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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1885-08-20 · N° 34. (20.8.1885) · p. Seite 136

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
14 (1885)
Issue
N° 34. (20.8.1885)
Date
1885-08-20
Page
Seite 136 (sequence 4)
Language
German
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— 136 — Entstehungszeit dieser Sohrift. Volkmar hat nämlich mit feinem Blick die Enstehnng dieser Schrift, in die Zeit des Bar-Kochba, etwa 134 ehr. Z. versetzt. Dadurch tritt aber diese Sohrift auch in jenen Kreis speoiffsoh jüdisch - wissenschaftlichen Interesses ein, welches dieses Litteratarbl. verfolgt. Die Didaohe versetzt uns also in die Urzeit des Christenthnms, in welcher die Constitution der Kirche im Werden begriffen war. Die Verkünder des Gottes- Wortes: ״XaXoövre; xiv X'iyov xoö freoö“ waren in der Zeit unserer Schrift noch die Apostel, Propheten und Lehrer, während die Bischöfe ,etdaxorc01 noch die nur untergeordnete Stelle eines Aufsehers חזן innerhalb der Einzelgemeinde inue hatten. Diese hatten nur auf die vorgeschriebenen Gebete und Verordnungen innerhalb der Einzelgemeinde zu sehen (vergl S. 27 bis 33 bei Volkmar). Dadurch wird diese Schrift freilich eine starke Waffe in der Hand des Protestentismus gegen den katholischen Glauben, der die episkopale Einrichtung auf die Zeit der ersten Apostel zurückfuhrt. Doch von diesem inneren Streit der christlichen Kirchen hat der Jude sich geziemend fern zu halten. Diesen mögen die Katholiken und Protestanten unter einander ausfechten. Uns interessireu hier eigentlich nur die Streiflichter, welche unsere Schrift auf das Verhältnis zwischen Judenthum und Christenthum jener Zeit wirft. Diese zeigen sich uns aber ganz besonders in der Schlussmahnung der Schrift (Zehntes Hauptstück S. 34 b. V.). Da werden die Gläubigen ermahnt, zu wachen über ihr Leben und aut der Hut zu sein vor Verfiihrem und falschen Propheten, welche die Liebe in Hass verkehren. ״Denn wenn die Gesetzlosigkeit sioh mehrt, dann werden sie einander hassen und verfolgen und überliefern. Und dann wird der Weltbetrüger erscheinen wie ein Sohn Gottes und Zeichen und Wunder wird er vollbringen und die Erde wird in seine Hände überliefert werden. Und so Frevelhaftes wird er thun, wie es in der Welt niemals geschehen ist. Dann wird die Menschenwelt in die Feuerprobe kommen, und viele werden Aergeruiss nehmen und zu Grunde gehen. Die aber ausharren in ihrem Glauben, die werden gerettet werden von demVerfluchten selbst*).“ Diese Ermahnung reflectirt offenbar eine Zeit doppelter Gefahr, des Zwiespaltes im Innern und der Verfolgung von aussen. Dieses scheint aber in der That der Fall gewesen zu sein zur Zeit des Bar-Kochba. Der ״Gräuel der Ver- Wüstung“, der von Hadrian an der alten Tempelstätte errichtet wurde — Grätz’s treffliche Bemerkung Gesch. Bd. 4 Note 15 scheinen Harnack und Volkmar übersehen zu haben — und die erste nationale Begeisterung der aufständischen Juden dürften wohl auch viele Judenchristen in das Lager ihrer kriegerischen Brüder geführt haben, daher die Mahnung gegen die Verführer und falschen Propheten, die Liebe in Hass verkehren und zum Hasse gegen einander aufreizen. Andererseits ist aber auoh die Verfolgung der Christianer durch Bar-Kochba, wenn sie nicht Jesum als den Christus verleugneten und ihn lästerten — durch Justinus Martyr (Apologie Io 31) historisch bezeugt. So stimmen wir mit Volkmar überein, dass mit dem ״ W eltbetrüger “ oder ״ W eltgaukler ״ xoapoirXivo{ “ unserer Schrift kein anderer als Bar-Kochba gemeint Bei. In dem einzig eigenartigen Ausdruck xoapo7tX.&vo<; dürfte sogar eine besondere Anspielung auf diesen ״Sternen- *) So nach Harnack für aöxoö xoO xaxa94|1axos. Volkmar’s wörtliche Uebertragung: ״Durch den Fluch selbst“ besagt dasselbe, bedarf aber zum Verständniss noch eines erklärenden Zusatzes. B0hn“, der sioh als Messias, was in der christlichen Redeweise gleich Gottessohn war, geberdete, liegen. nX&vo; bedeutet nicht blos Landstreicher, Gaukler, Betrüger, sondern auoh Irrstern, Wandelstern,Planet. _ (Schluss folgt.) Notizen. 