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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1885-10-22 · N° 43. (22.10.1885) · p. Seite 170

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
14 (1885)
Issue
N° 43. (22.10.1885)
Date
1885-10-22
Page
Seite 170 (sequence 4)
Language
German
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— 170 — manchem Schriftsteller jüdischer Wissenschaft den Beweis liefern, dass man auch in den nüchternsten Forschungen höchst wissenschaftlich und doch zugleich recht interessant sein könne. — Die ״Vier apokryphischen Bücher“, deren Entstehungszeit und Ursprache im vorliegenden Buche zur Untersuchung kommen sind: Assumptio Mosis, das IV. Buch Ehra, Apokalypse Barneb und das Buch Toki. Roseuthal setzt die Entstehung dieser Bücher in die Zeit nach der Zerstörung Jerusalems bis in die ersten Jahre Hadrians, also ungefähr 70—120. Er baut diese These auf eine gründliche Untersuchung des Geistes dieser 4 Bücher auf, die sich ihm als fortlaufende Glieder der geschichtlichen Entwickluug.tler Theodicen im Judenthume darstellen. Die Frage nach dem Ursprünge des Uebels, — das ist der Gedankengang des Buches — wie sie in den Systemen der griechischen und römischen Philosophie auitrat, musste im monotheistischen Judenthume nothwendig die Form der Tbeodicee annehmen. Als der älteste und grossartigste Versuch einer Theodicee steht Hiob da, dessen Grundidee Dr. R. ebenfalls in neuer und lichtvoller Weise darlegt. Die in Iliob gegebene Lösung besteht nach Dr. R. darin, dass uns — keine concrete Lösung gegeben, sondern die im Weltall allüberall sich manifestirende Allweisheit Gottes so überwältigend aufgerollt wird, dass wir gar nicht anstehen können, auch im Unglück, wenn uns auch gar keine Zweckmässigkeit denkbar scheint, der göttlichen Allweisheit zu vertrauen. Die Einleitung im Hiob hat in Hinsicht auf diese Lösung nur exemplarische Bedeutung für den Zuschauer oder Leser, als ein Beispiel unzähliger möglicher Absichten Gottes. — Diese allgemein gehaltene Lösung genügte, so lange Israel iu glücklichen Zuständen lebte. Mit der Zerstörung Jerusalems und deren schrecklichen Folgen für das Volk aber verlangte die Frage רשע 01": לי צדיק ורע לו doch eine eoncretero Lösung, und so wurde die Zerstörung Jerusalems der mächtige Impuls zur Fortentwickelung der Theodicee. Iu den I apokryphischen Büchern: Assumptio Mosis, IV Esra, Apokalypse Baruch und Tobi, haben wir nun, nach R’s. Ansicht, •1 Glieder dieser Entwickejnngskette, u. zwar das erste aus der Zeit kurz nach der Zerstörung Jerusalems durch Titus, das zweite aus 41er Zeit Nerva’s, das dritto aus der Zeit Trajans, ungefähr i. J. 11<», endlich das vierte aus den ersten Jahren Hadrians vor dem Bar-Kochba- Kriege. — Sind schon die vier Lösungen für die Itüthsel der Theodicee, wie sie lt. uns aus ilen iu Rede stehenden Büchern darstellt, sowohl religionsphilosophisch als auch für die innere Geschichte der Juden von hochstein Interesse, so wird dies Interesse noeh gesteigert, durch die Beziehungen, in welchen, nach R's. überaus anregenden Untersuchungon die Verfasser dieser Bücher zu dem von lt. Jochauan b. Saccai gegründeten Lehrhause zu Jabne standen. Roseuthal geht nämlich von dom sehr richtigen und, wie ich glaube, noch höchst fruchtbaren Gedanken aus, dass bei dein dominirendeu Eintlusse des Lehrhatises zu Jabne kein litterarisches Erzetigniss von nur einiger Bedeutung in dieser Zeit ohne Beziehung zur Jamcensischen Schule, sei es als Anhänger oder als Gegner, denkbar sei. R. gelangt von dieser Hypothese aus zu folgendem Resultate•. Assumptio Mosis stammt von eiuern Gegner der Lehrer zu Jabne, tt. z. von einora Am-haarez, IV. B. Esra von einem Schüler und Anhänger R. Eliezer’s. Aelinlich aus späterer Zeit stammt dann