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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1885-06-11 · N° 24. (11.6.1885) · p. Seite 96

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
14 (1885)
Issue
N° 24. (11.6.1885)
Date
1885-06-11
Page
Seite 96 (sequence 4)
Language
German
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eamkeit verfolgt, and mich eingehend mit derselben beschäftigt. — Dass sioh hierbei trotz aller Werth- Schätzung lind trotz aller Uebereinstimmang in den allgemeinen Gesichtspunkten in Einzelheiten oft wesentliehe Diflerenzpunkte ergeben, liegt in der Natur der Sache und wird den nicht Wunder nehmen, der es an sich selbst erfahren, wie oft zwei Menschen auf gleichen Wegen, von gleichen Gesichtspunkten geleitet, doch in einzelnen Punkten nioht übereinstimmen. Es bleibt ein stets wahres Wort, das die Agada unserem grossen Lehrer Moses in den Mund legt: Wie bei aller Aehnlichkeit der Gesichtszüge das Angesicht des Einen verschieden von dem des Andern ist, so weichen die Ansichten des Einen von denen des Andern ab, trotz des gleichen Geistesganges, trotz aller Uebereinstimmung im Grossen und Ganzen. Ich stimme auch mit dem Yerf. in der Grundidee seiner Arbeit überein, dass es eine unumgängliche Forderung der wissenschaftlichen Darstellung der Agada ist, womöglich genau zu bestimmen, was die einzelnen Namensträger der Agada zu deren Auf- und Ausbau, zu deren Gestaltung und Entwickelung beigetragen und zu charakterisiren, wie die Lehrer und Meister der talmudisch-midraschisc.hen Zeit individuell zur Agada in Beziehung stehen. Während wir für die Charakteristik der wissenschaftlichen Thätigkeit der Namensträger der Halacha mehrere werthvolle isagogische Arbeiten, namentlich für die miscbnische Zeit Frankel’s Meisterwerk: ״Darke ha-Mischnah“ besitzen, fehlt es noch immer an einer genauen speziellen Characteristik der einzelnen Lehrer und Meister der Agada; selbst Frankel’s ״Einleitung in den jerusalemischen Talmud“ hat die Wissenschaft nach dieser Seite hin nicht wesentlich gefördert. Und doch ist eine ausführliche individuelle Charakteristik der Beziehungen der ״Weisen Israels“ in der talmudisch-midraschischen Zeit zur Agada um vieles nothwendiger, als dies bei der wissenschaftlichen Dar- Stellung der Halacha der Fall ist. Bei der Letztem handelt es sich in den Spezialdarstellungen mehr um ein biographisch-literaturhistorisches Interesse und zur Charakteristik der eineinen Weisen und Methoden genügen zumeist 1—2 Beispiele. Die Halacha gleicht einem Baume der durch immer tieferes Eindringen seiner Wurzeln in seinen Boden, durch fortdauernden Ansatz der Jahresringe und Anwuchs der Aeste und Zweige an Festigkeit, Umfang, Höhe, Tragkraft und Fruchtbarkeit gewinnt; es treten wohl quantitative und einigermassen auch qualitative Umgestaltungen mit der Zeit ein, materiell bleibt die Transfornation doch dieselbe im Ganzen und Grossen und an einer Frucht kann zumeist der Geschmack des ganzen Jahresertrages beurt heilt werden. Da ist es blosse Ehrenpflicht, wenn wir der einzelnen Gärtner gedenken, welche des ]Baumes gewartet, und die Thätigkeit der Meister wird mit wenigen Worten genau gezeichnet werden können. Anders die Agada. Sie gleicht einem bunten Blumenflor, der nach der Geschmacksrichtung des jeweiligen Gärtners, wobei natürlich auch die verschiedenen Jahreszeiten in Rechnung gebracht werden müssen, auch ein materiell verschiedener sein wird, bald mannigfaltig bunt, bald einzelne Gattungen besonders wiederspiegelnd, bald wieder ganz vernachlässigt einer trockenen Heide gleich. Wollten wir da die Thätigkeit des jeweiligen Gärtners kennzeichnen, so müsste die Blumenlese um so reichhaltiger sein, je grösser und mannigfaltiger die verschiedenen Arten und Gattungen des Flors sind und wir werden dem Schallen des Gärtners nur dann gerecht werden, wenn wir betrachten, wie er den einzelnen Jahres- Zeiten vollauf Rechnung getragen. Sollte darum die Thätigkeit der einzelnen Träger der Agada genau und bestimmt gekennzeichnet werden, so war es bei dem bunten und