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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1886-01-14 · N° 3. (14.1.1886) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
15 (1886)
Issue
N° 3. (14.1.1886)
Date
1886-01-14
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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M 3. Jüdisches Jahrg. XV. Litteratur-Blatt. Zur Beleachtaag aller ]llalk■■ ■ad lidn betretTealea lltterariarbea Er• acbalaaagea aaf den Gablet• der Pblloaegble, Geechlehte, Etbaegrapble, Theolegte! Orieatalla, Exegeee, Homiletik, Lltarglb, Pädagogik. Herausgegeben ▼OH Rabbiner Dr. Moritz Rahmer. 9lta<j3e6־tvKj., 14. danua 11886 ׳. Bieber der elaachligigea I.Itteratar, welche der Kedaetloa aageeaadt werde•, Rad•• ln dieeem Blatte •lagebende Beaprechaag. Rei Elaeeadung roa awel Boceaaloa•■ Exemplaren erfolgt einmalige karae ä ratla• laaertloa. Das nJBdische Lltteratar-Blatt« erscheint wöchentlich in einem halben Bogen Preis bei allen Buchhandlungen (in Leipzig bei Robert Friese) pro Jahrgang 8 Hark. Abonnenten der ״Israelitischen Wochenschrift“ (die vierteljährlich bei allen Postaustalten und Buchhandlungen 8 Hark kostet) erhalten das ״Jüdische Litteratur-Blatt“ gratis. — Inserate werden mit 83 Pf. für die gespaltene Petitzeile, Beilagen mit 13 Hark, berechnet und sind an die Expedition dieses Blattes zu senden. Buchhändler, welche direct oder durch Robert. Friese in Leipzig Inserate einsenden, erhalten 25 )1 Rabatt. Inhalt: W18 senschaftliche Aufsätze: Moses Mendelssohn und das Judenthum. (Fortsetzung). — Warum man Moses Mendelssobn den ״deutschen Socrates“ nannte. Von Max Weinberg. — Ein patriotisches Gedicht von Moses Mendelssohn. — Sprachliches zur jüdischen Ethik. Eine Studie von Rabbiner Dr. M. Löwy-Temesv&r. Litteraturbericht. Recensionen. Fürst Bismarck und der Antisemitismus. (Schluss.) — Inserate. ■ Nachdruck nur mit •voller Quellenangabe gestattet. Moses Mendelssohn und das Judenthum. 11. Mendelssohn und Lavater. (Fortsetzung). Venn wir die Antwort Mendelssohn’s ihrem wesentlichsten Inhalte nach prüfen, so finden wir, dass der jüdische "Weltweise darin zweierlei Ortinde für das Festhalten an seinem Glauben angegeben hat, innere und äussere Grüude, die jeder Jude angegeben haben würde, wenn ibm eine solche Alternative gestellt worden wäre, die Ueberzeugung von der Wahrheit seiner Religion, beziehentlich von der relativen Unrichtigkeit der anderen Religionen, und die Ehre, die sich in der Festhaltung an diesem Glauben bekündet. Der Lavater’sche Bekehrungsversuch nun hatte an und für sich vor anderen ähnlichen Versuchen insofern Manches voraus, als er eine öflentliche Provooation enthielt und im Gegensatz zu dem üblichen Verfahren der katholischen Kirche eine innerliche Bekehrung zum Ziel hatte. Vergleichen wir den vielleicht hervorragendsten der katholischen Bekehrungs- ־versuche, nämlich jene Disputation, welche im 13. Jahrhundert Nachmanides mit dem Apostaten Pablo in Barcelona hatte, und die nach viertägigem Wortstreit resultatlos endete, mit dem Lavater’sohen Versuche des 18. Jahrhunderts, so können wir den letzteren, wenn wir von der Verschiedenheit der Zeiten absehen, als einen protestantischen Bekehrungs versuoh charakterisiren, welcher eine innere, wahre Erkenntniss wollte, während der katholische nur ein äusserliches Bekenntniss verlangte. Der protestantische Geist hatte bereits eine grössere Verwandtschaft mit dom Denk- und Gewissensfreiheit nicht einschränkenden Geiste des Judenthums erhalten. Lavater und Mendelssohn waren sich innerlich sehr verwandt in der reinen Menschenliebe, welche beide Männer in Wort und That bewährten, Mendelssohn in seiner Fürsprache für jüdische Gemeinden — so verwandte er sich im Jahre 1775 bei Lavater selbst für die jüdischen Gemeinden zu Endingen und Lengnan in der Schweiz, und ebenso zu anderer Zeit für dienigen von Schwerin und Dresden — Lavater in der edlen Verzeihung, die er einem unbekannten Grenadiere gewährte, dessen Kugel den edlen Mann im September des Jahres 1799 tödtlich verwundete. Trotz dieses Edelmuthes war Lavater ein eifriger Proselytenmacher, und Göthe, der in seinen jungen Jahren mit dem Verfasser der ״Physiognomik“ in die engste Berührung kam, entwirft im 14. Buche von ״Wahrheit und Dichtung“ eine meisterhafte Schilderung des ״Propheten“. ״Lächerlioh war mir,“ sagt er dort, ״die heftige Zudringlichkeit eines so geistals herzvollen Mannes, mit der er auf mich wie auf Mendelssohn und andere losging und behauptete, man müsse entweder mit ihm ein Christ, ein Christ nach seiner Art werden, oder man müsse ihn zu sich hinüberziehen, man müsse ihn gleichfalls von demjenigen überzeugen, worin man seine Beruhigung finde.“ So aufrichtig aber auoh das Vorgehen Lavaters war, so schlug es doch aus natürlichen Erwägungen fehl, denen Lavater selbst die Gründlichkeit nioht absprechen konnte. Aber er ruhte demungeachtet nicht, da er sich keiner Unrechten Handlungsweise bewusst glaubte. Daher bereute er zwar in seiner öffentlichen ״Antwort an den Herrn Moses Mendelssohn“ seinen Schritt und bat wegen der ״unbedingten“ Aufforderung um Verzeihuug (8. Ges. Sehr. Bd. IH S. 55), konnte jedoch seine Verwunderung darüber nicht verhehlen, dass Mendelssohn mit denselben Gründen, mit denen Bonnet das Christenthum bewiese, jede beliebige Religion beweisen zu wollen erkläre. Ueber diesen letzteren Punkt sprach sich Mendelssohn, dem der Diacon zur Versöhnung das Manuscript seiner ״Antwort“ zugeschickt hatte, in seiner ״Nacherinnerung“ zu derselben aus, worin er zugleich einen ungeschickten und unhöflichen Nachfahrer Lavaters, den Dr. Kölbele aus Frankfurt am Main, zurechtweist. Herrn Bonnet, sagt er in obiger Nacherinnerung, hätten als Beweise für den Glauben Wunderwerke gedient; aber Wunderwerke seien keine Unterscheidungszeichen der Wahrheit und könnten daher für jede beliebige, auoh heidnische Religion in’s Feld geführt werden. Der jüdische Glauben dagegen gründe sich demgegenüber nicht auf Wunder, sondern auf Offenbarung. Die Antwort Mendelssohn’s auf den Lavater'schen Bekehrungsversuoh war der erste und nicht unwesentlichste Dienst, welchen Mendelssohn dem Judenthum leistete. Innere Gründe, welche immer gegen die Bekehrer in’8 Feld geführt worden waren, bilden natürlieh den Hauptbestandteil auch seiner Ablehnung.

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