Apokalypse Baruch von einem Am-haarez, einem Manne aus ׳dem Volke, der aber ein Verehrer der Schriftgelehrten, and speciell Anhänger des R. Josua und noch mehr des R. Akiba war, and endlich das Buch Tobi von einem Scbriftgelehrten n. z. Schüler des R. Akiba. Diese gleichsam dramatische Vertheilung von Licht und Schatten geschieht natürlich nicht nach Willkür, sondern auf Grand specieller Nachweis» von Verwandtschaften zwischen Aussprüchen der genannten Schriftgelehrten und den Ideen der vorliegenden Bücher. Die oft räthselhaften, mit Zahlen spielenden und sonst absonderlichen Aas- 3" die Religionsphilosophie und die Geschichte dieser Zeit, und selbst wo man mit R.’s Resultaten nicht ganz übereinstimmt, so gewinnt man doch durch dessen Darstellung die Ueberzeugung, dr.::■־ seine Methode eine unleugbar richtige sei. (Schluss folgt.) Notizen. 1. Den in No. 10/11 dos ״.lud. Litt.־Hl.“ enthaltenen trelllirhen Hcmerkungen des Herrn Dr. Kothsrhihl-Alzcv Uber die biblische Sdn'ip 111 ngsgu sc h ic h to im Lichte der Wissenschaft erlauben wir uns, den Hinweis auf ltnschi zu (lunesis 1,11 hinziizutiigcn: (ראשון נבראו (המאורות Dl'ö וכרכיעי צור, עליהם להתלות ברקיע, וכן כל תולדות שמיס ואחן נכראו מיום ראשון וכל א׳ וא׳ נקכע כיום שנמר עליו. Wir glauben, dass sich in diesen Worten nicht erst eine schwanke Vermut billig, sondern schon cino teste Ansicht heziiglich der kosmischen Entwickelung nusspricht. צ. (lleicli Herrn Spiuncr-Tarnow in der anregenden Notiz snh צ n. a. O. schliessen auch wir uns der<|11. Hnsrhi-Erkliirniig an, jedoch in anderer Weise. Wir stellen nämlich das Epithct der Heldin des Esther-Huches, ואםתהר zunächst nicht mit Aslarlc, sondern nach dalkitt und Targum II. zu Esther 7,צ mit dem griechischen *'״*•ל'' (pors. sitareh, zend. stnrn, skr. tarn) Stern — der Sein lilicit — n. z. Venns (כוכב "נהא) zusammen. Nun wird aber die Identität der Venus und der A starte schon iu verschiedenen alten (Quellen bezeugt, so /.. H. in (■ic. N H. :1,11|• . . . : 1.צarta (sc. Venus) Sy rin ('yproi/ue coueepta, 1|11au Astarte vocatur,•1וו1;וין Adonidi nnpsissc proditum est. Wie Aden 1— ארק Adonis Har.l Moloch) nach Macr. Sat. 1 ,11 1 צ. A. hei den l'hönicieni und Assyriern auch als Sonnengott galt, so wurde seiuetiattiu Ast.ule boi denselben auch als Moudgbttin ללכת השמים tvgl. 11. A. Lucia», de dea Syr. I) vereint, l'nd min aeceptiien wir gern Kaschi's E-kianing:,אםתהר ירח. יפר. כלכנד. Nim begnuten wir es 11111)1, wenn an der f>0xi)^licl14*t1 Tal• nmil ilelln i.Mrg. Ua) gleichfalls über K^ther gesagt wird: (*12חל של השד משרך עליה v euus hesuss dun (tiirtnl der Anmntli, Homer — den wuuderköstliehen (»ürtcl, Ih1ntgesti»kt. P»m waren die Zaubernuzo versammelt, Au» )1 die schmeichelnde Ditto, di»? .seihst den Weisen 110thöret. Dies»* letzten W!»rte JI111״er‘s gemahnen an Ksthers Hitto hei Achaschworosch, deniuiscro Alten einerseits einen klugen König (rp*£ מלך», andererseits einen thörichton, hethörtun König (מלך טיפש) »*;!men. Kerner hegreiten wir nun »lio Deziehuug des Namens Had assali zu dein Knithet K st her: Die Myrtlie war bekanntlieh der Venus geheiligt. S« lilie.vsÜ»•)! *«ei hei iehtigeud 1m»־h hemerkt, »lass »1er von Herrn Sj>. angelührto )>11»•11. — Name Deel- Samen nicht Herr der ״Welt“, solidem Herr des Himmel» heisst; Heel- Samen, hei Samneii. ‘/.'»y.^i O'ipavoO, l״i Augustin domiims eoeli erklärt, ist einerlei mit £״£ w' 3' ובלל •«< כלל ב~לf Haal der llimm»l>w»dmnng. Dratnh.uhnrg a. d. 11. Dr. K rotier. *) Dass tta-! Jih'ht hlos Kad»‘11 heisst, (;!*chen wir aus Jos. 1. Kon. 7,!;1 und geradezu ha u׳ig re i 1T ic h aus Kelim tg. VetauiNsortli•■•her Kcd.ietcur Dr. Kahmer, Magdeburg. Druek v»»n D. I.. Wollt‘, .Magdeburg Verlag von Hubert Friese, Leipzig.

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