Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 14 (1885)
- Issue
- N° 32. (6.8.1885)
- Date
- 1885-08-06
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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M 32. Jüdisches Jahr״. XIV. MMeratiir-Blatt.!•f IflnfMi•! aller Jalnthaa •v* Jilfi tartrrfftMt• litlKtrlirnl Cr- •rfcfiia•*** aaf 4ra lifMtti 4er rill•• lOphle* lir-rhlrlile, Ktkaacra!1hlr• Tk«•• lairft. OrlratalU, Eirfnf, RtaMrllk, LlUnrfk, P*4M<«ik. Herausgegeben ▼OO Rabbiner l»r. Moritz llalmier. Imiö. cfluijtt.'l iSSj R«rkrf4fr rla«fkli(l(r■ l.lllrralar.arlrlir 4tr Kr4alU» «aar*aa4t werdra« 0114m la dlr^a ISJallr rtaarkead* Rf^prrrhaac. RH |:ta«rN!laR1 1 ■»י«tl Rrrrailaa«• I trat|»larra rrfelrl riaatallre karre 1;rall«>la«er<laa. Das nJadlsehe Lllterstar HUtt« erscheint wöchentlich in einem Ii.aMm‘«» Ho^en Preis Imi ulleu Buchhandlungen (in Leipzig bei Robert Friese» pro JahrgAiig 9 Stark« Abonnenten <ler ״I>r;1elili*cl1e11 WmJieuHchrit'r* ^li« viortelj.ilirliol» bei allen PostAUstaheu mul BiichbAtidlungen 9 Stark kostet! erhalten das ״Jüdische Utteratnr lllatt4׳ gratis. 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Nachdruck nur mit voller Quellenangabe gestattet. | Zur Geschichte der Juden in Schlesien. 1 Es liegt ausserhalb der Aufgabe unserer Monatsschritt*), in der vielberufftien Judenfrage eine kritisehe Stellung bezüglich der Beurtlieilung gegenwärtiger Zustände und Rechtsverhältnisse einzunehmen, und zu vertreten, wohl aber könnte es ttnserm Leserkreise genehm sein, ein zuverlässiges Bild von der vorhundertjährigen Verfassung und Rechtslage der Juden liir ein bestimmtes Land zu überblicken. Wir wählen hierfür Schlesien. Lage nnd Rechtszustände der Juden waren in Schlesien dem rriucip und Character nach nicht 1 wesentlich anders, wie in allen Deutschen Landen, j Die Juden waren verachtete Fremdlinge, zu denen \ allen man sich schlimmer Arglist und übler That 1 versah. Da tnar. sie nicht los werden und auch nicht | zum Aussterben bringen konnte und mochte, so hielt! man sie lebenslang unter ]!olizeiliclier Aufsicht und nutzte sie fiskalisch möglichst aus. In der peinlichen j Hals-Gerichts-Ordnung iiir Böhmen, Mähren und! Schlesien von 1708 war gegen die .Juden, weil ״zum ן Verstockten Leugnen fitst g*־arthete Lenthe“ eine j *I Die obige Dar-telhmg der (.cst-hich!*■ der J.1di־h iu Schlesien ist der .Monat-.-ch!in i'ur deut-ehe IS! an.::•“, n-digirt! vmn Ober-ltegienings-Hatli, Iteichs- und I.it11dt:1g--Abge..r׳lm.׳te11 ' L. .1 arohi-tierlitz entnommen und durfte eine Wiedergabe * ih-r-olW-n ihrer |״>p1llum1 und V11M11lhcil*|1.»1n \u-1ul11u11g ן wegen an dieser Stelle vielen Lesern d Hl. wohl um ס־ will-; koiuineuer ei-siln-inen. als einerseits die!וון Munai'-Initt in I jüdischen Leser-Kreisen wohl wenig gelesen -ein d-uTn. ande- | rer.-cits aber die Darst! Ilnng sell.-t einen wobltbu! 1,.|1-:1 Hefig; dafür bildet, wie. neben der Au!ia״ung der in li-t/len .labten | leider i.'imicr mehr angetvali-enen jtidi-nl• in-llicbeu!! ווו ו!׳, , dem llirnuel sei Dank sieb inmitten des b״h• ren preti-.i«• dien Dcamtenstandes sich uim.Ii viel vonntheiLlose!