Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Litteratur-Blatt · 1886-03-25 · N° 13. (25.3.1886) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)

OCR text

11 entity mentions

—J* *: Jüdisches -a-8•?v- Litteratur-Blatt. £vr Belnrhtnig «Iler JUtitkiii and Jadta betreffende* HtterarUehen Sr* «chelnsagea *af dem Gebiete der Philo• «ophle, Geecblehte> Ethnographie, Theo• logie, Orient*!!*, Kxegeae, OomJletlk. lltirgik, Pädagogik. Heraasgegeben TOD Rabbiner Dr. Moritz Rahmer. SltcMj25. 0T£ät<& 1886, Bfirher derel«nchlftgige* l.ltteratur,welche der Kedar Hon mgeaandt werde*, finde* ln dienern Blatte eingehende Reaprechang. Bel Klneendung ▼on awel Kerenaiona• Exemplaren erfolgt einmalige kirnte GratU>lnaertion. Daa ״Jfldlsche Lltterat1r-Bl*U« erscheint wöchentlich in einem halben Bogen Preis bei allen Buchhandlungen (in Leipzig bei Robert Friese) pro Jahrgang 8 Mark• Abonnenten der ,!Israelitischen Wochenschrift“ (die vierteljährlich bei allen Postanstalten und Buchhandlungen 8 Mark kostet) erhalten das ״Jüdische Litteratur-Blatt“ gratis. — Inserate werden mit * PL lür die gespaltene Petitzeile, Beilagen mit 16 Mark, berechnet und sind an die Expedition dieses Blattes zu senden. Buchhändler, welche direct oder durch Robert Friese in Leipzig Inserate einsenden, erhalten '25 ji Rabatt. Inha 1 ti W issenschaftlicheAufsätze: Moritz Steinschneider. Eine litterar-historische Skizze. — Moses Mendelssohn und das Judenthum. VI Jerusalem. — ״Einiges über Eduard Lasker“ von Leopold Freund. Besprochen von Max Weinberg. Litteraturbericht: Recension: "Wölfl, Lion. Hochzeit«- Agende nebst Anhang Trauungs-Agende. Notiz. — Inserat. Moritz Steinschneider. Eine litterar-historische Skizze*) Zu seinem 70. Geburtstage, 30. März 188(!. Moritz Steinschneider, einer der verdienstvollsten jüdischen Gelehrten, begeht am 30. dieses Monats das Fest seines 70. Geburtstages. Er entstammt der Gemeinde Prossnitz in Mähren, ־welche sich durch die Rabbiner Löw Schwab, H. Fassei, den späteren Oberrabbiner in Gross-Kanisza, Leopold Löw und andere, deren Unterricht er genossen, eines guten Rufes erfreute. Sein Vater, ein für die damalige Zeit hochgebildeter Mann, Hess ihm eine vorzügliche religiöse und weltliche Bildung angedeihen, welche durch den Verkehrskreis des Hauses nicht wenig gehoben wurde. Bei Neh-Trebitsch, dem als Commentator zu Moses Maimonides ״Jad-ha-Chasaka“ bekannten Gelehrten, hörte er in seinem 13. Lebensjahre Talmudvorträge, später, im Jahre 1832, folgte er Trebitsch nach Nikolsbürg, woselbst er sich als Lehrer des Französischen und Italienischen und durch eine Stelle als Hofmeister ernährte. Von dort begab er sich nach Prag, wo er dem Studium der allgemeinen Philosophie, der Aesthetik, Pädagogik und der neueren Sprachen oblag. Hier traf er einen Chirurgie studirenden Böhmen, Abraham Benisch, welchen er im Verein mit Albert Löwy, dem jetzigen Reformprediger in London und Sekretair der Anglo-Jawish-Association, in dem Vorhaben unterstützte, zur Herstellung eines jüd. Reichs in Palästina beizutragen, weil man von der Erfüllung dieses Planes durchgreifende Reformen für das gesammte Judenthum erwartete. Benisch wanderte mit Löwy nach England aus, während Steinschneider, welcher das