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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1885-10-29 · N° 44. (29.10.1885) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
14 (1885)
Issue
N° 44. (29.10.1885)
Date
1885-10-29
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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JK44. Jüdisches Mtteimtir a Jahrg. XIV. fnt «Her!■*א•()!•• aa« ia4ea brlrrlTradfa lll(rrarlM1(־ea Kr- •rkrlaanarB mf dr» drr FVI!•• tifirhlrbU, KtAnojrrapliit, Tkr•- 1**1*. Orlralftlla, KirtM». Naaiflrtlk. I.IUmllt, 1’iiiMOirlk. II erauKgegeben von Rabbiner l)r. Moritz Italmior. 9Ra^3.’Gut<j, 20. (?ctoGct tSSj. Mrhrr 4rr fl U'kMtflcrN I.lllrr1lar,«firkt 4rr KHtrllai arnlra, lad•* |a dlorm Hlatle rlncrkfad« Rraprtrliaa«. Krl Kla«rn<laa« tna •«•I Kfffa«Ua*• hrM|»l1rr• rrfoltt rlaaill(• kar*• lirallvlatfrllaa. Da״ «JOdlHrh® erxchmut \vöcl1**ntlieh in mnum IiaIImhi Ho^en Prei* 1n*i Buchhandlungen (in Leipxig hoi Robert 1• riese; j«v• Jahrgang 8 Mark• AlKmuonhm «ler ״Israelitischen Wochonsclirilt‘״ (die vierteljährlich bei allen Po.HtRiistAlten und HnchhAiitPiinp■!) S Mark kostet) erhalten da* ״.Indisch״ Littoratur-Blatl־ gratis. lonerate werden mit ihr die Kespalteue Pctitzeile, Itfllagen mit 16 Markv!**rechnet und sind an die Expedition dieses Blatten zu *enden. 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Ohne Mediceer wäre vielleicht Michel Angclo nicht zu den Leistungen gekommen, welche seinen Namen auf die Nachwelt gebracht haben, ohne ]!rartische Bcthäligung auf den Lehrsfiihleu der Universitaten wäre wohl kaum irgend eine Wissenschaft liehe Discinlin in diesem Grade üiiaci-Lildi-t, wie das jetzt der Kall ist. Nach dieser Richtung steht es mit der jüdischen Theologie heut’ zu Tage sehr schlimm. Im ganzen haben wir nur sehr wenig Anstalten, wo es dem wissenschaftlichen Forscher ermöglicht ist, die Kesultato seines Forschen* Anderen mitzutheilcn, sich selbst, durch die Lehrfremligkeit in seinem Streben zu vertiefen, und seihst diese wenigen Anstalten bestehen erst zu kurze Zeit, als dass die Krfahiung hinreichte, um die Zukunft der jüdischen Wissenschaft auf gesicherter Basis zu wissen. Wenn wir unter wissenschaftlicher Behandlung einer Disciplin ihre vollkommen vorurtheilslos gründlicho Bearbeitung verstehen, so müssen wir sagen, dass das Judouthum ganz im Gegensatz zu den humanistischen Bestrebungen der christlichen Zeitgenossen gerado seit dem F.nvaehen des Wissenschaftliehen Lehens zurückgegangen ist Ich weiss, cs wird zunächst bestritten werden, dass das, was die grossen Männer des Judenthums von Saadja Gaon bis zu David Kimchi und Kliah Levita hinab geleistet haben, Wissenschaft sei, selbst ihr Kritieismus wird von den modernen Vertretern theologischer Wissenschalt nicht als Wissenschaft angesehen werden, denn das Kriterium der Wissenschaft liegt für diese Herren — sagen wir <s offen — in der Gottlosigkeit. Trotzdem wird kein Unparteiischer leugnen, dass etwa Raschi unstreitige Verdienste um talmudische Textkritik habe, dass Jbn E s r a als Bibelloi.-eher 1111 verwischbare Zeugnisse seines Geistes hinterlassen habe, wenn er auch heute längst überholt ist; mag man endlich auch von den kühnen Versuchen des Maiinonides, die aristotelische Philosophie in die Bibel hineinzuinterpretieren, denken wie man will, soviel steht fest, dass er *peeiell in der Erklärung des prophetischen Bildes Einzelnes geleistet hat, was selbst bei dem heutigen Standpunkte der biblischen Exegese noch nicht überholt ist. Endlich ist cs unbestritten, daRs, was heute die semitische Philologie auf eine so hohe Stufe gebracht hat, unmöglich gewesen wäre, ohne die, von religiösem Eifer getragenen Bestrebungen der Juden auf diesem Gebiete. Wahrend nun im lti. Jahrhundert das gowaltige Ringen der Geister nach dem Ziele, sich von jeder Traditir.11 freizumachen begann und so auch itirchcnglaube und Bibel auseinanderzuhalten sich bemühte, so dass die verachteten Juden die Lehrmeister der Christen werden mussten, haben die Juden ihrerseits Rückschritte gemacht. Dass ich Ausnahmen gelten lasse, wie etwa, 11m nur einen zu nennen, Asarjah dei Rossi, ist selbstverständlich, aber die Thatsache, dass das Urtheil im Grossen und Ganzen unabänderlich ist, geht gerade aus dem Beispiele Asaria’s hervor, denn wären die Köpfe wissenschaftlich ebenso geschult gewesen, wie im 13. Jahrhundert, so hätte die ״Augenleuchte“ sicherlich mehr Anfechtungen erfahren, als seiner Zeit der ״Führer“ des Maiinonides. Heben wir uns die Leistungen der Juden an diesem Wendepunkte an, so finden wir■ einen merkwürdigen Gradmesser tiir die wissenschaftlichen Bc- Strebungen an einer Disciplin, welche sonst nur als Diene!in, als sehr mittelbares Werkzeug zu dem grossem Baue der Wissenschaft erscheint, — das ist die Grammatik. Mit dem Augenblicke, wo Sebastian Münster die Grammatik des Eiiah Levita ins Lateinische übersetzte, scheint die jüdische Wissenschaft erstorben und was sich etwa noch erhalten hat, müssen wir bei den Christen suchen. Hand in Hand mit dieser Erscheinung geht das Ueberwuchern des immer mehr und mehr aut Dialectili sich zuspitzenden halachisohen Studiums. Wenn wir uns nach den! Gruml dieser itn hochsten Grade auffälligen Erscheinung frageu, warum die geistige Richtung des Judenthums, welche sonst wie das Beispiel der Alexandriner und der spanischarabischen Periode uns lehrt, den geistigen Bestrebilligen der übrigen Welt folgte, gerade hier einen dem allgemeinen entgegengesetzten Weg nahm, so ist neben dem äusseren Drucke, welcher sie für die Vorgange der Aussenwelt unempfindlich machte, sicherlieh der Mangel einer Hieiurchio als Grund anzunehmen. Das katholische Cliristeuthum hatte eiue

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