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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1885-07-30 · N° 31. (30.7.1885) · p. Seite 124

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
14 (1885)
Issue
N° 31. (30.7.1885)
Date
1885-07-30
Page
Seite 124 (sequence 4)
Language
German
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— 124 — ר Litteraturbericht. Recensionen. Sunmely, Nathan. Cultar-Bilder aus dem jüdisehen Leben in Galizien. Leipzig, Robert Friese. 1885. Preis 1 Fl. 50 Kr. im Selbstverläge des Verf.’s in Lemberg. Eine Lust ftir d«n Leser, wie iür den Recensenten! Wie viel Sprel ist nicht in den letzten beiden Dccennien gerade auf diesem Felde gezeitigt und als Weizen auf den Markt gebracht und wie selten war ein echtes vollwerthiges Korn darunter, das sich neben den Arbeiten LudwigKomperts, A. Bernstein’s, Franzos’, Sacher Masoch’s mit Ehren sehen lassen könnte! In Samuely tritt aber wieder einmal ein Berufener vor die Rampe, der ein angeborenes Recht hat, Judengeschichten zu schreiben. Man meint Oppenheim’sche Bilder aus dem jüd. Familienleben vor sich zu haben, 80 lebenswahr und lebenswarm und gleich ihnen mit dem Griffel des Künstlers entworfen und ausgeführt. Wie sehr dieses zutrifft, beweist sich wohl auoh dadurch, dass sie bereits in’s Russische, Englische, Französische und Hebräische übersetzt sind und dass ein Kenner wie Sacher Masoch den Samuelyschen Arbeiten Aufnähme in seinem ״Auf der Höhe“ gewährt hat. Die Leser d. Bl. werden zudem in all diesen lieblichen Genre bi Idchen lauter alte liebe Bekannte wieder erkennen, denen sämmtlich sie im Isr. Familienblatt schon einmal begegnet sind; wie denn überhaupt der Redaction d. Bl. das Verdienst gebührt, das schöne Talent Samuely’s in die Litteratur eingefiihrt zu haben. Möge der Autor noch lange freudig weiter schaffen. Max Weinberg. Steinberg, J. מערכי לשק 5כר. Neuer Leitfaden zur gründlichen Erlernung der hebräisohen Sprache mit analytischen Stücken für Etymologie und Syntax bearbeitet. Wilna 1884 Xu. 106 S. Gr. 8U. In Wilna muss ein Lehrerinstitut existiren; denn H. Steinberg ist Inspector an diesem Institute. Wie weit dort die Studien in hebräischer Grammatik gediehen sein mögen, wissen wir nicht. H. Steinberg scheint von ihnen nicht sonderlich befriedigt zu sein; denn er sieht sich veranlasst, wohl zunächst im Hinblick auf das von ihm inspicirte Institut, einen neuen Leitfaden zur gründlichen Erlernung der liebr. Sprache abzufa8sen. Einen weiteren praktischen Zweck wird das Buch wohl schwerlich haben. H. St. fühlt das Bedürfniss, ein neues Lehrbuoh zu schaffen. Fehlt es an Lehrbüchern? Durchaus nicht. Allein er vermag nicht, mit den Anschauungen der modernen, zünftigen Grammatiker sich zu befreunden. So huidigt er der Theorie ״von den zwei - consonantigen Wurzeln“. Er hält dieselben für die ältesten und ursprünglichsten und findet sie besonders zahlreich vertreten bei den Benennungen, die mit dem Felde, Hause und der Familie in Beziehung stehen. Er verweist auf Wörter wie: ,גן, הר, כר, עץ, פר, עז, סל, כף, דג, אב אם. כן, כת, אח, חם. Diese Theorie istlaber nicht neu. Viele der älteren Grammatiker halten an ihr fest und von den neueren vertreten sie unter anderen: Gesenius und Luzzatto. Ein zweites Bedenken riohtet sich gegeu die Aussprache und Gruppirung der Vocale. Er ist mit der Classificirung in lange und kurze Vocale nicht einverstanden. Er macht den רד״ק dafür verantwortlieh. Dieser hat seiner Ansicht nach eine nach französischem Muster zugestutzte Aussprache der hebräischen Vocale und Diphtonge in die hebräische Grammatik eingeführt. Er beruft