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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1885-09-23 · N° 39. (23.9.1885) · p. Seite 156

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
14 (1885)
Issue
N° 39. (23.9.1885)
Date
1885-09-23
Page
Seite 156 (sequence 4)
Language
German
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— 156 — Dogmen gegenüber der Wissenschaft nur auf die christlichen Dogmen sich zu beziehen habe. Der Verfasser will das Problem dadurch lösen, dass Glaube und Wissenschaft verschiedene Objecte umfassen. ״Der Glaube ist die persönliche Lebensgemeinschaft mit Gott, die Wissenschaft ist die denkende Erkenntnies des Realenu. Ebenso haben auch beide einen anderen Ursprung. Das Organ des Glaubens ist das innerste, persönliche Leben (rfj xapSlä maxeuETat), dagegen ist Organ des Wissens, der Verstand“. Auf Originalität kann diese schon von F. H. Jacobi aufgestellte Ansicht ebenso wenig Anspruch erheben, als auf Richtigkeit; denn thatsächlich schneiden sich die Kreise vielfach, in welchen Glauben und Wissen sich bewegen. Schleiermacher kann unsere jüdische Anschauung sicherlich nicht befriedigen, wenn er meint, man müsse die Schöpfungstheorie und mindestens das Sechs-Tagewerk aufgeben, um den Glauben zu retten, denn wir müssen auf der Authenticität der Schrift bestehen und meinen, dass jede christliche Apologetik mit dem Judenthum das gemein hat, dass sie vom extramundanen, persönlichen Gott ausgehend, die Offenbarung beweist und das hat der Verfasser versäumt. Die sogenannte Religionsphilosophie Pfleiderers, welche von dem pantheistischen Gottesbegrifi ausgeht, kann nie den Anspruch erheben, für uns Religionsphilosophie zu sein, denn, wenn sie die Möglichkeit eines persönlichen Gottes zugiebt, so ist das immer nur ein Spiel mit Worten. Nur durch Sicherung des Judenthums kann das Cbristenthum seine Dogmen zu vertheidigen versuchen. Westergaard Harald. Vom Aergerniss zumGlauben, ein Laienzeugniss, übersetzt von Gleiss. Leipzig. 1885. Der Verfasser, ein Professor der Staatswissenschäften an der Universität in Kopenhagen, hat jedenfalls Anspruch auf Beachtung, wenn er unter den heutigen Verhältnissen ein Wort für die Vereinbarkeit von Glauben und Wissen spricht. Leider fliesst auch ihm Glaube mit Christenthum in eins zusammen. Es wäre daher nur consequent, wenn auf dem Grunde derselben Apologetik auch Kirchlichkeit und speoielle Dogmatik als mit den wissenschaftlichen Ergebnissen vereinbar bewiesen würde. Das Büchlein zerfällt in zwei Theile, Aergerniss und Glaube. Der sonderbare Ausdruck Aergerniss für Zweifelsucht ist aus dem Neuen Testament genommen, wo es heisst (Math. 11.6.), dass ״ selig derjenige ist, der sich nicht ärgert an mir. “ (8; lav jiV) axavSaXtafWj iv ipo[) — Zunächst, meint der Verfasser, muss gerade dem Gebildeten die Unzulänglichkeit alles Wissens auffallen, dadurch gelangt er zur Sehnsucht nach dem Glauben und das ist schon der Glaube selbst. Um von der Sehnsucht thatsächlich zum Glauben zu gelangen, empfiehlt der Verf. dem Zweifler die Kirche, das Gebet und das Lesen der Bibel, auch, wenn es anfangs nicht ernst gemeint ist. Somit deckt sich seine Ansicht mit der talmadisohen: לעולם יעסוק אדם בתורה ובמצות אפילו שלא לשמד, וב׳• — Neues und Unwiderlegliches bringt der Verf. also nicht, aber seine Schrift ist gut gemeint und gut geschrieben, auch in der Uebersetzung, was den gleichen Rück- Schluss auf das Original gestattet. Zu bedauern ist nur der bei den modernen christlichen Apologeten festgehaltene Schleiermacher’sche Standpunkt, der das Christenthum als ״die Religion an sich“ betrachtet, während gerade die wissenschaftliche Theologie der Gegenwart in Schleiermachers Definition des Christenthums die Betonung des nothwendigen Zusammenhanges vermisst, in welchem das Christentlmm zum Judenthuine steht. (Siehe: Zöokler-Handb. d. theol Wissenschaft. 1. 6.) Brünn. Dr. Deutsch. Notizen. 