Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Litteratur-Blatt · 1886-03-18 · N° 12. (18.3.1886) · p. Seite 48

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
15 (1886)
Issue
N° 12. (18.3.1886)
Date
1886-03-18
Page
Seite 48 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
85% known words query
IRI
…/6492408-5990841-5991138--0883-5368178
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Titers hinter! zssen worden — noch zu Menschen eines anderen Stammes als des Volkes Israel. . . . Und dooh will es mir scheinen, begann Meier wieder, als wohnte in diesem beschränkten, schlechten und rachsüchtigen Menschen eine grosse Seele ... Er ist sehr geduldig, Tag und Nacht sitzt er über seinen Büchern — er ist sehr mitleidig! Seine Augen füllen sich mit Thränen, wenn arme Leute klagend und weinend vor ihn treten ... er weist keinen von seiner Schwelle, belehrt und tröstet Jeden . .. verlangt nichts fiir sioh, und ist so stark, ach Ber! so stark im Glauben . . . ״Und wie denkst Du aber das arme Volk, über die Menschen, deren Körper vor Hunger verdorren, deren Köpfe vor Weh und Sorge schmerzen von der VeracHung, da nun nahezu zweitausend Jahre auf ihnen 1astet, tief gebeugt sind, uud die, wie der Durstige zur Quelle, zum Born der Weisheit eilen, um daraus zu schöpfen? Frage nicht darnach, ob diese Weisheit echt oder unecht ist, aber betrachte, wie sie in Armuth, Elend und kleinlicher Umgebung lebend nach dieser Weisheit dürsten, wie sie ihre Gelehrten verehren, und an dem, was sie als heiliges Gebot erkannt, getreu festhalten. Glaubst Du nicht, dass dieses verdammte habgierige, schmutzige Volk eine grosse Seele in sich trägt? Meier hob das Haupt. Wie immer, wenn er b9wegt war, bedeckte Böthe seine Stirn. Israel hat eine grosse Seele in sich, und ich liebe es mehr als meinen Frieden, mein Glück, ja mehr als mein Leben. So sprachen miteinander die beiden Männer, der eine an die Wand des Bet-h&-Midrasch gelehnt, der andere dicht vor ihm stehend. Sie sprachen lebhaft und mit heftigen Geberden. Meiers Antlitz war bleich und die Augen im Feuer, Ber hatte die Stirn gerunzelt, und die Lippen zitterten leicht. Wer immer aus einer andern Welt als derjenigen, in der diese beiden lebten, fühlten und dachten, auf sie geblickt hätte und den Inhalt ihrer Bede zu errathen bemüht gewesen wäre, würde gedacht haben: sie kaufen, ver• kaufen, handeln, sprechen von ihren Geschäften! Können Leute ihres Schlages an etwas anderes denken, von anderem sprechen, aus anderen Ursachen leiden? Ob sie es können! Sie denken, sprechen und leiden, doch Niemand horcht ihrer Worte, Niemand versteht ihre Gedanken, Niemand verlangt danach, ihre Leiden zu errathen. Es ist ein grosser und geheimnissvoller See, selbst von denen unerforscht, die in ihm untergehen! (S. 186.) Eines speciellen Eingehens auf den Entwicklungsgang und Inhalt der herrlichen Dichtung enthalten wir uns absichtlich. Dem Freunde dieses Litteraturzweiges wird das Gegebene genügen. Nur das mag hier noch gesagt sein, dass das Verhältnis Meier Ezofowicz, des Haupthelden, zu Golda, dem Karaitenmädchen mit einer Keuschheit und Anmuth aufgefasst und durchgeführt ist, die etwas unsagbar Bührendes haben und wie nur eine grosse Dichterin es vermag. — Die Tendenz des Buches, die mit dem Lessing'schen Nathan einem Ziele zustrebt, lässt die Dichterin in dem Schlusssatz ihres Werkes in den herrlich schönen Worten ausklingen: ״Leser! welches Stammes Blut auch in Deinen Adern fliesset, wie und auf welchem Felde dieser Erde Du auch Gott verehrest — wenn Dir jemals auf Deinem Lebenswege Meier Ezofowicz begegnet, reiche ihm eilig und warm, freundlich und hilfreich die Bruderhand!