Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 14 (1885)
- Issue
- N° 46. (12.11.1885)
- Date
- 1885-11-12
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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.46 12׳. Jüdisches Jnhrg. XIV. JlJ. Mb ©ratir-BMt Zar Bflcarkl••!( aller JalMlka• •a« i!41a btlffireadfi llllKariarlw Kr• •rkrlsatKr• *af drm lieblet« der Phil#• Mphle, <«ea«-hlrhte( Kthatgraphl«, The#• lojrle, OrlenUlia, Ksexeae* Raalletlk, Lltarjrlfc, Pidapoplb. Heran»gegeben roa Rabbiner l)r. Moritz Italnuer. 91ta«}5c('ut^, 12. 0to1v1n(vt 1S85. Hirkrr Jrr r|».rM».l«r« l.lltrr>t.1.«*lrk• der RHirllua 1a<r«1adl «erde•• fad•• 1■ •llrtrm IlUJIf rlaarbradf Reaprerhu■•• Hel Klaaraaan* «na »«el Reren«l•■«• l'vemplaren erfolrt »IbmiIIm bar«• (.ratl.la-erilea. Da» ״JfldUche Lltteratar-IlUtt•* erscheint wöchentlich in (*inoin hall><,11 B«•1*«» ProU hui ,וו<>11ו Uuchhandlungon (in Leipzig bei Kotiert Friese) pro Jalirgang 8 Mark. Abonnenten der ״lsraulitisi.11011 \V.״'M1>־».-I1rift•• (die \ ierteljalirlieli bei allen Postanstaltun und Kncbliandlnngen S Mark ko.-.let) erliallen da» ״.linliscliu Litturatiir-Iiliitt'‘ grali». Inserate werden mit 26 Pf. tiir die gespaltene Petitzeile, ItellagPD mit 16 Mark, bereebnet nnd siml an diu Kxpeditiim dieses ltlatte» zn »enden. LU- Buchhändler, welche direct oder durch Kobert Priese in Leiuziir Inserate einsmideii. erlialten 'Jft V Kaliatt. *9« 1 nlinlt: "Wisscnscliaftliclie Aufsätze: ״(iednnkcn eines .luden“, beleui btet von Dr. Krotier, Habb. in lirandcnlmrg d. II. (Scblnss voll X.) — Itie iiolniseben •luden. Von Prof,!doller in Kotiigsbeig (l’ortseiznng.i — I)ie jiidisibo Tbtologic als Wissenschaft. Von Dr. (i. I) c 111 s«• 11. (l'oitsclziuig.i Littoraturbeiicbt: Kecensioneu: Kaipeles, (jiistnv, Geschichte der judisebin Littenitur. — Kuber, .Sil, t'itato aus dem Midraseli Delarim sutn!111 ,lalkul etc mit Noten und Verbesserungen und einer Kinleitung. — Notiz. Nachdruck nur mit veiler Quellenangabe gestattet. ״Gedanken eines Juden,“ beleuchtet vun Dr. Krön er, Knbb. in Itraiidenbiirg a. d. 11. (Scblnss von X.)*) Schauen wir uns mm wieder auf christlichem Gebiete Einiges naher an! Wir die ״Gedanken eines Juden“ liest und sich dabei entweder dei Gedankenlosigkeit oder dein Vogcl-Strauss-System eigiebt, muss annehmen, dass auf jenem Gebiete die laut! r.»te Dar- Ironie, die reinste Sphärenmusik, die edelste Ausgcttaltung des Kultus zu finden ist. Wer indess Personen und Dinge aufmerksam und vorurtheilsfrei betrachtet und sorgfältig piül'l, gewahrt dort etwas Anderes und staunt über die Kühnheit des Gedankenbeiden im Urlheilen und im Verschweigen. Derselbe spricht von separatistischen Bestrcbilligen, von religiösen Gegensätzen unter den Juden. Was diese Bestrebungen, diese Gegensätze zu bc- 1 deuten haben, ist bereit» gesagt, ist fast allgtmein bekannt, und doch stellt er sie als sehr <■1 Leblich bin. Bat er dalei denn gar nicht an die, sogar den Elenuntarschulwelt offenkundigen Gegensätze der Katbolicisinus und des Protestantismus, hat er garnicht an den AltulJ Neukalholicismus, au die zahlreichen Pekten und Scktclien dir nicht katholischen Christenbeit, ja nicht einmal an diejenigen christlichen Separatisten, denen er selbst leigetreten, nicht einmal an die in den Tageslilättein 11ml in den clirist lich־t hc ologit c׳h< n Zeit sch rif