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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1886-01-01 · N° 1. (1.1.1886) · p. Seite 4

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
15 (1886)
Issue
N° 1. (1.1.1886)
Date
1886-01-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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-- 4 — thums von gebornen Juden vielfach ״als unberechtigt beneichnet“ wird. Wir glauben nun gerade in der universalen pädagogischen Tendenz des Nathan den Grund zu finden, warum Lessing zum Träger seiner Ideen, oder vielmehr Ideale, einen Juden gemacht. Neben Nathan dem ״Weisen“ steht im Drama noch eine Idealgestalt da, eine naive: der Klosterbruder, und in einer Aeusserung des Klosterbruders finde ich den Schlüssel zur Wahl des jüd. Bekenntnisses für Nathan. Im 4. Akt, 7. Scene sagt der Klosterbruder: ,,Und ist denn nicht das ganze Christentlium Aufs Judenthum gebaut X Es hat mich oft (Jeärgert, hat mir Thränen g’nug gekostet, Wenn Christen gar so sehr vergessen konnten, Dass unser Herr ja seiht ein Jude war1'. ״Das Christenthum ist auf’s Judenthum gebaut“, und fügen wir hinzu, auch Muhammed betrachtet sich nur als den letzten Ausläufer der Propheten des Judenthums. Das Judenthum ist die Mutter - Religion, Christenthum und Islam sind Tochter-Religionen, und sie erkennen sich als solche. Nun wollte Lessiug sein Toleranz - Ideal als ein Grundprincip und Eigenthum aller 3 monotheistischen Religionen hinstellen, und dies gelang am besten, wenn er dasselbe schon als geistiges Eigenthum der Mutter-Religion zur Anschauung brachte. Wie viel oder wie wenig die Kinder von dem Erbe der Mutter für sich reclamiren, das ist ihre Sache. Das Recht dazu haben sie. Was im Judenthum liegt, kann das Christenthum, soweit es ihm passt, als sein ererbtes Grundeigenthum präsentiren und ebenso der Islam. Umgekehrt aber nicht: was das Christenthum erzeugt hat, ist spezifisch christlich, was der Islam erzeugt hat, spezifisch muhammedanisch, mit Aus- Schluss der Mutter- und Schwesterreligion. Man kann wohl sagen: nihil fuit in Judaismo, quod non esse potest in Christianismo od. Muhammedanismo, aber nicht umgekehrt. Vom Judenthume führen 1000 breite Wege zum Christenthuine und Islam, aber kaum ein schmaler, enger Steig von diesen zu einander und zu jenem zurück. Lessing wollte e}n Menschheits - Ideal aufstellen, das als ursprüngliches Eigenthum aller monotheistisehen Religionen gelten können sollte. Darum musste er den Vertreter dieses Menschheits - Ideals aus dem Kreise der Bekenner der Mutterreligion nehmen. Nathan als Christ hätte ihm unter seinen Glaubensgenossen Freunde gewonnen, vor denen Lessiug seinen Helden behüten wollte, Freunde, die ausgerufen hätten: ״Wie herrlich! So kann nur ein Christ gesonnen sein!“ Dieselbe Möglichkeit wäre bei einem muhammedanisehen Nathan nicht ausgeschlossen. Nur bei einem jüdischen Nathan ist diese Möglichkeit ausgeschlossen, weil es ja naturgemäss ist., dass die Vorzüge der Mutter sich aut die Töchter fortpflanzen. Nathans Tugend ist ein ideal der .Menschheit, denn sie fliesst ans der gemeinsamen Quelle aller Cnltnr - Religion, dem sogen, prophetischen Judenthum. .Macht ihn zum Christen, und seine Tugend ist nur ein Ideal — des Christen thums, denn sie fliesst aus dem Evangelium. Weil also Lessing seinen Nathan universell gestalten und zu einem Ideal aller Culturreligionen machen wollte, darum musste er ihn aus dem Kreise des Judenthums nehmen. ״L’histoire du Judaisme c’est l’histcire du Monothe'isme“, l’histoire de l’humanite entiere“ — sagt Rdnau