Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 14 (1885)
- Issue
- N° 34. (20.8.1885)
- Date
- 1885-08-20
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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':5^ Jüdisches Litteratur-Blatt. Xir BdnchUig *l)«r J«deatk»m aid J«4t* betreff« ■de« llttereriaebe■ Er• •che!■■■;•* *«f dev Gebiet« der Pkllo• •opbie, Geschieht«, Ethaogripkie, Theologie, Oriemtalla, Exegese« HowMetlk« Utargik, Pidagogik. Herausgegeben von Rabbiner l)r. Moritz Rahmer. QlZaydz&nzy, 20. Quyuoi iS8$. Bicher der el»chlffglgea l.lttcretor,welche der Redectloa mgtMandt werde■, fUile* In diesem Blatte elnfrehende Besprechung. Bei Kinsendnng ron awel Kecenalons- Kxemplsren erfolgt einmalige kurae Orstis-Insertlon. Das *Jüdische Litteratur-Blatt« erscheint wöchentlich in einem halben Bogeu Preis bei allen Buchhandlungen (in Leipzig bei Robert Friese) pro Jahrgang 8 Mark. Abonnenten der ״Israelitischen Wochenschrift“ (die vierteljährlich bei allen Postanstalten und Buchhandlungen 8 Mark kostet) erhalten das ״Jüdische Litteratur-Blatt“ gratis. — Inserate werden mit 25 Pf. .für die gespaltene Petitzeile, Beilagen mit 16 Mark, berechnet und sind an die Expedition dieses Blattes zu senden. Mt Buchh&ndler, welche direct! öder durch Robert Friese in Leipzig Inserate einsenden, erhalten 26 Rabatt. ־SM -Liail; Inhalt: Wissenschaftliche Aufsätze: ״Gedanken eines Juden,“ beleuchtet von Dr. Krön er, Rabbiner in Brandenburg a. d. H. vrn. Litteratur bericht: Recension: Volkmar, Gustav. Die neu entdeckte «christliche Schrift ״Lehre der zwölf Apostel an die Völker.“ Notizen. — Inserat. Nachdruck nur mit voller Quellenangabe gestattet. ״Gedanken eines Juden,“ beleuchtet von Dr. Krön er, Rabb. in Brandenburg a. d. H. vin. In der Einleitung des zweiten Kapitels stellt es 1 der Verf. als,.ücaggHch bin, ob die Juden für alle I Schwierigkeiten, die ihnen auf ihrem Lebenswege ״sich 1 entgegenstellen“ — richtiger, wie wir schon einmal be- I merkt: entgegengestellt werden — Ersatz finden in der aus ihrer Religion hervorgehenden Befriedigung; für manohe achtbare Kreise werde dies unbedingt zu bejahen sein, keineswegs aber für alle. — Gewiss, nicht für al'e Juden! ־Wann hätten denn aber alle Katholiken und Protestanten für die ihnen als solchen entgegentretenden Schwierigkeiten Ersatz gefunden in einer aus ihrer Religion hervorgehenden Befriedigung? Dass achtbare jüdische Kreise, und zwar nioht nur ״manche“, sondern erfreulicherweise noch viele, in jener Befriedigung stets Ersatz gefunden und noch finden für alle Lieblosigkeit einer gewissen ״Liebe“, für alles Unrecht eines gewissen ״Rechts“, dürfte uns wohl selbst der Verf. der ״Gedanken“ bei reiflioher Erwägung offenkundiger Thatsaohen, wenn auch nioht gern, einräumen. Oder sollte er die Standhaftigkeit und den Muth im Erdulden und Besiegen erwähnter Schwierigkeiten, die zahlreichen Opfer, welohe viele Juden als solche bereitwillig bringen — entschieden lauter klassisohe Zeugen für uns Juden in vorliegender Frage — gar nicht kennen? Ja, es ist uns unerfindlich, wie aer Verf. diese Frage auch nur berühren