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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1885-01-29 · N° 5. (29.1.1885) · p. Seite 20

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
14 (1885)
Issue
N° 5. (29.1.1885)
Date
1885-01-29
Page
Seite 20 (sequence 4)
Language
German
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Der Parteien Hass und Hader entrückt — zugleich aber auch von Irren and Fehl geläutert steht das Bild des verstorbenen Stein vor den Ueberlebenden. Dass er die deutsche Sprache meisterhaft beherrscht hat, dass er ein Dichter-Rabbiner gewesen ist, hat man ihm auch bei seinen Lebzeiten schon zngestanden. Dass aber seine Seele sich so innig in den Talmud eingelebt hatte, dass sie ihn nicht allein bewunderte, sondern in ihm den Boden verehrte, aus welohem ihr Himmelskost emporsprosste, das hat man trotz seiner Schriften während seines Lebens auf gegnerischer Seite nicht glauben wollen. Jetzt aber kündet jede Seite der vorliegenden Schrift, dass nicht das Judenthum allein, dass es das talmudische Judenthum ist, ״ mit dessen Seele seine Seele verknüpft war“. Als Beleg sei aus dem I. Cyclus ״Rabbi Akiba* die No. 5 ״Der Halachist“ angeführt: Zwei Ströme ziehen ins Talmudmeer — Zwei Strassen ziehet das Talmudheer; Die Eine ist Ifalacha geheissen, Das ist die gebahnte Strasse der Weisen, Wozu sie die Steine gmiMtesett־ haben, Wozu sie den Grund aas der Thora gegraben-, Und jeder Stein ist Lebensnorm, Und jedes Stäubchen Geaetzest’orm. — Da sitzen die Jünger von Eifer entbrannt, Im Halbkreis, den sie den ״Weinberg“ genannt; Denn der Wein des Gesetzes gaehrt nier in der Kelter, Der herrlicher wird und besser, jeälter. Mächtig muss auf ein jugendliches Gemüth gar Vieles aus diesen Gedichten wirken, z. B. II. Cyolus ״Rabbi Akiba“ No. 6: ״Schema Jisrael“: ״Schema Jisrael!“ Du heiliges Lied, Das durch die Jahrtausende mit uns zieht; Das getragen unsere Sänger und Seher, Das gerüstet unser Hasmonaeer n. s. t. Wir grüssen Dich heilig am Feueraltar, Wo Rabbi Akiba das Opfer war. Wir schwören, Dir ewig treu zu sein, Bis alle Menschen ein Bruderverein; Bis keine Opferstätte mehr raucht u. s. t. Bis in der Wahrheit einig die Erde, Im Licht ihr Freiheit und Frieden werde! Welch’ neue Ausblicke eröffnet ״Sabbathverehrung“ dem Kinde eines modernen ״noch“ jüdischen Hauses mit dem modernen Schluss: Wer das heilvermehrende Sabbathgesetz In die Fluth des Lebens einsenkt als Netz, Wird mehr als fürstliche Güter erwerben, Wird Segen und Freude und Frieden vererben. Ebenso ergreift ״Ne'ila“. Ein Erlebni8s seines greisen Vaters, den am Parschas Sachor eine christliche Nachbarin anf ihrem Kirchgänge zur Synagoge leitet, eröffnet dem ״Denk’ daran“ einen neuen Horizont, den der Dichter leider nur angedeutet hat Doch trotzdem kann jeder jüdische Lehrer seinen Schülern, jeder jüdische Vater seinen Kindern das Buch in die Hand geben. Es wird dem Judenthume Bewunderer und treue Anhänger erziehen helfen. Ein kurzer biographischer Abriss ist der Vorrede von dem Herausgeber beigefügt worden, der sich den Dank der Jungen und der Alten durch sein pietätvolles Mühen erworben hat. Coblenz. Lewin. d/Wr־ lejana zu Oxford unter den Manuscripten der Ö’cpr heim’schen Bibliothek 8ub No. 823 unter dem תולדות יצחק ruht. Die Schrift שערי ציק selbst wu! zuerst in Berliner’s Magazin für die Wissenschaft de» Judenthums nach einem Manuscripte veröffentlicht (cf. Berliner, Magazin etc. III Jahrg. S. 