1. Exegetisches. Die Verbindungen ש לאל ידי* Gen. 81,29 יש לאל ידם Micha 2,1 und בהיות לאל ידך־ Spr. 3,27 werden von Targurn, Raschi und denCommentaren al8 Inversionen erklärt und demgemäss übersetzt: ״Die Macht in der Hand haben“, mit Verschiebung der Präposition ל nach dem Subst, *יד. Nach meinem unmassgeblichen Dafürhalten sind diese Ausdrücke sehr leicht zu erklärende Hebraismen, welche die Annahme einer Inversion als durchaus überflüssig erscheinen lassen. Die riehtige Uebersetzung wäre: ״Meine (ihre, deine) Hand in der Macht haben“, statt ״Meine (ihre, deine) Macht in der Hand haben“. Das Woit ״ ידHand“ ist in allen 3 Fällen nicht zu urgiren, sondern in figürlichem Sinne zu nehmen. אל mit ausgelassenem י für איל heisst ״Macht, Kraft, Vermögen“. "Wer diese besitzt, dem steht etwas anderes ausser diesen zur Verfügung, zu Gebote. Dieses ״Etwas“ nennt man eben das "Wort T. welches den Gegenstand bezeichnet, der zur Verfügung, zu Gebote steht. Die obigen Ausdrücke würden hiernach ohne Inversion wörtlich zu übersetzen sein: ״Es steht zur Verfügung meine Hand (Macht)•‘; ״ihre Hand (Macht, Kraft)“, ״wenn zur Verfügung steht deine Hand, Kraft, dein Vermögen)“. Diese Uebersetzung dürfte sich eben so natürlich als wortgetreu erweisen. Ebenso verhält es sich mit 2 ותשם בפוך עילה. Kön. 9,30. Dieses heisst nichts mehr'und nichts weniger, als ״Sie schminkte ihre Augen“. Die Verbindung שם בפוך heisst wie קלוע בפוך Jer. 4,30 ״schminken“. עיניה ist das directe Object zu ותשס בפוך ünd nicht zu (ותשב allein. Die Umschreibung ״Und sie setzte in Schminke ihre Augen“ ist der deutschen Ausdrucksweise ganz analog. Wir sagen ״Ein Haus in Farbe setzen׳, für ״färben, anstreichen“; ״ein Kleid in Falten legen“ für ״falten“; ״sich in Gala werten“ für ״Galakleider anziehen“. Der Engländer sagt• ״To paint (with rouge)“. Ganz ähnlich heisst ״ ותשם בפוך עיניהSie setzte in (belegte mit) Schminke ihre Augen“. (Vergl. Litter.-Bl. 1882 No. 43.) Ebenso ist in der Stelle כל תש)4 עון die Annahme einer Inversion durchaus unnöthig. נשא עון heisst in den meisten Fällen zusammen erst ״verzeihen“. Man übersetze also: ״Alles wirst du verzeihen und gütig aufnehmen‘'*). Für מקרא ״ מסורסverdr ehte Satzstellung“ ist doch das Bibelwort zu erhaben; der Mangel liegt iu unserem mangelhaften Wissen mancher bibl. Ausarucksweise. 2. Der in vor. No. (Notiz 2) citirte Aramaeist rügt an einer andern Stelle der gen. hebr. Zeitschrift, dass in sämmtlichen altern und neuern Pentateuch-Ausgaben das Targurn zu כל עץ רענן Deut. 12. 2. אילן ענוף statt עבוף habe, wie es an andern Stellen richtig heisse. Nur in den 8011 מקראות גדולות das Targurn der cit. Stelle richtig *עבור haben. Hier hat aber auch Jeitteles geirrt, denn sowohl in der mir vorliegenden Ausgabe ״Venedig“ 1315, als ״Amsterdam“ 1724 hat das Targurn an dieser Stelle ebenfalls לנוף• 3. Ebenso auffallend, wie sich mir durch einen Vergleich mit andern Pentateuch-Ausgaben ergeben, ist der Umstand, dass in den beiden cit. Ausgaben der Commentar Kaschi’s za Lev. 27.8 והעמידו לפני הכהן לנערך לפני הכהן שיעריכנו לפי השנת ידו של מעריך gänzlich fehlt! — cohen-Rees. 4. Aus Dieulafay’s Reise in Westpersien und Babylonien bringt der Globus Bd. 48 No. 8 eine Abbildung von Esra’s Grab. — Am 9. Decerober passirte der Dampfer, nachdem er den Zusammenfluss vom Euphrat und Tigris hinter sich gelassen hatte, Amarah. — Am 10. Dec. kam er zum angeblichen Grabe Esra’s. Dasselbe, von einer Fayencekuppel im persischen Stile der Zeit Schah Abbas gekrönt, nimmt wahrscheinlich den Platz eines weit älteren Heiligthums ein, denn der Tradition zufolge fand hierher schon in sehr alter Zeit eine stark besuchte "Wallfahrt statt. Heutigen Tages kommen zur Zeit der grosson Feste Juden in Menge hierher. 5. Petersburg. Herr Zederbaum, der Redacteur des ״Hameliz“ und des ״Jüd. Volksblattes“, giebt vom 1. October ab auch eine illustrirte Monatsschrift unter dem Namen ״M i zpah“ heraus. Dr. Harkavy hat die Mitredaction und die Bearbeitung des wissenschaftlichen Theiles übernommen, das macht das Unternehmen besonders werthvoll. 3. Nach einem Manuscript der Günzberg’schen Bibliothek wurde das ם־ ההשלמה von Rabbenu Meschullam ben Mosche durch R. Jehuda Lubetzky (Rabbiner der russischen Polen in Paris) veröffentlicht *) קח טוב Imperativ pro luturo. Verantwortlicher Redacteur Dr. Rahmer, Magdeburg. Druck von D. L. Wolff, Magdeburg. Verlag von Robert Friese , Leipzig

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