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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1885-04-16 · N° 16. (16.4.1885) · p. Seite 64

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
14 (1885)
Issue
N° 16. (16.4.1885)
Date
1885-04-16
Page
Seite 64 (sequence 4)
Language
German
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- 64 — der mährische Lehrerverein hat mich eines Bessern belehrt. Man übersetzt in dem schon citirten C. 1 V. 11: ״Die Erde lasse spriessen Sprossen.“ Nun spricht man wohl von Sprossen einer Leiter, von Sprossen eines Geweihs, von Sprossen eines Adelsgeschlechtes, aber dass man, um ein ganz überflüssiges Wortspiel hervorzubringen, Kindern von 6—8 Jahren, denn für solche ist ja das Buch berechnet, für Gras den Ausdruck ״Sprossen“ aufpropft, ist eine Erfindung, die nur einem besprossten Kopf entsprossen kann. Dass es pädagogisch ist, C. III V. 17 zu übersetzen: ״Mit Schmerz sollst Du sie verzehren (die Erde)“, hätte ich nicht gedacht; doch weiche ich ('er bessern Einsicht eines solchen Tribunals, wie der mährische Lehrerverein es ist, und will künftig glauben, dass es dem Kinde verständlicher ist. wenn man sagt, die Erde essen, statt, wie Mendelssohn sagte: von ihr sich ernähren, oder: Du sollst davon essen, wie Zuuz übersetzt. Uebrigens haben die Herren ihre Kenntnisse genau so verdaut, als hätten sie Erde gegessen; denn sonst wäre es unerklärlich, wie man für pädagogische Zwacke C. 1, V. 20 übersetzen kann ״Es wimmle Gewimmel“. Wie schön der Stabreim ist! Es bimmelt Gebimmeh in deinem Kopf, löblicher mährischer Lehrerverein. Nun sollte man doch ein Recht haben zu erwarten, dass Herren, die in der Cultur so vorgeschritten sind, dass sie das Wasser oberhalb der Ausdehnung nicht vertragen können, dass solche Herren wenigstens zum Theil mit moderner Wissenschaft vertraut sind. Aber weit gefehlt — Sie machen sich das viel bequemer. Wie sie in ihren religiösen Anschauungen der rationalistischen Schule des vorigen Jahrhunderts ganz ergeben sind, haben sie vergessen, in der Wissenschaft einen Schritt vorwärts zu thnn. Sie bleiben noch immer bei der längst veralteten Ansicht des Waw eonversivum stehen und hüten sich daher, das Waw im Anfänge der Sätze durch ״und“ zu übersetzen, weil sie nicht wissen, dass ein solches Waw nur auf ein vorangegangenes Perfect, folgt und nach dem Vorgänge aller Uebersetzer mit ״und“ gegeben werden muss. Von dem Relativsatze, bei welchem nach dem Beispiele des Englischen das Pronomen fehlt, haben sie keine Ahnung. (Ges. § 12.% 3) und übersetzen daher C. 1,9 ״Es sammle sich das Wasser unter dem Himmel“ statt ״das Wasser, welches unter dem Himmel ist“. V. 20 ״Und Geflügel fliege auf der Erde“ statt ״und Geflügel, welches fliegt,“ während doch nur so die Dreitheilung verstanden werden kann, die ähnlich wie bei den Pflanzen, unterscheidet zwischen grossen Landthieren, zwischen kleinen, die sich bewegen aut der Erde, und den Vögeln, die fliegen über der Erde. Man sollte meinen, dass wenigstens äusserlich das Buch dem Bedürfnisse der Schuljugend entspricht. Aber weit gefehlt. Dazu sind die Herren zu gelehrt, um sich darum zu kümmern. Der Druck ist schlecht, die Accentzeicheu sind weggelassen, ohne dass man es für uöthig befunden hätte, dafür die Milel-Zeicheu zu setzen. Auch au kleinen Druckfehlern ist kein Mangel, S. 10 steht Sch’wa für Segöl, S. 32 fehlt das Metheg u. 8. w. Dass das nicht rein zufällige Momente sind, lehrt der Umstand, dass in ויהרגהו C. IV V. 8 und 4 ,10 מחלכיהן je ein Dagesch am Unrechten Orte steht. Kennen die Herren Mitglieder des Lehrerve-eins denn den Satz aus den Sprüchen der Väter nicht: ״Die Massora ist ein Zaun für die Lehre?