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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1885-07-09 · N° 28. (9.7.1885) · p. Seite 112

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
14 (1885)
Issue
N° 28. (9.7.1885)
Date
1885-07-09
Page
Seite 112 (sequence 4)
Language
German
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— 112 — C. 10: Ausfuhr! Verzeichniss der Schriftsteller, die des Werkes gedenken oder dasselbe citiren. C. 11: Ueber die 9 dem Bearbeiter vorgelegenen Handschrifteu. C. 12: Ueber anderweitige Handschriften der Tanchuma. C. 13: Verzeichniss aller vorhandenen Ausgaben. C. 14: Die Zusätze der Mantuaner-Ausgabe (durch di Fano) und der dieser Ausgabe folgenden. C. 15: Verzeichniss aller Citate des Tanchama im Jalkut. C. 16: Verzeichniss aller Citate des Jelamdenu im Jalkut. C. 17: Verzeichniss aller Citate aus Jelamdenu im Aruch in alphabetischer Wortfolge. C. 18: dasselbe in der Folge der biblischen Bücher. C. 19: Verzeichniss der Citate im Aruch aus Jelamdenu zu Exodus und Ortsangabe für den gedr. Tanchuma. C. 20: Uebersetzung des 12. Capitels von Zunz ״gottesdienstliche Vorträge“ in’s Hebräische mit kritischen Anmerkungen des Verfassers. Aus dieser Inhaltsangabe allein lässt sich ersehen, dass die Bubersche Bearbeitung der Tanchuma in jeder Beziehung eine epochemachende genannt zu werden verdient und dass gegenüber derselben alle bisherigen Ausgaben, mit Ausnahme der die Fano’schen, die auch Baber als Quellenschrift behandelt, werthlos geworden sind. Diese vorläufige Anzeige soll nur dazu dienen, unsere Leser auf die neue hochinteressante Erscheinung aufmerksam zu machen, eine eingehende Recension behalten wir uns vor. Caro-Pilsen. Iler Talmud von Abraham Hochmuth, Rabbiner in Weszprim. Wien 1880. M. Waitzner. Der Verfasser obiger Schrift ist kein Neuling in der jüdisch-litterarischen Welt, er hat erst vor drei Jahren ein treffliches Lehr- und Handbuch zum Religionsunterrichte in Lehrer-Präparandieen und in den oberen Klassen der Mittelschulen verfasst, welches besonders in seinem Vaterlande Anerkennung gefunden und in die israelitischen Schulen daselbst eingeführt worden ist. Gegenwärtige Schrift ist aber weniger für jüdische, als für nichtjüdische Kreise und auch da nur für solche bestimmt, die den aufrichtigen Willpn besitzen, sich darüber belehren zu lassen, was der Talmud sei und enthalte und die nicht blindlings einstimmen wollen in den wüsten Lärm einiger dummdreister Trommelschläger des antisemitischen Regiments über die Verwerflichkeit der talmudischen Prinzipien, bei welchem in der Regel einige hungrige und feile Renegaten Spionierdienste verrichten. Diese spähen in allen Schlupfwinkeln umher, fegen für ihre neuen Brodherru allen Schmutz und Rost, alles Spinnge webe und allen Kehricht, der sich in den Ecken und Enden des Talmud seit zwei Jahrtausenden angesammelt auf einen übelriechenden Haufen zusammen und rufen mit heuchlerischen Geberden: das ist der Talmud. Und ihre unwissenden Protectoren rufen es ihnen nach. Solchen Individuen freilich kann man die edelsten Perlen aus dem Schachte des Talmud herautholen, sie wollen nichts wissen, nichts verstehen, wollen in ihren finstern Vorurtheilen verharren. ״Thut nichts, der Jude wird verbrannt,“ thut nichts, der Talmud wird verdammt. Was Recensent schon vor acht Jahren in der Leipziger ״Gartenlaube“ geschrieben, trifft noch heute wörtlich zu: der Talmud ist eiu eigenartiges Studium, ein sehr dunkler Schacht, in den man sehr tief hinabgestiegen sein muss, um edles Metall herauffordern zu können. Auf der Oberfläche sieht man da nichts als werthloses Gestein um! Gerolle und von Hunderten, die über den Talmud schreiben, hat ihn Einer tiefer erfasst, von Hunderten die auf ihn schimpfen, hat vielleicht kein Einziger eine Zeile in ihm gelesen. Der