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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1885-06-23 · N° 30. (23.6.1885) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
14 (1885)
Issue
N° 30. (23.6.1885)
Date
1885-06-23
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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—Jüdisches Litteratur-Blatt. 7«r BdenrhtiRg aller Ja4eathem and Jaden betreffenden Uiteraiisehen Br* •ebelaaafen auf dem (Jeblete der Pkilo* *ophie, Geschieht«, Ktfcnftffraphi«, Theo* lople, Orientalin, Kxegese, Homiletik, liitarglk, Pidagogtk. Herausgegeben von Rabbiner l)r. Moritz Rahnier. 9l£.a<j5c6׳uzy, 23. Sufi 1885. Bicher der elxHChliglgen Mtteratur, welche der ttedactlon ««gesandt werden, Anden ln dleeem Blatte eingehende Beaprechnag. Bel Kineeudung von iwel ReceniionH* Exemplaren erfolgt einmalige knrae tiratls-lnsertion. Das ״Jtdische Lltteratur-BlftU“ erscheint wöchentlich in einem halben Botten Preis bei allen Buohh&ndlungen (in Leipzig bei Robert Friese) pro Jahrgang 8 Mark. Abonnenten der ״Israelitischen Wochenschrift4‘ (die vierteljährlich bei fcllen Postanstalten und Buchhandlnngen 8 Hark kostet) erhalten das ״Jüdische Litteratur-Blatt“ gratis. — Ingerate werden mit M Pf• für die gespaltene Petitzeile, Beilagen mit 18 Mark, berechnet und sind an die Expedition dieses Blattes zu senden. BOT Buchhändler, welche direct oder durch Robert Friese in Leipzig Inserate einsenden, erhalten 25 p( Rabatt. *9■ Inhalt: Wissenschaftliche Aufsätze: ״Gedanken eines Juden“, beleuchtet von Rahb. IJr. Kroner, Brandenburg a. d. H. — Ein rabbinisches Characterbild. Von Max Weinberg. (Fortsetzung statt Schluss.) — Gollectanea. Von Rabl). I)r. Kroner, Brandenburg a d. H. — XXII. Streiferei in das Gebiet der alten und der neuen Worterklärung. Litteraturbericht: Recension: Aunuaire des ״Avchives Israelites“ par l’an du monde 504(i. Nachdruck nur mit voller Quellenangabe gestattet._ ״Gedanken eines Juden/‘ beleuchtet von Dr. Kroner, Rabb. in Brandenburg a. d. II. VII*). In den sogen, höheren Ständen sollen sich für die Juden, d. h. für diese allein, andere Schwierigkeiten ergeben. So soll das Lehramt dem Juden schwer zugänglich sein, weil in Aufsätzen und Lektüren religiöse oder doch diesen nahestehende Betrachtungen nicht zu umgehen seien, weil in der Geschichte auch die Person Christi, die Bedeutung des Christenthums, der Reformation und andere Gegenstände gleicher Art behandelt werden. Wir meinen: religiöse oder doch diesen nahestehende Betrachtungen allgemeiner Art kann und wird der jüdische Lehrer in Aufsätzen und Lektüren mit einer, gewöhnlich aus katholischen, protestantischen und jüdischen Schülern bestehenden Klasse ebenso ernst, würdig und erfolgreich anstellen, wie der evangelische oder katholische Kollege; specifisoh konfessionelle Betrachtungen aber soll aus pädagogischen und anderen Gründen kein anderer, als der Religionslehrer mit seinen resp. Schülern anstellen; die Bedeutung der Reformation und ähnliche Gegenstände kann und wird der jüdische Geschichtslehrer dort sicherlich so pädagogisch taktvoll und vorurtheilsfrei behandeln, wie der kath. oder evang. Amtsgenösse. Lehrreich ist diesbezüglich ein, an der hiesigen evang. höheren Töchterschule jüngst vorgekommener Fall, der in den Nrn. 