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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1885-06-25 · N° 26. (25.6.1885) · p. Seite 104

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
14 (1885)
Issue
N° 26. (25.6.1885)
Date
1885-06-25
Page
Seite 104 (sequence 4)
Language
German
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104 — denn wie es in der Ehe sein soll, so ist es in dieser Schrift. Emst und Scherz haben eine so schöne, innige und ungezwungene Verbinduug geschlossen. Im heiteren Gewände erscheint das Ernsteste und die scherzende Form schmiegt sich so gefällig dem ernsten, oft düstern Gedanken an, als ob es gar nicht anders sein könnte und dürfte. Selbst der Wehelaut — möchte man sagen — wird bei Jcllinek wohllautend und der Spass zum mahnenden Gewissenserwecker. ״Reich wie ein Jude“ veranlasst eine Causerie über die Verwendung und über das schnelle Hinschwinden des Reichthums bei den Juden. An dem Winke, dass die hebr. Sprache 7 Ausdrücke für ״Arm“ hat, sollen sich auch diejenigen unserer Leser erfreuen, welche sich Jelliueks Schrift nicht arischaffen können. — ״Geizig, wie eine Rabbinersfrau“ ist das zweite im Garten Frankreichs gepflückte Blümchen. Wie man Bocherim-S’chaure in elegantestem Deutsch sagt, das muss man nachlesen. Die Schönheit orthodoxer Rabbinerinnen führt zu einer wohlverdienten Huldigung! des Talmud. Dass aber die alten Rebbezens sich ganz modern in die Angelegenheiten der Männer gemischt ' haben, erzählt nicht allein das dem Hamburger Schiff i zugeschriebene Pamphlet: die wilde Rabbitzin. — In edelster Weise soll — wie der Volksmund noch heute berichtet — die Rebitzin. ״Wittusch“ von Wreschen (aus der Familie Mirels-Heller) ihrem Manne, dem Raw, eine Gehilfin gewesen sein. I tali en hat der Bibel ein Wort entnommen: ״hartnäckig wie ein Jude“. — Diese ״Glaubenstreue — Hartnäckigkeit“, ״um sein religiöses Dasein bewahren zu können* und daneben als Complement gleichsam die ״Geschmeidigkeit und Schmiegsamkeit, um sich materiell erhalten zu können“ — schon wetterleuchtet es hinaus, da die Folgen der Glaubenstreue vor Jellineks Auge treten, hinaus mit Donnergrollen auf die Verkünder der Menschenliebe, welche in der Ukraine das Wort haben zu einem geflügelten werden lassen: ״Schlage einen Juden todt, so nimmt es deiner Seele 40 Sünden ab.“ ״Es ist ein Jude gestorben“ — dieser italienische Text erzählt, dass der ״Tod und Alles, was mit ihm zusammenhängt,* ein siegreicher Anwalt für das Leben und die Lehre der Juden ist. Wie denkt der Jude sich den Himmel (das Paradies)! und wie die Hölle — wen schliesst er aus und wen \ ein? Dazu bildet den grellsten Contrast, was aus dem : Mittelalter heraus noch in unserer Zeit in niclitjüdisehen Kreisen darüber lebt und erhalten wird. Ist früher schon die Mission gestraft worden, so wird ihr ein Spiegel vorgehalten in Ko. VI: der ist kein guter Christ, der nicht ein guter Jude gewesen ist“. — 5 Die 1 rumänischen Sprüchwürter zeigen, dass der Antisemitismus dorthin importirt worden ist. ״Weder Jud’ ohne Rumänen, noch Rumäne ohne Juden.“ ״Er arbeitet wie ein Jude“ sind Zeugnisse aus dem Volksmunde, bilden die Ueberschriften zu Kapiteln, welche die Antisemiten sich nicht an den Spiegel stecken. Die ״s 1 a v i s c 11 e n“ Sprichwörter, wie;: Jude, Edelmann und Deutscher verderben Alles in Grund und Boden. ״Mau schlägt ihn, wie den jüdischen Haman“ zeigten denselben Weg, — dass aber Allen viel gebracht wird, möge das Schlusswort über das Erstgenannte bezeugen: ״Der einige Gott hat ein uneiniges Volk, das nur dann eins und solidarisch sich fühlt, wenn Bedrängnis« es zusammeudrängt.“ Der Faktor und der Schnorrer, der jüdische Tisch und der moderne Aberglauben, die Einfachheit und die Innerlichkeit des Gottesdienstes, die Unpünktlichkeit, in welcher besonders die Brautpaare pünktlich sind und der erziehliche Einfluss der Eisenbahnen zur Pünktlichkeit. — Vom reichen Tische fallen viele wohlschmeckende Ueberreste! Als Schluss ist der Nachweis geführt, dass Dante nicht die Höllenqualen dem Judenthume entlehnt hat, wohl aber, dass Gott sich von den Menschen besiegen lässt: (lll. 20. Besang.) Das Reich der Himmel leidet Ueberwältigung Durch brünstige Liebe und durch lebend’ge Hoffnung, Von denen Bottes Wille wird besieget. Nicht wie der Mensch den Menschen überwältigt, Vielmehr siegt er, weil er sich lässt besiegen, Fnd so besiegt, siegt er durch seine Gute.