Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 15 (1886)
- Issue
- N° 5. (28.1.1886)
- Date
- 1886-01-28
- Page
- Seite 20 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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— 20 - seine Zurück fähruug des Sittlichen auf die Sitte basirt haben will Wie, nach Jhering, im Deutschen und in den classischen Sprachen, so geht auoh im Hebräischen, laut der Aussage dieses Wortes: Derech, der ]Begriff der Sitte auf den der Gewohnheit und Allgemeinheit zurück. Der ״Weg“, das ist die Richtung, die Alle nehmen, um zu einem gewissen Ziele zu gelangen, die von Allen betretene und darum ausgetretene Spur. Auf Zustände und Handlangen, physischer und geistiger (moralischer) Natur übertragen (vgl. Gen. 19,31 דרך נשים לי:31,35;כדרך כל הארץ; L Sam. 21,6: והוא דרך חול; Spr. 6,6: על פי :22,6;ראה דרכיה דרכו; ferner ib. 30,20 ,דרך אשד, מנאם; jer. 2,23: ראי דרכך «י; die Ausdrücke:דדך צדידדם■ דרך הטאים, דרך רשעים und die zahlreichen Stellen, an denen clas Wort gewöhnlich, aber nicht immer genau4) durch ״Wandel“ wiedergegeben wird), ist der ״Weg“ ein Zustand oder eine Handlung, oder eine Reihe von Zuständen der Handlungen, welche unter den gleichen Bedingungen allgemein an und von Allen beobachtet werden, oder bei einer bestimmten Person (einer Klasse, einem Volke u. s. w.) gewöhnlich sind, ihre in der Regel eigenen, also so viel wie: Lebens• oder Handlungsweise, Art, Sitte. Der ״Weg Gottes“, das ist der Inbegriff der gewohnten, durch keine Ausnahme unterbrochenen, sittlichen Handlungen Gottes, also, wenn man so sagen darf, seiner Sitten. Der ״ Weg Berseba’s* (Arnos 8,14) das ist das, was in Berseba sittlich, das | ist: üblich ist, u. s. w.5) Lässt sich darum hieraus etwas für das Princip des Sittlichen, für die historische Entstehung des Sittliehen aus der Sitte, im Sinne der Jhering’schen gesellschaftlichen Theorie entnehmen? Nein. Denn das Wort Derech bleibt im Grunde dooh immer nur formal, betont, wie Jhering (a. a. 0. S. 21) von der Gewohnheit sagt, ״nichts weiter als das äusserliche Moment der Cönstanz“, ohne zugleich auch (wie die Sitte) ein Urtheil über den Inhalt auszudrücken. Zwar wird man diese Aufstellung Jhering’s, betreffs der Sitte, dass nämlich Sitte schlechthin die gute Sitte sei, nur bedingterweise müssen gelten lassen (es giebt ebensowohl schlechte Sitten und gute Sitten, wie es einen דרך רע und einen דק* טוב giebt); und kommt anderseits auch das Wort Derech hie und da in diesem absoluten Sinne vor (S. z. B. I. Kön. 2,4. Spr. 14,2). Ja der Satz: ״Denn es hat verdorben alles Fleisch seinen Weg auf Erden“ (Gen. 6,12) scheint, nicht gerade undeutlich, die Auffassung zuzulassen, dass der natürliche ״Weg“, also die Unsitte, d. h. das ursprünglich allgemein Gütige, gut, mithin verbindlich sei. Gleichwohl wird man zugeben müssen, dass die begriffliche Entwickelung des Sittlichen aus der Sitte im jüdischen Geiste, wenigstens aus dem uns aufbewahrten althebräischen Sprachgute, nicht nachzuweisen ist. Dieselbe bricht hier mit der sprachlichen Anlehnung der Sitte an die Gewohnheit ab, ohne zur fernem Anlehnung des Sittlichen an die Sitte, in inhaltlicher Beziehung fortzugehen. (Schluss folgt.) *) So namentlich bei Parallel - Ausdrücken, wie ,דרכיו וכמעללי ו H0S. •1,1». 