Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 14 (1885)
- Issue
- N° 43. (22.10.1885)
- Date
- 1885-10-22
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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I (SxIlhlKH.) j Natdidcm Mendelssohn in <lxm genannten flelxhrtoiikreise zum ersten Malt* mit »der Abhandlung:! ״Heber ilio Wahrscheinlichkeit“ hxrvoigcl.rcten I war, schob ilm gewissxnniissen Hessing in »lix litterariscli« Welt hinein; er gab ohne Wissen des zuziickliultenden Freundes dessen Erst liiigssehriftxn, , *li« ״Philosophischen Gespräche“ und die ״ltrie i'e ii be r die Ein pi'i ndungeli“, heraus und er- | munterte ihn insbesondere zu einem Inulitlmrxn äs- ן Ihetisehen Briefwechsel und zu Abhandlungen die uns j in Mendelssohn nicht nur den Denker, sondern auch •len liiimluiften Aeslhctikcr bewundern lassen. Sein ästhetisches Hauptwerk: ״Ucker die 11 auptgrnndsiitzc der schönen Künste und Wissenschäften“ (17071 war eine liir den damaligen Stand j 11er Aesthetik grundlegende Arbeit, die er gleichwohl 1 mit den bescheidenen Worten einleitet: ״leb habe weder den Willen, noch die Fähigkeit., ein ganzes Lehrgebäude der Kunst aufzuführcii und bin zufrieden, wenn ich nur die ersten Grundlinien eines Lehrgchiimlos mit einiger Richtigkcji gezeichnet habe“. Trotz dieser lieissigen productiven Tlüitigkeit hörte er doch noch nicht auf, die Lücken iu seinem positiven Wissen auszufüllen und wie ein eitriger! Schulknabe zu lerncu und sich fortzubilden. Was er ן bis zur Zeit der Herausgabe seines ebengemtnnteu ן iistbetisehen Werkes von den Hellene!! und ihrer ן reichen Litteratur wusste, das kannte er nur aus j Ueborsel zungen. Er bedauerte es seinem Freunde h'icolai gegenüber, <!<•11 Plato, für den er schon durch die Uebcrsctzungcn iiusserst eingenommen war, j nicht in der Ursprache lesen zu können. Nicolai * machte ihn sofort mit einem bedeutenden Giiicisteii, i *lern IJ;v!or des Küllnischcn (iymiiusiums, dein später 3 viehuigefeindeten, freisinnigen Uebersctzcr und Er- * kliirer des Neuen 'l'estumeiits, Damm, bekannt, und die , | *frei Männer beschlossen, in Nicolni’s Wohnung zwei- J Mial wöchentlich zusainmcnzukomme״, um die gric-! dusche!! Klassiker zu lesen. Hei dem Eifer Mendelssohns wurm die grammatischen Schwierigkeiten bäht überwunden, und es begannen tlcissige Hebungen und gründliche philologische Studien, die Jahre lang pilnktlieh und unverdrossen unterhalten wurden. Die erste reife Frucht des Studiums der Schriften Plato’s, dia Damm mit ihm über ein Jahr lang gelesen, war der schon erwähnte ״Pliädon“, dieses Werk von eigenartiger Schönheit und Vollendung, das den platonisehen Dialog und di« Sokrutisehe Methode meisterhaft in die deutsche Sprache eiugetührt hat. Aber nicht nur dio Sokrutisehe Methode hat ersieh vortrefflich ungeeignet, sondern er hat auch seinem von Natur nervösen und reizbaren Wesen durch eiserne Willenskraft und Uebungen eine Sokrutisehe Sanftmulli und philosophische Ruhe unerzogen. Dabei kam diesem neuen Sokrates allerdings der glückliche Umstand zu Statten, dass seit I7<i'i das (icgcnt.hcil einer Xantippe, eine, schlichte, fromme und freundlich« Frau, in sciuen stillen Raumen waltele und sein Haus zu einem friedliehen Heim, vom wohligen Dufthnuch zarter Liebe umwoben, einem gast lieben und behaglichen Auf'iitlmlt seiner Freunde Lessing, Nicolai, Lavater, und zu einer geniüthlichon PlIege.NtüUo herzwarmer Empfindungen und glücklieber Gedanken machte. Neben der häuslichen Zufriedenheit fehlt« ihm auch d< r Sporn und Beifall seitens der anerkennenden Aussniwelt nicht. Hcsnudcrs anerkannt wurde die Reinheit seines deutschen Styls und seine echt deutsche G csi nn ung dein damaligen französischen Modegcschniack gegenüber, sein eifriges Bemühen, diu Sprache zu lautern und das d e utse 11 r. Selbstgefühl zu wecken. Schon in schien frühesten Schriften ruft er aus: ״Werden denn 11 i0 Deutschen niemals ihren ei gen <•11 Werth erkenn 011’!’ Wollen sie ewig ihr («old für das Flittergold ihrer Nnchharn um tau scheu?“ Wegcu dieser seiner rückhalt.-losen deutschen Gesinnung wurde er^ von den französischen Höflingen beim grossen Friedrich itngcseliwarzt. Sie wussten diesem beizubringen, Mendelssohn habe die Ehrfurcht gegen die Majestät durch sein freies l'rtlu il über dessen ״Poesies diverses“ ausser Acht gelassen. 111 einer Rccciisioii über dieselben hatte, nämlich Mendelssohn unter Anerkennung der hohen Verdienst« dieses seltenen Monarchen, Krone 111111 Sccptcr und den Zwang der Map «tat vor dem Throne ih r Weisheit ni< derh gt, sobald er den Pflichten <les Regent•■11 im weitesten Umfang Genüge gctlian“, es gewagt, die Vorliebe des Königs für die Iranzösiscl.e Sprache und dessen Zweifel an '1er Uli- Sterblichkeit zu tadeln: ״Welcher Verlust für