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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1885-04-16 · N° 16. (16.4.1885) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
14 (1885)
Issue
N° 16. (16.4.1885)
Date
1885-04-16
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jüdisches Litteratur-Blatt. imr Beleuchtung all«r Jedenthem und Juden betreffenden IltterarlNrhen Kr• •fheinunfen auf dem Gebiete der Philo• aephle, Geschieht«, Ethnographie, Theo• logle» Orientalin, Exegese, Homiletik, Liturgik, Pädagogik. Herausgegeben von Rabbiner l)r. Moritz Rahmet. 9T£a<39<׳C>nt1j, 16 fltptil 1SS5 Bicher der eittichüglgen Lltter»tur,nelrhe der Bedactlon «ngenaudt werden, Anden in diesem Blatte eingehende Besprechung. Bei Kinuendung ron sw ei Recenslenn• Exemplaren erfolgt einmalige knne Oratis-Insertton. Das ״Jfldi8ch© Lltteratnr •BUtt« erscheint wöchentlich in einem halben Bogen Preis bei allen Buchhandlungen (in Leipzig bei Robert Friese) pro Jahrgang 8 Mark. Abonnenten der ״Israelitischen Wochenschrift״ (die vierteljährlich bei »llen Postanstalten und Buchhandlungen 8 Hark kostet) erhalten das ״Jüdische Litteratur-Blatt“ gratis. — Inserate werden mit 25 Pt• für die gespaltene Petitsseile, Beilagen mit U Hark, berechnet und sind an die Expedition dieses Blattes zu senden. MT Buchhändler, welche direct oder durch Robert Friese in Leipzig Inserate einsenden, erhalten 25 Rabatt. 9־■ In 11 alt: Wissenschaftliche Aufsätze: Reoiganisation der jüd. Religionsschule auf Grundlage der Heroart-Ziller’sche Pädagogik. Von Dr. J. Gold Schmidt Weilburg. Litteraturbericht. Recensionen: Die Lösung der Paradiesfrage von Moritz Engel.-- Toldoth Aboth, Auszug aus dem ersten Buche Moses. — Vergleichende Datum- Tabellen auf 216 Jahre des jüdischen und allgemeinen bürgerlichen Kalenders. Nachdruck nur mit Broiler Quellenangabe gestattet. Reorganisation der jüdischen Religionsschule auf Grundlage der Herbart-Ziller’sche Pädagogik. Von Dr. J. Goldschmidt-Weilburg. (Fortsetzung.) § 16. Woran sollte sich sonst Liebe und Begeisterung für’s Judenthum entzünden lassen? — Die Gegenwart ist nichts weniger als Liebe und Begeisterung erweckend; wer das Judenthum aus der Gegenwart ohne Kenntniss der Vergangenheit beurtheilta, müsste ein Antisemit werden. — Die Zukunft des Judenthums ist nichts Reelles, sondern nur Gegenstand unseres Glaubens und unserer Zuversicht. Glaube und Zuversicht für die Zukunft des Judenthums setzt aber Liebe und Begeisterung für dasselbe voraus. — Aber unsere Vergangenheit ist gross und herrlich;die Gesohichte des Judenthums ist dieGeschichte des Monotheismus. In das jüdischeAlterthum muss unsere Jugend eingeführt werden: das ist die einzige ewig frisch sprudelnde Quelle der Liebe und Begeisterung fürs Judenthum. — Die ganze Cultur der Menschheit hat ihre Wurzeln in dem Boden das jüdischen Alterthums: das müssen unsere Kinder nicht aufs Wort glauben, sondern sie müssen sich davon selbst überzeugen, indem sie ins jüdische Alterthum eingeführl werden, indem ihnen in der hebr. Sprache auch der Schlüssel zum jüdischen Alterthum und zur ganzen jüdischen Geschichte gegeben wird. — loh wüsste nicht, wie man in den Kindern indifferenter jüdischer Eltern, ohne jüdisches Leben, Liebe und Begeisterung fürs Judenthum anders erwecken wollt«, als dadurch, dass man sie im jüdischen Altertlmm heimisch machte. — Zum jüdischen Altorthum gehört aber nicht bloss die heilige Schrift, sondern auch die Sprache der heiligen Schrift. So wenig wie jemand in das griechische Alterthum ohne Griechisch, so wenig kann jemand in das jüdische Altertbum ohne die Ursprache der Bibel eingeführt werden. —■ Die hebräische Sprache ist ja mit ein Theil des alten jüdischen olkslebens. — § 17. Ich wollte hiermit nur beweisen, dass die heilige Schrift in der Ursprache vollständig genüge, um durch sie die Aufgaben der Religionsschule ganz zu lösen. Ein solcher Bibel-Unterricht würde nicht ein ״Bibel - Ueber8etz en“ sein, sondern ein Bibel- Lesen“ in dem Sinne, wie man auf Gymnasien etwa den Homer liest. So wenig neben Homer- Lektüre jemals homerische Geschichte und homerische Mythologie als besondere Fächer nöthig wären, so wenig kann neben einer rechten Bibel-Lektüre noch ״Religion“ und ״Biblisohe Geschiohte“ nothwendig erscheinen. Ohne Zweifel ist die klassische Quelle das beste Unterrichtsbuch. Es wird freilich Sache des Lehrers und der Methode, die wir noch ausführlich besprechen werden, sein, aus der Lektüre die religiösen und geschichtlichen Daten zu entnehmen und zum System zu coustruiren. — Gegen die Zulängliohkeit eines rechten Bibel- Unterrichts zur Lösung der Aufgabe der jüd. Religions- Schule dürfte nach dem Gesagten wohl kein Einwand zu befürchten sein; es gilt da einfach: הפך בה והפך בה הכלא בה (Aboth 5,25). § 18. Die Frage kann aber umgekehrt sein: wird dadurch die Aufgabe der Religionsschule nicht mehr erschwert, als erleichtert? — Ich bin der Ansicht: die Aufjgabe wird einerseits erschwert, aber andererseits in einem so unverhältnissmässigem Grade erleichtert, dass die Erschwerung gar nicht in Betracht kommen kann. Erschwert wird es einerseits: denn jede noch 80 kleine gründliche Arbeit ist schwerer, als jede noch so grosse oberflächliche Arbeit. — Aber man bedenke die Erleichterung: 1. für den Schüler, der nur auf einen Gegenstand seinen Geist zu concentriren, und nicht ewig im Kreise eines Scheinunterrichtes sich zu drehen gezwungen ist; 2. für den Lehrer. Ein guter jüdischer Religionslehrer muss nämlich jetzt ein Universal- Genie sein: ein Philologe für Hebräisch; •in Philosoph für Religion, denn unsere Religionsbücher sind gar arg philosophisch, und endlich ein guter Krzähler und Geschichtsforscher für biblische Geschichte. Nebenbei freilich noch ein wenig Geograph und Sänger und noch manches. Ich übertreibe gar nicht: man kann der grösste fachwissenschaftliclie gelehrte Rabbiner sein und man hat doch mit der Vorbereitung für die Religions-Schule bei jetzigem Lehrplan seine gründliche Last.

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