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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1885-01-22 · N° 4 (22.1.1885) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
14 (1885)
Issue
N° 4 (22.1.1885)
Date
1885-01-22
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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H■ Jüdisches ,lal1rg• - - ffitteratur-Blatt. *■r Be)«De,tun״ J«de11thnm und J«4ea betrff*nde* Htternrtachen Kr• •ehefnaifiir- *uf dem Gebiete der Philo• sophlp. .*Mehlehte, Ktlinognphle, Theo• 10*1•' OrienUlU, Ex«g««e, HomMetlk, Mturxlk, Pi.U^oglk. Herausgegeben von Rabbiner l)r. Moritz R&iimer. 9Ra<j 9c6״t<j, 22 3cm-uat885' ׳. H&rl1er11er«1114cl1lüt(ige11 l.tlterjitur.walrli) der Kedertion ■ageHandt werden, Anden ln dienen)!Hatte eingehende Uungree!1ung. Bel Kineendunv «on nnrel Itecensloiin- Kzempiaren erfolgt einmalige kurze tiratU-Innertlon. יו^יי״י(.!״ r» io)-j.._ .! ,,»»-ו_1 —u - 1- —* ״ .1 , : ו• __ u-11_d_... 1»_: ״ DtiB nenuiDoue 10)tv1n1u1׳*u1nvel elauuemt! w u»; 11 ou 0111>u ui eiilom uaiuen ouzöo z F615 uv! Hlluu----״-v— Leipzig bei Robert Friese) pro Jahrgang 8 Mark. Abonnenten der ״Israelitischen Wochenschrift“!die vierteljährlich bei allen Postanstalten und Buchhandlungen 8 Mark kostet) erhalten das ״Jüdische Litteratur-Blatt“ gratis. -־ Inserate werden mit 86 Pf. für die gespaltene Petitzeile, Beilagen mit 16 Mark, berechnet und sind an die Expedition dieses Blattes zu senden. BOt' Buchhändler, welche direct oder durch Robert Friese in Leipzig Inserate einsenden, erhalten 25 )C Rabatt. In 11 alt: Wissenschaftliche Aufsätze: ״Gedanken eines Juden“, beleuchtet von Dr. Kroner, Rabb. in Brandenburg a. d. H. Betrachtungen über Eduard von Harlniann's: ״Das Judenthum in Gegenwart und Zukunft“. Von Dr. med. Scherbel in Lissa. (Schluss.) — ״Graul Egyptens“. Exegethische Studie von Rabbiner Dr. Caro, Pilsen. Litteraturberieht. Recension:Die MedicinderTalmudisten. Notiz. — I nserat. Nachdruck nur mit ■voller Quellenangabe gestattet. ״Gedanken eines Juden“, beleuchtet von Dr. Kroner, Rabb. in Brandenburg a. d. H. n*) l \ Der Verf. beginnt mit der Behauptung, dass ״ ץzwar die früheren Beschränkungen der bürgerlichen I und staatsbürgerlichen Rechte im Deutschen Reiche Laufgehoben seien, die thatsächlichen Beschränkungen ^w3er, die sich für die Juden aus der Verschiedenheit ^Hires und des christlichen Bekenntnisses ergeben, ■portbestehen, weil die Juden eine winzige Minorität ■1m Reiche bilden, das ganze Leben in Staat und Gesellschaft sich nach den Bedürfnissen der Christliehen Bevölkerung gestaltet habe und diese den massgebenden Factor ausmachen — ein Sachstand, der die Juden hindere, ihre Kräfte derartig frei zu bethätigen, wie die Christen es vermögen. Den Fortbestand thatsäcblicher Beschränkungen einer jüdischen Minorität im Staate mit der Verschiedenheit ihres und des christlichen Bekenntnisses zu begründen, erscheint sofort — um den gelinde- 8ten Ausdruck zu gebrauchen — haltlos, wenn die erfreulichem Verhältnisse der jüdischen Minorität und die freieste Bethätigung ihrer Kräfte in mehrern ausserdeutschen, richtiger ausserpreussischen, Ländern, wie beispielsweise Frankreich und England, in Betracht gezogen werden. Sind die Juden in