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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1885-08-13 · N° 33. (13.8.1885) · p. Seite 132

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
14 (1885)
Issue
N° 33. (13.8.1885)
Date
1885-08-13
Page
Seite 132 (sequence 4)
Language
German
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— 132 — geradezu in beispielloser Weise aut. Der Verfasser hat nicht nur neue Manuscripte benutzt und sie bis auf jedes einzelne Wort verglichen, eine an sich schon sehr schwierige und umfassende Arbeit; er hat sich gewissennassen durch seine rastlose Mühe neue Manu• soripte geschaffen. So hat er zum Beispiel alle Stellen gesammelt, in welchen der Tanchuma, d. h. Stellen aus demselben in dem Midrasch Breischit Babbah, Schemot Babbah, Wajikrah Babbah, Bamidbar Babbah, Debarim Babbah, der Pesikta des Baw Kahana, in dem Midrasch Agadot Bereischii, Bekaoh Tow, Wehasahir, Chassar Wejattir, citirt werden, und diese Untersuchung gestaltet sich fast zu einer vollen Angabe der Quellen, aus welchen die Verfasser dieser Midrasch-Werke geschöpft haben. Er zeigt aber auch noch, an welchen Stellen Baw Achai Gaon, Raw Jehudai, Saadjah, Hai, Nissim, Babenu Nathan, Verfasser des Aruch, Baschi in seinem Commentar zum Kanon, in seinem Werke Pardes, in dem ihm zugeschriebenen Commentar zu Midrasch Breisohit Babbah, und noch 42 andere Gelehrte bis auf den Verfasser von Zeror Hamor, der im Jahre 149« lebte, und Eliahnh Misrachi den Tanchuma erwähnen, sei es mit, sei es ohne Angabe dieser Quelle. Diese Riesenarbeit, die nicht nur durch den Sammlerfleiss, sondern durch die Kritik und die Belesenheit imponirt, wird aber noch übertroffen durch die Zusammen- Stellung aller Stellen, welche Esrah von Fano bei seiner Herausgabe des Tanchuma hinzufügte, ferner durch die Zusammenstellung aller Stellen, in welchen der Jalkut den Tanchuma citirt, ferner durch die Zusammenstellung aller Stellen, in welchen der Verfasser des Aruch den Jelamdenu anführt und endlich durch die Zusammenstellung, die beispiellos mühevolle, aber auoh erfolgreiche, aller der vom Aruch citirten Jelamdenu-Stellen, die dem Exodus angehören und beweisen, dass der unter dem Namen Jelamdenu früher genannte Midrasch vorzüglich den Exodus betraf und da das Originalwerk bis jetzt unaufgefunden ist, durch diese Zusammenstellung gewissermessen neu entdeckt ist. Nehmen wir nun noch den Umstand hinzu, dass der Editor alle Forscher citirt, welche bisher über die litterarische Natur des Tanchuma sich mehr oder weniger bestimmt ausgesprochen haben, so kann man wohl dreist sagen, dass der Editor Alles, was zu einer Herstellung eines correcten Tanchuma-Textes und zur genauen Kenntniss seiner litterarischen Stellung und Vorgeschichte an Material herbeizuschaffen war, herbeigeschafit hat. Wenn der Editor ausserdem nooh eine minutiöse Beschreibung der Manuscripte, ein Verzeichniss aller in dem Tanchuma gebrauchten Fremd- Wörter, ein Register aller in diesem Midrasch genannten Gelehrten beigegeben hat, so wird das im Vereine mit den Anmerkungen, welche den Text gewissermassen wie eine fortlaufende Bechenschaftsablegung über denselben begleiten, diesen Midrasch zu einem nach jeder Richtung hin für den Textforsoher klargelegten machen. Einen ganz besonderen Dank verdient dabei der mit Gesohick sammelnde Editor noch für die genaue Angabe und Zusammenstellung aller der Halachischen Stellen, welche in dem Tanchuma und den Babbah’s eingestreut sind und einen werthvollen Beitrag zur Geschichte der Halachah selbst geben. Einen ganz besonderen Hinweis