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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1885-12-10 · N° 50. (10.12.1885) · p. Seite 198

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
14 (1885)
Issue
N° 50. (10.12.1885)
Date
1885-12-10
Page
Seite 198 (sequence 4)
Language
German
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— 198 — geberic selbst geistvoll and klar geschriebenen Bio• gT&phien einiger weiblicher Pionire in den Bestie• bangen für die Hebung des weiblichen Geschlechts, Charlotte Paalsen, Emilie ־Tastenfeld, Johanna Gold• Schmidt, Mrs. Elizabeth Stantons hervor, die herrliche Biographie Sophie 7. Kowalewska’s (mit Titelbild) etc. Wir verweisen ferner auf die sehr lehrreichen Ab* handlangen Zar gesetzlichen Stellung der Fran im deutschen Reiche“: ״Warum därlen Frauen an deutsehen Universitäten nicht studiren? Die medicinischnn Schulen in England, Frauenstudium in der Schweiz etc.“ Aus letzterem hat der Schluss der kl. Abhandlung für diese Blätter noch ein besonderes Interesse. Er lautet: In der medicinischen Facnltät in Zürich promovirte am 18. Juli 1885 Fräulein Sara Welt, die dritte Tochter jener israelitischen Familie in Czemowitz, welche mit Auszeichnung ihre Studien vollendet hatte. Ihre Schwester Rosa, welche gleichfalls in Zürich 1878 als zweiundzwanzigjähriges Mädchen den Doctorhut als Medicinerin ordnungsgemäss erworben, practizirt mit gutem Erfolg in New-York, wo sie mit Herrn Strauss in glücklicher Ehe lebt. Dorthin begiebt sich auch Frl. Dr. Sara. Die mittlere Schwester Eleonore wurde Dr. phil.“ In den statistischen Mittheilungen des Buches über Frauen-Vereine, practicirende Aerztinnen, Zahnarzlinnen etc., wäre meines Erachtens das, was aus dem ersten Jahrgang wieder mit hinüber genommen ist, wegzulassen gewesen, um Raum für eine oder einige kleine novellistische Skizzen, passende Gedichte etc. zu schaffen, ein Zugeständniss an den Zeitgeschmack dem man wohl oder übel gezwungen ist Rechnung zu tragen, während andererseits viele Städte mit wohlthätigen Anstalten für das weibliche Geschlecht trotz der Aufforderung der Herausgeberin augenscheinlich diesem Wunsche nicht entsprochen haben. So vermisse ich beispielsweise die sehr wohlthätig wirkenden isr. Frauen-Vereine in Magdeburg und Hannover, den Pfennigfonds-Verein zur Ausstattung armer isr. Bräute und zur Belohnung verdienstvoller weibl. Dienstboten in Hildesheim etc.; unter den Zahnarzt innen fehlen die hier in Magdeburg practizirenden Frauen Dr. Charlotte Renard und Frau Anna Detzer-Wiede, unter den Schriftstellerinnen die gesinnungstüchtige, begabte Emilie Heinrichs aus Hannover (in Schleswig lebend), Frau Fanny Neuda in Wien, Fräulein Elsässer etc., während ich andererseits Künstlerinnen, Schriftstellerinnen und Dicht6rinnen erwähnt finde, die auf diesen Ehrennamen kaum berechtigten Anspruch haben. Es ergiebt sich dies schon fast aus der Mittheilung, dass die Stadt Berlin allein mit 122 Maleriunen uud Bildhauerinnen und CG Schriftstellerinnen, Dichterinnen, Journalistinnen, ohne die Tonkünstleriuuen etc. (also eioe ganze Gelehrtinnen-und Künstleriunen-Ropublik) darin vertreten ist. Dass daher nicht alles Ada Christen, Carmen, Silva’s, Heimburgs, Elise Henle’s, Wilhelmine Hillern, Sophie Junghans, Fanny Lewald, Marlitt, Lina Morgcnstern’s, Betty Paolis, E. Werner etc. sind, liegt auf der Hand. Von specifiseh jüdischen Vereinen sind ausser den Berliner erwähnt: die israelitischen Frauen-Vereine in Braunsberg, M. Gladbach, Posen, der isr. Jungfrauen-Verein, der Frauen-Verein der isr. Volksküche, die Gesellschaft zur Ausstattung armer isr. Mädchen, die Fanny Bauer'sche Stiftung für uuversorgte altere jüd. Mädchen und der Frauen-Verein für arme isr. Mädchen in Breslau, das Mädchenstift und der ior. Frauen-Verein in Frankfurt a. M., das Paulinenstifl (Waisenhaus für isr. Mädchen) der ist; Mädchen- und Knaben-Bekleidungsverein, der Lebens•- mittel-Vertheilungsverein, das Heine-Asyl (dasselbe enthält 46 Frei Wohnungen für Wittwen und Jangfrauen in der Regel nicht unter 50 Jahren), sowie die Cohn-Stiftung, (Zwecks-Unterstützung unbemittelter isr. Mädchen, während ihrer Ausbildung in Hamburg, der isr. Wohlthätigkeitsverein in Osnabrück und mehrere andere, während das grosse jüd. Waisenhaus in Paderborn ebenfalls ein äasserst segensreiches Werk von Frauenhand unerwähnt geblieben ist. Möge das treffliche Bach sich der weitesten Verbreitung zu erfreuen haben und überall die Beachtung in der gesammten Frauenwelt finden, deren es in jeder Weise werth und würdig ist. Max Weinberg, Magdeburg. Notizen. Zur Naturgeschichte des Sehlnmiel. 