Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 14 (1885)
- Issue
- N° 18. (30.4.1885)
- Date
- 1885-04-30
- Page
- Seite 72 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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72 — W&ldeck! bedenken Sie, wer hat sich je von einem Todesstoss erholt? Da die Schrift für den Fachmann nicht tief, für das grosse Publikum nicht ausführlich genug ist, da sie endlich das auf dem Titel Versprochene nicht hält, scheint sie nur dem persönlichen Bedürfnisse des Verf.’s ihre Entstehung zu verdanken. Brünn. Dr. Deutsch. Wir wünschen dem Mandelkem’scheu Buche, da« sich von vielen Romanprodukten der Gegenwart sehr I vorteilhaft abhebt, recht viele Leser und — last, not | least — Leserinnen. Brandenburg a. d. H. Dr. Ph. Kroner. Mandelkern, Dr. S. Thamar, Roman aus dem biblischen Alterthum. 2 Bände in charakteristischem Umschlag. 238 und 19ß S. 8. eleg. br. Mk. 8, eleg. geb. Mk. 10. Verlag von Wilhelm Friedrich, K. Hofbuchh. Leipzig und Berlin, 1885. Wir haben Herrn Dr. M in seinen' ״Hebr. Gej dichten“, die wir in No. 10 dieses Bl. besprochen, : bereits als tüchtigen Hebraisten kennen gelernt; in j dem vorliegenden Roman erweist er sich als einen : ebenso vorzüglichen Meister jenes deutschen Stils, I welcher die unterschiedenen zauberischen Schönheiten j der biblischen Darstellung nachahmt und den Leser | in hohem Grade anzieht. Und nicht minder nimmt der Inhalt des Romans unser Interesse dauernd gefangen: ein Bild des jüdischen Lebens in dessen Blüthezeit (800 v. d. g. Z.) wird uns auf einem so echthistorischen Hintergründe dargeboten, wie wir ihn selten in Romanen finden. Wer in den Geist des biblischen Schriftthums eingedrungen, wird beim Lesen des Buches sich sagen müssen: Das sind Personen, wie sie in jener Zeit geleibt und gelebt haben. Es war uns nach der Lektüre des Romans, wie wenn das ״Ahabath Zijon“ auf dem Umschlag über ״Thamar“ nicht nur objektiv als Liebe zu Zion, sondem auch subjektiv in dem Sinne zu fassen sei: So liebten Zion’s Jünglinge und Jungfrauen, Männer und Frauen! Thamar und der Erkorene ihres Herzens — die beiden Hauptpersonen der Dichtung — offenbaren uns ein Liebesieben, so rein, tief und treu, wie cs eben nur naturwahren Herzen entquellen kann, in denen die Liebe als ״Gottesfiamme“ (Schalhebeth-Jah) glüht . . . Auch die übrigen Personen, sowie die Verhältnisse und Zustände, die uns der Roman vorführt, sind recht treffend charakterisirfc.*) Wir mussten bei der Lektüre des Buches öfter an Ewald's köstliche Worte bezüglich der hebräischen Poesie denken: ״Verglichen mit den Poesien anderer alten Völker, erscheint sie wie aus einem noch einfachem, jugendlichem Zeitalter der Menschheit, von innerer Fülle und Anmuth überwallend, und noch wenig bekümmert um äussern Schmuck und feineres Kunstgesetz. Allein gerade diese wunderbare Unbefangenheit, diese um äussere Reize unbekümmerte Freiheit einer übrigens edlen Poesie ist nur da möglich, wo die Gedanken, welche dem Dichter entgegenkommen, von solcher Erhabenheit und Würde, Innigkeit und Stärke sind, dass sie sich selbst genügen, und am liebsten in ihrer eigenen einfachen Grösse bleiben“. *) Wir müssen der Wahrheit die Ehre geben und hier offen erklären, — was Herr Dr. Mandelkern in den Widmungsworten etwas verschleiert und nur dem Kundigen verständlich andeutet,— dass ihm (Herrn Dr. Mandelkern) nur das Verdienst gebührt, den hehr. Roman א״ברת צ״ון von Mapo dem deutschen Lesepuhlikum durch eine, allerdings meisterhafte Uebersetzung zugänglich gemacht zu haben. (Red.) Notizen. 