“ Wer denkt hierbei nicht an das נצחוני כד? Coblenz. Lew in. Notiz. בי ו־שויות• bie Frage über Wiederholung des Bottesnamens im Gebete lässt sich nicht ausschliesslich vom buchstäblich halachi8chem Standpunkte aus beurtheilen. Das halachische Verbot ist ausdrücklich nicht aut die Wiederliolung einzelner Wörter, sonderndes bezüglichen ganzen Satzes und Gedankens beschränkt und hängt mit der Ausdehnung des Christenthums unter den Heiden zusammen, als die Person Jesu eine Gottheit wurde. Dieser dogmatischen Anschauung und Neuerung trat man nicht blos im Interesse des Judenthums, sondern auch der Judenchristen entgegen, die immer noch als Juden galten. Die Vorsicht gebot, eine solche Bestimmung, um die Reinheit des Gottesglauhens vor allem beim öiientlichen Gottesdienste sicher zu stellen: deshalb ist zunächst dabei der öffentliche Vorbeter ins Auge gefasst, den man verdächtigte und unterbrach, sobald er den Satz וכי C'TIO zweimal sprach, denn die ב' הודאה enthält das Gottesbekenntniss. Es ist deshalb auch ausdrücklich nur von zwei, nicht dreimaliger Wiederholung, wie auch nur von zwei, nicht drei רשויות die Rede, denn der Trinitätsglaube kam erst spater aut und kam halacliisch nicht mehr zur Berücksichtigung. Die Anerkennung Jesu als Gottheit fällt mit der Abfassung des Evangeliums Johannes im zweiten Jahrhundert zusammen: der Trinitätsglaube, welcher auch noch den heiligen Geist als persönliche Gottheit anuimmt, ist noch jünger und die Vereinigung aller drei zu einer einheitlichen, nicht blos gottähnlichen, sondern gottgleichen Gottheit ist auf der Kircheuversammlung zu Nicäa f;>211 noch Streitfrage und kommt erst allmählich gegen Ende des vierten Jahrhunderts zur allgemeinen Anerkennung. Die halachische Bestimmung entstammt der Mischua' tBer. 5.8! und tällt demnach mit der neuen christlichen Bewegung und der Entstehung des Evangeliums Johannes zusammen. Dieselbe redet nuv von zwei Gottheiten und beschränkt sich nach Jernschalmi aut die Oeffeiitlichkeit. In gleicher Weise wie mit מודים verhält es sich mit שמע! denn auch dies ist ein Bekenntnissgebet: *) die bezügliche Ergänzung der Mischlin ist demnach gerechtfertigt. (Ber. .'J.'S.G). Jedoch kommt hierbei noch in Betracht, dass die Wiederholung der dogmatischen (י e bet st eilen von oin und derselben Person ausgehe, nicht aber, dass Chor oder Gemeinde die Wiederholung uutnehme: bei מודים ist eine solche ja sogar traditionelle Anordnung (מודים דרבנל)• Die Wiederholung von אדין עולמים hat theils im musikalischen Satzgefüge ihre Veranlassung, theils ist sie aut den Wechsolgesang von Solo (Cantor! und Chor berechnet. Dr. Rothschild-Alzey. (Auf obige Bemerkungen, die wir Herrn Dr. Krön er- Brandenburg zur Aeusserung zugehen Hessen, erwiderte derselbe, dass die in der Bibel, sowie in den feststehenden hehr. Gebeten vorkommende Wiederholung des cju. Namens stets eine wohlbegründete und keine willkürliche sei; dass er die I'rage nicht allein von dem heregten Standpunkte, sondern auch, wie namentlich die von ihm allegirten Belegstellen erweisen, von dem Gesichtspunkte des Verbots שלא להוציא שם שמים לכטלה betrachte, das sieh auf לא תשא וכי׳ «na את די אלדיך תירא stützt: und dass schon das schlichte Gefühl der Ehrfurcht vor Gott eine Willkür in fraglicher Hinsicht perhorrescire. Oder solle jedem Sülzer-Epigonen, obgleich nicht einmal ein musikalisch erhebliches Motiv zu <!u Wiederholung vorbanden, eine solche mit und — ohne Grazie in infinituni gestattet sein? - Die hervorgehobent Wiederholung der sogen. שמוות sei u. A. iiu T. sahab zu O. Cliajim (11,12 begründet — also gerade ein Beweis gegen die Wiederholung des Gottcsnamens ad libitum. Red.) *: Als Beweis datür, dass die Wiederholung des flottesnamens und des Bekenntnisses zu ihm im öiientlichen Gebete nicht immer beauslandet wird, dienen auch die sogenannten שמות am •Schlüsse von י״כ• Da wird שמע ein Mal gesprochen, כרוך drei Mal und }ך sieben Mal von Vorbeter und Gemeinde wiederholt. Sogar die Wiederholung von שמע seitens der Gemeinde wird nicht beanstandet. Verantwortlicher Kedacteur Dr. Rahmer, Magdeburg. Druck von D. L. Woltf, Magdeburg. Verlag von Robert Friese, Leipzig.

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