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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1886-02-11 · N° 7. (11.2.1886) · p. Seite 28

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
15 (1886)
Issue
N° 7. (11.2.1886)
Date
1886-02-11
Page
Seite 28 (sequence 4)
Language
German
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— 28 — der chemischen Industrien Deutschlands betreffe der Sonntagsarbeit dahin aus, dass eine weitere Beschränkung derselben in der chemischen Industrie überhaupt und zumal der Soda-Industrie von grossem Nachtheil wäre. In Oesterreich hat man sioh gezwungen gesehen, das die Sonntagsruhe betreffende neue Gesetz, nachdem es kaum ein Vierteljahr Geltung gehabt, in wesentlichen Punkten einzuschränken. Das Gesetz hatte der Regierung in Bezug auf Einzelheiten einen sehr grossen Spielraum gewährt und ihr die Be will igung mannigfacher Ausnahmen gestattet. Davon Gebrauch zu machen, kam nun die Regierung sehr baid in die Lage. Es sind nämlich — und das ist sehr bezeichnend — von der ländlichen Bevölkerung und von sog. kleinen Geschäftsleuten in den Provinzortschaften massenhafte Proteste dagegen eingebracht worden, dass die Geschäfte schon am Sonntag Mittag, wie es das Gesetz befahl, geschlossen werden, da die ländliche Bevölkerung fast durchweg gerade am Sonntag Nachmittag ihre Einkäufe besorgen müsse. Es ist bemerkenswert!!, dass die zahlreichsten Proteste gerade aus den bigotten Gebieten einliefen. Die der evang. Generalsynode Preussens von Seiten sämmtlicher Minister gewordenen Bescheide, ans denen gleichmässig die Bereitwilligkeit zu einzelnen Dienst- und Verkehrsbeschränkungen im Interesse der Sonntagsruhe, zugleich aber auch die entschiedene Ablehnung der weitergehenden Forderungen hervorgeht, können wir hier des Weiteren nicht mittheilen, so interessant sie nach vielen Riehtungen hin auch sind. (Forts, von XII in nächst. No.) Litteraturbericht, Recensionen. Joel, Dr. M. Religiöser Vortrag bei der gottesdienstlichen Feier des hundertjährigen Todes Moses Mendelssohn’s. Breslau, S. Scbottländer 1886. -Festpredigt beidergottesdienstlichenFeier des Regierungs-Jubiläums unseres Kaisers und Königs Wilhelm I. Breslau, S. Schottländer, 1886. Zwei gleichzeitige Gaben von Joel, ausgezeichnet durch alle die Vorzüge, die einzig und allein unsern Joel auszeichnen. Die letztere der voran steh enden Predigten hat zum Texte: ״Und diesen Stab nimm in deine Hand, er ist es, mit welchem Du die Wunder- Zeichen thun wirst". Joöls Rhetorik ist gleichsam selber ein solcher Gottesstab: sie schwebt nicht in der Luft der Confessionslosigkeit, sie grünt und blüht immer in der Nähe der heiligen Tafeln des jüdischen Schriftthums — sie steht durch und durch aut dem Boden der Synagoge; sie ist ein Friedensstab, so klar sie auch das Tadelnswerthe demaskirt; der starrste Textes-״ Felsen“ muss, von ihr berührt, die klarsten ״Wasser“ philosophischer, geschiehtlieber und religiöser Betrachtung hergeben, und wann und wo Joel diesen seinen Mosestab erhebt, da fühlt sich der Israelit gestärkt und gehoben: ונכר ישראל. Wenn ferner von dem Mosesstab erzählt wird, er sei צ״ש בין השמשות erschaffen worden, d. h. wohl, er sei ein natürlicher, ungekünstelter, nicht lange Zeit gedrechsclter und geschnörkelter Stab gewesen, 80 sieht man es den Joel’schen Reden an, dass ihre stets ausgereiften Gedanken doch vor צ״ש בין השמשות in die rhetorische Werkstatt genommen werden: kurz und bündig wird der Gedanke ausgesprochen, innere Gediegenheit, nicht äussere Ornamentik, ist der Zauber Joel'scher Rede. — Auch in den rubrizirten 2 Reden wird der Leser sich diesem Zauber nicht entwinden können. Gold Schmidt- Weilburg. Denkrede auf Moses Mendelssohn am 4. Januar 1886 von Dr. A. Jellinek, Wien 1886. M. Waizner. Es ist ein Gang durch ״Jerusalem“, die 8. Z. von Mendelssohn neuerbaute Gottesstadt der Religionsfreiheit, den