-Ile Männer belinden, die jeder einseitigen Darstellung des ju׳li-H11׳u | Stammes und seiner f'hara! ti-r-Kigenthundiehkeiti-n dmvhaus abhold sind nnd die allezeit dafür eins*.•hin vverdfii. da-s jene tmgereehtfertigt! 11 Be-trebungi-n blindhas-1-ndi r Jud. 11-,111,״■ ' niemals die •Hs-iliand g--« inut-11 un-1 11n-e1en s'aat-buigi-rli! Iu-n! Hechten getuhrlieh werden. Wir erhielten ihn Artikel durch | die lTeundlii-liki it des iiorin Max Weinberg hier. In der .lacohi'schen Monat.s-eliriti i»l er .Zur Judemrage“ betitelt. 'Ki d.■ : besonders empfindliche Handhabung der Tortur empfohlen! Es ist natürlich und selbstverständlich, dass die Abneigung der Gesetzgebung gegen dio Juden auch die bürgerliche Gesellschaft (heilte. Durch eine Jnden-Orduung, sagten die Kaufmanusälteslen von Breslau, muss diesem bösen Volke Zaum und Gebiss angelegt werden 1171k* 1. — Infolge des allgemeinen Widerwillens gegen die Juden war es uothwendig, den Kretschmern und Ga*>twirthcn bei Verlust ihrer Gerechtigkeit, besonders zu befehlen, di•• nach Frankl’urt a.,/0. reisenden polnischen Juden nach der Ordnung, wie sie kamen, gleich den christlichen Reisenden ohue Weigerung aufzunehmen, zu bewirthell und ihnen überhaupt allen guten Willen «,11 erweisen 11 7(t.’). Das gemeine Urtlieil der Zeit über die Juden wird wohl ungefähr das Folgende gewesen seift: ״Soviel kIs ihrer sind, keinen ausgenommen, sind Betriiger, Diebe und Strassenränbtr. Darum ist es auch ein Volk, das der liebe Gott verllucht hat. Ich dürfte nicht König sein: ich liosse keinen, keinen einzigen am Lehen. Ach! Gott behüte alle rechtschalleiten Christen vor solchen Leuten! Weuu sie der liebe Gott nicht selber basste, weswegen wären dann nur vor Kurzem, bei dein Kiiglüeke in Breslau, ihrer noch bald noch einmal so viel als Christen geblieben? l’itser Herr Pfarrer erinnert!! das sehr weislich in der letzten Predigt. — Ach! mein lieber Ib-rr, wenn Sie wollen Glück und Segen iu der Welt haben, so hüten sie sich vor den Juden, ärger als vor der Pest. — Ich möchte gleich die verdammten Juden alle auf einmal mit Gilt verge.ben, wenn ich nur könnte.“ (Aus dem Schauspiel ״die Juden“ voll Lessing.) — Nicht geduldet wurden Juden in Jeu niederschlesischen, auf der s. g. deutschen Seite der <!der bdegeneii Stüdteu, Gütern und Dörfern, mit Ausnähme der Städte Breslau, Brieg nnd Glogau, ebensowenig in denjenigen niederuud oberschlesischen Städten, welche ein schützendes Privilegium gegen tlie Aufnahme von Juden besassen. - Gegen das Ende des Jahrhunderts, unter Friedrich Wilhelm II., kamen nach und nach mildere Grundsätze zur Geltung und es wurde infolgedos-en den Juden die Niederlasstmg auch iu Ohlau, Münsterberg, Neisse, Kosel uud Katibor erlaubt; dagegen haben die Gebirgskreise sieb beharrlich geweigert, Juden bei sich aufzum-huti-u. — Auch in Licguitz durfte noch anno Isiil kein Jude übernachten oder Handel treiben. Der nachherige atnerikani-che Präsident Adams schreibt in »einen Briefen über Schlesien;l>-00): Es lliut mir leid, dass die Stadt Schweidnitz sich nicht