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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1885-11-26 · N° 48. (26.11.1885) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
14 (1885)
Issue
N° 48. (26.11.1885)
Date
1885-11-26
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Sie heisst: Jorili Dealt § 1 —101), 1א.">—‘J02, Oracli Chajint ■I."11 — Itil! und vielleicht noch eine Answähl aus Elen Ila-Ezer, wolxi ich gnr nicht zweifle, dass man noch Einiges au!finden wird, wns ebenso unerlässlich ist. Ich will nun durchaus nicht bestreiten, dass die Kennlniss des ]׳raktisehen Ritus zum Rabbiner gehört, aber hat et nicht auch andere Aufgaben? Sieht man nicht getade auf die Kennlniss des Gebetes in seiner!literarhistorischen "Würdigung und modernen Entwickelung geringschätzig herab? So kommt es, dass in den grösseren Städten sich eiu bedenkliches Schwanken im Ritus geltend macht, was der Autorität des Gottesdienstes in keiner Weise fördcrlich sein kann. So gesehiebt es, dass ein junger Mann, der in’s Amt kommt, ohne Rücksicht aof die Gewehnbeit der Gemeinde jdanlos nach dem erst Besten greift, dass das viele Recitiren die Gemeinde ermüdet, dass die ungewohnte Passivität mit beiträgt, sie gleiehgiltig gegen den Gottesdienst zu machen. Unterricht kann nicht Alles machen, aber er giebt doch wenigstens eine gewisse Richtung, eino Anregnng zum Nachdenken über principiell« Fragen. Unsere Homiletik bat allerdings einige vortreflliebe Vertreter, aber ihre Geschichte und ihre tlieorctisclic Behandlung liegen sehr im Argen. Allgemein sucht mau die!duster getade in den Beispielen des äusseisten Verfalles der jüdischen Kanzelberedsamkeit. Man fahrt fort, wie in der alten Zeit die Curiosa unter den Midraschim hervorzusuchen und mit gekünstelten Fragen und ebenso gekünstelten Antworten vor einem Publikum zu paradiren, welches, statt der erbaulichen Wirkung der Predigt sich hinzugeben, sich auf den gelehrten Richterstuhl der Kritik setzt und die Predigt genau so kritisirt, als würde cs sich tim einen neuen Zeitungsroman oder u!n das Debüt eines Liebhabers auf dem Theater handeln. Der Prediger verwöhnt in der Regel sein Publikum, indem er sieh bemüht, in jeder Predigt einen sogeuaunteu ״guten Gedanken" vorzubringon, den der Zuhüror bofriedigt nach Hause tragen kann. Sc habe ich bei einem beliebten Kanzelredner der Gegenwart den ״Ge* danken“ gelesen, dass Jacob selbst im llauso Labans nicht der väterlichen Sitto vergessen habe und dazu eitirle er einen Midrasch, dass Jacob alltäglich die fünfzehn Slufengesiingo gesungen habe. Das erinnert doch sehr lebhaft an Jcchiel Jleilprin, d״r im Seder Iladoroth aus verschiedenen Mül rasch im oin ״Tagebuch Adams“ zusammenstellt. Von einem Andern hörte ich selbst den Midrasch über dio Sphärenharmonie (לנל;) dahin deuten, dass das Schicksalsrad Alles übertöne. Das sind ungesunde Auswüchse der Prodigt, aber sie sind leider nicht Ausnahmen. Nun will ich nicht sagen, dass ein gehöriger Unterricht Alles heilen kann, aber er kann dio •Schüler zu solbstlhätigern Nachdenken anregen und das ist schon ein grosser Fortschritt. Am meisten aberliegt di« Methodik dos Roligionsuiiterrichts im Argen. Der junge Mann ist zu Paradoxen sehr geneigt und möchte überhaupt gerne dio Welt nach seinem Kopf« einricht«n. Da hört mnu oft: Was nützt aller Religionsunterricht, die Schüler sollen wissen, was man zu beten hat, sollen die Torah kennen, »las wird alle Systematik ersetzen. Die Herren müssen dann erst in der Praxis sich die Hörner abstossen; ja sehr oft betrachten sio die Boschuftigung mit dem Jugcnduuterricht überhaupt als eine lästige Biirdo und vergessen, dass das der wichtigere Tbeil der seelsorgerischcn Pflichten ist. Wir müssen die versäumte Arbeit von Jahrhunderlei» uaclihok-n, wir müssen streben, unsere Theologie zum Range einer Wissenschall zu erhoben, die in ihrem Gcbieto souverain herrscht-, dann erst kann die äussere Emancipation des Standes gelingen, dann erst kann das Publikum überzeugt werden, dass der Rabbiner mehr ist, als ein Luxus-Gegenstand und die wissenschaftliche Bildung des Iteligionslohrers auch für sein eigenes Fach eine Nothwcudigkeit ist. Die polnischen Juden. Voll Prof. in KöliigHtarK. IIL In diesem dritten Artikel wird Ilcrr Professor Dr. Möller nicht nurderUebcrsohrift seinos sonst so vorziiglichcn Essay’«, sondern zum Th«il auch der Unpartoilichkeit untreu. Er beschäftigt sich nicht mehr mit den ״polnischen“ Juden, sondern mit den

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