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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1885-12-17 · N° 51. (17.12.1885) · p. Seite 202

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
14 (1885)
Issue
N° 51. (17.12.1885)
Date
1885-12-17
Page
Seite 202 (sequence 4)
Language
German
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t — 202 -י- So fass« ich denn schliesslich meine Ueberzengnng in den Satz zusammen: was wir anter ans vom Geiste des modernen Jndenthums gewahr werden, ist weit mehr das Ergebniss des Uebergangszustandes, in dem wir und unsere jüdischen Mitbürger uns befinden, als die naturliuthwendige Frucht ursdrünglicher Anlage. Gesetzlich ist die Emanzipation der Juden eine vollendete Thatsache. Aber die Sitte ist allemal stärker, als das Gesetz; sie ist zäher nnd schwerflüssiger. Das Gesetz kann man ändern mit einem Federzuge, die Sitte bedarf dazu mehr als eines Menschenalters. Wer aber nun fünfzig Jahre zurück denken kann, der wird trotz allen ephemeren Lärms erkennen, dass unser Volk im besten Zuge ist, auch in seinen Ge• wohnheiten, Anschauungen nnd Gefühlen bezüglich der Juden die vorausgeeilte Gesetzgebung einzuholen. Noch ein Menschenalter — und es wird in Deutsoh- Und ebensowenig eine Judenfrage geben, wie Frank• reich oder England eine solche kennen Eine essäische Secte. Der französisches Tourist Dieulafay, der das west• liehe Persien und frühere Babylonien bereist hat, schildert eine religiöse Secte in Bassra und Umgegend folgendermassen: ״Die Secte nennt sich ״Sebastos“, sie verehren Johannes den Täufer als Messias und die andern christlichen Heiligen nur als untergeordnet gegen diesen. Kirche und Altar haben sie nicht, aber das Taufbad steht in Flor. Sie heirathen nur eine Frau, kennen nicht die Beschneidung. Jede Woche wird von ihrem Priester ungesäuertes Brod geweiht und nach dem Bade ein Stück an jeden verabfolgt. In Hinsicht auf levitische Reinheit und Unreinheit sind sie sehr penibel. Das Gölibat ist. ihnen fremd, doch dürfen die Frauen der Priester nichts berühren, was diesen gehört und diese müssen ihr Hauswesen selbst besorgen. Ochsen- und Hammelfleisch dürfen sie nicht essen, nur Lammfleisch, das von Priestern geschlachtet ist. Die Vorschriften über das Baden vor der Hochzeit sind zahllos und ebenso das Baden der Mutter nach der Geburt eines Kindes. Die Verunreiuigung durch Leichenberührung wird sehr bei ihnen gemieden, stirbt Jemand, so wird er begraben noch ehe er ganz todt ist (?) und nur mit wenig Erde verscharrt. 40 Tage versammeln sie sich im Trauerhause, speisen dort an einem vom Priester geweihten Mahle, Lammfleisch, Fische, Früchte und beten nach dem Mahle für die Seele des Todten. Abgesehen von der voreiligen Todtenbestattuug sind es höch־»* ehrenhalte Leute und geschickt in Beäibeiiuag der Metalle. Nach allen ihren Sitten ist es unverkennbar, dass diese Secte von denEssäern abstammt, die ja auch den Tempel nicht besuchten, viel badeten, die Ehe scheuten und höchstens eine Frau heiratheten, das Handwerk pflegten, sich über viele relig. Vorschriften wegsetztes, sonst aber ein sehr moralisches Leben i führten. ' legen ein erfreuliches Zeugnis* ab von der grossen Belesenheit des Verf'8, der augenscheinlich aie für sein Thema zu verwertende Litteratar beherrscht, der aber auch nicht selten za Digres9ionen sich verleiten lässt, die als hors d’oeuvre seinem Bache mehr schaden als nützen. Das Erscheinen dieser Arbeit in einer periodischen Zeitschrift macht ans aaoh die etwas aphoristische und unsystematische