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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1886-01-21 · N° 4. (21.1.1886) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
15 (1886)
Issue
N° 4. (21.1.1886)
Date
1886-01-21
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Abonnenten der ״Israelitischen Wochenschrift“ (die vierteljährlich bei allen Postanstalten und Buchhandlungen S Mark kostet) erhalten das ״Jüdische Litteratur-Blatt־* gratis. — Inserate werden mit M Pf. für die gespaltene Petitzeile, Beilagen mit 16 Mark, berechnet und sind an die Expedition dieses Blattes zu senden. ■MB* Buchhändler, welche direct oder durch Robert Friese in Leipzig Inserate einsenden, erhalten 25 }C Rabatt Inl1a.lt: Wissenschaftliche Aufsätze: Moses Mendelssohn und das Judenthum. (Fortsetzung). — Warum man Moses Mendelssohn den ״deutschen Socrates“ nannte. Von Max Weinberg. (Fortsetzung.) — Sprachliches zur jüdischen Ethik. Eine Studie von Rabbiner Dr. M.Löwy• Temeavär. (Fortsetzung.) Litterat urbericht. Recension: Worte des Sammlers (Koheleth.) — Notizen. — Inserate. Nachdruck nur mit voller Quellenangabe gestattet. Moses Mendelssohn und das Judenthum. n. Mendelssohn nnd Larater. (Fortsetzung). Lavater fehlte es nicht an ungeschickten Nachfolgern (s. Eayserüng, der dieselben in seiner ziemlieh erschöpfenden Biographie Mendelssohn’s S. 206 aufzählt), unter denen der ebengenannte Dr. Rölbele nicht nur den Phädon durch einen Antiphädon widerlegen wollte (Ges. Sehr. Bd. III S. 71), sondern auch die Persönlichkeit des jüdischen Philosophen zum grossen Verdrusse Lav&ters in verletzender und anmüssender Weise anzugreifen wagte. So blieben aber auch gewisse Anerkennungen nicht aus, unter denen ein lateinischer Gelebrtenbericht der Jenaischen Zeitaug am Charakteristischsten dadurch ist, dass er Mendelssohn den Glauben an einen geistigen Messias (Messiam non terrestrem, sed spiritualem, omuium gentium supremum et legislatorem et judicem expectat etc., s. Bd. III S. 98) andichtet, von dem dieser sich in seiner Privatcorrespondenz mit Lavater losznlösen genöthigt ist. Der nämliche Bericht hatte nnter Anderem auch mit scharfen Worten die Vomrtheile der Juden gegen Jesus getadelt (nefanda Judaeorum contra Jesum nostrum praejudicia). Mendelssohn unterlässt nicht, in seinem Briefe an Lavater vom 15. Januar 1771 diesen von seiner und seiner Freunde Meinung in dieser Sache zu unterrichten. Er könne sich über das Verfahren der Pharisäer und Sadducäer §egen Jesus kein Urtheil anmassen, da jüdische luellen von historischem Werthe mangeln, das ״Toledoth Jeschu“ aber ganz unhistorisch und unbraachbar sei. Alle seine Glanbensbrüder müssten so ihr Urtheil über Jesus zurückhalten, und er kenne viele, die diese weise Mässigung zeigen. Die Unschuld Jenes Religionsstifters und seine sittliche Güte ercenne er an mit der Einschränkung, dass er sich nie dem Vater gleich gesetzt, nie für eine Person der Gottheit ausgegeben, sich die Ehre der Anbetung nie angema88t habe und endlich die Absicht nicht' gehabt, die Religion seiner Väter nmznstossen. Der Briefwechsel zwischen beiden Männern, der besonders werthvoll dadurch ist, dass Mendelssohn nnter stetiger Berufung auf den Talmud uud Maimonides die Streitpunkte mit seinem Gegner philosophisch auseinandersetzt und diesem Gelegenheit giebt, die rabbinische Litteratur, jene terra iucognita, nach ihrer besten Seite kennen zn lernen, hörte nach einer anderthalbjährigen Daner auf und nur einmal noch hatte Mendelssohn später Anlass, sich an seinen Geistesbruder Lavater zu wenden. Der Eem der Mendelssohn’scnen Verteidigung — denn eine solche hatte er ungeachtet seiner ausgesprochenen Unlust zur Polemik gegeben — war das Bekenntniss, dass er von dem Wesentlichen seiner Religion fest überzeugt sei, ohne jedoch zu leugnen, dass er bei seiner Religion menschliche Zusätze und Missbrauche w&hrgenommen, die leider ihren Glanz verdunkeln. Doch von dogmatischen und ethisoben Wahrheiten, die das Ganze einer jeden Religion bilden, gelangte schon Mendelssohn zu der höheren Auffassung des Judenthums, seiner Bestimmung in der Geschichte der Menschheit. Während er sich über die sociale Stellung und Nutzbarkeit der Juden im Staate in seiner ״Vorrede“ zu der Uebersetzung von Manasseh Ben Jsraels ״Rettung der Juden“ ausgesprochen hat, worüber wir an anderem Orte zu reden Gelegenheit haben werden, giebt er in seinen ״Gedanken über Bonnet’s Palingenesie“ seine Ansiohten über die Bedeutung des Judenthums für die Juden zu erkennen. In dieser für die Einsicht in Mendelssohn’s Gesinnung und Gesittung nicht unbedeutsamen Schrift belehrt er den französischen Theosophen über die jüdische Auflassung der Wunder nach Talmud uxjd Maimonides (8. Bd. III S. 147 folg.). Er geht darin ferner ausführlich und überzeugend die prinzipiellen Unterschiede des dogmatischen Christenthums und des dogmenlosen Mosaismas duroh, verbreitet sich dann über die Verbindlichkeit, die die mosaisohen Gesetze für die Juden haben, und zieht endlich eine lehrreiche Parallele zwischen den Juden und den unitarischen Christen, die die Persönlichkeit Jesu der Göttlichkeit entkleiden. In diesen Betrachtungen nnd noch deutlicher in seinem ״Jerusalem“ tritt Mendelssohn’sfeste Ueberzeugungan den Tag, dass das Vorhandensein verschiedener Religionen eine gewisse Nothwendigkeit sei. Auch in einem Briefe au Herz Homberg ruft er aus: ״Grossen Dank für alle Toleranz, wenn man dabei nooh immer an Glaubensvereinigung arbeitet!“ (S. Bd. V. 8. 671.) Weil durch die Dogmatik der herrschenden Religion dem menschlichen Gemüthe eine Abkehr von der freien Forschung, eine Verdunkelung Vernunft-

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