54—77) Der incorrekte Text erregte die Aufmerksamkeit des gelehrten Herausgebers der Pesiktr.. Seine orientirenden und corrigirenden Noten fanden gleichfalls Platz in der oben citirten Zeitschrift (cf. ib. Hl. Jhrg. S. 228—229). Uns liegt demnach ein Separatabdruck vor, bereichert durch quellenmässige Belege und sehr sorgsam 0011ationirte, textkritische Noten des ebenso gründlichen wie gelehrten Herausgebers. Benutzt wurde des de Lattes historische Einleitung von den Verfassern des Schalschelet hakkabalah, Seder haddoroth, Kore haddoroth und des Schern haggedolim. Für Asulai in seinem Schern haggedolim ist unser Verfasser ein Anonymus, dessen Schrift er ganz unbestimmt כ״י ישן גושן oder doch in analoger Redensweise citirt. Der Herausgeber hatte nunmehr strict zu erweisen, dass der von Asulai citirte Anonymus wirklich mit unserem R. Isaac de Lattes identisch sei. Dieser Nachweis war nicht leicht zu erbringen, weil die Angaben unseres Autors zum grössten Theile nicht nur ihrem Inhalte, sondern anoh ihrem Wortlaute nach der Einleitung des R. Menacljem ben Salomo aus Perpignan (Me'iri) zum Traotate Aboth entnommen aind. Letztere war bereits im Jahre 1300 vollendet. Was bei Asulai als Abweichung vom Texte Meiri’s sich zeigt, stimmt genau mit den Worten unseres de Lattes überein. Hätte die Wissenschaft viel eingebüsst, wenn des de Lattes שערי ציק nicht im Druck erschienen wäre? Schwerlich! Was de Lattes nicht aus Me'iri schöpft (Me'iri ist ausführlicher), findet sich entweder in Maimuni's Einleitung zu seinem Mischnah-Commentar oder im ה, הספד) בה״ג) oder in dem von Jellin^k edirten Midrasch עשר גליות (of. Jellinek, Beth hammidrasch IV.) Auch dem Machsor Vitry und Josippou ist je ein Passus entnommen. Die eigene Zuthat unseres Autors reducirt sich demnach auf ein Minimum. Gleichwohl haben diese Blätter nicht nur bibliographischen, sondern auch wissenschaftlichen Werth. Letzteren verdanken sie ausschliesslich Buber’s zahlreichen textkritisohen historischen Noten. Vielleicht hätte es sich empfohlen, die Texte von Me'iri und da Lattes parallel neben einander zu stellen und die beiderseitigen Varianten und Corruptelen nur äusserlich zu markiren. Dass die Bemerkungen nicht an der Oberfläche haften, sondern tief bis auf den Grund dringen, dafür bürgt die Akribie und die sach- und fachkundige Schaffenslust Salomon Buber’s Sohrau O.-S. Dr. Immanuel Deutsch. . Notizen. האוצר •י heisst eiu Lexicon für Bibel und Mischna vor S. J. Fiiin in Wilna, welches der Buchhändler Zuckermann herauszugeben begonnen hat. Es soll in 18 Lieferungen ä 5 Bogen — t r. v . . . hat aber bishei שערי ציון Beitrag zur Geschichte des Judenthums bis zum Jahre 1372 von R. Isaac de Lattes mit Anmerkungen und einer Einleitung versehen von Salonion Ruber. .Tsroslau 1885. 48 S. x. noch nicht genügend Abnehmer gefunden. -• Von Herrn Clermont Gauueau ist. ein Werk im Drucke : die archaeologischen Schwindeleien in Palästina falsche Moabitica in Berlin, Sehapira's Deuteronomium uml sonstige zweitelhafte Alterthümer.) Ilabent sua fata libelli. Diese Scbrilt ist eigentlieh nur eine Einleitung zu einer grösseren Arbeit desselben Verfassers, welche z. Z. noch in der BodtITeidenglaufer, Berlin NW. TT PUntno’8 \ 15 Mark monatlich. Beil-Orgeln j Katalog gratis. Verantwortlicher Redacteur l)r. Rahmev, Magdeburg. Druck von D. L. Wollt', Magdeburg. Verlag von Robert■ Friese, Leipzig,

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