“ Die Massora thut nichts ohne Grund und wenn Sie, geehrte Herren, erfahren wollen, warum hier kein Dagesch stehen darf, so schlagen Sie Gesenius § 10 b nach, oder einen der älteren hebr. Grammatiker, etwa Zachot im Anfänge. Die gegenüberstehende Uebersetzung 8011 dem Bedürfnisse der Repitition genügen, ist aber so eingetheilt, dass man die Uebersetzung nicht bedecken kann, ohne den Text mit zu überdecken. Kurz, es ist das Ganze so, als hätten sich die Autoren Mühe gegeben, es so unbrauchbar als möglich zu machen. Und dabei wollen die Verfasser eine Unterstützung vom mährischen Landesmassafonds, um dieses ״gemeinnützige“ Werk verbreiten zu können! Wir glauben, dass das Curatorium gar nicht in der Lage ist, aus den für jüdische Cultuszwecke zur Verfügung stehenden Mitteln ein derartig veifebltes Unternehmen noch subventioniren. Zu bedauern ist, dass einem Vereine, welcher ein. solches Machwerk als officielle Publication von sich giebt, ein Mann von gelehrtem Wissen, wie Dr. Eisler in Nikolsburg, und ein anerkannter Pädagoge wie Bon di in Pohelitz, angehören, ohne, wie es scheint, auf desseu Producta Einfluss zu nehmen. Leider sind oft Gelehrte schlechte Lehrer und Pädagogen schlechte Schriftsteller. Dr. J. Deutsch in Brünn Gymnasial-Lehrer für israel. Religion und Mitglied der k. k. Prüfungskommission für Volks- und Bürgerschulen. Vergleichende Datum-Tabellen auf 210 Jahre de* jüdischen und allgemeinen bürgerlichen Kalender* (d. i. vom Jahre 1784 bis zum Jahre 2000 (תקמ״ה ־תשס״א). Berechnet und herausgegeben vom Rabb Salomon W. Freund in Wien. Ca. 50 Bogen, Folio Pränumerationspreis 8 M. Es gehört ein besonderer Muth dazu, heute ,-wo es an derartigen Tabellen durchaus nioht mehr fehlt, die Zahl derselben noch zu vermehren. Naohdem der geehrte Herr Verfasser sich jedoch durch vorerwähnten Umstand nicht hat absohrecken lassen, wäre es zu wünschen, das ihm eine Enttäuschung — Eulen nach Athen getragen zu haben — erspart bleiben möchte. — Der mit einem Prospecte versandte Probebogen enthält die Vergleichung des כ״ ה mit den bürgerlichen Daten der Jahre 1784—2000 nebst Angäbe der Wochentage. Eine genaue Prüfung dieses einen Probebogens hat Irrthümer nioht ergeben. Die Brauchbarkeit der Tabellen dürfte jedoch dadurch beeinträchtigt werden, dass jede Seite nur die Vergleichung eines jüdischen Datums mit dem entsprechenden bürgerlichen durch sämmtliohe 216 Jahre bietet. Wären nun 2 oder mehrere Daten desselben Monats oder Jahres zu vergleichen, so hätte man eben so viele Seiten nachzusohlagen, was in keinem Falle bequem wäre. Ferner dürfte der Umstand, dass nur das jüdische Datum zum Ausgangspunkte der Vergleichung genommen, und nicht auoh der umgekehrte Fall berücksichtigt ist, das Werk für die allgemeine Praxis nooh mehr entbehrlich machen Bei der heute — wenigstens in Deutsohland-Oesterreioh — üblichen amtlichen Führung der Matriken dürft* ein Fall, worin für kommende Jahre ein jüdisches Datum umgereohnet werden müsste, zu den Unmöglichkeiten gehören, wogegen das Bedürfnis soloher Tabellen für den umgekehrten Fall bei Unkenntniss der hebräischen Sprache und Schritt aus religiösen Gründen sich schon von selbst ergeben würde, z. B bei Jahrzeiten, Barmizwah’s u. s. w Uebersichtliohkeit, Druck und Ausstattung der Tabellen lassen nichts zu wünschen übrig. L. C. Verantwortliche! KeiWteuv Dr. Rah in er . Magdeburg. Druck von D. L. Walt f, Magdeburg. Verlag von Robert• Friese, Leipzig.

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