1. Ich bin Herrn Max Weinberg zu Dank veniflichtet, dass er in seiner trefflichen Abhandlung ,,Ein rabbinisenes Charakterbild“ (Litteraturbl. No. 29, 30 31) die von mir verfasste Monographie ״Der hohe R. Löw und sein Sagenkreis“ zur Grundläge seiner geistreichen Auseinandersetzungen genommen hat. Seine Ansicht jedoch, dass die eigentliche Veraulassung zur Uebersiedlung R. Lowe’s nach Prag die Bekämpfung der von Jacob Pollak begründeten pilpnlistischen Lehrweise des Talmuds war, kann ich nicht theilen, da R. Löwe gewiss wirksanier als Landesrabbiner von Mähren, wo ihn auch eine grosse Jüngerschaar umgab, kraft seiner amtlichen Autorität gegen diese Lehrweise hätta Front machen müssen, als ein in Prag lebender Privatgelehrter. Die höhere amtliche Stellung verleiht noch in unserer Zeit dem Inhaber einen gewissen Nimbus, und selbst Männer des Wissens lassen sich oft von dem falsehen Schimmer der grossen Stelle bestechen. Es wäre übrigens das schon mehr Kampfessucht, als edles, ideales Streben, wenn Löwe blos deshalb die hochansehnliche Stellung eines Landrabbiners mit der eines Privatmannes vertauscht hätte, um den Gegner auf seinem eigenen Boden anzugreifen. Bei einer solchen, bis zur Leidenschaft gesteigerten Kampfeswuth ist es auch auffallend, dass R. Löwe erst nach zwanzigjähriger Amtirung als mährischer Landesrabbiner nach Prag zur Bekämpfung des alles Maass überschreitenden Pilpul sich begiebt. Wäre das in Wirklichkeit die Ursache seiner Uebersiedlung nach Prag gewesen, so hätte er keineswegs diese Gemeinde zu einer Zeit verlassen, wo der Pilpul von Neuem durch die Wahl des Grossmeisters desselben, des Isak Chajoth, zum Prager Rabbiner auf den Thron erhoben wurde. Gerade um diese Zeit folgt Löwe einem Rufe als Rabbiner nach Posen, und giebt das Kampfleid auf, wo der Kampf am nothwendigsten wäre. Diese Erwägungen bestimmen mich, meine Meinung, R. Löwe war durch die Judenverfolgungen in Mähren zur Niederlegung seiner Rabbinerstelle und Uebersiedlung nach Prag genöthigt, aufrecht zu halten, die Zeit, stimmt auch, da ׳ diese Verfolgungen nach David Gans (Zem. David sub Maxim. IL) im Jahre 1534 ein Ende hatten, und Löwe 1573 nach Prag kam. Das in No. 31 erwähnte נתיבות השלום ist kein besonderes Werk R. Löwe’s, ein Abschnitt in dessen Werk נתיבות עולם führt diesen Namen. Prag, im August 1835. Dr. Nathan Grün. 2. Den Verehrern Raschi’s hoffe ich durch Mittheilung folgender in einem alten ”©ם Vorgefundenen handschriftlichen . Notiz einen Dienst zu erweisen: מצאתי כתוב ברש״י ישן שכתוב על קלף הבא בן ב״ה שהיה בעיר אובה (?Aachen) מימים קדמונים פרשת דברים קאם־ ב׳ ט׳ ויאמר ה׳ אלי אל תצר את מואב: מהוא אלי לא נאמר אלא במואב משל למלך שנתאכסןבבית ממונה של מלך ודבר אל בעל הבית בקושי פנה כליך וכל בני ביתך מיכאן הלך מיד ועטר חדרים מצועים למלך ושריו אמר לו המלך אנו באנו ברשותו ונתאכסן בביתו ואתם מטריחים אותו כל כך מנהנו של עולם אינו כן. כן אמר הקב״ה אני מצוד, שלא לצור את מואב עד כאן המשל וכו־ אל תתגר בם וכר נם זה שייך אל המשל דלעיל ולך אני מצוד, על כולם לפי שתקבך אתה בחלקו שנאמר ויקבור אותו בני בארץ מואב וזהו אלי לכל ישראל צוד, ולי על כלם ער שם המדינה זה הספר קניתי מן יששכר בער בן שמשק דמלה (?; מניילך(Jüiich) כשהייתי מלמד בבית האלוף מיכאל ודישורילר נעשה יום א־ י״ז אב ומדדו שלמה בן הקדוש משה םנ״ל הי׳יד מינרר ןבעריג (.Letztes Wort unleserlich, wahrscheinl.: Nürnberg) .Cohen-Rhees a. Rh 04E* Bedeutend ermtssigt bis nun L October er. von ״Ralmer’s Isr. Predigt-Magazin“-«1^- gang V (36 Predigten, darunter 15 für die Tischrifeste) für B M. 20 Pf., Jahrgang VI (22 Predigten, darunter 10 für die Tischrifeste) für 8 M. 10 Pf., zusammen für 5 X. direct franco gegen baar versandt durch die Expedition der ״Isr. Wochenschrift.« Verantwortlicher Redacteur Dt. Rahmei, Magdeburg. Druck von D. L. Wolf f, Magdeburg. Verlag von Robert Fries e, Leipzig.

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