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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1886-01-08 · N° 2. (8.1.1886) · p. Seite 8

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
15 (1886)
Issue
N° 2. (8.1.1886)
Date
1886-01-08
Page
Seite 8 (sequence 4)
Language
German
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— 8 — I>e80nder8 für jenen Theil der ״deutschen Studenten der lediglich ans überspanntem idealem NationalitätsgefÜhl sich dem ״Gmppenideal“ des Antisemitismus angeschlossen hat, bietet diese Schrift geradezu Vorzügliches, der Verfasser fährt uns an der Hand seiner bedeutenden Belesenheit innerhalb der naturwissen• sohaftlichen und staatsrechtlichen Disciplinen in die ״wissenschaftlichen" Canäle des akademischen Antisemitismus“ und weist in einer keineswegs zahmen, aber durchaus vornehmen Sprache den dabei vorgefundenen Schmutz auf. Bei der durchaus über den Parteien stehenden humanen Grundauffassung des Verfassers ist es umsomehr zu bedauern, dass er sich bei seiner Betrachtung des ״mitteleuropäischen Antisemitismus“ von seinem speziellen Observationspunkte als Oesterreicher zu einigen extravaganten politischen Aensserungen und namentlich zu der durchaus irreführenden Titulirung seiner Schrift hat verleiten lassen,, die allerdings ein vorzügliches Reizmittel bietet, da allgemein ethische Betrachtungen über den Antisemitismus nirgends mehr gerne gelesen werden. Man ist eben ״unter Gebildeten“ allgemein mit ihm fertig, wie der Verfasser richtig in seiner Charakterisirung der sozialen Erregung unserer Zeit nachweist, aber viel zu schnell fertig. Indess die systematischen Widerlegungen müssen auch im Zusammenhang gelesen werden, aus dem dritten Abschnitt wollen wir nur eine jener ethischen Betrachtungen, die zu den vorzüglichsten Theilen der Schrift gehören, hierher setzen: ״Junge Männer, die Ihr Euch bisher von den gleissnerischen Reden habt verführen lassen, ungerecht zu denken und inhuman zu fühlen, fordert von den anti semitischen Agitatoren Eure reine Seele zurück! Fragt diese Priester und diese Lehrer, die Eurer jugendliehen Kraft harmlose Menschen als Objecte der Hebung bezeichnen, sowie die gemalten Soldaten eines feindliehen Heeres dem Schützen zur Uebung vorgehalten werden, fragt sie, warum sie Euch so entweihen und Euch mit wilder Miene und wilden Reden dahin bringen, mit dem plünderungs-, rauf- und mordlustigen Pöbel in eine Reihe zu treten. Sollte nicht eine Mahnung an Gerechtigkeit und Menschlichkeit an die jungen und alten Antisemiten doch noch einen Erfolg hoffen lassen? Beinahe müsste man daran zweifeln, wenn man sieht, dass nicht nur bei Agitatoren, sondern auch in ruhig und beschaulieh lebenden Männern, die nur schriftstellerischem oder dichterischem Berufe leben, die judenfeindliche Gesinnung das Verantwortlichkeitsgefühl zu ersticken vermag. Ein 80 talentvoller, liebenswürdiger und feinfühlender Dichter, wie Victor Scheffel, der sich seiner Popularität und seines Einflusses auf die deutschen Studenten bewusst ist, richtete an diese die Worte: ״Es beruht die Abneigung der germanisehen Völker gegen die Semiten nicht auf der Verschiedenheit von Glaubensdogmen, sondern auf der Verschiedenheit von Blut, Raoe, Abstammung, Volkssitte und Volksgesinnung“. Also das Vorhandensein von Antipathien wegen blosser Verschiedenheiten wird constatirt, aber nicht in geringster Weise getadelt, sondern umgekehrt, es wird durch eine genauere Analyse ihres Grundes diese Abneigung gewissennassen mit ihrem Erklärungsversuche zugleich gerechtfertigt. Man wirft so manchen Schriftstellern und Dichtern unter Franzosen und Italienern, z. B. Beaumarchais, AretinOj ihre Sittenlosigkeit vor. Aber wie ungleich harmloser sind solche lüderliche Gesellen, wie viel weniger sohädlioh als die soliden, gesellschaftlich anständigen Dichter, die, wie Scheffel, tief innerlich die sittlichen Gesinnungen junger Leute verderben! Man liebt nicht seine Familie deswegen und erst dann״ weil man früher oder gleichzeitig andere Familien gehasst hat“ u. s. w. (Schluss folgt.) Zur Säkularfeier Mendelssohns. Ein Vortrag, gehalten in der Bürgerhalle zu Tilsit von Rabbiner S. Friedeberg. 