haben wir aber aaf das hochinteressante Resultat den Lesern dieses Blattes zu geben. Dass der uns seit langem unter dem Namen Tanchuma bekannte Midrasch nicht identisch sein können mit dem Tanohuma, den Baschi und andere Bischonim gelegentlichst citirten, haben sohon einige wenige der exoellenten Forscher längst erkannt. Aber selbst der fleissige Rasohi-Editor, Herr Dr. Berliner, hat dieses auffallende Verhältnis nicht erhellen können. Nunmehr aber ist durch die Bubersehe Forschung Folgendes klar erwiesen: 1. Der uns bekannte, von ihm der gedruckte Tanohuma genannt, ist eine für sich bestehende Bedaction, bei welcher erstens der erste Bedaoteur, dann der Editor von Mantua zu unterscheiden sind, bei der sich aber Stellen nach weisen lassen, die von der Meohilta des B. Jsmael, von den Firke des B. Elieser ja sogar von Baschi selbst hergenommen sind. Dieser gedruckte Tanchuma ist aber nicht die eigentliche oder älteste, sondern die jüngste Midrasch- Sammlung die den Namen Tanchuma trägt. 2. Die Midraschnamen Tanchuma und Jelamdenu bezeichnen nicht einen *identischen Midrasch. 3. Der Tanchuma, wie er nun handschriftlich eruirt ist, ist eine ältere Sammlung, der Jelamdenu eine jüngere. Der ältere Tanchuma ist der Tanchuma, welcher den Bischonim unter diesem Namen bekannt war und von ihnen benutzt wurde. Er enthält koine Stelle, welche dem babylonischen Talmud entnommen ist, sondern nur au3 Mischna und Toseftba. Ja Buber glaubt sogar in dem babyl. Talmud selbst Kidduschin 32 b einen Beleg dafür gefunden zu haben, dass dieser Tanchuma dem Redacteur des Talmuds sohon bekannt war. Wir hätten somit in diesem Tanchuma nunmehr ein vortalmudisches Midrasohwerk also mithin die älteste Agadasammlung zur Thora vor uns. Dagegen der Jelamdenu, das Werk, welohes offenbar dem Verfasser des Aruoh und dem des Jalkut als besonderes vom Tanchuma unterschiedenes Midraschwerk manuscriptlich Vorgelegen hat, ist eine spätere zweite Bedaction von Agada’s, bei welcher die Mechilta schon benutzt wurde. Der gedruckte Tanchuma ist nun eine Midrasohsammlung, welche z. B. fast alle Agada’s zum Exodus aus dem Jelamdenu, die meisten anderen aus dem Tanohuma entnommen hat. Hiermit ist allerdings nicht erwiesen, dass der Tanchuma schon schriftlich geordnet den Redacteuren des babyl. Talmuds vorlag, wohl aber das sicher, dass ein unter diesem Namen bestehende Sammlung von Agadas nicht nach der Bedaction des Talmuds, sondem vor derselben, ja sogar vor der Bedaction der Mechiltah vorhanden war. Hierdurch fällt ein ganz neues Licht auf die Geschichte der Midraschim die ganze Theorie, welche Zunz über den Tanchuma aufstellte, welche Buber vollständig citirt und eingehend beleuchtet, ist dennoch in ihren wesentlichen Punkten unhaltbar geworden, soweit sie den wirklichen Tanchuma und nicht nur den bislang bekannten betreffen 8011. Eine Empfehlung braucht das Bubersohe Werk nioht, es genügt das Obengesagte um jedem Midrasch- und Halachahforscher zu zeigen, dass er von nun an diesen Buberschen Tanohuma bei allen Fragen der höheren Midrascbkritik nicht entbehren kann. Es ist aber wohl keiner mehr berufen, auoh nooh den יידקוט und die רבות zu ediren, als unser Meister auf diesem Gebiete, denn was ihn vor Allem auszeichnet, ist die erschöpfende Gründlichkeit, die strenge Gewissenhaftigkext und die nüchterne Kritik, die nur in strengster Beweisführung zu urtheilen wagt. Erfurt. Krön er. Verantwortlicher Redacteur Dr. Rahmer, Magdeburg. Druck von D. L. Wolff, Magdeburg. Verlag von Robert Friese, Leipzig.

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