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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1885-04-23 · N° 17. (23.4.1885) · p. Seite 66

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
14 (1885)
Issue
N° 17. (23.4.1885)
Date
1885-04-23
Page
Seite 66 (sequence 2)
Language
German
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— 66 — Stunde der Schule auch das letzte Ständlein des Lemintere8ses geschlagen haben wird. § 24. So muss also die jiid. Religions-Schule, will sie nicht ihren Mandatar, das Judenthum, um die bedeutenden Opfer, die ihr gebracht werden, vollständig betrügen, sich entschliessen, schon innerhalb ihres Regimes auf die Mithilfe mittelbarer Interessen vollständig Verzicht zu leisten, um so mehr, als die ultima ratio des üblichen Schulregimes: Stock und Nachsitzen etc., am wenigstens geeignet sein dürften, Liebe zum Judenthum zu erwecken. — Sie kann dies um so lieber thun, als das übliche Schulregime nach den Gesichtspunkten von Lohn und Strafe noch ein Erbe der mittelalterlichen Jesuitenschulen ist. Der Begriff: ״Strafe“ gehört eigentlich gar nicht in die Pädagogik, weil auch der Begriff: ״Verbrechen“ darin fehlt. In den weltlichen Schulen wird man dies noch lange nicht durchführen, ob es auch schon anerkannt wird, denn Strafen ist viel leichter als Erziehen. ״Eine Stunde Arrest!“ oder ״Setz’ Dich in die zweite Bank!“ wie leicht ist das ausgesprochen; aber Erziehen, von innen heraus bessern, die Liebe des Zöglings erwerben, das Versäumte mit dem Schüler nachholen, den Zögling für den Unterrichts- Gegenstand erwärmen — das ist eben schwerer. Die Religions-Schule des Judenthums darf aber nicht das Leichtere wählen, weil es eben die Religions-Schule und die des Judenthums ist. Sie muss schon in ihrem Reiche nur solche Motive der Hingebung an die Lernfächer erregen und benutzen, die auch nach ihrem Schulleben noch fortwirken: also kein Setzen nach Leistungen, sondern nach dem Alter; Versetzen aus einer Klasse in die andere nicht unter dem Gesichtspunkte von Lohn und Strafe, sondern der Erspriesslichkeit; kein Nachsitzen für Versäumniss oder mangelhafte Leistung, sondern Nachholen, und nur Nachholen dessen, was unerlässlich zum Fortgange des Unterrichtos ist, und, was die Hauptsache ist: eine Regierung durch Liebe, weniger zum Lehrer, denn das ist in der kurzen Unterrichtszeit der Religions-Schule nur in beschränktem Masse möglich, als durch Liebe zum Lehrgegenstande. Ich möchte sagen: es sei ״ ,אהבה שהיא תלויה בדברeine Liebe, die an der Sache hängt“. Der Schüler muss in unserer Religions-Schule einen Liebes-Bund schliessen mit dem Judenthum, der das Schulleben überdauert; der Prüfstein hierfür aber wird sein, ob der Schüler mit einem ״Auf nimmer Wiedersehen“ die Religions-Schule und den Religion3- Lehrer verlässt, oder ob er nach einer Fortbil düng im Religionsunterricht ein freies Verlangen tragen wird. Nur wenn das Letztere der Fall ist, wo der Schüler mit einem lebhaften Interesse für jüdisches Wissen die Religions-Schule verlässt, kann davon die Rede sein, dass diese sich ihrer Aufgabe entledigt hat. (Portsetzung folgt.) Bilder aus dem Oriente. Von Oberlehrer J. Rosenmever, in Mainz. Türken den Zutritt und nur zu gewissen Zeiten ist es den Juden erlaubt, durch eine kleine, in der Ringmauer befindliche Oeffnung, nach