“ Ein Wunsch, den die Dichterin bei allen vonurtheilslosen Lesern sicherlich erreicht hat. Auoh der Illustrator des Buches hat sein Bestes Aufgeboten, um sich der Dichtung würdig zu erweisen und vom Uebersetzer gilt ein Gleiches. loh zweifle nicht, dass Meier Ezofowicz sioh bald in immer weiteren jüdischen Kreisen Eingang verschaffen wird. Es ist ein achtes und rechtes Familien— buch im besten Sinne. Und da, wo man Komperts, Sacher Masochs, Karl Emil Franzos’ und Bernsteins Judengesohichten mit Behagen und Verständniss gelesen und seiner Familienbibliothek eingereiht hat, wo man Oppenheims Familienbilder mit liebendem Auge betrachtet, da wird man zweifelsohne auch Elise Orze8zko bald einen Ehrenplatz einräumen. Auch in Bibliotheken jüdischer Logen, in Gemeinde-, Vereins- und Seminar-Bibliotheken wird man auf diesem Gebiete nicht leicht eine schönere Acquisition machen können. Max Weinberg. (Dem Herrn Verleger haben wir den Wunsch auszusprechen, er möchte von diesem Buche neben der 80 fein ausgestatteten, iUustrirten Ausgabe ein» billige Volksausgabe veranstalten; er würde sicherlich damit ebensowohl den Intentionen der Verfasserin, wie der vielen kaufbegierigen Freunde des Buches entsprechen. Bed.) Notiz. Die von Herr L. Cohen*) in No. 10 d. Bl. gegebenen. Berichtigungen einiger Datenbestimmungen in Zunzens Z. Gl. und L. stimmen genau. Nur zu der im Absatz 5, muss ich bemerken, dass das Datum 17. Adar doch richtig sein kann, indem das betreffende Jahr 1585 (שמ״ה) ein jüdisches Schaltjahr war, in welchem wohl der 17. Adar II auf einen Samstag fiel, während dort Adar I gemeint ist, wie dies deutlich das oeigefügte bürgerliche Datum II). Febr. zeigt. Es ist aber die Berichtigung schon aus dem Grunde gegenstandlos, weil die Beigabe der Jahreszahl 1585 bei Zunz selbst auf einen Irrthum beruht, da das Buch חכמת מנוח in Prag nicht in jenem Jahre sondern erst H>12 gedruckt wurde. Dies hat bereits ein anonymer Kritiker (Carmoly?) im Orient 1850״ No. 31) nachgewiesen, und ist auch in dem bibliographischen Werke אוצר הספרים von Benjakob so angegeben. Prag. Simon Hock. '*)Berichtigung^S^43^S£^_2^zu^Na_2^_lie2_ii21Lfll2222r }«rillt 344,000; k«1 ■ er kttileilt «littknifftif fitttr iktrl|««ft; ««Heiken etffreUe« ätktrH«1|t« ufilffrenke« SytiAt■• Ä׳ iqc 0(19 gau.sc vn־ kirt ber (jtar&cTobc unb Scibioäjttjf für Damen, 9Mabcf)rn unb Snaben, inte für kaä *arte« Sinkeäaltot umfafien, ebem'o bie Scibinäiibe fiir Herren unb bic Bett unb Zti<b1niif4< :c., mir bic $ankarbci1eu in lieem ganzen Umfange. 2 Beilagen mit cuna 200 Scfmittmuitrrn für olle Orgrnflfinbe ber QJatberobe unb rtma 400SPiuftcr־Bonti<t1uungcu für iiicij! unb Buntfiidrrci. 9lnmenS.i£biffren!c. Zbonncmcnt« merbrn jebcr.jfti angenommen bei allen BuckkunMungen unb 'Jiuitan׳ Italien. — Btokc.9iummrrn grati« unk franco buirti bie (fmebittou, Berlin W, '!!.'tebnincr Sir. 38; Biicn I. Opern, gaffe 3. _ _ ftiir mein®uO־,®Jcip־, -JödIL, .fturjinaaren־ uni־ ®ufamenten־ gefebäft iudio 1d) ein Jiebr» mnbeben [31!1 ütpfalie 'Beutb in ®leicberobe 3m SelbftDerlage beä SSerfa|'icr& ift erfdjienen unb Don bctnfelbm gegen franfirte Ginfcnbung btä 83«־ trageä franco ju bcjicfjcn: $*tt unb ber TJileiifeO. 31t ®u«fprüd)en bet SJibet alten nnb neuen!Seftamentä, be« Salmub unb beä ftoraur }1)ftemat()i|dj in parallelen bargeftedt Don S. Blumenau, Seljrer unb Prebigcr in SJteltfelb. 2ej. 8. — .hochfein aulgrftattet. Preiä: brodjirt <5 fDinrf; elegant gebunben 7 */, Start. Seljr giinftige 'Jtcccnfionen in׳ ,3llgem 3eit.b.3ubenti)um4'V ״'DopulärmiffenfAaftlidbeOTo־ nateblätter", 3#״v. ®Jochen־ fdtrift“, 3״übtfd)e ®reffe", ״tfropa“, ״®efter 5*lot)b"r 57ati011al3־eit.״3״ ,״b. Gen־ tralblatt" unb Dielen anberen 3eit־ jdjriften. — tflfrniDoflfto?lucrfenming über Plan unb IHuefiibrung in idfriften ber Herren: Profcifor Dr. Pa^arue־'■Berlin, Cbcr3־tabbiner Dr. ftatfferliiifl 'üubapeft, :)tabb. Dr. üÄunf־Starburg, Profefj. Dr. $ran{ 3?el«t}fcb2־eipjig u. anb.) Yorantwortlicher Reäacteur Dr. Kahm er, Magdeburg. Druck von D. L. Wolf f, Magdeburg Verlag von Robert Friss«, Leipzig.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.