mannigfaltigen Inhalt der agadistisohen Blüthen und Blumen nothwendig, eine reiche Lese zu halten aus den Aussprüchen und Deutungen jedes Einzelnen, um einen klaren Einblick zu haben in seiD Wirken und Schaffen. Eine solche Vertheilung der agadischen Blüthen nach den einzelnen Personen, welche dieselben gehegt und gewartet haben, giebt nicht bloss ein charakteristisches Bild von der Thätigkeit dieser Person selbst, sondern gewährt uns auch einen genaueren Einblick in das Wesen und die Natur und die Entwickelung der Agada, insofern der weitaus grösste Theil der Agadoth, wie wir das bereits ein Mal ausgesprochen, (Littbl. 1884 Seite 79 ff), blosse apologetische Zeitbetrachtungen sind, welche nur zu homiletischen Zwecken an das Schriftwort anknüpfen und auch ursprünglich nichts weiter als Betrachtungen aus der Zeit für die Zeit waren und deren Träger unter dem Einflüsse der Zeit standen und den Zeitläufen besondere Rücksicht widmeten. — Der Verfasser des augezeigten Buches, Herr Prof. Dr. Bacher, hat sich sowohl um die gerechte Würdigung der einzelnen Agadisten, als auch um die richtige Einsicht in die Agada selbst, ein besonders hohes Verdienst erworben, dass er die grosse Mühe nicht gescheut, die gesammten agadischen Sprüche der Tannaiten aus der Zeit von 30 vor bis 135 nach d. g Z. zusammenzustellen, zu sichten und zu ordnen, wodurch er uns einen klaren Einblick in die Thätigkeit der Agadisten und in die Gestaltung und Entwickelung der Agada in jenen zwei Jahrhunderten, welche für alle nachfolgenden von grundlegender Bedeutung waren, gewährt. (Fortsetzung folgt.'! Notizen. 1. Darf ein Gottesuamen in den feststehenden hebr. Gebeten nach vnilktlr oft rotn Vorbeter wiederholt werden! Wir hörten ineinerSynagoge vomVorbeter dieSchlussworteאדון״ולמים im אין כמוך vor dein Auslieben der Thora zweimal hintereinander vortragon, und als wir unser Befremden darüber iiusserten, wurde uns bemerkt, dass das fragliche Ton• stück im Inhaltsverzeichniss der Schire beth Jaacob als 11 ״ a c 11 Sulzer“ eomponirt autgetührt und in diesem Werke der gedachte Schluss sogar viermal hintereinander—so dass derselbe nicht nur מחזי כשתי רשויות, sondern sogar כ ארבע רש׳ — in Musik gesetzt sei. Wir müssen die Willkür hinsichtlich der Wiederholung eines (lottesnamens in den feststehenden hebr. Gebeten entschieden missbilligen. Wir stehen mit dieser Ansicht nicht vereinzelt da; hervorragende Talmudisten, die allerdings strengtromin, aber keineswegs engfromm sind, tüeilen dieselbe als selbstverständlich. Es hiesse Eulen nach Athen tragen, wollten wir hier die Unzulässigkeit der angeiochtenen Willkür religions-! gesetzlich begründen: nur das möchten wir noch hervorlieben, dass wir nicht einmal ein musikalisch erhebliches Motiv für den vierm aligen Vortrag des ״Herr der Welten!“ zu erdenken oder zu empfinden vermögen. Auch vermögen wir keinerlei Motiv tür mehrere mit äuge- | hörte Fehler gegen elementare Leseregeln, wie jimelauch, tiweneh etc.— mit prononcirtein Schwa mobile! — zu finden. Ob übrigens diese Fehler von Sulzer, von den Herausgebern der Schire beth Jaacob oder von dem betreffenden Vorbetor allein originiren. haben wir nicht in Erfahrung gebracht. Brandenburg a. d. H. Dr. Ph. Krön er. 2. ln der kaiserl. Bibliothek zu Petersburg hat Dr. Harkavy einen Auszug aus der Erklärung des H. Josef .Ihn Abitur zu den Psalmen getmnlen. Es ist der erste in Europa verfasste wirkliche liibelcommeutnr, der ,jedoch noch sehr midraschiseh gehalten ist. Ferner fand Dr. II. ein Pentateuch mit dev Uebei'setzung von Saudjah und der Massorali aus dem 11. saee. auf Papier!,wohl das erste Mannsc. auf Papier'). Die schöne Schritt rührt von dem Schreiher Samuel hon .Jacob her. *) Es sei hier nur in aller Kürze hiugewiesen auf: Berachotli 3.1 Synhedriu 5t>, ()rach •'liajiin 53, 11 am Ende, das. bl. 1) 121, 2, Seplier Mizwoth ha-Schein Vorliot sub. 3b, Gebot, suh. 433 Chaje Adam 5,1. Verantwortlicher Redacteur D1׳. liahmer, Magdeburg. Druck von D. L. Woltf, Magdeburg. Verlag von Robert Friese, Leipzig»

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