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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1885-05-07 · N° 19. (7.5.1885) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
14 (1885)
Issue
N° 19. (7.5.1885)
Date
1885-05-07
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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:*נ•: Jüdisches Litteratar-Blatt. Zar Hfleurhtünic «Iler JNdent)1«M M»d Jitlfti betreffenden HtterarlNchen Kr• «*hpintinffen auf dem Ueblete der Philo- *ophfe« (imhlrhte. Kthnoprapltfe, Theo• lode. Orientalin, Kxeaeae, Homiletik, l.itnrvik, l'a<l*«r0frik. Herausgegebeu von Rabbiner l)r. Moritz Halimei׳.!DTCa<j3eWt׳<j, 7. 91Cai 1885 Hdrher der einnrhlü*l«eM Mtter*tt1r«nelrl1e der Keitartlon nutNandi werden, Anden In dienen! HUtte eingehende Beftpreehnnc. Bei KinRendnni( von inci KerenNionn• Kxemplaren «rfolxt einmalige kurxe l*rati!«-lnKertton. Das ״Jfldisehe LHtcratur-Blatt« erscheint wöchentlich in einem halben Bogen Preis bei allen Buchhandlungen (in Leipzig bei Robert Friese) pro Jahrgang 8 Hark. Abonnenten der ״Israelitischen Wochenschrift‘‘ (die vierteljährlich bei allen Postanstalten und Buchhandlungen 8 Hark kostet) erhalten das ״Jüdische Litteratur-Blattu gratis. — Inserate werden mit 25 Pf. tür die gespaltene Petitzeile, Beilagen mit M Hark, berechnet und sind an die Expedition dieses Blattes zu senden. Mt* Buchhändler, welche direct oder durch Robert Friese in Leipzig Inserate einsenden, erhalten 25 yi Rabatt. Inhalt: AV'issensc 11 ältliche Aufsätze: Reoiganisation der jüd. Religionsschnle auf Grundlage der Herbart-Ziller’sche Pädagogik. Von Dr. J. G01 dschmidt-Weillrarg. — Die neuesten Ausgrabungen in Gosen und die Historicität des Aufenthalts der Juden in Aegypten. (Fortsetzung.) — Collectnnea zur Mischnah. Litteraturbericlit. Recensionen: Berliner, Dr. A., Targum Onkelos. \ Nachdruck nur mit ־voller Quellenangabe gestattet. Reorganisation der jüdischen Religionsschule auf Grundlage der Herbart-Ziller’sche Pädagogik. Von Dr. .1. Goldschmidt-Weilburg. ,Schluss.) Ein Geisteszustand, der auf die Erreichung immer höherer Ziele einen zum steten Weiterstreben nachdrücklich erregenden Werth legt, heisst Interesse. Dieser Geisteszustand kommt dem des Willens am nächsten, und ist das Höchste, was der Unterricht zum Ziele der Erziehung in Hinsicht des Willens- Elementes leisten kann und soll. Interesse ist demnach das Resultat, das durch den Unterricht erzielt werden soll. — Wie die sittlich-religiöse Einsicht und der freie Gehorsam des Willens gegen die sittlich religiöse Einsicht entsteht, hat, wie bereits gesagt, für unsere specielle Aufgabe keine Bedeutung. — Weckung der Selbstth ätigkeit, weiterstrebendes Kraftgefühl, uneigennützige Lernbegier, immanentes Interesse — das soll die Religionsschule durch die Herbart-Ziller’sche Methode für das Judenthum leisten. Der Kundige wird mit Ueberraschung hier einigen alten Bekannten aus dem Jeschiba-Leben zu begegnen sich freuen: Vor allem dem ״Lernen“ (״ ,ר1נו רבניdie Rabbinen haben gelernt“, und zwar לשמה um des Lernens willen); daun dem פלפול, der ״Disputations- Methode“, und wir werden noch weiter sehen, wie der vollständig unbewusst waltenden Jeschibah- Methode eine pädagogische Zweckmässigkeit innewohnte, die in den ungeheuren Aufschwung des Talmudstudiums seit dem Blühen der Jeschiboth eine tiefe Einsicht gewährt. Die Herbart- Eiller’sche Pädagogik hat zum Theil in dem söge- Nannten Jeschibah-Leben bereits eine Jahrhunderte alte Geschichte, und das beispiellose Interesse, das im Judenthum mit der Blüthe der Jeschiboth für das Talmudstudium lebendig wurde und einige Jahrhunderte sich erhielt, sind ein Beweis, dass Herbart-Ziller nicht zu viel versprochen haben. Wir kommen noch weiter gelegentlich hierauf zurück. — § 28. Die Formal-Stufen der H.-Z.’schen Methode. Aus diesen grundlegenden pädagogischen Sätzen ergeben sich folgende 4 Formal-Stufen: 1. die Stufe der Klarheit; 2. die Stufe der Association; 3. die Stufe des Systems; 4. die Stufe der Methode. Die Stufe der Klarheit zerfällt in 2 Theile: a) Analyse; b) Synthese. Die Analyse beginnt mit Aufstellung des Zieles der vorliegenden methodischen Einheit. — Nun giebt der Schüler alles, was er in Hinsicht auf das vorliegende Ziel weiss. — An einem uns nahe liegenden Beispiele sei dies erläutert. Es handle sich um ״Gebete-Üebersetzen“; der Unterricht sei bis שמע gekommen. Da darf es nicht von Seiten des Lehrers heissen: Schlagt auf, wo wir geblieben sind! sondern es muss gesagt werden: Wir wollen jetzt den ersten Absohnitt שמע lesen! — Das ist gar nicht gleichgültig; das dirigirt die Gedanken und den Willen des Schülers auf ein bestimmtes Ziel. Nun wird der erste Satz z. B. von שמע bis אחד von dem Zögling gelesen und von ihm auch der Versuch, es zu übersetzen, gemacht. Er giebt nun den Sinn der Worte an, die ihm bekannt sind; das wird in unserem Satze das nomen proprium ישראל sowie die beiden Gottesnamen sein; es fehlen ihm also etwa die Worte שמע und אחד• So wird das dem Schüler von dem zu erreichenden Ziele Bekannte von dem Unbekannten losgelöst: das ist die Analyse. — Diese Operation ist von der höchsten Wichtigkeit: das Kraftbewusstsein wird einzig dadurch erregt; die Erwartung auf das noch Unbekannte im Geiste des Zöglings, die Empfänglichkeit für das Neue aufs Höchste angespannt: es entsteht durch die Loslösung der bekannten Elemente von ihren Verbindungen ein psychischer Zustand, der dem Zustand der Atome ähnlich ist, den die Chemiker status nascendi nennen, in dem bekanntlich der Verbindungsdrang der Elemente am intensivsten ist. Durch das Herausheben des im Ziel enthaltenen Bekannten wird das Interesse für das Unbekannte rege und dieses geht dann mit jenem leicht eine dauernde Verbindung ein. — Also in keinem Falle Vorübersetzen des ganzen Satzes durch den Lehrer: das was dem Schüler bekannt ist, hat der Schüler zu geben. —

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