Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 10 (1881)
- Issue
- No. 48. (30.11.1881)
- Date
- 1881-11-30
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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No. 4». Das Jabrgg. X. Jüdische Literaturblatt. 1 Zar Beleuchtung aller Jnrtentham and Jaden betreffenden literarisch. Enehelanngen anf dem Gebiete der Philosophie. Geschichte,Ethnographie,Theologie,Orieat&lia, Exegese, Homilettk, Liturgik, Pädagogik. ו Herausgesjeben von Rabbiner Dr. Moritz Rabiner. SIag;<lebari[, 30. November 1s<15»1. r Bücher der einschlägigen LIteratnr, welche der Bedactlon «gesandt werden, finden diesem Blatte elngeh.Besprechnng. BeiElnsendnng von s w e i Recenslonsexemplaren erfolgt ancb Erwähn. L d.Woehensehr. Das MJttdlaebe E<l*er1»turblm*t“ erscheint wöchentlich ln einem halben Bogen! Preis bei allen Buchhandlungen (in Lei pzig bei Robert Friese) pro Jahrgang:8Uk. Abonnenten der ״Israelitischen Wochenschrift“ (die vierteliährl. bei allen Postanstalten and Buchhandlungen 3 Uk. kostet) erhalten das ״Jüdische Lileraturblatl“ gritt's. — Imsssrmte werden mit25Pf. für die dreigespaltene Petitzeile berechnet und ausschliesslich entgegengenommen durch die Central-Annoncen-Expedition von Gr. L. Daube Az Co., Frankfnrt a. M., Magdeburg, Berlin, Hamburg, Cöln, München, Zürich, Wien, Paris. Istbalti Wissenschaftliche Aufsätze: J. Salvador. Von Dr. Lewin, Rabbiner in Coblenz. (Fortsetzung.) — ״Eranz Liszt über die Juden.“ — Was ist טלאים״“? (Sam. I. 15,4.) Literaturberichl: Recensionen: Wünsche, Dr. August, Lic., biblioth. rabb , eine Sammlung alter Midraschim, zum ersten Male in's Deutsche übertragen. (Fortsetzung.) — Notizen. Nachdruck nur mit voller Quellenangabe gestattet. J. Salvador. Von Dr. Lewin, Rabbiner in Coblenz. (Fortseizung statt Schluss ) 25 Jahre später hat Guizot in seinen ״Meditation« chr6tiennes“ die6e seine Vornahme verwirklicht. Auch R6nan hat sowohl in seinem Artikel (in den Etudes d’histoire religieux) über die Geschichte Israels, wie in dem über die Geschichtschreiber Jesu’ sich mit Salvador beschäftigt. Daraus möge als zeitgeinäss — vielleicht für R6nan selbst — Folgendes mitgetheilt werden: ״Allein unter allen Völkern des Orients hat Israel das Vorrecht gehabt, für die ganze Welt zu schreiben. Der Gedankeninhalt des Vedas ist sicher bewundernswert!! und doch werden die ersten Gesänge, die derselben Race entstammen, welcher wir ange* hören, nie im Ausdrucke unserer religiösen Ernpfindüngen die Psalmen ersetzen, welche das Werk einer von der unseren so verschiedenen Race sind. Die Literaturen des Orients können iin Allgemeinen nur von den Gelehrten gelesen werden; die hebr. Literatur dagegen ist die Bibel, das Buch, die Lektüre Aller. Millionen Menschen kennen keine andere Poesie. Wenn diese Bücher nicht etwas lief Universelles hätten, wären sie nie dahin gelangt. Maa68 und Geschmack wareu im Morgenlande das ausschliessliche Privilegium des hebr. Volkes“. Und ferner: ״Wer wagt es zu leugnen, dass im Enthüllen der Einheit Gottes und durch das endgültige Vernichten der lokalen Religioneu die semitische Race den Grundstein der Einheit und des Fortschrittes der Menschheit gelegt hat? Rdnan bemängelt an Salvador das Ungenügende seines Wissens und seiner Kritik, nennt ihn aber doch hervorragend als Philosoph wie als Schrittsteller. Jedoch nicht die Gelehrten und nicht die Theologen allein besprechen diese Schrift. Auch die Politiker zogen sie vor ihr Forum — und da war es Granier de Cassagnac, der S. am heftigsten angriff, indem er ihn einen Menschen nannte, der als Jude das Christenthum, als Philosoph das Judenthum bekämpft hatte. Das verleitete S. in Zeitungsartikeln wie in Brochüren zu ant- Worten. Die günstigen Urtheile überwogen; nannte Rduan später S.’s Buch den erhabensten Ausdruck der jüd. Kritik Uber das Leben Jesu, so sprach der Pater Lac01;daire schon 1846 in Predigten es aus, dass Jesus nach dem Gesetze gerichtet worden, so benutzten ra* tionalistische Rechtshistoriker seine Werke als Quelle. Und selbst ihn bekämpfend wurden katholische Theologen ihm gerecht. Ein Beispiel solch’ urbaner Bekämpfmpg liefert Nicolaus Sylvestre Guillon, Bischof v. Marocco, in seinem ״Examen critique des doctrines de Gibbon, du docteur Strauss et de Mr. Salvador sur Jdsus Christ, son 6vangil6 et von eglise.“ Er betrachtet S. als den gefährlichsten Gegner. ״Die augenfällige Durchbildung, welche dieses Werk zeigt, ist nicht die einzige Verführung, welche dieses Werk gefährlich macht. Die Wärme der Ueberzeugung, unterstützt durch die Feinheit der Formen und die Schönheit der Sprache, vermögen es wohl, zu verbergen die Irrthümer der Beweisführung, wie die Vorurtheile des Parteigeistes.“ Er stellt S. an die Seite Philo's, Maimonides’ und Mendelssohn's. Die ״Institutionen“ nennt er die treffendste Antwort auf die Schmähungen, welche man auf das Volk gehäuft hat, welches Gott selbst mit den reichsten Schätzen hat ausstatten wollen. Auch italienische Geistliche beschäftigten sich mit S’s. Schriften. Besonders gesteht Vincent Gioberti in seiner ״introduzione alla studio della filosofa“ ihm Manches zu. Er bekämpft nur seinen Rationalismus. Dieser Italiener schrieb 1842, was unsere Bachem’s sich merken mögen.“ 8ie ist noch nicht verschwunden die Race von Menschen, die, unwürdig des Namens Katholiken, den Israeliten das Recht der Menschlichkeit verweigera wollen. Diese Menschen glauben, dass beim Verletzen der höchsten und allgemeinen Vorschrift der Milde Religion und Gerechtigkeit bestehen können. Sie halten es für weise, um die, welche dem Glauben fern stehen, anzuziehen, ihn ihnen verhasst und verabscheuenswerth zu machen. Es fehlen nicht und werden niemals fehlen diesem unglücklichen Volke diese Muster-