1. Unter den Ruinen von Tel-el-Moschkuta in Egypten entdeckte jüngst der Herr Naville die ״Vorraths“-Stadt P itho m, j und ihm gelang es auch, die Lage d9s Pi-ha-chiroth mit einiger Bestimmtheit festzustellen. Derselbe erklärt auch die bekannte Klage der Juden während ihrer Knechtschaft in, Egypten, dass sie angehalten waren, ״Ziegel ohne Stroh zu machen“, wie folgt. Er fand nämlich mittelst genauer Untersuchung, dass die unterirdischen Getreidespeicher der besagten Vorrathsstadt mit Ziegeln gebaut waren, die aus dem Nil- Schlamm gebildet und mit Mörtel zusammengekittet worden I sind. Diese Ziegel bestanden nun aus folgenden drei verschiedenen Qualitäten: die besten waren mit Stroh vermengt, i Die nächsten mussten, da der Strohvorrath bereits erschöpft war, mit Rühren oder Stoppeln fabricirt werden; und als auch diese verbraucht waren, wurden die Ziegeln der dritten Qualitat verfertigt, nämlich solche, die aus lauter Lehm bestanden, j Diejenigen, welche die Geschichte der Bibel als Märchen hetrachten, werden in dem Gesagten eine gründliche Wider-1 legung ihrer Ansichten finden. Harrow, April 1885. Chotzner. (Wir kommen in dem in der heutigen No. begonnenen Artikel ״Ueber die neuesten Ausgrabungen u. s. w.“, auf diese wichtigen I Entdeckungen näher zurück. Red.) 2. Nur Wenigen dürfte es bekannt sein, dass der jetzige König von Abessynien sich für einen directen Abkömmling des Königs Salomon hält. Dass er auf diese hohe Abstammung nicht wenig stolz ist, geht daraus hervor, dass er vor einigen Jahren einen Orden stiftete, den er mach seinem berühmten I jüd. Vorfahr: Chatem Suleiman — שלמה OHlin, nannte. Vor! einiger Zeit kam er aut den Gedanken, sich für seinen Hot- Staat einen vergoldeten Thron verfertigen zu lassen, der in Gestalt und Form dem Solomonischen ganz ähnlich sei, und I beauftragte daher einen italienischen Künstler, Namens Nardi, j mit der Ausführung der Arbeit. Dieser entledigte sich seiner I Aufgabe mit grosser Geschicklichkeit imd jüngst wurde der Thron unter grosser Feierlichkeit vom besagten König in Bositz genommen. Harrow, April 1886. Chotzner. 3. Neuerdings sind wir von verschiedenen Seiten ersucht worden, deutsche Daten in die entsprechenden jüdischen umzurechnen, sowie das ״billigste und praktischste“ Werkchen namhaft zu machen, das sich mit solcher Umrechnung befasst. Wir verfehlen daher nicht, aut den — unmittelbar nach I seinem Erscheinen von der jüdischen Presse Deutschlands, Hollands und Frankreichs beifälligst beurtheilten — Map 11teacli likboa Ittim vonL.Cohen, Lehrer in Rees a. Rhein 1879, Selbstverlag des Verfassers, in Kommission bei .7. Kauftmann in Frankfurt a. M. (Preis 2 Mk.) hinzuweisen. Dieses Werkchen des sehr strebsamen und befähigten Ver- : fassers, der auch den Lesern des Litteratur- und des Familienblattes wohlbekannt ist, hat uns wiederholt recht gute Dienste | geleistet, so dass wir uns schon deshalb verpflichtet fühlen, es j warm zu empfehlen. Der Maphteach, ein Schlüssel zur sofortigen Umwand-1 lung jedes bürgerlichen Datums in das entsprechende jüdische und umgekehrt — ohne irgendwelche Berechnung — sowie zur Bestimmung des Wochentages eines jeden | Datums für die Jahre 1750—1950, enthält ausser 200 Reduktionstabellen Festverzeichnisse , eine Tabelle zur Bestimmung der I Wochentage, die Ordnung der Sabbath-Perikopen und eine Er-1 innorungstafel. Das Werkchen erweist sich Jedem schon nach | kurzem Einblick als höchst praktisches, zuverlässiges und unent-!!ehrliches Handbuch; wir stehen nicht an, dasselbe als das | vorzüglichste Erzeugnise seiner Art zu bezeichnen. Wev zu fraglicher Datenumwandlung auch nur hin und I wieder bemüssigt ist — und es dürfte gar mancher Gelehrte und Ungelehrte öfter in eine solche Lage kommen — wird hei Benutzung des Maphteach Zeit und Mühe ersparen und unserer j Empfehlung desselben sicherlich beipfiiehten. Brandenburg a. d. H. Dr. P11. Kroner. Verantwortliche! Kedaoteur Dr. Rabiner . Magdeburg Druck von D. L. Woltf, Magdeburg. Verlag von Robert Friese, Leipzig.