treffend. Dr. J. Goldschmidt-Weilburg. *) lieber dieses Thema findet sieh auch im ״Mendelssohn- Hessing - Gedenkbnch“ (,Leipzig 18791 ein Aufsatz von Dr. A. Bodek. (Red.) Notiz. Ein StamrabnchTers Moses Mendelssohns. In einem Stammbuch aus dem vorigen Jahrhundert, das in dem Nachlass eines Österreich, jüd. Arztes, Herrn S. Hochheimer, gefunden worden, dessen Blätter den Zeitraum vom 11 August 1781 bis 24. Juni 1793 amfassen und das die vergoldete Aufschrift trägt•: ״Denkmahl guther Freunde', finden sich unter den zahlreichen Denkversen jetzt meist unbekannter Personen auch einige von sehr bekannten, z. B. von Markus und Henriette Herz, von Ramler, Spalding, Basedow, David Friedländer, dem Ichthyologen Dr. Bloch u. a. Eines der Stammbuchblätter trägt folgende Gedenkworte in hebr. Schriftzügen: האמת והשלום אהבו! כתבתי לכבוד מל הספר. ראש חודש אלול ה׳ת׳ק׳מ׳דד. משה בן ר־ מנחם דל. Die jüd. Jahreszahl 5645 entspricht ühlicheu 1785. Auch von Mendclssohn’s Tochter und Schwiegersohn finden sich 2 Verse darin. ״Berenice Veit, geh. Mendlson“ — also nicht Mendelssohn, wie sich ihr Neffe, der Componist, nannte — schrieb mit festen, mannhaften Zügen den Satz hin: ״Suche freundschaftvolle Herzen und finde sie Zum Andenken von Berenice Veit, geh. Mendlson. Berlin, den 18. August 1785.“ Ihr Gatte widmete dem Freunde folgende Zeilen: ״Vergiss die Sta.lt, die Du verlässt, nur Deine Freunde nicht. Denke demnach auch an Deinen Freund Josef Veit. Berlin, den 15. Augusti 1785.“ In den ersten 'lagen des Januar erscheint Heft 1 der Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judenthums, redig. von Prof. Graetz und Dr. Frankl. Pränumerations-Preis für den ganzen Jahrgang MC* nur 9 Hark. *MM Diese Schrift, welche eine Flllle des schätzen«werth esten Stoffes bietet, beginnt mit 1886 ihren 34m* 35. Jala.rgra.ngr. M Der Jahrgang enthält 12 Hefte ä 3 Bogen gross Oo.tav. wovon jedes einzelne in den ersten 'Pagen jeden Monats zur Versendung gelangt. Pränumeratiorren sind zu richten an die Verlags-Handlung, l'ostanstalt, sowie an jede Buchhandlung. Krotoschin, Decembev 1885. Die Verlags-Handlung: J3. L. Monasch & Co. Soeben ist im Verlage von C. Wagner & Co. in Meiningen erschienen: Moses Mendelssohn. Darstellung seines Lebens und Wirkens von Landvabbiner Dr. M. Dessauer, — Mit Bild und Stammtafel. — Preis 75 Pf. (heim Bezug von wenigstens 30 Exempl. ä 60 Pf.) OV* Diese gerade zur rechten Zeit erscheinende treffliche Festschrift eignet sich ganz besonders zur Vertheilung in Schulen am bevorstehenden 100. Todestage Mendelssohn’s und sei hiermit bestens empfohlen. Es erscheint seit unserer jüngsten Ankündigung in diesem Blatte bereits die dritte Auflage, tür welche die Vorleger, obwohl sie eine ״vermehrte“ ist, eine Preisermässigung haben eintreten lasseu, um die Anschaffung zu erleichtern. T>u־ iumcimu ih׳1־I(1q11 ׳.Tid)ic11c1t011 nnerfannt vortrefflichen mit allgemein eiuqcfiifyrten [2114 nun (Vaffel! Dreifufl, :Japbcf, Oofilfou, giebmann, 'Naljmcr, üSdhtoanthaler, Sdnoorj, Stern, 3unj (Sibel) u. j. tu. liefere id) au SBicbevfäiifei jubcjeubciiS gfinftißen tSunbitionc». 'lind) jiimmt־ lidjc 'Sdndbiidtcv nnbeter SRevjajjet fiub ju fehr billigen!)keifen nun mir ju beziehen. Sronffurt a. 3Ä J. KaufFmann. Soeben erschien: Der Taluiud m seinen liaggadisehen Bestandtheilen wortgetreu übersetzt und durch Noten erläutert von Ltc. Dr. Ang. Wünsche. Erster Halbband li Mark. Leipzig. [2172 Otto Schulze. Verantwortlicher Redacteur Dr. Ralun er. Magdeburg. Druck von D. L. Wolff. Magdeburg Verlag von Robert Friese, Leipig. 51457

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