Anlage des Baches erklärlich. Man erhält bei der Lectüre nicht den Eindruck, einen in sich abgerundeten and einheitlich abschliessenden literarischen Organismus vor sich zu habon. Wir halten dieses Bach, welches im Einzelnen viel werthvolles Material bietet, in seiner Anlage für verfehlt. Dass die Aussprüche in Talmad und Midrasch die fruchtbarste, 0% noch nicht zur Genüge gewürdigte Anregung ftir die verschiedensten wissenschaftlichen Disciplinen, als Exegese, Grammetik, Lexicographie, Geschichte, Philosophie, Psdagogik etc liefern, ist eine in den Kreisen der Sachverständigen aller Richtungen so wenig bestrittene These, dass man sie dreist als Axiom hinstellen darf. Der Verf. hätte sich wirklich die Mühe sparen können, mit Aufwendung eines schwerfälligen Gelehrten- Apparates diese These erst noch weitläufig za erweisen. Wir gehen sogar noch weiter und behaupten, dass die klassischen Commentatoren des Mittelalters, wie Jbn Esra, Nachmanides, Raschi, Kimchi etc., auch der modernen Bibelkritik Vorschub geleistet. Wo es darauf ankommt, in den Aussprüchen der Rabbinen bibelkritische Bemerkungen zu finden, thut der Verf. oft nicht seine volle Schuldigkeit. Er begnügt sich nicht selten damit, controverse Ansichten der Rabbinen nebeneinander za stellen, ohne den Nachweis za liefern, dass und welche kritische Bedenken ihren Bemerkungen 7.n Grande liegen mögen. Auf der anderen Seite geht er in der Ausbeutung gelegentlieber, harmloser, poetischer Redewendungen za weit. Wenn das Piatstück אתיתי לחמך mit dem ם• החכמה wirklich das Bach der Sprüche im Auge hat, so folgt daraus noch durchaus nicht, dass man allgemein die Sprüche Salomo’s הה2מה 'C genannt. Mit demselben Rechte liesse sich diese Benennung auch etwa für Koheleth reclamiren. Uebrigens hat der Verf. die Ausführungsn von Zunz in seinen gottesdienstlichen Vorträgen, von Geiger in seiner Urschrift und anderen einschlägigen Schriften, namentlich den Bibel-Commentar von Delitzsch, auf das Gewissenhafteste za Rathe gezogen. F.r stellt sich auch auf einen unbe- : fangenen, rationellen, wissenschaftlichen Standpunkt. | Es ehrt ihn und sein wissenschaftliches Streben, wenn , er Erzeugnisse unkritischer Aftergelehrsaiakeit gei bührend abweist: Vgl. seine Bemerkungen über die Werke משפחת סופרים.״ המכלות s. 70 fl. ist auch der Verf. bei manchen Piecen über die ersten Stadien eines erfolgreichen Versuches nicht hina״sg6k״mmen, so bieten doch im Allgemeinen seine Ausführungen eine Fülle beachtenswerther geistiger Anregung. Sohrau O.-S. Dr. Immanuel Deutsch. Litteniturberieht. Recension. Meut sch, Hermann. Die Sprüche Salomo’s nach der Auflassung im Talmud und Midrasch. I. Theil. Berlin 1SS5. 106 S. 8°. Diese Blätter siud ein Separat-Abdruck aus dem Magazine für die Wissenschaft des Judenthums. Sie Soeben erschien: Der II in seinen haggadischen Bestandtheilen wortgetreu übersetzt und durch Noten erläutert von LU•. ilr. äug. warne he. Erster llalbiiaud 11 Hark. Leipzig. 1-1 £mt)c!tdc bic tut iBcttnnffcn, 'Blafcu־'Vit« rc11M1.^rauc1tfraufl)citc11,Kltit ir. Sen vcrprcitcltfirn io'llcu!ו)!/י> Ion, iimibi״־ (jcl)ciit bitrdijLW.^Sanrr '2pccioIn1.it, 'Bafel > 'Bilinittflfll. Briefkasten 11er Redartloo. l״cbcv ,,Schlcmicl" haben wir •lahrg. lSi'.>No.3l»ch0n eine״ \rt. 'von Dr. Wü tisch״ gebracht ( 2 durch den iiiamhe der eilige. Otto Sch XllzQ, 1sandten ,,Notizen•‘ sich erledigen Verantwortlicher Kcdactem• Dr. Kuhmer, Magdeburg. Druck von D. L. Wollt', Magdeburg Verlag von Robert Friese, Leipzig.

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