Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 14 (1885)
- Issue
- N° 17. (23.4.1885)
- Date
- 1885-04-23
- Page
- Seite 68 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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— 68 — etwas mehr als früher zu wünschen lässt. Doch diesen | einen kleinen formalen Mangel abgerechnet, wird sich j jeder Leser der ebenso scharfsinnigen wie stoffbeherrschenden Darstellung der Charaktere und Zeiten erfreuen. Allgemeines Interesse erregt die Schilderang des schwärmerisch-kabbalistischen Kreises, der sich um R, Nathan Adler gebildet hatte und dessen Ansschreitungen die Gemeinde massvoll und doch energisch entgegentrat. Es ist damit ein neuer Beleg gegeben, wie das Schwärmerische, welches in 11er französischen Revolution auf politischem Gebiete hervorgetreten ist, einen allgemeinen Zug der Zeit gebildet hat, der von seiner Heimath, dem religiösen Gebiete, nach der Fremde des Staatslebens ausgewandert ist. Ebenso rücksichtslos wie man 178!• in Paris mit der bestehenden Staatsordnung umsprang, ebenso wenig liess man 1772 sich im Frankfurter Getto von religiösen Normen beirren. R. Nathan nahm die sephardische Gebetordnung an, sprach alltäglich den Priestersegen, machte gegen die talmudische Verordnung all sein Gut herrenlos und kümmerte sich an die Rabbinatsbeschlüsse keinen Pfifferling. Für die Geschichte der Bewegung gegen die Mendelssohn’sche Bibelübersetzung ist es wichtig, dass, wie Horovitz nachweist, der damalige Rabbiner R. Pinchas Horovitz, nicht gegen die~־deilt'sclie Üefcer- Setzung, sondern gegen die willkürliche üeber- Setzung (der Angriff stützt sich auf die Uebersetzung Levit. 19.17 : ״Du kannst Deinem Nächsten Verweise geben“, wobei eingeschaltet war ״Wenn er Dich beleidigt hat“) anftrat, wie er denn auch Heidenheims Uebersetzung der Gebete billigte. Die »Stellung der Stadtbehörde zu der jüdischen Gemeinde, die Umgestaltungen im Leben und Wesen werden klar und folgerichtig (largestellt. Die Versuche, eine deutsche Schule zu begründen, wobei ebenfalls weniger gegen das Projekt, als gegen die Projektmacher angekämpft wurde, wie die Gemeindebetträge zu den Contributionen, führen den Leser in unser Jahrhundert. Dem Referenten sei die Bemerkung gestattet, dass R. »Süsskind Gundersheim nicht Rabbiner des Kurerzstifts Trier, sondern nur des Niedererzstitts d. h. der untern Mosel und der Umgegend von Ooblenz gewesen ist, sowie dass בצוק העתים nicht die kriegerischen Zeitläufte allein, sondern auch die Streitigkeiten bezeichnet, welche zwischen ihm und dem Vorstände ausbrachen und die zu Klagen und Beschwerden bei den kurfürstlichen Behörden führten idie Akten sind (:heilweise noch im Besitze der Gemeinde). R. Süsskind ist — nebenher gesagt — mehr als kabbalistisch ״angehaucht“ gewesen. Er gab die Morenu Verstorbenen in’s Grab hinein und liess bei Beerdigungen Scholar blasen. L. Vom (’heiler zur Werkstiitte. Eine Erzählung aus dem Leben der Juden in Galizien von F. v. St. G. Wien 1SS5. Alfred Hohler. 10 S. Ein Stückchen Autobiographie wird in dem vorliegenden Schriftchen schlicht und recht erzählt. Obgleich der Veit', einige Mal versichert, dass er keine Noveile schreiben, sondern nur Thatsachen mittheilen wolle, hat er es doch verstanden, den Stoff interessant zu behandeln. Wie der Titel schon andeutet, berichtet das Schriftchen von den Wander- und Lehrjahren eines ״Bachurs“, tiir den der Vater den Beruf eines Chedermelameds erwählt hat, der aber durch mannigfache Verhältnisse und Anregungen bestimmt wird, ein tüchtiger Handwerker zu werden. Das Bucli hat eine Tendenz, aber sie tritt nicht in dem Masze hervor, dass man die Freude an der Erzählung dadurch verliert. Der für das Judenthum begeisterte j Verfasser sieht für seine Landsleute in der Arbeit resp. dem Handwerk das einzige Heilmittel vor den überaus schädlichen Einflüssen des Chederwesens. Wer dieses kennen lernen will, greife zu dem treffliehen Schriftchen, das dem bescheidenen Erzähler alle Ehre macht. S. Notizen. Biographie 1f,»s Di־. Adolf Fischhof (mit Hihi und Facsimilei von Jacob Fischer, Redakteur des ^Ilajehudi“ Wien. 1111 Verlag des Verfassers. Bruck von Moritz KnöpHmaoher. 