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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1885-04-30 · N° 18. (30.4.1885) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
14 (1885)
Issue
N° 18. (30.4.1885)
Date
1885-04-30
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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4Lüb Jüdisches Jat"1* 8־Y■ Litteratur-Blatt. Zur Hfleurhtniig «Iler Jadenthuai and Jnde« betreffenden litterArischen Kr• krhclaaniren Auf dem (*«biete der Philo* sophie, (ieerhlehte, KthnojrrAphle, Theo• lofrie, Orient*!!*, Kxetrese» HomMMIk, Mterglk, Pidagoglk. Herausgegeben von Rabbiner I)r. Moritz Raluner. 0T£a<33e£wKj, 30 Qipiit 1885. Birlier der einschlägigen Mtter*tnr, welch« der Kednctlon xugesAndt werden , Anden In diesem KUtte eingehende Besprechung. Bei Hinwendung von xwei Kecenslcns• Kxempl*ren erfolgt einmalige knrxe Orativlnsertion. Das »Jftdische Llttermtnr-Blatt“ erscheint wöchentlich in einem halben Bogen Preis bei allen Buchhandlungen (in Leipzig bei Robert Friese) pro Jahrgang 8 Mark. Abonnenten der ״Israelitischen Wochenschrift“ (die vierteljährlich bei allen Postanstalten und Buchhandlungen 8 Mark kostet) erhalten das ״Jüdische Litteratur-Blatt1־ gratis. — Inserate werden mit 2& Pf. für die gespaltene Petitzeile, Beilagen mit M Mark, berechnet und sind an die Expedition dieses Blattes zu senden. Mt* Buchhändler, welche direct oder durch Robert Friese in Leipzig Inserate einsenden, erhalten 25 ji Rabatt. 91־ Inhalt: Wissenschaf tliche Aufsätze: Reoiganisation der jüd. Religionsschule auf Grundlage der Herbart-Ziller’sche Pädagogik. Von Dr. J. G ol d s chm idt-Weilburg. — Die neuesten Ausgrabungen in Gosen und die Historicität. des Aufenthalts der Juden in Aegypten. I.itteraturbericht. Recensionen: Das jüdische Gesetz von der Eh e und Ehescheidung. — Volks-Ausgabe des jüd.- hellenischen Schrittthums. — Mandelkern, Dr. S., Thamai־, Roman aus dem biblischen Alterthum — Notizen. Nachdruck nur mit -voller Quellenangabe gestattet. Reorganisation der jüdischen Reiigionsschule auf Grundlage der Herbart-Ziller’sche Pädagogik. Von Dr. J. Gold Schmidt-Weilburg. (PortsetMing.) § 25. Ich frage: Was ist mehr im Interesse des Judenthums, wenn die Abiturienten der Religionsschule ein noch so grosses Quantum Wissen verbunden mit totaler Gleichgiltigkeit besitzen, oder wenn ein grosses Quantum weiterstrebenden Interesses bei einem geringen Wissensquantum in ihnen rege gemacht werden konnte? — Ohne Zweifel ist das letzere mehr im Interesse des Judenthums, und das Judenthum ist die höchste Instanz in allen Fragen der jüdischen Religionsschule. Eine jüdische Religionsschule, namentlich wie fast überall rein aus jüdischen Mitteln erhalten, ohne Rücksicht aufs Judenthum, ist ein Unsinn, ja eine Spitzbüberei. Das Wissen kann in der jüdischen Religionsschule nur iu so fern in Betracht kommen, als die Bearbeitung des Gedankenkreises das beste Mittel zur Erregung von Interesse ist; wäre dies ohne jenes auf irgend eine mögliche Weise besser möglich, so müsste man unter Umständen selbst von jenem absehen. — Nun giebt es in der That eine Weise wodurch dies besser, als durch Unterricht möglich wäre: durch das jüdische Leben! So lange dies blühte, war die Schule Nebensache und diente sie nur rein dem Wissen; das Interesse wurde durch das Leben selbst wach erhalten und geweckt. Seitdem das jiidisohe Leben aber verblüht ist, muss die Schule für das Leben eintreten und das Wissen sich in den Dienst des höhern Zieles: des kräftigen, weiterstrebenden Interesses fürs Judenthum, stellen. § 26. Die Herbart-Ziller sehe Methode ist nun, wia gesagt, eine solche Art der Bearbeitung des Ged&nkenkreises, die kein anderes Ziel hat, als Interesse, d. h. weiterstrebendes Kraftbewusstsein , freie Selbstthätigkeit, — Liebe zum Lerngegenstande zu erwecken. — Die Herbart-Zillersche Pädagogik ist die Pädagogik der Zukunft: sie ist berufen die bereits allgemein anerkannte Misere und Unnatur des allgemeinen Schulwesens zu beseitigen. Alle Klagen über unsere Schulen: Ueberbürdung, Einseitigkeit, Halbbildung, Brotgelehrsamkeit, Streberthum, Materialismus etc. . . . alles würde, sobald die Herbart-Ziller’sche Pädagogik offiziell würde, wie mit einem Zauberschlage beseitigt sein. — Dooh das ist Nebensache: wie viel die Herbart-Ziller’sche Pädagogik im Allgemeinen werth ist, kann dem Judenthum gleichgiltig sein; sobald dieselbe nur ihr Versprechen, ein immanentes Interesse zu bilden, einzulösen vermag. Wenn sie das vermag, wenn sie damit nicht zu viel verspricht, dann muss ■die ylfatiiliMfctf Religionsschule sich ohne weiteres derselben bemächtigen. — Nun Herbart-Ziller haben nicht zu viel versprochen, und man missverstehe uns nur auch nicht dahin, als ob das Wissen bei der Herbart-Ziller’schen Methode zu kurz käme. Keineswegs: vielmehr unterstützt das immanente Interesse auch das Wissen, wie ja ein Interesse von einem berechtigten Kraftgefühl nach Herbart-Ziller abhängt. Die Herbart-Ziller’sche Methode appellirt also nicht für anderweitige Leistungen an unsere Nachsicht nach der Seite des Wissens. Im Gegentheile: sie leistet nach jeder Seite mehr, als irgend eine Methode und begründet eine Tiefe und ein weiterstrebendes Interesse, wodurch sie eine erziehende Wirkung ausübt. Indem sie also die beste Methode für unsere Religionsschule ist, ist sie zugleich die beste, nicht nur aller vorhandenen, sondern aller möglichen Methoden, sie ist überhaupt die Methode xax’ die einzige wissenschaftliche Methode: das ist bereits weit und breit anerkannt. Nur glaubt man: sie wäre in den weltlichen Schulen nicht durchführbar! Die Gründe dieser vermeintlichen Undurchführbarkeit sind der Art, dass sie bei unserer Religionsschule gar nicht vorhanden sind. Also diese einzige, wohl in sich verbesserliche, aber durch keine andere bessere ersetzliche Methode, die in jeder Hinsicht die leistungsfähigste ist, und die nebenbei wie von providentieller Bedeutung für das Judenthum der Gegenwart, diesem gleichsam auf den Leib zugeschnitten, zu sein scheint: sie sei die Methode unserer Religionsschule, die Herbart- Ziller’sche Methode! § 27. Allgemeine Grundzüge der Herbart- Ziller’schen Pädagogik und Methode.

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