tu! berichtet en höchst unerquicklichen Zwistigkeiten ui.d Zänkereien der unterschieden!u diiistlielen Riihtiigm gcc'uiLt? Boren wir diesbezüglich vollgültige Zeugnisse nnd unbestrittene Berichte von christlicher Seite! Emil Zittel, evai g. Stadtj tarier und Dekan in Karlsruhe, klagt in den ״deutschen Zeit* und Streitfragen“ (S. ■11, Belt 10 צ, Babel, Berlin 1 Ssfj): Welch’ furcht• baren Schaden die bisherige Unsiclieiheit nnd Gefügigkeit, die innere Zwiespältigkeit und katholiäireude Autoritätsschwärmerei unserer lciteuden Kitchenkreise im protestantischen Volk bereits ang! richtet und welch' krasso Heuchelei sie j ln vor. No. S. 1;1;.1,/..2״ v.o.f.l,!! lönl. ״ Ulli!'!!;■!ו•!"!in:*;. bereits weithin gezüchtet haben, — das wird der erste Stoss der Weltgeschichte an den Tag bringen, welcher es den Bohcn uud den Niedrigen ermöglicht^ olmo materiellen Schaden die überlang getragene Maske kirchlicher Gläubigkeit von dem Naturgesioht der egoistischen Begehrlichkeit und des ordinärsten Realismus, Materialismus uud St reberthums abzutliun und mit einem bequemeren, lukrativeren uud moderneren Anstrich zu verseheu. — Welche und wioviele äussere Misshelligkeiten jene ״innere Zwiespältigkeil“ im Gefolge gehabt und noch hat, deutet Zittel nur an, es kennt sie aber Jeder, der auch nur richtig sehen uud hören und mit clcmentarschiilerhafiem Verständnis» eine Zeitung lesen kann. Man köunte mit der Darstellung jener Streitigkeiten ganze Bände füllen. Doch weg mit uusern eigenen Sentiments! Prof. Dr. Stade hielt zur Feier des Stiftungsfestes der Universität Giessen im Jahre 1nn3 eine Rcdo | ״Ueler die Lage der cvang. Kircho in Deutschland“,; aus der wir nur folgende Stellen hervorheben: Augen- [ bücklich b! findet sich die cvang. Kircho Deutsch• I lnnds in einem Zustande;•!•rhahnissmüssiger Macht- und Einflusslosigkeit. Wohl geniesst dieselbo noch de» gnädigen und wohlwollenden Schutzes deutscher Fürsten, aber nicht selten ist durch die Schuld ihrer theologischen, wie politischen Rathgeber, durch Bevorzugung einzelner theologischer Schulen, im missverstandenen Interesse der Politik ein hemmender und verbildender Einfluss auf «las evang. Kirchenwesen ausgeübt und dasselbe viidfäch von staatlichen Gesichtspunkten aus geleitet worden. Auch die Zahl der deutschen Fürsten- und Adelsgi-schlechter, welche das Evangelium bekennen, hat sieh verringert. Weit verhängnisvoller, als durch die erwähnten Verhältnisse ist die ev. Kirche dadurch betroileii wor«len, dass sich das Bürgerthum des ev. Deutschland dem Einfluss der ev. Kirche nahezu vollständig entzogen hat. Jeder Versilch, kirchliche Interessen gi ltend zu macheu, berührt diese Kreise unangenehm, stört ihren Indiflerenlismus und gilt last als Friedensbruch. Wie verhalt sich nun die Theologie hierzu? Die Antwort lautet, wie «1er geistreiche Ue«lner ausfiilirt, für die ev. Theologie und die ev. Kircheiileitungen tief beschämend. — Prof. Dr. Lipsi:::: au» Jena sprach anlässlich der Liitberteicrlichkeiten im August• l.sS.'l in Eisenach sehr treffliche Worte über die relig. Lage in Deutschland, von denen wir nur einige wieilergeben: Das deutsche Volk hat unter Strom»•!! von Blut die nationale Einheit wie«ler erobert; von «1er kirchlichen Einheit sind wir ferner als je Mitten unter uns seihst ist helle Zwiotraclit entbrannt, in unsen-r «ig«n<11 'litt•! siml uns neue