wir an der Hand des berühmten Wiener Predigers antreten. Und es ist ein entzückender Gang an der Hand dieses begeisterten Führers! Zwar kann er uns nur durch die Hauptstrassen führen; aber er macht uns auf alle die wichtigen Neben- Strassen aufmerksam, die in dieselben münden, zeigt uns die herrlichen Aussichten, die sich vor uns eröffnen, und den Weg, den wir wandeln, hat der Führer mit den herrlichsten Blumen der Poesie bestreut und über unserem Haupte hat er die liebliebsten Guirlanden seiner dichterischen Beredtsamkeit gewunden: der Leser wird von dem Verlangen erfüllt, in diesem ״Jerusalem“ länger zu weilen und sich selbst darin heimisch zu machen — Her grösste Triumph der Beredsamkeit, nicht blo-s zu belehren, sondern auch anzuregen; nicht bloss Früchte zu reichen, sondern auch, um mit Jellinek zu reden, ״Saaten auszustreuen“, die zu Früchten reifen. — Goldschmidt- Weilburg. Notiz. 1• ״ משחק בקוביאWürfelspiele!•“. Dass derartige Personen zur Zeugenschaft nicht zugelassen werden durften, dürfte Talmudkundigeu nicht unbekannt sein; in Böhmen kann man noch von älteren Rabbinen קבלות sehen, wo dem שוחט aus'- drück lieh verboten wird, ein משחק בקוביי zu sein. Warum, so fragen wir mit Recht, dieses strenge Verbot gegen das Würfelspiel? Selbst zugegeben, dass das Würfelspiel ein Hazardspiel ist, so ist die Rigorosität trotzdem damit nicht erklärt Belehrung hierüber orhieit ich aus Hefele’s Conciliengeschichte p. I 191. In der Synode zu Eloisa 306 wurde nämlich bestimmt: ״Si quis fnlelis aleam id est tabulam luserit nummis, placuit cum abstineri“. Den Grund hierfür findet man nach Hefele bei Sueton in Aug. c. 71. Die Würfel der Alten hatten nämlich auf ihren Platten nicht Augen oder Zahlen, wie die unsrigen, sondern Bilder, auch Götterbilder, und wer das Bild der Venus warf, gewann alles. Dies erklärt vollständig, das strenge Verbot gegen die ״Würtelspieler“, das allerdings für unsere Würfel keine Geltung haben kann, denn: cassante causa cessat effectus._Rmg. J«fI»|t 344,000; >«* »trbrtift ttn litt »tut fkt «Uli 1 ttr ütttlnsfl; »Mljrtlni trfktiim jlrkrrlrl|MB»fw iw |»ilffrrwkr■ 3gn*t«. 91( tMofe(mt>>lt. 3Uuftrittr,3titu1׳g | (Uv ToUcttt unb fynibarbeiten.Vfo. uatliiti jrori 5!um mcrBretSplertrl• jäl1rli<$ OT. 1.25 — 76 Sr. Sä tri id) t rf d)ci um: 24 '!!itmntrrit mit 10 i 1 c 11 c 11 unb i'aubaibeliat.riit lialiriibgeaeuiäOOO Vibbllbuiigeti i.il Beitreibung,luel d)r bnä unnjr Ote־ biet ber (»arbrrol'r 11116 Seibmäidie für Tarnen. ®liibdien uiib Siinbru, rate für ba«!örtere Sinbrbaltct umfaficu, ebenio 6Ir Seibmäidie für (rrrrn uitb blr Bett* unb lüdiraüfiftc 1c., mit bic Qaubarbtitm in ibrrm gaujeu Umfangt. 2 Beilagen mit ttroa ZK) @d)11tttmuftern fur ■■lir (ücgrniiäiibc ber iS tbtrebt unb rtraa iOO®!u(ttr180־r cttljimitgcu für üictf!. unb Buntiiiderei, ')!amettb.tllnffren 1c. Hbonnement« rarrbcu irbrrjclt angenommen bri aucu Budüianblungen unb Boitan• ftaltrn. — Brobe (Hummern grati« u b franco blird) bie drpcbillon. Berlin W, Botäbamer Sie. 88; Wien I, Opern• gaile 8. Soeben cr(d)ien, in allen 8311d)l)anM1t11g. »ollftänbig vor; rätlfifl: kugelte, 4M«1. ©tföidjft bet Sübiföen gfteratur. 2 '800. (74 '■bogt'ii) gr. »־. gd). TO. 18,50, geb. TO. 81,00. [2253 Verlag 0. Robert Oppenheim in fBcHin. Soeben ist im Verlage von David Natt, 270, Strand, Lon- Idon, erschienen und durch alle Buchhandlungen des In- und Auslandes zu beziehen: ״Zicliroiioth oder ״Memoiren eines Studenten der jüd. Theologie“. Dieselben sind in hebr. gereimter Prosa abgefasst und mit einer engiischen Einleitung versehen, die eine Uebersiclit der Entwicklung der naclibibl. hebr. Poesie enthält von Dr. J. Cbotzner (vom Harrow College) Preis 2 M. 50 Pf. Verantwortlicher Redacteur Dr. Ralimer, Magdeburg. Druck von D. L. Woltf, Magdeburg. Verlag von Robert Friese, Leipzig.

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