Talmud ist noch heute der grossen Welt gegenüber ein Buch mit sieben Siegeln und er wird es wohl noch lange bleiben, weil seine tiefere Kenntniss wegen der Knappheit der Ausdrucksweise und des fremdartigen Idioms, besonders aber wegen der ureigenen, bald schwerfällig fortschreitenden, bald kurz nur andeutenden Methode eine ganz besondere Hingabe und Jahre hindurch den angestrengtesten fast ausschliesslich nur diesem Studium gewidmeten Fleiss erfordert. Verschrobene Menschen macht dieses Talmudstudium allerdings noch verschrobener, aber für geisteshelle Köpfe hat es sich meistens, wegen der Vielseitigkeit des logisch bearbeiteten Stoffes aus den entlegensten Gebieten und den verschiedensten Zeiten, als ein Gedankenwecker und Geisteshebel von besonderer Kraft erwiesen. Die sehr gründliche mit Beseitigung alles wissensöhaftlichen Apparats leichtfasslich gehaltene Schrift Hochmuths ist ein dankenswerther Separat-Abdruck einer Artikel-Serie, die in der gediegenen, aber weil in ungarischer Sprache geschrieben in deutschen Kreisen nicht gelesene Monatsschrift Magyar-Zsido- Szemle abgedruckt und in einem Wiener Blatte übersetzt worden ist. Der Verfasser hat darin in knappen, aber ausdrucksvollen Zügen ein getreues Bild der religiösen, politischen und socialen Verhältnisse, wie der Lehrweisen und Schulprincipien entworfen, unter deren Einfluss und Herrschaft der Talmud als Produkt tausendjähriger akademischer Debatten und Diskussionen hervorgegangen ist, er hat für Alle, die sehen wollen, klar gezeigt, mit welchen Massstäben man an die Beurtheilung eines solchen antiquen Kolossalwerkes herangehen und mit welchem wissenschaftlichen Ernst man sich in dieses Studium vertiefen muss, wenn man ein massgebendes Urtheil abgeben und Korn von Spreu darin unterscheiden können soll. Die Schrift Hochmuths verdient die weiteste Verbreitung, namentlich auch unter den zahlreichen Glaubensgenossen die ihre Kenntniss vom Talmud gleichfalls nur aus den gegenwärtigen Schmähschriften beziehen und deshalb selbst ge biendet, ihre christlichen Mitbürger besser darüber zu belehren, nicht fähig sind. Meiningen. Dr. Dessauer. Notizen. 1. Herr Pfarrer Dr. Schmidt beehrte mich mit der Mittheilung, dass Hieronymus im Lexicon graecum mominum hebraicomm (Band II der Hauriuer Ausgabe) bei dem Namen P on tius ״inclinans uml declinaus Consilium“ bei Pilatus ״os malleatris zur Erklärung bemerkt. Ich meine, dass er Pontius von פנה und Pilatus von פי להט (Mund der Brandfackel) herleitet. — Im Oommentar des Cardinais Hugo findet sich der Name Herodes gedeutet: gloriaus in pelle; mir scheint der Cardinal הדרום statt הרדום gelesen und von הדר) הד) und רסיסים hergeuommen zu haben. Vielleicht theilt Jemand betriedigendore Erklärungen mit. Lew in. 2. Herr Dr. Harkavy hat aut der Petersburger Bibliothek das Fragment eines מבוא התלמוד in arabischer Sprache, welches nach der Ansicht Dr. Il’s. von Samuel ben Chofm oder Saadiah Gaon geschrieben ist, gefunden. Dasselbe ist mit dem von Joseph ibn Aknin, dem Schüler Maimonides’, ebenfalls in arabischer Sprache geschriebenen und in der hebrüisehen Uebersetzung bekannten, gleichnamigen \Verke nicht identisch. 3. Bei Otto Schulze in Leipzig ist soeben erschienen: ״Vier aprokryphische Bücher aus der Zeit und Schule K. Akiba’s, (Assumptio Moeis. Das 4. Buch Esra. Die Apokalypse Baruch. Das Buch Tobi.), von Dr. F. Rosenthal, Rabuiner in Beuthen.“ 4. Dem diesjährigen Jahresberichte der Landesrabbinerschule in Budapest gellt als wissenschaftliche Abhandlung voran: ״Leben und Werke des Abulwalid Merwan ibn Ganacn (R. Jonai und die Quellen seiner Schrifterklärung, von Prot. Dr. W. Bacher“. Verantwortliche! Redacteur Dr. Rahmor, Magdeburg Druck von D. L. Woltf, Magdeburg. Verlag von Robert Friese, Leipzig.

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