2. Auflage. Tilsit, A. Franke. 1886. Dem Umstande, dass dieser Vortrag vor einem interconfessionellen Publikum gehalten worden ist, verdankt derselbe anlässlich der Säkularfeier Mendelssohns eine zweite Auflage, da auch fiir das ausserjüdische Publikum sioh eine angemessene k urz e übersichtliche Darstellung des Lebens und Wirkens Mendelssohns als Bedürfniss in vielen Kreisen herausstellte. Dabei ist indess keineswegs, wie in der Biographie von Ferd. Schmidt, der speoiflsch jüdische Standpunkt zu dem Bochur von Dessau aufgegeben. Der Religionsstreit mit Lavater findet eine ausführliehe tiefgehende Besprechung, die aber vor dem grösstenthells aus Christen bestehenden Auditorium Zustimmung und Beifall fand, ebenso die eindringende Würdigung von ״Jerusalem“. Will man anlässlich der Säkularfeier für Mendelssohns Jdeen von Ge- Wissensfreiheit und Toleranz Propaganda machen, so muss man bei der heutigen Strömung pägnant und kurz und doch nicht verschwommen sein. Das vorliegende Festschriftchen erfüllt in angemessener Weise seinen Zweck. Inserat. Soeben ist im Verlage von David Natt, 270, Strand, London, erschienen and durch alle Buchhandlungen des In- und Auslandes zu beziehen: ״Zichronoth oder ״Memoiren eines Studenten der jüd. Theologie“. Dieselben sind in hebr. gereimter Prosa abgefasst und mit einer englischen Einleitung versehen, die eine Uebersicht der Entwicklung der nachbibl. hebr. Poesie enthält von Dr. J. Ckotzner (vom Hanow College) Preis 2 M. 50 Pf. Bei Wölf PeUe1׳ in Berfln ist erschienen: Der Psalter im Auszage metrisch übersetzt von Dr. Julius Landsberger. Preis: elegant gebunden, 75 Pf. Soeben erschien: Der Babylonisehe Talmud in seinen haggadischen Bestandteilen wortgetreu übersetzt und durch Noten erläutert von Llc. Dr. Aug. Wünsche. Erster Halbband 11 Mark. Leipzig. [2172 _Otto Schulze. Bei A. Franke in Tilsit ist erschienen: Moses Mendelssohn. Vortrag gehalten in der Bürger-Halle zu Tilsit von Rabbiner 8. Friedeberg. Zweite Auflage Preis 1 Mark. MÜÜÜÜMM ®räbr @cfd)id)tc b. 3ubcn 5, 0, 8, 9, 1. Slufl. gcb. ä 1,50 OT. PeU)t)fobn,80o(b.iaimbr 4,5O ״ granfei,!Rcjpoiifeii br. 1,25 ״ 3t11in*f,בית המדרש I-IH <|}b. 15,00 ״ Sanbau, ©eift u. @pr., Ub. 3,00 ״ .$olbf)cim,?lutonomic $b 2,00 ״ <5iindbut(j׳®ciftb.Or.S|5b. 1,50 ״ 0. Waben, 2a S)ibcl.!fjaria 2,3,4,5,!öud) Wofcä fleb. ä 3,00 ״ 2 נ״רcb״rbanb m. ©olbfd). 10,00 ״ דברי הימים, ת״ע, ירמיה br.4cr[tc®I.leid)trcftaur. ä.2,50 ״ ״ 2,50 .br דניאל, ע׳ ונחמיה ״ 4,50 תהלים fiabfcrlina, sD7enbeI0fot}n, §lbr. litel geftcmpelt 3,00 ״ .$ei1tematttt, Wcnbeläfof>11 mit Xitclfupfcr $jlbr. 3,00 ״ bei L. Cohen, Seiger, SReeä a. 31(1• graunnpn. (grfter Übeil, befonbera in Sejifon־ gurmat fd)ön gebunben, auf Karton neunicft, enthält bic ganscit Siturgie ijcbriiifdi) u. bcutfd) fiir bic Xrauung. (8• ©ebraud) f.!Rabbiner u. Kantoren.) ,3u>eittr SbcU, ebenfalls befonber* gebunben, fiir ben Ißrioatgcbraud). 311fjalt: 10 SInrcben an bie SSraut bei bem Sebecfeti. 1. 20 ©cbctc 0.11. nad) ber Xrauung 2. 5 XrauuitgS ־!Reben a 11 g e ־ meinen 3nbaltä. 3. 50 Xoafte unb Xifdjrcben. 4. 400 «Rcinncr־ u. grauen91־amen fpradilid) erläutert jur Sclbft׳ auöarbeitnng oon Xifdjreben. 5. §ebräifd)c8 (RamenSregiftcr fiir ben ©«breiber ber כתובה ©ubffriptionäpreiä fiir beibc Xljeitc iufammen bis!um IS. 3attuar nur 3 SOtf. SO ißf. 1 ^Jrebiger S. ®Bolff, 'SSeclin NO. ©traufebergerftr. 15. Torantwortlicher Redacteur Dr. Rahmer, Magdeburg. Druck von D. L. Wolff, Magdeburg. Verlag von Roheit Friese, Leipzig,

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