111 gutem Hebräisch, die einzelnen Abschnitte mit wohllautenden Verschon einleitend, wird das Aufstreben de.- mittellosen Jünglings erzählt, der dann als Secundaerarzt am Wiener Krankenhause politisch hervortritt und, auf Prof. Hvrtl's Vorschlag ISIS zum Führer der Studentenlegion ernannt, Mitglied des politischen (!eutralcmuite's und des Abgeordnetenhauses, sowie Ministerialrat 11 wird. Sein patriotisches Wirken btisst er dann vom März bis Dezember lbf'.i mit strenger Untersucliungshaft, aus der er zur medic. Praxis zurückkehrt. Seit ) lsöb leidet er an heftigen, häutig wiederkehrenden Kopfschmerzen, was ihn jedoch nicht abhält, bedeutsame Staatrechtliche Abhandlungen in geeigneten Momenten zu veröttentliehen. Jetzt lebt der 119 Jahre alte Herr in ländlicher Stille ' in Kmmersdorf bei Klagenturt. ם' אגודת אגד«ית Biese Sammlung kleiner Schritten, 1 welche Carmoly vor 44 Jahren herausgejjeben hat und die I seitdem sich wieder indie Bibliotheken v^nOTen haben,' hat] der verdienstvolle Herr Ahraham Moses Luncz in Jerusalem] in seiner eigenen Druckerei neu aufgelegt Von den vier I Schriftchen ist der alte Reisebericht — eine Art Jtinerarium nach und in Palästina — das bedeutendste. Die »Sagen über die zehn Stämme haben wenig, die Zusammenklitterung ] über die 10 Kxile gar keinen Wettli. Denn die zweifelhafte ׳ Autorschaft des Bekehrers der l'hazaren giebt dem Inhaltlosen kein Folio. Krfreulieh ist allein der saubere schone Druck 1 und die recht guie Ausstattung des Werkoheus. Lew in. ..1 iazepliiia“ bringt einen aus Bagdad datirten Reisebericlif. der über die jüdische Bevölkerung Indiens Näheres enthält. | lieber die weisseu Juden sagt er nichts Neues. Von den Beni Israels alter erzählt er die Merkwürdigkeit, dass dieselben Von den Exulanten des Sanlierih vom Jahre (W der christliche!». Aera lierstammteu. Diese (jesehic.htskeimtnis.s erweckt durch• aus nicht viel Vertrauen in die Urtlieilsliefähigung des Reisen- ■ len. Sonst erzählt er von den Beni Israel, dass sie in Allem Besetz und Sitte »ler Landesbewohner angenommen halten, und nur den Sabbath in väterlicher Weise fortbeohaclitoten (Seit ltvll) halten sie si»-h dem Judenthume so ganz wieder zagekehrt, »lass Talmud und Scbuh lian-Aruch-Kundige unter ihnen sind). - In Madras giebt es viele Steine mit Inschriften in t^uadratschrift. In Krangi sind am BegiiTUiigsgelmude am Antic-pln»׳)׳ zwei solche alte Steine, deren Inschrift lautet: II. I. בופ יידם •וו. ובת עהבד צון. שנת ק״ל״א. עפך מן רניב• ב"• ועתך. עיפרה הישלא. אף מרים בת אברהם. באתן בת ראבן. דאתנהית בסיפ פית. צפת חלגעק. •מגת אתיקה תמ״ב עיציך. ציבוח. Der Reisende welcher vor 3 Jahren in Spanisch (fibraltar ein Buch גבר ישראל über das Siegel des Propheten Jlaggai. heilige Sekel. die verschiedenen lieltr. Alphabete, und über die Münze »les Mordrehui, welche der Rabbiner Raphael Kosin dem persischen Seitab Maltmed mach אגרת מגיל מצרים) geschenkt hat, will einen Abdruck dieser Münze in Bagdad gefunden haben. Sie hat folgende i!!schritt011, die 111 it dem Midrasch ühereinstimmou: .1 שק .׳-׳ עטרת •אפר שינת זהב שינת ג־א׳ל־ת־ה גיא־ליתה l'lin Manuskript einer Darstellung des Judeiitliiinis. »1.1- ח״ב״ת heissi, von einem B. Jeliuda verlässt. 11ml in# LVrsisehe übersetzt ist, will der Berichterstatter drucken lassen.I l>as I>11111־ zerfällt in öS Kapitel und tlieiit die 1.ehren m| Wurzeln und Zweig»•, z. 11. 1. Uolt ist (Wurzel) 2, Einheit ' W’• i Ö. Kö1|11׳1׳losigkeit ׳ W.) 1. Erster (W. •"!, Ewigkeit (W.» ü. Herrj 1 Wurzel:. •Diese unlogische Anordnung zeigt »lie »Schwärmerei| für »las Werk als eine nicht berechtigte. > (rottosdienst, Weit• Schöpfung, Weisheit, Macht, Willen, Felilevlosigkcit sind Zweig׳ ■ Dass Prophetie im Allgemeinen als Zweig, Prophetie Mosisj als Wurzel bezeichnet wild, klingt persisch! Verantwortliche! dedacteur Br. Kahm«!׳, Magdeburg Druck von D. L. Woltf, Magdeburg. Verlag von Robert Friese, Leipzig