Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 10 (1881)
- Issue
- No. 51. (21.12.1881)
- Date
- 1881-12-21
- Page
- Seite 204 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/5367336-6488242-5991055--1983-5367892- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
— 204 so ist derselbe reich an treffenden und anregenden Bemerkungen in halachischer und sprachlicher Bezie• hung. Besonders interessant sind die Hinweise auf die Varianten der Handschriften, durch welche Fragen der Supercomrnentare erledigt werden, z. B. des R. Samuel Edels gegen Tossafot (S. 14). Als recht plausibel heben wir auch die Einendation hervor, welche Herr Taussig zu Tur Jure Dea 31 vorschlägt, um die auffallende Beziehung auf Rambam zu erklären, dass nämlich וכן ידאה vor ור״א כתב stehen muss. Wir können daher die Arbeit des Herrn Taussig den Talmudstudirenden, den Jüngern, wie den Mei- Stern, recht warm empfehlen und hoffen, dass der Herausgeber bald in der Lage sein wird, uns die versprodiene Fortsetzung 7.1! geben. Dr. B uc h 110 1 z- Emden. Jellinek, Dr. Ad. Der jüdische Stamm in nichtjüdischen Sprichwörtern. Zweite Serie Spanische, ungarische und kleindeutsche Sprichwörter. Wien, 1882. Verlag von Bermann A Altmann, 1. Johannesgasse Nr. 2. t)8 S. gr. 8. Es war Nacht. Ermüdet von des Tages Arbeit ruliete der geistvolle Redner und Schriftsteller auf seinem Lager. Den Eiferern zum Holme, die ihn von der Liste der Frommen unerbittlich streichen, umfangen ihn allnächtlich Traumgebilde, umschweben ihn absonderliche Traumgestalten. Wie des Sprichwortes iluse sich ihm offenbarte, das lmt er selbst ausführlieh erzählt Doch nicht immer sind so lieblich und anmuthig diese Gebilde — auch ernst und drohend und ingrimmig vermögen sie zu werden, diese luftigen Gebilde, des Gewissens Mahner. Und siehe da, einst hatten sie all’ sich versammelt — sie gegen die er gesündigt. Den Reigen führte, als Choragos, der Atlas der Synagoge, der Kantor und Vorbeter, neben ihm die Vorsteher der Gross- und Kleingemeinden, ihre allgebietenden Ehehälften, die geadelten Juden, junge Damen im bräutlichen Schmucke, Hoehzeitsreisende, Staatsmänner und Antisemiten, Käppchen tragende junge Rabbiner und Bücher ubsvägende Recen• senten — sie drehen sich im Kreise und singen nach Freiligraths Weise das Lied uer Rache, ob all’ der Schmach, die er ihnen angetlmn, der ihre Schwächen gegeissclt hat Doch all’ der Spuk erschreckt nicht den Kühnen, ihn amüsiren die wüthigen Gestalten — ihm liefert neue Bilder der Reigen, die er zeichnet seiner Zeit zu Nutz und Frommen. Doch hat der Spuk die Einwirkung gehabt, dass der Ernst sich mehr hervordrängt, und die frohe, frische Farbengebung beeiuträchtigtV Nein, es ist die böse Zeit, die das bewirkt. Es ist Blut gellossen in Russland — Märtyrerbl 11t armer Juden; geheizt wird der Jude auch im gehildeteu Deutschland, und darum tönt ein poliiiselt Lied uns entgegen, darum gefällt sich der Verfasser in den Erinnerungen an die frohe, unter SUtveu verlebte Kindheit, darum das Lob dtr Maygaren auf Kosten der Deutschen. Doch daneben kommen ״Schimpf und Ernst” zu ihrem vollen Rechte. Die Köchin, die sich ״conlüsionslos” erklärt, die Dame, die einen weiblichen Schulehttri Anteil wünscht, der für jedes Fest und jeden ausgezeichneten Sabbath eine andere Toilette vorsehreibt, das sind kos׳bare Figuren, die den ärgsten Hypochonder znm Lachen bringen müssen Die Beweise für die Assimilinmgsi'ühigkeit des jlld. Stammes, welche so weit geht, dass die Juden vollständig den Charakter ihrjs Heiimulilundcs — diese Bezeichnung wird Treitschke doch wohl gelten lassen — anneltmeo, — die Darlegung der Unterschiede zwischen ״deutschem“ und ״slavischem* Talmudlernen und den davon bedingten Verschiedenheiten der Frömmigkeit mögen allein erwähnt werden aus der Fülle des ״alten Weines“ im unscheinbaren Gefässe. So begrüssen wir mit B'reuden diese neue Gabe Jellineks, welche die Zahl seiner Verehrer mehren, die Stimmen der Nörgler noch kleinlauter werden lassen wird. Dr. L e w i n - Coblenz. Revue des etudes juives. 