Utopistische des Unternehmens bald erkannt hatte, sich im Jahre 1836 nach Wien begab, woselbst er Geschichte studirte und im Verkehr mit dem jüd. Gelehrten Leopold Dukes sich der neuhebräischen und orientalischen Litteraturgeschichte und Bibliographie zuwandte. Da ihm der Eintritt in das orientaliscbe Institut untersagt wurde und er nur mit Mühe die Erlaubniss erhielt, in Wien noch einige Vorlesungen hören zu dürfen, benutzte er die ihm vergönnte kurze Zeit zur Erlernung des Syrischen und Arabischen, während ihm Lehrerstellen, wie z. B. *) Nachdruck dieses Artikels verboten. bei den Brüdern Grafen Lichnowski, deren Schwester und Schwager, dem Fürsten Khevenhüller-Metsch, den täglichen Unterhalt gewähren mussten. Da selbst Isaak Noa Manheimers Bemühungen ihn nicht vor der Ausweisung schützen konnte, ging er nach Leipzig, hörte bei Fleischer Arabisch und betheiligte sich an der von Delitzsch begonnenen Ausgabe des ״Ez Chajjim von Aaron beu Elia“. In Berlin, wohin St. im Jahre 1839 gekommen war, lernte er Zunz, Geiger u. A. seiner späteren Freunde kennen. Im Jahre 1842 lebte er wieder in Prag als Hauslehrer, woselbst er mit Rappoport und Michael Sachs ▼erkehrte, welch’ Letzterem er 1845 nach Berlin folgte. In der Nacht des 17. März 1848 unterschrieb Friedrich Wilhelm IV. das lang ersehnte Niederlassungsdekret. Die Ereignisse dieses Jahres führten auch St. auf kurze Zeit zu journalistischer Thätigkeit. Er war Parlamentsberichterstatter der ״Nationalzeitung“ und korrespondirte mit der ״Prager Zeitung“. Kurze Zeit darauf wurde er zur Anfertigung des Bodleianisohen Katalogs nach Oxford berufen. Hier lernte er Herrn von Bunsen und den Sprachforscher Max Müller kennen. Von der Universität Leipzig erhielt er für seine literarischen Arbeiten i. J. 1850 die philosopbische Doctorwürde und 1851 wurde er an die Ephraim-Veitel-Heine’sche Lehranstalt zu Berlin berufen, an welcher er noch jetzt als Docent thätig ist. Auch fungirte er officiell als jüd. Gelehrter bei der Abnahme des damals üblichen Judeneides bei öffentliehen Behörden, ein Amt, welches ihm so viele Strapazen bereitete, dass er gerne die Stelle des Dirigenten an der jüd. Töchterschule zu Berlin und als Hülfsbeamter der königl. Bibliothek annahm. In seinen Lebensbedürfnissen sehr bescheiden, frei von kleinlicher Eitelkeit, führt er in seinem häuslichen Kreise ein zurückgezogenes aber glückliches Leben, von früher Morgenstunde bis in die Nacht hinein stets arbeitend oder correspondirend, von den Mitgliedern der Gemeinde und jüdischen wie christlichen Gelehrten hochgeschätzt. Steinschneider gehört zu den ersten Repräsentanten des Kampfes für die Anerkennung der jüdischen Wissenschaft. Gaben des Geistes und Herzens, Talent und seltene Arbeitstreue haben ihn dazu befähigt. ÜDter den Sohülern des Altmeisters Zunz ist er derjenige, welcher zuerst die neue, auf religionsgesohichtliehe Disciplinen angewandte Methode für das weite Feld der Philosophie, Naturwissenschaft und Medicin nutzbar machte, insoweit diese Wissenschaften von der Zeit des talmudischen Schriftthums bis auf unsere Tage gepflegt worden sind. Schon der Wille, dieses Werk zu vollführen, wäre ein Verdienst zu nennen,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.