Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 14 (1885)
- Issue
- N° 1. (2.1.1885)
- Date
- 1885-01-02
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/6492408-5990839-5991062--0567-5367906- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
— 4 — sich das Bach, gegen Grätz, auf Seite derer, die diese Frage bejahen. Nun soll das aus der Uebereinstimmung zwischen dem fraglichen Commentar und dem Sepher hajessodoth bewiesen werden. Diese Uebereinstimmung wird in der "Weise ersichtlich gemacht, dass zuerst eine ״Inhaltsangabe des Commentars zum Buche der Schöpfung“ und gleich darauf eine ״Inhaltsangabe des Sepher hajessodoth“ gegeben wird. Der Leser mag nun sehen, ob es äbereinstimmt oder nicht. Der Inhalt der beiden Werke läuft aber gar nicht parallel, dabei ist die Ausdrucksweise des Buches so unbestimmt, uncharakteristisch, dass ich bei Vergleichung der beiden Kapitel mich recht zusammennehmen musste. Und da wurde ich von dem Resultate überrascht: קטגור נצשה סנגור, gerade diese Vergleichung ist eine Stütze für die’ Grätz'sche Negation der Autorschaft 1.8. — Freilich hat das Buch auch Uebereinstimmungen gefunden, z. B (S. 33) ״Der Verfasser des Jezira-Comm. ist auch, wie Israeli, gegen die Ansicht des Aristoteles von der Ewigkeit der Welt und schloss sich Israeli’s Theorie der Schöpfung aus dem absoluten Nichts durch den blossen Willen Gottes an.“ Traut man da seinen Augen? Dass die Welt ״nicht ewig“, sondern von Gott ״aus nichts“ geschaffen, ist eine Theorie Israeli’s? Das ist eine Theorie Israel’s, und nicht• Israeli’s! So geht es aber in dem Buche weiter. ״Was war aber die Veranlassung zur Weltschöpfung? Hier wieder Israeli’s Ansicht. ״Gott hat die Welt erschaffen um seiner Güte willen und erhält sie auch aus Güte und Gnade.“ Bei solchen lndicien könnte man jeden beliebigen Israeliten zum Verf. des Jez. Comm.’s machen. — In dem Sepher hajessodoth, da weht gleich eine andere Luft. Hören wir den Verf. selbst (S. 36): ״Inhaltsangabe des ספר היסדות. Israeli zeigt sich in diesem Buche als grossen Kenner griechischer Philosophie: Aristoteles, Demokrit etc. Israeli ist . . . Anhänger des Aristoteles . . . aber nicht deren blinder Anhänger. Er verhält sich erklärend und zustimmend, häufig jedoch bekämpfend und verwerfend. Dies Verfahren beobachtet I. in diesem Buche, dessen Hauptaufgabe ist: 1. Die Dar- | legung der 4 Elemente, die Definition derselben mit! dem Hinweis und der Begründung, dass die Annähme der vier aristotelischen Elemente, Wärme, Kälte, Feuchtigkeit und Trockenheit falsch sei.“ Hören wir, was aus dem Jez. Com. (S. 34) in dieser Hinsicht citirt wird. ״Woraus bestehen alle Körper? Auch hier J.’s Ansicht. Aus den Elementen, diese kann der Verf. des Jez. Comms. nur mit vieler Künstelei in dem Worte אמש im Jez. Buche wiederfinden. Er liest אש מיס שלום• Feuer und Wasser sind die am weitesten von einander entfernten Elemente, da das Feuer heiss und trocken, das Wasser kalt und nass ist. Gott hat also Frieden zwischen ihnen gestiftet, indem er.die Luft einsohob. Die Erd- Sphäre ist nöthig als Grundlage“ . . . etc. Ist das wirklich J.’s Absicht? Wer unter Spuren wesentliehe Merkmale versteht, wird dies verneinen. — Dieselbe Divergenz zeigt sich in der Auffassung der Prophetie. Der Jez. Comm. sagt: ״Als Mittel zwischen Gott und dem Menschen, der irren kann, tritt die göttliche Leitung in Form einer geschaffenen Stimme ,רוח ה, der zu den Propheten spricht“ (S. 35). Hören wir das Sepher hajessodoth: ״Strahlt der göttliche Geist unter Vermittlung der Imagination in die denkende Seele, so haben wir die Prophetie“ (S. 38). Also nicht eine ״geschaffene Stimme“. Weiter S. 39: ״Die Visionen der Propheten sind nur eiu Bild der Phantasie, worin aber ein geistiger Inhalt sich findet.