den Vorhallen hineinzuschauen und zu beten. Die Eingänge zu dieser Moschee sind aut mehreren Stufen und auf der ersten Stufe zur Linken des ersten Einganges ist das Grabmai des berühmten Ramban. Die jüdische Tradition findet in Hebron ausser dem Grabe Adams, noch die Gräber Abners, Isboseths und Isai’s. Wir besuchten das Grab Abners, stiegen eine Stiege abwärts und befanden uns in einem geräumigen Zimmer, das die Form eines Parallelogrammes hatte und fanden in einer entfernten Ecke das Grab. Namen fanden wir auf diesen Grabsteinen in Hebron nirgends geschrieben. Im Westen der Stadt befindet sich das Grab Isai’s. Wir gingen zuerst über den türkischen Gottesacker nach jenem uralten stämmigen Baum der Pistazien. An den Zweigen hingen eine grosse Menge Kätzchen. Wendet man sich mehr südlich, so kommt man zu einem Brunnen, der den Namen des Vaters Abraham führt, sowie zwei andere im Thale, der eine nach Isaak, der andere nach Jacob benannt. Viele Stufen führen zu dem Abrahamsbrunnen. Da schöpften soeben Frauen und Jungfrauen die grossen irdenen Krüge voll, die sie auf dem Kopfe zur Stadt trugen, einzelne Männer füllten grosse Schläuche, womit sie ihre Esel beluden. Das Abendessen genossen wir bei einem Glaubensgenossen unter einem Weinstock, dessen Stamm ungefähr I'/, Fuss im Durchmesser hatte. Von hier aus begab ich mich in meine Wohnung zu einem Israeliten, da ich mehrere Tage in Hebron noch verweilen wollte. Es giebt hier in Hebron etwa 500 Juden, die aus Polen, Ungarn, Russland und Spanien entstammen. Mehrere von ihnen besitzen ausser dem eigenen Hause auch Oel- und Weingärten, sowie andere Grundstücke. Hebron hat 2 Synagogen eine aschkenasische und eine sephardische. Ich vermag es kaum zu schildern, wie sehr ich mich freute, auch am Sabbath hier in Hebron verweilen zu können. Es war Freitagabend und wir aus der Synagoge mit unserem Wirthe heimgekehrt. Man brachte Wasser zum Waschen, und nach dem Kidusch einen Teller voll lieblich duftender goldgelber Orangen, und eine Flasche köstlichen Weines. Nach dem Mahle führte mich mein Wirth hinaus ins Freie und nach wenigen Schritten hatten wir den Hain Mamreh erreicht. Am folgenden Tage besuchten wir wieder die Synagoge. Hier fielen uns ganz insbesondere die jüdischen Frauen auf. Sie trugen alle weisse Kleider, hatten ein Stück weisses Zeug schleierartig um den Kopf geworfen und unter den Knieen zusammengebunden. I _ Errata des Maimonides. I. Jod hacbasaka. Von Kabbiuer Dr. Caro-Pilsen. II.*) Die Häuser des jetzigen Hebron liegen im grünen Grunde und sind ringsherum von Oliven, Feigen und Weingärten umgrenzt. An der Ostseite der Stadt zeigt man die Höhle Machpelah, die Doppelhöhle, wo Abraham, Sara, Isaac, Rebekah, Lea und Jacob begraben liegen. Ueber diesem Grabmal erhebt sich stolz eine Moschee, deren Erbauung auf die Kaiserin Helena zurückgeführt wird. Keinem Menschen eines fremden Glaubens gestatten die *1 Fortsetzung von No. 12־. Maimonides citirt: 10. H. Sota 4.2 (Fortsetzung.) Es muss heissen: והקריב אתה הכהן.16 והצמיד אתה הבהן 17 H. Nesirut 2.19 ב־ דור נדר נזיר (4 M. 5,16.) בי יפלא לנדר נדר נזיר .17 (4 M. 6,2.) IS. ibid 5.2U וטמא את ראש נזרו 19. H. Jesode Tora 7.6 וישמע קול המדבר וטמא ראש נזרו.18 (4 M. 6,9.) וישמע את הקול מדבר .19 (4 M. 7.89)

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