1881. A. Durlach er, editeur. Paris, rue Lafagetle Nr. 83. Die von der So eiet e des dt ud es juives zu Paris herausgegebene ״Revue“ ist in den zweiten Jahrgang eingetreten und behauptet ihren Platz unter den hervorragendsten jüdisch-Wissenschaft liehen Zeit- Schriften der Gegenwart. Das erste Quartalheft des zweiteij Bandes enthält eine Reihe wichtiger Beiträge: 1) den Schluss des interessantesten und für die Geschichte der jüdischen Polemik wichtigen Aufsatzes von Zadok Kahn über Joseph Hatnekane; 2) den Schluss des von Isidore Loeb bearbeiteten Berichtes über die Disputation vom Jahre 1240 über den Talmud; 3; einen Artikel von E. Scheid ״Geschichte der Juden von Hagenau unter deu'scher Herrschaft“; 4) ein Berieht des Herrn M. Schwab über seltene hebräische Incunabeln, die von demselben auf seiner, im Aufträge des französischen Ministeriums unternommenenen wissenschaftlichen Reise durch Bayern und Württemberg in den dortigen Bibliotheken gefunden wurden; 5) Auszüge aus Akten der römischen Inquisition, betreffend Israeliten, von Peru gi n i. Der David Portaleone, dessen ärztliche Dienste für sich und seine Familie in Anspruch zu nehmen 1012 dem Herzog von Mantua gestattet wurde (S. 90) ist offenbar der Vater des Abraham Portaleone, Verfassers des ״Sehilte baggiborim“. Aus der Urkunde vom Jahre 1732 (8. 100) ist ersichtlich, dass die Rabbinen in Italien Amukleid und Collet gleich denen der christlichen Geistlichen trugen, was ihnen von da ab verboten wurde. Das (S. 108) erwähnte Aktenstück über den Pseudomessias Joseph Frank, 17. März 1702, ist vermuthlich identisch mit den von Theiner publicirten Akten, die Graetz in seiner Arbeit itlier Frank verwertete. 0) Talmudisehe Studien von Perle s: über הוכר und דורשי המורות, ersteres bedeutet Allegorie, letzteres die aliegorisehen Schriftansleger. Dessgleichen sind die ספרי המירם (Jer. Synh. X) Schriften der Allegoristen; das ספר בן ס׳ בן לענה .״ ת ג ל א ist erst eres משלי ש ו ע ל י ם בן ת ע ל א und letzteres משלי כובסים בנאי. An mehreren Stellen der Tosefta und in einzelnen Talmudhandschriften wird satt des gewöhnlichen ביתוסים 1)11 e i u e mWorte) * ב י ת ם י in •z w e i Worten gelesen. Auch der Anteil kennt und verzeichnet blos die Leseart בית סין. Dieses hält Perles mit Asarja de Rossi und Herzfeld für die lulitmdische Bezeichnung der Essäer. 7) J. Deren bourg über das Ablassungsjahr des Tanna Debe Elialm, worüber diese Blätter im laufenden Jaltrg. ebenfalls eine Abhandlung gebracht haben. Ferner kleiuere Notizen von Ulysse Robert und A b r a 11 a m Caheu, eine bibliographische Uebcrsicht der über die Er■ sclieinungen des letzten Quartales von Loeb, Recen■ sioiien von Deren bourg und Neubauer. HrleffiMNten der Kedaetlon. Um. S. B. in L. 11. A. in St Ihre Notizen in nächster Nr. — Hrn. B. M. in D ihre ״Bemerkungen“ lesen wir mit Interesse, aber znm Abdruck sind sie ungeeignet. — Hrn. B. in St. Ihre Conjeetnr der Talmudstelle in Tuunith ist geistreich, aber nicht stichhaltig. — Hrn. Dr. J. in Ph. Ihre ״Bemerkungen zu l)r. Gebhardt's Beiträgen“ bringen wir im neuen Jahrg.; gehen Sie getrnst :111 die Fortsetzung. — Gruss über's Meer'. Verantwortlicher Redacteur Dr. Kahuter in Magdeburg. Druck »011 H. Horbach in Barby. Verlag »ou Robert Fiieae iu Leipzig.