mochte, da doch die Quintessenz all' seiner ״Gedanken“ sich in dem Satze darstellen lässt: Ihr Thoren, wie bald könnt ihr all’ jene Schwierigkeiten für immer beseitigen, nur ein Schritt, und ihr seid ״gerettet“! Wenn nun die Juden mit wenigen Ausnahmen solchen Rath verschmähen, was muss die elementarste Logik sofort daraus schliessen? — Jener Rath hat übrigens nioht einmal den Reiz der Neuheit für sich. Wie oft ward und wird er uns Juden gefeben! In einem Gespräche über den Tisza-Esslarer rocsss bemerkte uns kurz nach Beginn dieses ״mittelalterlioh modernen Rechtsverfahrens“ ein behäbiger, wohlhabender ״Urgermane“, das Prototyp eines waschechten Philisters: ״Ich kann die Juden nicht recht begreifen: so klug und doch zugleich — nehmen Sie mir das nicht übel — so erzdumm. Wenn sie sioh einfach taufen Hessen, wären sie all’ die abscheulichen Verleumdungen und Quälereien los. Was liegt daran, dass sie für einen AugenbUck sagen, wir glauben das und das; naohher können sie doch glauben, was sie wollen. Ich bin Christ, doch fällt mir gar nicht ein, Alles zu glauben oder mitzumachen, was dazu gehört. Sollte* ioh aber deswegen so viel ausstehen müssen, wie die Juden, sofort würde ioh jedes Bekenntniss ablegen, das man von mir verlangt. Nioht einmal meine Bequemlichkeit würd’ ich da opfern.“ Und wo bleibt da, erwiderten wir, Ueberzeugangstreue, Wahrhaftigkeit, Selbstachtung? ״Aber dafür 8011 ich,“ versetzte unser Kurmärker, ein homerisches Gelächter erhebend, ״mein Glück und das Glück meiner Familie hergeben? So dumm sind heutzutage blos noch — dumme Leute.“ — Wir hatten genug gehört und brachen das Gesprach ab. Fürwahr, vom Erhabenen zum Läoher- Hohen ist nur ein Schritt . . . Während wir noch zu Haus über das Gespräch nachdachten, kamen zu uns zwei aus Rumänien vertriebene Juden und flehten uns um Hülfe an. So viel wir aus ihrer IntelHgenz und Haltung, ihren Mittheilungen und Zeugnissen entnahmen, waren die Beiden auoh so ״erzdumme“ Juden; es drängte sich uns ein Vergleich zwisohen ihnen und unserm Kurmärker auf, die Frage, wer da eigentlich, d. h. bei sittlicher Lebensauffassung, rettungsbedürftiger, unglückUoher, beklagenswerter zu nennen sei — und wir gedachten des Propheten- Wortes Jes. 6,13: Trotz aller Verirrungen und Leiden Israels ״bleibt ein heiliger Same sein Stamm“; ja Israel ist und bleibt trotz allem und allem ״Sera kodesoh.“ . . . Allerdings duldeten und dulden auoh Andersgläubige für ihre religiöse Ueberzeugung; aber wer wird das im Ernst mit dem vergleichen wollen, was die Juden als solche Htten, opferten und selbst in gewissen Staaten, die auf ihre ״Civilisation“ gar sehr stolz sind, noch heute leiden und opfern? . . . Achtbare Juden also finden den fraglichen Ersatz in ihrer innern Befriedigung. Nun, wer soll und darf uns allein nachahmungswürdig sein: achtbare, gewissenhafte,überzeugungstreue Glaubensgenossen, oder gewissen- und ehrlose Religionssohacherer? — Der Verf. führt die obengedaohten Schwierigkeiten namentlich auf. Der Circumcision sollen viele Juden ihre Kinder, wenn überhaupt, nur widerwilHg unterwerfen. Nach anderer Leute weit