christen and Juden, nebst Anhängen verwandten Inhalts. Mit Benutzung handschr. Quellen“ (Lpzg. 1877, 456 Seiten), seine Beiträge zur Gesoh. der Medicin, Mathematik etc. in Virchow’s und Rohlf’s Archiven, in ״Sohlömilch’s und Cantors Zeitschrift für Mathematik“, seine Arbeiten mit dem Fürsten Boncompagni in Rom etc. etc. Der allg. Geschichte der Philosophie hat er mit seiner Arbeit über Maimonides (1857) und duroh das treffliche Werk über den arab. Philosophen ״Alfarabi“ (Peterb. 1869 cf. Ueberweg ״Gesoh. der Philos.“) u. s. w. werthvolle Beiträge geliefert. Für seine Glaubensgenossen, deren einzig dastehende geistige Elasticität er wie Wenige duroh seine Stadien kennen und bewundern gelernt, hatte er ein stets warm empfindendes Herz. Seine Schrift ״Giuda Romano etc.“ (Rom 1876) machte auf die damals