“ In dieser Erläuterung zeigt sich das philosophische Streben, die Prophetie psychologisch zu erklären, während die Hypothese aer ״geschaffenen Stimme“ einen theologischen Charakter hat. Kurz: wenn etwas aus dieser Nebeneinanderstellung ersichtlich ist, 80 ist es das Gegentheil von dem, was der Verf. ersichtlich machen wollte. S.37wird aus dem Buchecitirt: ״ Die menschliche Seele, welche Form und Enteleohie des natürlichen, organischen, dem Vermögen nach mit Leben begabten Körpers ist, ist eine Substanz und kein Acoidenz “ In der Anm. hierzu wird sehr gelehrt die aristotelische Definition im griechischen Urtext citirt und daran die Bemerkung geknüpft: ״Es ist befremdlich, dass Israeli diese Definition nicht mit dem Namen des Aristoteles anführt“. Mir igf. befremdlich, dass dies befremdlich erscheint. Bei Israeli zeigt sich hier offenbar das schon seit Ammonias Saccas hervortretende Bestreben, eine Identität zwischen Aristoteles und Plato zu beweisen. Die Seele ist naoh Aristoteles Entelechie, nach Plato Substanz; Israeli behauptet: sie ist Entelechie und Substanz. Israeli ist •also hier weder Aristoteliker, noch Platoniker, sondern nach seiner Ansicht beides, oder Gegner von beiden. Auch in seiner chronologischen Parteinahme gegen Grätz hat der Verf. nicht glücklich operirt. Wie er sich über die schwersten Bedenken hinwegsetzt, zeigt sich aus folgender Stelle, womit die chronologische Excursion (S. 14) schliesst: ״Demnach ist in Abraham Ibn Chasdai’s Einleitung zur Uebersetzung des Sepher hajessodoth zu lesen: ונאסף אל עמיו בשנת שמב לחשבונם שהיא תר1פו' לחרבן בית קדשנו. Diese Emeudation wird vorgeschlagen für die L. A. של שהיא ת1“[ק. Wie soll aber צל> aus שמל und תתק aus 'תחפו entstanden sein? Aus ל pflegt doch nicht מב und aus ק nicht פו zu werden. Mit Recht hat der Verf. bemerkt, dass ש״ל לחשבונם und ר1ר1ק לחרבן nicht identisch sind, da ersteres 942 und letzteres 968. Wenn diese Notii überhaupt Gewicht haben soll, dann musste doch | dieser Widerspruch vor allem gelöst werden. Wenn sie aber so willkührlich emendirt wird, dann bleibt sie doch wohl besser aus dem Spiel. — loh hätte folgende Conjectur für obige Notiz: 360 שק לחשבונם ==972 könnte leicht ש״לחשבונם, und daraus של לחשבונם entstanden sein. ר1ר1ק nach der Zerstörung kann ־= 970 gesetzt werden, und die beiden Glieder der Gleichheit sind nun wenig verschieden, so dass die Gleich- Stellung durch die Annahme runder Zahlen gerechtfertigt erscheint. Auf 3. 12 ist ebenfalls ein interessanter Lapsus zu verzeichnen. Dort wird dafür plädirt, dass Dunasch überhaupt nicht Arzt gewesen sei, und als 3. Beweis angeführt, weil am Schlüsse des Jez. Comm.’s (Orient 1845 p. 564) sich folgende Stelle findet: והמחבר הספר הזה היה חכם חסיד פילוסוף שלם מקיף על חכמת הפילוסופיות. Ist anzunehmen, dass Dunasoh als berühmter Arzt bekannt war? Wäre dann nioht auch das Wort ״ . רופאhinzugekommen“? — Sehr schlagend! Nun wird aber weiter in dem Werke Isaak Israeli als Verf. des Jez. Comm.’s gegen Grätz erklärt, der doch gewiss ein berühmter Arzt war. Warum steht nun nicht רופא? — Das spricht nur für Grätz. — Das hier besprochene Buch ist nur die Einleitung zu der Uebersetzung des Sepher hajessodoth. Die Herausgabe dieser Uebersetzung wird am Schlüsse versprochen, u. z. ״nebst den zu diesem Texte gehörigen Anm. und Quellenangabe der in diesem Buche angeführten Stellen griechischer Autoren“. Möge der Verf. sich dabei nur aut die Angabe der Quellen beschränken, und diese nur anführen, wo es von Wichtigkeit ist. Goldschmidt-Weilburg. Verantwortlicher Hedactenr Dr. Kahmer, Magdeburg. Druck von D. L. Woltf, Magdeburg. Verlag von Robert. Friese, Leipzig. 1