sich auf die Diphtonge V au o, לי ei, ai — e. Zu den schwierigsten Aufgaben gehört allerdings, wie jeder Kundige weiss, die Lösung der Frage, wie unsere Ahnen die einzelnen Vocale wohl ausgesprochen haben mögen. Wir erinnern zu diesem Behufe nur an die in Babli Nedarim fol. 10 b ff ausgeführte Discussion, wonach eine Verwechselung von לחולין niit לא חולין für das Ohr als möglich vorausgesetzt wird, eine Anschauung, welche auoh in unser Gebet-Ritual eingreift, wonach empfohlen wird, während der 10 Busstage in den 18 Eulogien statt זכרנו לחיים zu lesen ולחיים um 80 einer phonetischen Verwechselung mit לא חיים vorzubeugen. Die Aussprache der Vocale, wie sie Verf. vorschiägt, ist durchaus nicht über allerlei schwere Bedenken erhaben. Gründlich mag das Lehrbuoh vielleicht sein, aber höchst unpraktisch. Es ist nichts weniger als klar und fasslich gehalten. לעולם ישנה אדם בדרך קצרה — diese wichtige pädagogische Regel ist hier leider gar nicht beachtet. Eine weitschweifige Umständlichkeit, eine höchst unglücklich und wenig präcis gewählte neue Terminologie, eine bis zur Ermüdung abgehetzte Sucht, zu rubrioiren und zu schematisiren, müssen auf den Schüler verwirrend wirken und ihm die Freude an der Erlernung der grammatischen Regeln gründlieh verleiden. Wir haben hier einen pädagogischen Fohl- und Missgriff zu verzeichnen, auf den leider ganz unnöthiger Weise sehr viel Zeit und Mühe ver—wendet worden ist. Wir halten es freilich für möglich, auch mit Hülfe dieses unbrauchbaren Buches in das Studium der hebräischen Grammatik eingeführt zu werden. Es führen eben vible Wege nach Rom. Auch im Schneckeng&nge bewegt man sioh schliesslich vorwärts und auoh in Zickzacklinien gelangt man mit Geduld und Ausdauer an das gewünschte Ziel; allein fragt mich nur nioht: wie? Sohrau, O./S. Dr. Immanuel Deutsch. Notizen. 1. Historisches. Bei einer Judenverfolgung in Polen im Anfänge des XVI. Jahrhunderts ereignete es sich, dass eine jüdische Frau aus Kaliseh, deren Mann man getüdtet hatte, sich später mit ihrem eigenen, im Alter von 2 Jahren entlassenen Sohne, vermählte und nach dessen Tode eine dritte Ehe einging, aus welcher die Kinder den Spitznamen ״Nadler“ erhielten. — Ist dieses Factum bekannt? — Ich würde dasselbe andernfalls auf Grund einer in meinem Besitze befindlichen hehr. Urkunde mit Erlaubniss der verehrlichen Redact io n im L.-Bl. veröffentlichen. Cohen -Rees a. Rhein. 2. Exegetisches. In Wessely’s Liedern an Kaiser Joseph II, mitgetheiit im מאסף לחד־ אב תקמ״ד, *> wie in בכורי העתים תקפ״ה s. 10b, finde ich zu der vorletzten Zeile der 12. Strophe folgende sehr interessante Randbemerkung: מבול מש. יש זבל וכונתו כי יזבלהו כזבל הגנות והשדות למען ישא פרי, ולדעת המחבר הזה גם הפסוק "הפעם יזבלני אישי דכי׳ מענין הדל. Hiernach wäre entgegen allen Commentaren, die das Wort חבלני wohl aus Gründen der Euphemie von ״ זבולWohnung“ herleiten, dasselbe vielmehr von dem talmudischen זבל — düngen befruchten abzuleiten. Uebrigens hat das Wort יזבלני iein Analogon in der h. .Schrift, woraus auf dessen Verwandtschaft mit זבול —: heiliger Aufenthaltsort— Himmel בית המקדש geschlossen werden könnte. C. in R. 3. Der franz. Yiceeonsul in Djoddah hat die berühmte aramäische Säule vom Thema der Akademie die Inschriften vorgestellt. Sie stammt aus dem 5. vorehristl. Jahrhundert und enthält die Bitte eines Fremden an die Götter Thema's, dass die Verehrung, welche er seinem Gotte erweist, von ihnen gebilligt werden. Verantwortlicher Redacteur Dr. Rahmer, Magdeburg. Druck von D. L. Woltf, Magdeburg. Verlag von Robert Friese, Leipzig.

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