Deutschland etwa in irgend einer Hinsicht minder gut befähigt als diejenigen in England und Frankreich, oder hängen diese weniger treu dem Judeuthum an als jene? — Was der Verf. weiter darbietet, sind im Wesentliehen Erläuterungen seiner ersten Behauptung, sowie Folgerungen aus derselben. Da nun bekanntlich der Werth solcher Darbietungen dem Obersatz entspricht, der ״Gedanken“-Obersatz jedoch zur Genüge, wenn auch nur in Kürze, gekennzeichnet ist: so könnten wir hier eigentlich schon die Feder niederlegen; in Rücksicht auf die Eigenart der ״Gedanken“ des Verf. und ■ der ihm gleich qualificierten Denker jedoch wollen wir 1 *) In 1., No. 1, S. 2a 11. Bl. bitten wir zu lesen: Ootav- I blätter statt Folio blätter. nioht nur seinen Obersatz noch ausführlicher würdigen, sondern auch seine weitern Kundgebungen ohne Ausnahme sorgfältig besprechen. Dem Verf. fällt es zweifellos schwer, sich die Frage zu beantworten, warum die Israeliten vieler Staaten ״allgemach aus den Handels- und ähnlichen Geschäften zurücktreten und in der gebildeten Bevölkerung als abgesonderte Theile verschwinden“, wie sich jüngst Prof. Carl Vogt bezüglich der ״Juden in Frankreich äusserte. Nun, diese wünschenswertem Zustände der betreffenden .luden lassen 8ioh kinderleicht erklären: Die volle Gleichberechtigung derselben ist nioht nur theoretisch (auf dem Papier) anerkannt, sondern auch praktisch (im Leben) durch geführt, und zwar schon verhäl.t.n.i.8 8 massig lange Zeit. Iäl das aber auch in Deutschland, namentlich in Preussen, der Fall? Hören wir darüber nur Prof. Hänel, der im preussisehen Abgeordnetenhause am 20. November 1880 u. A. sagte: ״Verlangt man denn Wunder vom Himmel? Wie, wir sollen die Juden mehr als ein Jahrtausend geknechtet, mit Füssen getreten, wir sollen sie nach Bedarf todtgeschlagen, wir sollen sie ausgestossen haben aus unserer nationalen Gemeinschaft, wir sollen sie gezwungen haben, gewisse bürgerliche Erwerbszweige ganz ausschliesslich zu betreiben — und dieser mehr als tausendjährigen Vergangenheit gegenüber will man die Forderung aufstellen, dass die Rück- Wirkung derselben mit einem Schlage beseitigt sei! Die Emancipatiou der Juden in Deutschland datirt seit kaum einem Lebensalter, ja die volle Emancipation derselben seit kaum einem Jahrzehnt. Vor allen Dingen sehe man sioh diejenigen unserer jüdischen Mitbürger an, die mit dem vollen Einsatz ihres Geistes, ihrer Kraft, ihres Talents gewirkt haben in der Schule, in der Gemeinde, in den Parlamenten, in allen möglichen Lebensstellungen und Lebenskreisen! Man sehe sich gerade diese Juden an, die das nämliche volle Verdienst für sich in Anspruch nehmen können, welches jeder für seine Arbeit im öffentlichen und privaten Leben in Anspruch nimmt.“ Diesen Auslassungen des Prof. Hänel reihen wir einige Worte des weltberühmten Baronet Moses Montefiore — eines streng-frommen Juden — an; er, dessen Worte in Palästen und in Hütten wohl etwas mehr gelten als die ״Gedanken“ des namenlosen Verfas8ers, sagte gelegentlich seiner Erhebung in den Ritterstand — Knighthood — und seiner Inauguration als Sheriff in Gegenwart der Königin Victoria und vieler Grossen des Landes in seiner, von Beifallsrufen 4

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