1. Den beiden Erklärungen der Bezeichnung ״Sehlnmiel“ in der letzten Nr. des Litteraturblattes gegenüber möchte ich denn doch die ältere, allgemein verbreitete in Schatz nehmen. Das Volk hält eben die agadisclien Erklärungen der Bibel für Wahrheit und richtet demgemäss seine Bezeichnungen ein. Aehnlieh Verhaltes sich mit dein Spottworte ״Lemech“, worunter man einen tölpelhaften, ungeschickten Menschen versteht, offenbar mit Rücksicht auf die agadischo Eiklärung der Bibelstelle, dass Lemcch aus Unvorsichtigkeit seinen Almen Kain und seinen Sohn getödtet habe. Ebenso galt dein Volke die Identität des Schlumicl mit Simri hon Salu (Numeri 25,14), weil sic im Midrasch behauptet wird, als ausgemacht, und darum trug es Bedenken, Simri mit seinem angebl. wahren Namen zu bezeichnen, denn 1 שמו,!- שלומיאל“IÖ heisst cs im Midrasch von ihm. Mann könnte vielleicht cinwenden, dass Simri doch ein Verbrechen begangen und dafür seine gerechte Strafe empfangen habe, aber wer so urtheilt, kennt dcu Volksgeist schlecht. Das Volk bcurtlieilt die Handlungen der Mensehen oft mehr vom Standpunkte der Klugheit, als von dem der Moral. Reineke Fuchs ist trotz seiner Schelmereien der Liebling der Volkssage, aber der ״dumme Teufel“ wird aasgelacht. Ganz Israel hatte doch hei Schittim gesündigt; aber dass Simri sich gerade erwischen Hess, das ist es, was ihm zum Schluniiel macht. llein# im Romanzero*) hat die Erklärung, die ihm, wie er angiebt, von Hitzig mitgethcilt wurde, entweder missverstanden, oder vielleicht absichtlich geändert, um den ״Schimmel“ sympathischer zu machen. Burgkunstadt. D. S. Flaschner. 2. Hinsichtlich des Ausdrucks ״Scldemicl“ erlaube ich mir, noch tolgende, ganz einfache Erklärung zu geben. Bekanntlich sagen wir, wenn Jemandem Alles gelingt, wenn er überhaupt ״Gluck“ hat, er ist ein ״Baal-Masel“ (בעל מיל)• Wer jedoch das Pech h״t, das• ihm alles misslingt, vor. dem sagt n.an, er hai (oder: ist ein) ״Schlcmascl“ (שלא מזל), daraus entstand: ״Schlemiel“. — Auch könnte man den Ausdruck ״Schicmiel“ sich aus שלומי אל zusammengesetzt denken. Alsdann wäre es die Acusscrung des Pechvogels, der bei Allem Pech, ljci Allem Unglück ausruft: ״Gott ist mein Heil“, von ihm crwnrte ich Hülfe1', ohne seihst dahin zu wirken, dass das Pech von iluu ^trn bleibe, der massig dem heranuahenden Unglücke entgegenschaut und von Gott die Abwendung desselben erwartet. J. Herzherg-Aerzen. J. Herr Prof. Hermann L. Strack in Berlin lässt eine Broschüre erscheinen unter dem Titel: ״Herr Adoll Stöcker und christliche L׳cbe und Wahrhaftigkeit“. (Die Capitel-Ueber- Schriften lauten: Meine Stellung zum Judenthum. Das Christlich-socialc Corrcspondeuzblatt. Stöcker's Reden am 24. April und sein Bundesgenosse Simon May. Verhandlungen mit und über Stricker im Mai und Juni. Die Gerichtsverhandlung am “U. Oclober. Vergebliche Au״glcicl13versucho und Fortsetzung des Conllicts. Weitere Beitrago zur Characterisirung Stöcker's.) *) Wir setzen die Kenntniss der hetr. Stelle in Ileine's Fragment ״Jelmda l!en lialevi1־ Cap. 4. hei allen uiisern J-caeru als so bekannt voraus, dass wir uns den Abdruck dersolben sparenzu können glauben. (Red.) Vc1״ut־.vort::.׳!:er Kcdartour Dr. Rabiner, Magdeburg. Druck von D. L. Woltf, Magdeburg. Verlag von Robert Friese, Leipzig. T..יל Ulcscr Nummer liegt ein Preis-Courant der Nürnberger Lebkuchen-Fabrik ססז F1. yV• Tliohtoi‘ <£ Co. bei.

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