12,3 (vgl. Kicht, 2,19. Jer. 7, 3, 5. 18,11. Hierher gehört auch Spr. 14,14, wo tür das unhaltbare ומעליו sicherlich ום מעלל י ו zu lesen ist.), und überhaupt bei Pluralen, wie Jes. 5(1.8.9; spr. 3,32 (אל תבחר בכל דרכיו); p«. 39,2 (אשמרה דרכי), WO man vielleicht geradezu: Sitte übersetzen sollte. An der letzten Stelle brauchte man dann auch nicht’ zu der Emendation Gräfz’s (Krit. Commentar, S. 393) zu greifen (דברי ihr דרכי): denn ״Weg und Zunge“ passen freilich nicht recht wohl zusammen, aber ״Sitten und Zunge'1 doch wohl schon eher. *) Vgl. noch Jerein. 12,18 — und das spätere דרכי אמרי, technisch für: heidnische Unsitte. Das gleichfalls spätere ״ דרך ארץLandessitte“ geht nachgerade förmlich in den Begriff der ,,guten Sitte“ (Sittsamkeit, Anstand, Takt) über. Notizen. 1■ Des Univ.-Prof. S ca d u to in Palermo ״Stato e Chiesa sotto Leopoldo I, Granduca di Toscana“ (1760—1790), soeben erschienen in Florenz bei Ademollo (410 S. in 8•, 7 Franken), enthält namentlich auf S. 134 ff., 162—168, 374, 379 etc. eine interessante Schilderung der Judenemancipation in Italienand der vorausgegangenen Gesetzgebung, insbesondere für die Synagogengemeinden in Florenz, Siena, Livorno und Pisa, zurückreichend bis zu den Verfolgungen von 1495. Die Aufhebung der Kopfgelder (jährlich 2 scudi d’oro, Kronthaler p. 135) blieb auch in Norditalien der napoleonischen Gesetzgebung Vorbehalten, während die vollständige Gleichstellung mit den christlichen Bekenntnissen in bürgerlicher und politischer Beziehung erst dem Einheitsstaats zu verdanken ist.*) Scaduto erörtert rechtsgeschichtlich die ״Beziehungen zwischen Staat uuu Kirche“, namentlich auch in seinen Schriften über das Ende des Investiturstreites bis zum Tode Ludwigs des Bayern (1882 bei Le Monnier in Florenz 4 Fr. 50 Ct) und ״Fra P. Sarpi“ (262 S. in 8*, 5 Fr. 1885 bei Ademollo in Florenz); letztere bespricht gelegentlich des Interdiktes von Venedig 1607 auch hier una da die Sta&tsvorschciften, welchen in der Stadt und dem Landgebiete der Hauptstadt des adriatischen Meeres vom 15. Jahrhundert ab das Judentham unterlag. — In Italien habe ich sonst wenig staatskirchenrechtliche Schriften der Neuzeit gefunden, welche sich mit den Verhältniesen der isr. Glaubensgenossen befassen; in jedem Landestheile gilt noch die frühere Gesetzgebung, wie vor 1859 für die Synagogen oder Universitä, wie dort die ״Gemeinden“ heissen.. Wegen der Judenverfolgung und Emancipation in den Niederlanden vgl. p. 28 und 414 von Giron’s ״Droit• public de la Belgique“ (Brüssel 1884 bei Manceana, 12'/, Fr., 536 S. in 481. Synagogen in Belgien giebt es nur in Antwerpen, Arlon, Brüssel, Gent und Lüttich. G-l. 2. Wer ist ben Patura? Herr Dr. Sidon hat nachgewiesen, dass R. Johuda diesen Namen führte. Aber welcher R. Jehuda war der Träger dieses Namens V Und warum hiess er ben Patura? Ich glaube, es war diess R. Jehuda Baba, der das Märtyrerthum mit R. Akiba theilte (Aboda S. 8). Er hiess auch R. Jehuda ben Abba. (S. Seder Iladorot). Nun heisst Abba ״Vater“, und wir haben demnach einen R. Jehuda ben Pater. Man nannte ihn vielleicht so, weil Aba durch Baba yerdrängt wurde, oder weil es nicht selten war, dass man seinen hebräischen Namen romanisirte. So haben wir: ben Bibei, ben Dama, ben Mada, ben Sira. So nannte sich Saulus als Pharisäer schon Paulus. Rabbiner Dr. M. Du sc hak. (Ueber b. Patura hat Paulus Cassel (Targ. scheni) geschrieben. R.) *) Vgl. S. 30, 32 48, 115, 168, 177, 181, 188 Geigel’s ״Italienisches Staatskirchenrecht“ (Mainz 1886 bei Fr. Kirchheim, 204 S. in Grossoktav, 5 M.). DIE NATION H>0d)enrrf)rift IjfrauSfltflel'en uon Dr. Sh. Bartl), bunjtf au*f<bUe|li(b DriQinaiaitifrl non bmjorraqrrtben ■Sdjiififtrilern, W(i(i)rtrn über polttififtr. t>0U*ttm1l)id)aft• lidk, pdtlantcntaritof, (tinftUnfdie, Hurra* rifdjr tyorgänftt; ®tfpttdiunfl roifi. iifdjnfi* lieber rafieit; tati.ifdx (ftloffrn *tu <Jrüqeicbid;le; SUjratrr * Äritifen; imet• nationale *Heour;!öüd)<c• brlprrcftunqtn tc. tc. DIE NATION aicbt rin ®Üb oQet t9ejentft<ben qriftiqm ÜijdMmHigen brr 3<itQfi<bi<btc unb t)At »uh in ben 9 fahren iljrrä I6eftel)rnt ritiru beftaubiq tuadijrnbrn tfinflufc in brn qe״ bilbetcit Krriftn Sieuifdjlanel nerfchnfft. DIE NATION?vris 8.75 fflli. pro Jftiiarlal. tlbdinirmciul bri jfön 'iloO.inflüUf'Söiiiloa Wv. 35:0), Jetrc Ifucbijuub'.uuq tu.b brr Expedition Berlin KW., HeuttittrMfte 8• Trauungs-Formulare hebräisch und deutsch (Uebersetzung von Rabbiner Dr. Rahm er) sind ä 25 Pf. vorräthig. 5 Exemplare für 1 Mark, 12 Exemplare für 2 Mark, 20 Exemplare 3 Mark versendet franco gegen haar Die Expedition״ -3K Uustrtrt• Zaitschrift **- ■ ■■■■— monatlub 2 Qcfte.- Rtfefytr frcfftfnW tfejtylunqrn, fntvtffaate Ivflfet Ml •len Okbirtcn ־ r, *Hl Ut gitcratar. > Ptffcnffrttft א• PracMvollelUustrationen SKan aboimirt bei atitn M$anblu11gat mb $0fcnflaIten: ) Den Manen Moses Mendels- Sohn’s gewidmet erschien inW o 1 f Peiser’s Verlag in Berlin: Der Psalter, im Auszuge metrisch in’s Deutsche übertragen von Dr. Julius Landsberger, Berlin, eleg. geb. 1 M. Schulband 60 Pf. Sattfettbe bic au!Bettiiäffcn, $)I(1fsn-97te: reu* u,ftraucuf rauf bciteu.jelbft ir.bcn»trjtt>eifdtften Stillen gelit־ ten, imirbcn geteilt burd)ft.(?.!Bauer Spccialarjt, SBafcl־!Biniunfleu. Verantwortlicher Redacteur Dr. Ralimer, Magdeburg. Druck von D. L. Wolf f, Magdeburg. Verlag von Robert Friese,Leipzig.