137, 144 und 147 des ״Brandenb. Anzeiger, Zeitung für Westhavelland und Zauch-Belzig“ erörtert ist: Katholische Schülerinnen gedachter Anstalt erklärten, angeblich auf Weisung des kath. Pfarrers, die Reformationsgeschichte (wie sie dort vorgetragen werde) nicht lernen zu können. Nach wiederholter Weigerung wurden sie vom Rektor der Schule bestraft. Die Königliche Regierung entsohied hierauf, dass sich die Bänder unweigerlich zu fügen und alle Aufgaben der Schule zu lernen hätten, nooh zumal die Anstalt nicht zu denen gehöre, die unter dem Schulzwange stehen. Der Rektor nihrte nun mit den Eltern der Mädchen eine Ver¬ *) In VT (No. 27) iäi, korybantiscli (nicht korybantich) za lesen. ständigung herbei, dahingehend, dass die Schülerinnen künftighin die Fakta der Reformationsgeschichte mitlernen, aber Urtheile über dieselben von ihnen nicht gefordert werden sollen. Hervorgehoben sei hierneben noch die Bemerkung des kath. Pfarrers in qu. No. 144, dass bisher die Lehrer der einzelnen (evang.) höheren Schulen in zuvorkommender Weise — ohne des Pfarrers Dazwischenkunft — kath. Schüler für die Stunden dispensirt hätten, in denen die Reformationsgeschichte traktirt wurde; sowie die Gegenbemerkung des Rektors in qu. No. 147, dass er iu Erfahrung gebracht habe, in einem analogen Falle seien die kath. Schüler einer höheren (evang.) Lehranstalt Brandenburgs durch einen Beschluss des Provinzial - Schul - Kollegiums angehalten worden, auoh jenen. Stunden beizuwohnen. Andere Bemerkungen und Gegenbemerkuugen, obgleich sehr charakteristisch, seien, als zu unerquicklich, übergangen. Was meint der Herr Verf. zu diesem, in zahlreichen Abbildern vorhandenen, lieblichen Genregemälde ohne Juden? Wie hätte sich dieses erst gestaltet, wenn Pfarrer und Rektor nicht so tolerante Männer wären, wie sie es in der That sind! Ferner erlauben wir uns die Frage: sind denn alle nichtjüdische Lehrer als solche, auch wenn sie mit den specifisch christlichen Dogmen, ja mit der Religion überhaupt, gebrochen — und die Zahl jener Lehrer ist bekanntlich gar nicht so gering — zur Behandlung der Reformationsgeschichte und ähnlicher Gegenstände qualifioirter, als jüdische Lehrer? Ein antisemitischer Broschürenheros bemerkte einmal, dass die deutschen Klassiker ohne Christenthum — er meiute zweifellos sein Christenthum — gar nicht denkbar seien. Wir gaben ihm s. Z. anheim, Göthe’s Aeusserungen über die Dogmen der Dreieinigkeil, der Geburt und der Auferstehung des christlichen Heilandes — Aeusserungen, die wir zu wiederholen Anstaud nehmen — in den ״Briefen an Lavater“ nachzulesen, Göthe’s Ansicht über die Kirchengeschichte, die ihm ״ein Mischmasch roher Gewalt“ sei, ein wenig zu prüfen, und fragten: Ist Göthe nicht ״ so zu sagen auoh“ ein deutscher Klassiker? Heute aber fragen wir unter jener Anheimgabe den Verf. der ״Gedanken“: Wäre Göthe eines Lehramts unwürdig gewesen? Und wäre er dessen nur würdig gewesen, weil er Nichtjude war? Aehnliohe Fragen könnten wir hinsichtlich einer Legion nichtjüdischer, ja ״urgermanischer“ Litteraten aufwerfen, z. B. in Bezug auf David Friedrich Strauss mit seinem offenen Bekenntniss: Wir sind keine Christen mehr! (״Der alte und der neue Glaube“), auf E. Hart mann mit seinem rückhaltlosen Geständ-

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